Ōkuninushi als heimlicher Gegenspieler der Himmlischen Götter

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Ōkuninushi als heimlicher Gegenspieler der Himmlischen Götter

Ōkuninushi, wtl. der „Große Landesherr“, ist eine der rätselhaftesten und facettenreichsten Gestalten des japanischen kami-Pantheons. Er taucht in den Mythen zunächst als legitimer Nachfolger von Susanoo und Hauptgott der „irdischen Götter“ auf. Damit stellt er das Gegenstück zu den Nachkommen von Susanoos Schwester Amaterasu, der Hauptgottheit der „himmlischen Götter“, dar. Obwohl er sich gemäß offizieller Lesart dem Herrschaftsanspruch der himmlischen Götter kampflos unterwirft, bleibt er als eine Art Gegenmodell zum kaiserlichen Ahnenkult der Sonnengottheit die gesamte japanische Religionsgeschichte hindurch in Erinnerung. Dabei kommt es allerdings zu erstaunlichen Änderungen in Funktion und Erscheinungsbild dieses Gottes. Diese Veränderungen werden im folgenden anhand der wichtigsten Schreine, in denen er heute verehrt wird, überblicksartig dargestellt.

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Ōkuninushi heilt den Hasen von Inaba, dem Meeresungeheuer (wani) das Fell abgezogen haben. Hokusai interpretiert Ōkuninushi als Daikoku und die wani als Krokodile. Werk von Katsushika Hokusai (1760–1849). Edo-Zeit
Museum of Fine Arts, Boston.
1 Ōkuninushi von Hokusai

Name und Herkunft

Das erste Rätsel dieses Gottes stellen seine vielen Namen dar. Bereits in den frühen Chroniken (kiki) wird er mit einer Gottheit namens Ōnamuchi oder Ōnamuji gleichgesetzt, was wiederum nach einer geläufigen Auslegung als „Träger großer/ vieler Namen“ übersetzt werden kann. Anderen Interpretationen zufolge bedeutet Ōnamuchi nicht viel mehr als „Großer Herr“ oder aber „Gott des großen Lochs“ (ō-ana), was wiederum auf einen Vulkangott hindeuten könnte.1 Außerdem wird Ōkuninushi bereits in alten Texten mit Gottheiten wie „Geist des Großen Landes“ (Ōkunitama), „Geist des Sichtbaren Landes“ (Utsushi kunitama) oder als „Großer Herr der Dinge“ (Ōmononushi) identifiziert.2 Der Einfachheit halber beschränke ich mich im Folgenden weitgehend auf Ōkuninushi („Groß-Land-Herr“), was zumindest heute sein bekanntester Namen ist.

Ōkuninushi ist den Mythen zufolge ein Nachkomme des Susanoo.3 Einige Episoden des Kojiki, die von der Jugend des Ōkuninushi erzählen (s.u.), spielen in der Gegend von Izumo (heute Präfektur Shimane), sodass man dort auch den Ursprung der mythologischen Gestalt vermuten könnte. Doch findet sich Ōkuninushi auch in regionalen Quellen (fudoki), die ihn aus anderen Regionen, ja sogar aus dem koreanischen Festland herleiten. Was diese Gestalten in jedem Fall eint, ist ihre Funktion als mächtige „irdische“ Gottheit (kuni-tsu-kami). Ōkuninushi repräsentiert daher aus meiner Sicht eine prototypische Lokalgottheit, die nicht der mythologischen Genealogie des Tennō-Hauses entstammt. Dieser Gottheit verlieh man, wie im folgenden gezeigt wird, in Izumo, Miwa und schließlich im Yamato-Mythos von der Herabkunft des Himmlischen Enkels spezifische Charakteristika. Es blieb aber nicht bei diesen mythologischen Rollen, Ōkuninushi entwickelte sich auch unter buddhistischem Einfluss bis in die Moderne hinein weiter.

Izumo Sagenkreis

Aufstieg zum „Herren des Landes“

Inaba shirousagi jishujinja.jpg
Diese Skulptur aus dem 20. Jh. befindet sich im Jishu Schrein, wo Ōkuninushi als Gott der Verliebten gefeiert wird. 20.Jh.
Bildquelle: Jack Lin, Picasa 2006.
2 Ōkuninushi und der Hase

Der Name „Großer Landesherr“ ist laut Kojiki eine Auszeichnung, die sich Ōkuninushi erst nach einer Vielzahl von Qualen und Prüfungen durch Geschick, Glück und Grausamkeit erwirbt. Wir begegnen dem noch jugendlichen Gott, als er sich mit seinen 80 älteren Halbbrüdern auf dem Weg von Izumo in die Nachbarprovinz Inaba befindet. Seine Brüder wollen die Prinzessin von Inaba freien und nehmen Ōkuninushi als Diener und Laufburschen mit. Unterwegs heilt Ōkuninushi einen Hasen, welcher von Seeungeheuern (jap. wani = Krokodil? Drachen?) seines Pelzes beraubt worden ist. Der dankbare Hase prophezeiht (bzw. bewirkt), dass die Prinzessin Ōkuninushi zum Gatten erwählen wird.4 Als die Prinzessin tatsächlich Ōkuninushi den Vorzug vor seinen Brüdern gibt, locken sie ihn zweimal in eine Falle, um ihn zu töten. Beide Male gelingt der Anschlag, doch beide Male wird Ōkuninushi mit Hilfe seiner Mutter und der Götter des Himmels wieder zum Leben erweckt.

Um seinen eifersüchtigen Brüdern zu entkommen, begibt sich Ōkuninushi in die Unterwelt (Ne no Kuni, wtl. „Wurzelland“), wo sein Vorfahre/ Vater Susanoo mittlerweile die Herrschaft übernommen hat. Doch damit haben seine Schwierigkeiten immer noch kein Ende. Wieder führt Ōkuninushis Sexappeal zu einem Zwist mit einem männlichen Verwandten: diesmal geht es um Suseri-hime, ihrerseits eine Tochter des Susanoo und damit Halbschwester oder Cousine von Ōkuninushi. Die beiden verlieben sich, doch bevor sie ungestört zusammen sein können, unterwirft der eifersüchtige Susanoo seinen Nachkommen einer Reihe von brutalen (Initiations-?)Aufgaben, in denen sich dieser gegen Schlangen, Bienen und schließlich gegen einen Buschbrand behaupten muss. All diese Aufgaben meistert Ōkuninushi dank Suseri-hime und einer Maus. Schlussendlich muss Ōkuninushi Susanoo lausen, lullt ihn dabei in den Schlaf, stiehlt seine Waffen und flieht mit Suseri-hime aus der Unterwelt. Susanoo erwacht jedoch und ruft den Flüchtenden erstmals mit dem Namen Ōkuninushi, „Großer Herr des Landes“. Offenbar erkennt er damit die Herrschaftsansprüche an, die sich Ōkuninushi durch List und Tücke erworben hat.

Schöpfungsakte

Zurück auf der Erde tötet Ōkuninushi zunächst seine Halbbrüder mit den Waffen des Susanoo, und zeugt dann mit den verschiedensten Prinzessinnen jede Menge von Kindern (180 laut Kojiki, 181 laut Nihon shoki). Schließlich bekommt er einen Gefährten zur Seite gestellt, einen winzigen Gott namens Sukunabikona5, laut einer Version ein verloren geglaubter Sohn des himmlischen Ahnengottes Takamimusubi, laut einer anderen eine Art alter ego von Ōkuninushi selbst. Mit Sukunabikona führt Ōkuninushi das von Izanami und Izanagi begonnene Werk der Weltenschöpfung zu Ende. Inwiefern die Welt nach Ōkuninushi anders aussieht als zuvor, wird nicht genau spezifiziert. Laut dem Izumo fudoki, einer fragmentarischen Lokalchronik aus dem Jahr 733, vergrößert allerdings ein Alias des Ōkuninushi die Provinz Izumo, indem er einen Teil des koreanischen Königreichs Silla mit Hilfe eines Seils über das Meer nach Japan zieht.6

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Ōkuninushi und Sukuna Bikona. Werk von Utagawa Kuniyoshi.
Waseda University.
3 Ōkuninushi und Sukuna Bikona

Heilkraft

Ein hervorstechender Aspekt des Paares Ōkuninushi und Sukunabikona ist ihre Fähigkeit Krankheiten zu heilen. Schon im Nihon shoki werden sie als Erfinder der Heilkunst und des Abwehrzaubers gegen schädliche Tiere dargestellt. In vielen Lokalchroniken werden sie für die Entdeckung der ältesten Heilquellen Japans verantwortlich gemacht. In der Heian-Zeit wurde Ōkuninushi aus diesem Grund auch mit Yakushi Nyorai, dem Buddha der Medizin, identifiziert, bzw. von diesem als Gott der Heilkunst überschattet (Antoni 1982, S. 30–31).7 Wie wir noch sehen werden, tritt Ōkuninushi außerdem als Verursacher einer schrecklichen Epidemie prominent in Erscheinung.

Mythologische Deutungen

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Darstellung der mythologischen Gottheit Ōkuninushi. Werk von Utagawa Kuniyoshi.
Waseda University.
4 Ōkuninushi von Kuniyoshi

Bis hier her folgt die Geschichte des Ōkuninushi einem Muster, das aus vielen Märchen bekannt ist: der Held, der jüngste einer Reihe von Geschwistern, wird zahlreichen Gefahren und Demütigungen ausgesetzt, überwindet diese mit viel List und dank der Sympathie weiblicher Unterstützer und triumphiert schlussendlich über seine Peiniger. In der Art, wie er sich mehr durch Glück und Schläue als durch Stärke gegen seine Widersacher durchsetzt, kann er, ähnlich wie Susanoo, als Trickster-Figur angesehen werden.

Auch andere mythologische Deutungen sind möglich. Klaus Antoni (1982) deutet etwa die Geschichte des wiederbelebten „Weißen (= nackten) Hasen von Inaba“ als Mythos vom abnehmenden und zunehmenden Mond. Mir geht es aber an dieser Stelle vor allem um den Stellenwert, den Ōkuninushi in den verschiedenen Schreinen, in denen er verehrt wurde, zugesprochen bekam.

In Ōkuninushis komplizierten Familienverhältnissen deutet sich an, dass eine ursprünglich eigenständige Erzählung aus Izumo über die Figur des Susanoo mit der Yamato-Mythologie verbunden wurde. Susanoos Kampf mit der Schlange und Ōkuninushis Kampf gegen seine Brüder gehörten ursprünglich wahrscheinlich ganz unterschiedlichen Erzählungen an. Auch der Akt der Weltenschöpfung in Kooperation mit Sukunabikona passt weder mit den Weltentstehungsmythen von Izanagi und Izanami noch mit der Vorgeschichte des Ōkuninushi wirklich zusammen. Im übrigen verzichtet das Nihon shoki weitgehend auf die Details dieser Geschichte. Die Episode der achtzig Brüder und des „Hasen von Inaba“ findet sich nur im Kojiki. Das Nihon shoki wiederum konzentriert sich mehr auf das Ende von Ōkuninushis Herrschaft, in Japan als kuniyuzuri („Übergabe des Landes“) bekannt. Aus dieser Perspektive vertritt Ōkuninushi all jene barbarischen „Götter der Erde“ (kuni-tsu-kami), die durch die Herabkunft des himmlischen Enkels einer höheren Ordnung zugeführt werden sollen.

Yamato-Mythos

Unterwerfung des Ōkuninushi

Izumo yamato.jpg
Izumo yamato.jpg

In der Logik kiki herrschen unter Ōkuninushi, trotz seiner schöpferischen Qualitäten, anarchistische Zustände, die sich unter anderem dadurch äußern, dass Felsen, Bäume und Gräser sprechen können und ununterbrochen durcheinanderquasseln. Die „Befriedung“ dieser unbotmäßigen Götter wird erst erreicht, als die himmlischen Götter (ama-tsu-kami) Ōkuninushis Herrschaft auf Erden übernehmen.8

Ōkuninushis Abdankung ist Kojiki und Nihon shoki zufolge das Ergebnis diplomatischer Verhandlungen: Zwei Abgesandte des Himmels9 treffen Ōkunnishi am Strand von Inasa, an den Gestaden von Izumo, stellen ihre Schwerter aufrecht auf die Wellenkämme und nehmen darauf Platz. Durch diese Demonstration ihrer überlegenen Fähigkeiten überzeugen sie Ōkuninushi und seinen Sohn und Thronfolger Kotoshiro-nushi, dass es wohl das Klügste wäre, das Feld kampflos zu räumen. Zuvor handelt Ōkuninushi aber noch die Errichtung eines Palastes für sich aus, dessen Giebelhölzer (nach der Version des Kojiki) bis zum Himmel emporreichen. In diesen Palast, an dessen Stelle sich heute der Großschrein von Izumo befindet, will er sich zurückziehen, um von nun an die „verborgenen Dinge“ zu leiten. Auch heißt es, dass er sich auf die „nicht hundert, sondern achtzig gewundenen Pfade“ (momo tarazu yaso kumade) begeben wird, möglicherweise eine Metapher für die Unterwelt. Damit verlässt Ōkuninushi zunächst einmal die Bühne der Geschichte. Ein paar aufmüpfige irdische Götter aus seinem Gefolge, u.a. die vorlauten Steine und Bäume, werden noch schnell unschädlich gemacht, dann steht dem triumphalen Einzug von Amaterasus Enkel Ninigi nichts mehr im Wege.

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Strand von Inasa, wo Ōkuninushi den Mythen zufolge zur Abdankung genötigt wurde. Am charakteristischen Felsen ist undeutlich ein Schrein-torii zu erkennen.
Kitayama Takeshi, flickr 2008.
5 Der Strand von Inasa

Yamato und Izumo

Der mythologische Gegensatz von „irdischen“ und „himmlischen“ Gottheiten kann als Metapher für unterschiedliche Herrschaftsgebiete aufgefasst werden. Yamato, das Kernland der Tennō-Dynastie, wird demnach von den himmlischen Göttern (ama-tsu-kami) beherrscht, die anderen Territorien, allen voran Izumo, von den irdischen Göttern (kuni-tsu-kami). Die Schilderung von Ōkuninushis Abdankung repräsentiert somit den Prozess, im Zuge dessen sich die verschiedenen Lokalreiche der Oberhoheit Yamatos unterwarfen. Obwohl diese Ereignisse teilweise hinter rätselhaften Bildern und Ausdrücken verschleiert werden, fällt auf, dass Gewaltaspekte dabei soweit als möglich herunter gespielt werden. Ōkuninushi „zieht sich zurück“, ein himmlischer Gott (Ame no Hohi)10 tritt in seinen „Dienst“, was aber wohl bedeutet, dass er als eine Art Regent die Herrschaft über Izumo übernimmt. Neuere archäologische Forschungen setzen diese Entwicklung relativ spät, nämlich erst im siebenten und achten Jahrhundert an (Piggott 1989). Tatsächlich dürfte die Entwicklung weitgehend friedlich verlaufen sein. Offenbar brachte erst die Union mit Yamato interne Rivalitäten in Izumo zum Erliegen und sicherte so den Yamato-treuen Lokalherrn eine größere Autorität über Izumo, wenn auch um den Preis, dass sie die Hegemonie Yamatos anerkannten.

Die neuen Lokalherren, die laut den Chroniken durch die „himmlischen Götter“ (= Yamato) eingesetzt wurden, sind im übrigen die Ahnen der späteren Priester von Izumo, die ihr Amt bis heute erblich weitergeben. Sie schmücken sich mit der Amtsbezeichnung kokuzō, ein Titel, der ursprünglich kuni no miyatsuko ausgesprochen wurde und soviel wie „Gouverneur“ bedeutete. Dass dieses Priestergeschlecht sich tatsächlich aus einer frühen weltlichen Dynastie, nämlich dem Klan der Ou, entwickelte, gilt heute als historisch gesichert. Erst langsam wurde aus dem Palast von Izumo ein Schrein und aus den Landesherren ein ausschließlich auf religiöse Aufgaben beschränktes Priestergeschlecht. Diese Dynastie, die im Mittelalter den Namen Senge angenommen hat, ist somit historisch wie mythologisch mindestens ebenso alt wie die Tennō-Dynastie (der gegenwärtige Oberpriester ist das 84. Oberhaupt der Familie seit ihrer mythologischen Gründung). Obwohl ursprünglich von Yamato eingesetzt, gilt ihr religiöser Dienst den „irdischen Göttern“ und Ōkuninushi. Auf diese Weise ist bis heute die Erinnerung an ein kami-Pantheon lebendig, das nicht von den Vorfahren des Tennō regiert wurde. Nach „offizieller“ Lesart ist der Komplex Izumo-Ōkuninushi-Senge dem Komplex Ise-Amaterasu-Tennō hierarchisch untergeordnet. Dass diese offizielle Lesart aber selbst erst das Produkt einer wechselhaften Geschichte ist, die bis in historische Zeiten (also die Zeit der Abfassung der frühesten Schriftquellen) hineinreicht, zeigt die folgende Geschichte des Miwa Schreins.

Miwa Sagenkreis

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Der Berg Miwa gilt als der „Gottleib“ (shintai) des Ōmiwa Schreins. Davor steht das große torii, das heute den Zugang zum Schrein markiert.
Bildquelle: unbekannt.
6 Berg Miwa

Ōkuninushis Zweitwohnsitz

Als mächtige Gottheit außerhalb des ursprünglichen Herrschaftsgebietes von Yamato blieb Ōkuninushi wohl auch nach der Annexion Izumos ein Faktor der Unsicherheit für den frühen japanischen Staat. Dies würde jedenfalls erklären, warum man sich offenbar schon früh bemühte, Ōkuninushi eine Verehrungsstätte in Yamato zu errichten, nämlich den Schrein von (Ō)Miwa. Es ist dies das erste explizit für religiöse Zwecke vorbehaltene Gebäude, das in den mytho-historischen Chroniken Kojiki und Nihon shoki erwähnt wird (im Fall von Izumo bleibt offen, ob es sich um einen Palast für einen lebenden Herrscher oder um ein Gebäude für eine unsichtbare Gottheit handelt). Insofern lässt sich argumentieren, der Schrein von Miwa, der noch heute existiert und sich südlich der alten Hauptstadt Nara befindet, stelle den ältesten Schrein Japans dar. 11

Omiwa.jpg
Shime-torii vor der Zeremonienhalle des Miwa Jinja.
Horohoro, 2004.
7 Zeremonienhalle (haiden) des Ōmiwa Schreins

Sujins religiöse Reformen

Die Chroniken verorten die Gründung des Miwa Schreins in der Regierungszeit Sujins, des 10. Tennō (mythol. Regierungszeit 97–30 v.u.Z.), die von heutigen Historikern in der Zeit um 300 u.Z. angesiedelt wird (Kidder 2007). Sujins Herrschaft ist anfänglich von einer schrecklichen Epidemie geprägt, welche die Hälfte der Bevölkerung hinwegrafft. Sujin vermutet die Ursache dieser Epidemie in der Kränkung einer Gottheit und unternimmt alle erdenklichen Versuche um herauszubekommen, um welche Gottheit es sich handelt. Schließlich offenbart sich ihm Ōmononushi (also Ōkuninushi unter einem seiner Zweitnamen, s.o.) im Traum und verspricht, dass die Epidemie ein Ende haben werde, wenn der Tennō seinen Nachkommen, einen gewissen Ōtataneko an seinen Hof riefe, um den Kult für Ōmononushi zu übernehmen. Besagter Ōtataneko wird in einer Nachbarprovinz tatsächlich gefunden. Als er in der Residenz des Tennō den Dienst für die Gottheit aufnimmt, endet die Epidemie wie vorhergesagt.

Ōtataneko gilt als der Ahnherr der Priester von Miwa (ein weiteres uraltes Priestergeschlecht). Es war also zu Sujins Zeiten notwendig, für die neuartige Gottheit einen männlichen Priester aus einer Nachbarprovinz einzubürgern. Ōmononushi alias Ōkuninushi wurde aber auch von einer Yamato-Priesterin betreut, einer Tante des Tennō, die diesem als eine Art Priester-Shamanin zur Seite stand. Laut den Chroniken wird diese Priesterin mit Ōkuninushi „verheiratet“. (Man erinnere sich an die sagenhafte sexuelle Potenz dieses Gottes.) Die Ehe verläuft anfangs glücklich, doch leidet die Priesterin darunter, dass sie ihren Gatten unter Tags nicht sehen kann. Auf ihr Flehen verspricht Ōkuninushi, sich ihr in seiner wahren Gestalt zu offenbaren, wenn sie verspricht, nicht zu erschrecken. Sie willigt ein, worauf er sie anweist, am nächsten Morgen ihr Kammkästchen zu öffnen. Sie tut wie ihr geheißen und findet in ihrem Kammkästchen „eine hübsche weiße Schlange“, deren Anblick sie zu einem unwillkürlichen Schrei des Entsetzens nötigt. Ōkuninushi nimmt daraufhin menschliche Gestalt an und verkündet, dass er sich infolge dieser Beschämung auf den Berg Mimoro zurückziehen wird.12 Die Prinzessin aber begeht Selbstmord, indem sie sich ihre Vagina mit Essstäbchen durchbohrt. 13 Sie erhält daraufhin ein mächtiges Hügelgrab namens Hashihaka (das „Essstäbchen-Grab“), das heute noch in der Nähe von Berg Mimuro (= Berg Miwa) existiert. Dem Gott Ōmono-(bzw. Ōkuni-)nushi aber wird am Fuße dieses Berges besagter Schrein von Miwa errichtet.

Ōkuninushis Sitz in Miwa ist damit nach mythologischen Maßstäben älter als die erste Verehrungsstätte für Amaterasu. Erst eine Generation später, unter Suinin Tennō, wird die kaiserliche Prinzessin Yamato-hime damit beauftragt, einen permanenten Wohnsitz (Schrein) für Amaterasu ausfindig zu machen und findet schließlich einen geeigneten Platz in Ise. Suinin hat (laut Kojiki) auch einen Sohn, der aufgrund eines Fluches des Gottes von Izumo stumm ist. Erst als dieser Sohn nach Izumo pilgert, wird der Fluch von ihm genommen und er spricht von einem Moment zum anderen. Als Dank lässt Suinin den heutigen Izumo Schrein für den Gott von Izumo errichten. Dieser Überlieferung zufolge gab es also vor Suinin weder in Ise noch in Izumo einen Schrein.

Hierogamie

Zwischen dem Ende von Ōkuninushis irdischer Herrschaft mit dem Zentrum in Izumo und der Errichtung eines Schreins für ihn, alias Ōmononushi, in Miwa liegen laut mythologischer Chronik dreizehn Herrschaftperioden von Nachkommen der Amaterasu: am Anfang steht Ninigi, der „himmlische Enkel“, auf den vier Generationen später Jinmu, der erste „menschliche Herrscher“, und weitere Tennō folgen. Ōkuninushi/Ōmononushi treibt sich in dieser Zeitspanne offenbar in unsichtbarer Form weiter auf Erden umher und zeugt gelegentlich immer noch Nachkommen. So zählt auch die Hauptfrau des Jinmu Tennō, also die „erste Kaiserin“ Japans, zu den Töchtern Ōkuninushis. Ōkuninushi soll ihre Mutter laut Kojiki in Form eines roten Pfeils geschwängert haben und zwar als diese in einem Bach ihren Darm entleerte. Auch die Mutter des Ōtataneko (des ersten Miwa-Priesters) soll dem Kojiki zufolge nächtens von einem Unbekannten geschwängert worden sein, der schließlich als der Gott von Miwa identifiziert wird (Philippi 1969, ch. 66). Wir begegnen also in den Legenden des Ōkuninushi mehrfach dem Motiv der Hierogamie, also der Heirat zwischen Gottheit (in der phallischen Gestalt eines Pfeils oder einer Schlange) und Priesterin. Viele japanische Volkskundler erblicken in dieser Hierogamie eine Form des frühen weiblichen Shamanismus in Japan.

Sake

Die Identität des „Großen Herren der Dinge/Geister“ (Ōmononushi) von Miwa und des „Großen Landesherren“ (Ōkuninushi) von Izumo erscheint aufgrund widersprüchlicher Berichte in Kojiki und Nihon shoki mitunter fraglich und wird, wie oben erwähnt, bisweilen in Zweifel gezogen (obwohl sie von den heutigen Schreinen durchaus anerkannt wird). Wie Klaus Antoni gezeigt hat, gibt es jedoch noch ein weiteres Bindeglied zwischen Izumo und Miwa, nämlich die Produktion von alkoholischen Getränken (Sake). Heute wird vor allem Miwa (neben den Schreinen Matsunoo und Umenomiwa) mit Sake assoziiert und stellt eine Art Schutzschrein der japanischen Sake-Brauer dar. Das Wort miwa selbst ist — mit anderen Zeichen als der Schrein geschrieben — laut Klaus Antoni (1988, S. 76) eine respektvolle altertümliche Bezeichnung für Alkohol. Gleichzeitig macht Antoni darauf aufmerksam, dass die früheste Erwähnung von Sake in den Mythen in der Izumo-Mythe von Susanoos Kampf mit der Schlange zu finden ist: Susanoo macht die Schlange mit Hilfe von Sake betrunken, und kann sie dadurch gefahrlos töten. Für Antoni ist daher der „Heilige Trank“ ein weiteres Indiz für die Verbindung zwischen Miwa und Izumo.

Berg Miwa und die Schlange

Die Gottheit von Miwa wurde in späterer Zeit meist schlicht als Miwa Daimyōjin (Große Gottheit von Miwa) bezeichnet. Als shintai (Wohnort der Gottheit, Verehrungsgegenstand) des Miwa Schreins gilt bis heute der Berg, in den sich der beschämte Ōkuninushi zurück gezogen haben soll. Darüber hinaus wird die Gottheit sowohl in den Mythen als auch in heutigen Schreinlegenden und Riten als reale Schlange gedacht. Offenbar gibt es tatsächlich besonders viele Schlangen auf und rund um den Berg, die auch heute noch regelmäßig zu bestimmten rituellen Anlässen mit rohen Eiern verköstigt werden. Sie gelten dabei als die Gottheit selbst.

Ōkuninushi als Daikoku

Ōkuninushi, Hie und Daikoku

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Schreine für Ōkuninushi

Zu Izumo und Miwa trat in späterer Zeit eine weitere Kultstätte des Ōkuninushi am Biwa See, östlich von Kyōto hinzu. Es handelt sich um den Hie (=Hiyoshi) Schrein, dessen ursprüngliche Gottheit Ōyamakui bereits im Kojiki flüchtig erwähnt wird.14 Ōkuninushi (hier: Ōnamuji) gesellte sich wahrscheinlich unter Tenji Tennō (r. 661–671) zu dieser Gottheit hinzu. Tenji errichtete nämlich seinen Palast am Südufer des Biwa Sees. Es wird angenommen, dass er bei dieser Gelegenheit den Gott von Miwa als Schutzgott der Tennō-Residenz aus der Yamato-Region mitbrachte und im Hie Schrein einsetzte.

Über hundert Jahre danach, im Jahr 788, gründete Saichō (767–822), der spätere Begründer des Tendai Buddhismus, auf dem Berg hinter dem Hie Schrein einen Tempel namens Enryaku-ji. Für Saichō war der Ort von besonderer Bedeutung, denn er wurde hier geboren, und zwar erst nachdem sein Vater lange und inbrünstig zu den Göttern des Hie Schreins gebetet hatte. Darüber hinaus war aber wohl weder der Berg, der von Saichō (in Ableitung des Schrein-Namens) Hiei genannt wurde, noch der Schrein selbst überregional bekannt. Auch Saichō war zunächst nicht mehr als ein eigenwilliger Asket, der sich mit einer Handvoll Gleichgesinnter zwölf Jahre lang in die Einsamkeit seines Heimatberges zurückzog. Im Jahr 794 wurde die gesamte Region jedoch erneut zum politischen Zentrum des Landes, als Kanmu Tennō im Flussbecken südwestlich von Berg Hiei seine neue Hauptstadt Heian-kyō errichten ließ: das heutige Kyōto. Aus Sicht dieser neuen Hauptstadt war Saichōs Kloster nicht nur die nächste buddhistische Institution, es befand sich noch dazu im Nordosten und bewachte somit das „Dämonentor“ (kimon), aus dem den chinesischen und japanischen Geomantikern zufolge alle unheilvollen Einflüsse kommen. Damit erhielt Saichō plötzlich die ganze Aufmerksamkeit des Kaisers: er stieg rasch zu den höchsten buddhistischen Ämtern auf, wurde im Jahr 804 nach China entsandt und kam von dort mit den Weihen der Tiantai (= Tendai) Schule wieder. Der Klosterberg Hiei entwickelte sich unter Saichōs Nachfolgern mehr und mehr zur mächtigsten buddhistischen Institution des Landes.

Mit dem expandierenden Kloster wuchs auch der Schrein zu einem riesigen Komplex von Einzelschreinen heran. Neben Ōyamakui und Ōkuninushi gesellten sich weitere fünf Hauptgottheiten hinzu, die der Buddhismus aus China und Indien mitgebracht hatte. Gemäß dem Vorbild des Tientai Klosters in China, stülpte Saichō außerdem eine Art Super-Gottheit über alle in dem Schreinkomplex vorhandenen Einzelgötter und nannte sie Sannō, „König des Berges“. Die beiden lokalen Gottheiten Ōyamakui und Ōkuninushi fungieren jedoch bis heute als Stamm-Schreine (hongū) des Komplexes. Indirekt übernahm so der Gott von Izumo/Miwa ein weiteres Mal die Schutzfunktion für die japanische Hauptstadt, auch wenn seine Rolle im Hie-Sannō Schreinkomplex kaum noch etwas mit Ōkuninushi in Izumo gemein hatte.

Saichōs Daikoku

Daikoku kongorinji.jpg
Dies ist die angeblich älteste Darstellung des japanischen Daikoku aus einem Tendai-Tempel in der Umgebung von Saichōs Klosterberg Hiei. Die Rüstung und vor allem die langen Ohren offenbaren einen starken Einfluss der buddhistischen Ikonographie. Dennoch verleihen die Mütze und die gedrungene Statur diesem Daikoku eine gewisse Bodenständigkeit. Die Figur ist ein ichiboku-zukuri, d.h. sie ist aus einem einzigen Holzblock herausgearbeitet. Das Motiv einer Figur, die im sogenannten „halben Lotossitz“ auf einem Felsen sitzt, erinnert an  Kannon oder Benzai-ten, die dann jeweils auf ihrer eigenen Insel dargestellt sind. Im Falle Daikokus ist das Motiv jedoch äußerst selten und praktisch nur auf Tendai-Tempel beschränkt. (Iyanaga 2002, S. 300.) Heian-Zeit
Shinbutsu imasu Ōmi.
8 Japans ältester Daikoku

Die Verbindungen zwischen Ōkuninushi und dem Buddhismus gehen aber noch weiter. Eine Legende weiß zu berichten, dass Saichō, als er noch unschlüssig war, welchen einheimischen Gott er als Beschützer seines Klosters auswählen sollte, die Provinz Yamato bereiste und so nach Miwa kam. Nachdem er zu Miwa Daimyōjin (Ōkuninushi) gebetet hatte, offenbarte sich ihm dieser „in der Gestalt des Daikoku Tenshin“ und willigte ein, ihn zu begleiten. Er gab ihm auch ein Stück Holz, aus dem Saichō das erste Abbild des Daikoku herstellte.15 Saichō wäre demnach der Urheber des populären Glücksgottes Daikoku und seiner Identifizierung mit Ōkuninushi. Die Statue soll im übrigen heute noch existieren, ist aber nicht im Hie Schrein, sondern in der Daikoku Halle auf Berg Hiei aufgestellt. Diese Halle diente dem Kloster ehemals als Verwaltungsgebäude (mandokoro).

Der Umstand, dass Daikoku nicht im Hie Schrein selbst, sondern im buddhistischen Klosterkomplex verehrt wurde, sowie die Tatsache, dass die früheste Quelle dieser Legende, das Miwa Daimyōjin engi (Chronik vom Ursprung des Miwa Daimyōjin), erst lange Zeit nach Saichō (1318) verfasst wurde, lassen Zweifel an einer tatsächlichen Identifikation von Ōkuninushi und Daikoku zu Lebzeiten Saichōs aufkommen. Es steht jedoch fest, dass Daikoku zunächst als Gottheit der Tempelküche innerhalb buddhistischer Klöster an Bedeutung gewann und im Zuge dessen irgendwann einmal auch mit Ōkuninushi in Verbindung gebracht wurde. Über die weiteren Verzweigungen der Gestalt des Daikoku und seine Verbindungen zu der esoterischen Gottheit Mahakala ist auf der Spezialseite „Daikoku“ Genaueres nachzulesen.

Ōkuninushi als Daikoku im Kanda Schrein

Kanda daikoku.jpg
Rezente Skulptur des Daikoku auf dem Gelände des Kanda Schreins. 20. Jh.
Bildquelle: Ikeada Katsumi, 2014, über Internet Archive.
9 Rezente Daikoku Statue
Kanda Schrein

Der Kanda Schrein in Tōkyō war in der Edo-Zeit der wahrscheinlich populärste Schrein von Edo, das damals das politische Zentrum des Landes und mit etwa einer Million Einwohnern eine der bevölkerungsreichsten Metropolen weltweit war. Der Schrein verdankte seine Beliebtheit vor allem seinem spektakulären matsuri, das heute noch eines der größten religiösen Events in Tōkyō darstellt. Laut Schreinlegende geht die Gründung des Schreins auf das Jahr 730 zurück, als Emigranten aus Izumo in der damals noch ländlichen Kantō-Region einen Zweigschrein für ihren Ahnengott Ōkuninushi errichteten. Zu überregionaler Bedeutung gelangte der Schrein, als im Jahr 1309 der zürnende Rachegeist des Taira no Masakado (?–940) einen Sitz in diesem Schrein erhielt und dadurch friedlich gestimmt wurde.16 Taira no Masakado war ein Heian-zeitlicher Rebell der Kantō-Region gewesen, dessen Ungehorsam gegenüber der Zentralregierung gewaltsam niedergeschlagen wurde. Obwohl in den offiziellen Geschichtsquellen negativ dargestellt, galt er in der Kantō-Region doch auch als Held und Vorreiter der späteren Samurai Herrschaft. Dem entsprechend wurde der Schrein auch von den in der Kantō-Region ansässigen Samurai wohlwollend gefördert.

1590 verlegte der „Reichseiniger“ Tokugawa Ieyasu (1543–1616) seine Residenz nach Edo, ein anfangs unbedeutendes Fischerdorf in der Gegend des Kanda Schreins. 1616 ließ Ieyasus Sohn, Shōgun Tokugawa Hidetada, den Kanda Schrein in den Nordosten der neu errichteten Burg von Edo (heute der Kaiserpalast in Tōkyō) verlegen. Ob Hidetada damit bewusst einem geschichtlichen Vorbild folgte, ist mir nicht bekannt, auf jeden Fall kam Ōkuninushi so ein weiteres Mal in die Lage, das „Dämonentor“ einer Hauptstadt zu bewachen. Die beiden kami, Ōkuninushi und Masakado, wurden in Edo vor allem unter dem gemeinsamen Namen Kanda Myōjin verehrt. Auf populärer Ebene wurde Ōkuninushi jedoch auch in Gestalt des Glücksgottes Daikoku wahrgenommen. Kanda Myōjin war also in gewisser Weise auch Daikoku und ist es bis heute geblieben.

Als aus Edo Tōkyō wurde und die Burg der Tokugawa Shōgune in den neuen Palast des Meiji Tennō umfunktioniert wurde (1868), war der einstige Rebell Taira no Masakado keine opportune Gottheit mehr. Er wurde kurzerhand aus dem Kanda Schrein entfernt und durch die Gottheit Sukunabikona, Okuninushis alter ego aus der Izumo Legende, ersetzt. Da Sukunabikona aber der Allgemeinheit nicht bekannt war, erhielt er das Aussehen des Ebisu, der im Ensemble der sieben Glücksgötter zumeist Hand in Hand mit Daikoku auftritt. Heute ist Taira no Masakado rehabilitiert und der Kanda Schrein beherbergt somit drei Gottheiten: Ōkuninushi, Sukunabikona und Taira no Masakado. Nach außen hin sichtbar ist jedoch vor allem Daikoku, dem eine große Statue errichtet wurde (s. Abb.) und der im Kanda Schrein als „Gott der guten [Ehe-]Beziehungen“ (enmusubi no kami) apostrophiert wird, um möglichst viele heiratswillige Paare anzulocken. 17

An dieser Stelle sei nur noch angemerkt, dass Daikoku und Ebisu auch in anderen Schreinen gemeinsam auftreten, wobei Ebisu mitunter auch auf Kotoshironushi, den Sohn und Thronfolger Ōkuninushis aus der Episode seiner Abdankung zurückgeführt wird. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass es sich auch in diesen Fällen um „invented traditions“ aus der Meiji-Zeit handelt, dass also zusammen mit dem Tennō mythologische Götter für die Schreinkulte der Meiji-Zeit reaktiviert wurden, auch wenn sie ursprünglich gar nichts mit ihren neuen Schrein-Wohnorten zu tun hatten.

Zusammenfassung

Die Vielzahl von Erscheinungsformen des Ōkuninushi sind in der japanischen Religionsgeschichte keineswegs einzigartig, Ōkuninushi kann vielmehr als beispielhaft für die Flexibilität japanischer kami-Identitäten angesehen werden. Was ihn darüber hinaus aber besonders interessant macht, ist die Tatsache, dass er immer wieder — wenn auch unter verschiedenen Bezeichnungen — an der Schwelle großer politisch-religiöser Einschnitte auftaucht, um als Schutzgott des politischen Zentrums zu fungieren.

Die Geschichte von Ōkuninushis Abdankung zugunsten des „himmlischen Enkels“ ist zweifellos die heute bekannteste Episode in der Biographie dieses Gottes, mindest ebenso interessant ist aber die Gründung des Miwa Schreins, die in vieler Hinsicht als die Grundsteinlegung einer völlig neuartigen Form von Religion erscheint. Der Tennō, der zunächst den Kult für seine göttlichen Ahnen in eigener Person leitet, fühlt sich angesichts einer landesweiten Katastrophe schuldig und verunsichert, weil er die Ursache des Unglücks in einer Fehlhandlung bei der Ausübung seiner religiösen Pflichten sieht. Er überantwortet die Götter (= seine Priesterrolle) bestimmten Spezialisten und verlagert ihren „Wohnort“ an separate Orte außerhalb des kaiserlichen Palastes. Auf diese Weise entstehen die ersten Schreine. Manche Forscher erkennen in dieser Episode auch den Übergang von einer weiblich dominierten religösen Praxis zu einer männlich-patriarchalischen (Elwood 1990). Zwar spielt auch in dieser Episode eine Shamanen-Priesterin — eine Tante des Sujin, die mehrfach als enge Beraterin auftritt — eine wichtige Rolle, doch ihre Hierogamie mit Ōkuninushi scheitert. Letztlich gelingt es nur dem männlichen Priester aus dem Geschlecht Ōkuninushis, die leicht erregbare Gottheit zu beschwichtigen und damit den Katastrophen ein Ende zu bereiten.

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch die hier nur am Rande erwähnte „Auslagerung“ Amaterasus in das weitab der Yamato-Region gelegene Ise. Unter den folgenden Tennō bleibt die mächtige „irdische Gottheit“ Ōkuninushi wichtiger als die „himmlische Gottheit“ Amaterasu. J. E. Kidder mutmaßt, dass Amaterasu erst unter Tenmu Tennō (r. 672–86) und die auf ihn folgende Kaiserin Jitō Tennō (r. 690–97) ihr klassisches Profil als wichtigste Ahnengottheit der kaiserlichen Dynastie erhält. 18 Während die „Kapitel des Götterzeitalters“ von Kojiki (712) und Nihon shoki (720) dieser neuen Bedeutung Amaterasus entsprechend ausgestaltet werden, verabsäumen es die Chroniken, auch die zeitlich näheren Kapitel der neuen Ideologie anzugleichen und offenbaren somit eine Diskontinuität in der Verehrung der Sonnengottheit (Kidder 2007).

In jedem Fall geht die Aufwertung der Ise Schreine mit einer Abwertung von Ōkuninushis Schreinen in Izumo und Miwa einher. Ōkuninushi findet jedoch auf dem Umweg über den Buddhismus zu einer neuen Identität, um sich schließlich erneut als Glücksgott Daikoku im religiösen Pantheon Japans zu behaupten. Zugleich scheint es, als ob er seine Rolle als Beschützer des politischen Zentrums (Hüter des „Dämonentores“), die er unter Sujin erstmals übertragen bekommt, auf stille, unspektakuläre Weise auch in Kyōto und Edo wahrnimmt.


Verweise

Fußnoten

  1. Vovin 2018, S. 86
  2. Mono, „Ding“, in Ōmononushi könnte auch auch die Bedeutungen „Person“, „Wesen“, „Geist“ besitzen (→ mono no ke, bake-mono „Gespenst“).
  3. Laut der Hauptvariante des Nihon shoki sein Sohn, laut Kojiki und den Nebenvarianten des Nihon shoki ein Nachfahre des Susanoo in der fünften oder sechsten Generation.
  4. Diese Geschichte hat sich als Märchen verselbständigt und ist heute in Japan die bekannteste Erzählung von Ōkuninushi.
  5. suku = "klein", biko/hiko = "Prinz"
  6. Diese Tat wird genau genommen einem Gott namens Omizunu zugeschrieben.
  7. Auch von den Gelehrten der kokugaku, die sich im 18. und 19. Jahrhundert der Exegese japanischer Mythen widmeten, wird die Heilkraft des Götterpaares aus Izumo besonders hervorgehoben.
  8. Noch in den Gebetstexten (norito) der Engishiki (10. Jh.) wird dieser Umstand mehrfach betont: „They silenced to the last leaf/The rocks and stumps of the trees/ Which had been able to speak...“ (Philippi 1990, S. 41, 45, 69.)
  9. Es handelt sich um die „Schwertgottheiten“ Takemikazuchi und Futsunushi, die in jener mythologischen Episode entstehen, als Göttervater Izanagi das Feuerkind, an welchem die Göttermutter stirbt, in Stücke schlägt. Takemikazuchi und Futsunushi sind demnach das Produkt von Izanagis Schwert und dem „Blut“ des Feuers. Sie wurden später als Hauptgottheiten der mächtigen Adelsfamilie Fujiwara in deren Ahnenschrein Kasuga Taisha installiert.
  10. Dieser Gott entstammt ursprünglich einem eigentümlichen Wettstreit zwischen Amaterasu und Susanoo, bei dem Amaterasu Susanoos Schwert und Susanoo Amaterasus Edelsteine zerkaute. Ame-no-Hohi entstand zusammen mit vier weiteren Brüdern aus den zerkauten Edelsteinen. Der älteste Bruder ist der Vater des Ninigi. Ame-no-Hohi ist also ein Onkel des neuen Machthabers auf Erden.
  11. In einer der oben der erwähnten Sukunabikona Episoden des Nihon shoki wird Miwa als „Wohnort“ des Sukunabikona bereits vor dem Izumo Schrein genannt.
  12. Dieses bekannte Motiv findet sich im japanischen Mythos mehrfach (s. z.B. Izanagi und Izanami oder Hiko-Hohodemi und die Drachenprinzessin Toyotama-hime), wobei stets „Scham“ für die Entfremdung der Liebenden verantwortlich gemacht wird.
  13. Eine nüchterne Interpretation könnte hier eine misslungene Abtreibung erkennen, doch findet man dieses Motiv auch im „Zeitalter der Götter“: Als Susanoo das gehäutete Pferd in die Webehalle der Amaterasu wirft, erschrickt laut einer Version eine Weberin, sticht sich die Spindel in die Scham und stirbt daran.
  14. Philippi 1969, S. 47.
  15. Iyanaga 2002, S. 547–48.
  16. Der Kanda Schrein kam bereits kurz nach Masakado's Tod mit diesem in Berührung, da der Kopf des Enthaupteten in der Nähe des Schreins beigesetzt wurde. Zur Errichtung einer eigenen Schreinhalle kam es allerdings erst, nachdem eine Epidemie in den Jahren 1303–1306 dem Totengeist Masakados zugeschrieben wurde. Als diese sich endlich legte, wurde der Kanda Schrein renoviert und um eine Schreinhalle für Masakado erweitert. (Shintō jiten 1994, S. 627)
  17. Die Rolle eines „Gottes der guten Beziehungen“, die angesichts der vielen Heiraten des Ōkuninushi eigentlich als zweifelhaftes Omen für eine gute Ehe angesehen werden muss, hat Ōkuninushi/ Daikoku im übrigen auch im Jishu Schrein in Kyōto, wo er als Gott der Verliebten verehrt wird. (s. Abb. oben)
  18. Die Installierung der klassische Hofaristokratie inklusive der Errichtung einer permanenten Hauptstadt und der Abfassung einer kaiserlichen Chronik/Mythologie wird heute als Werk der sog. Tenmu Dynastie angesehen, die von Tenmu Tennō 672 begonnen und von Kanmu Tennō (r. 781–806), einem Nachfahren von Tenmus Bruder Tenji, abgelöst wurde. S. dazu Ooms 2008.

Literatur

Klaus Antoni 1982
Der weiße Hase von Inaba: Vom Mythos zum Märchen. Analyse eines japanischen "Mythos der ewigen Wiederkehr" vor dem Hintergrund altchinesischen und zirkumpazifischen Denkens. Wiesbaden: Steiner 1982.
Klaus Antoni 1988
Miwa - Der Heilige Trank: Zur Geschichte und religiösen Bedeutung des alkoholischen Getränkes (sake) in Japan. Wiesbaden: Steiner 1988.
Michiko Aoki 1999
„Records of the Customs and Land of Izumo.“ In: George Tanabe und Willa Jane Tanabe (Hg.), Religions of Japan in Practice. Princeton: Princeton University Press 1999, S. 113–116. [Kurze Einführung und Teilübersetzung des Izumo fudoki.]
William George Aston (Ü.) 1972
Nihongi: Chronicles of Japan from the Earliest Times to A.D. 697. Rutland, Vt: Tuttle 1972. [Erste Ausgabe: London 1896.]
Robert Ellwood 1990
The Sujin Religious Revolution.“ Japanese Journal of Religious Studies 17/2–3 (1990), S. 199–217.
Iyanaga Nobumi 2002
Daikoku-ten hensō. Tokyo: Hōzōkan 2002. [Engl. Titel: Variations on the Theme of Mahākāla.]
Herman Ooms 2008
Imperial Politics and Symbolism in Ancient Japan: The Tenmu Dynasty, 650–800. Honolulu: University of Hawaii Press 2008.
Donald Philippi (Ü.) 1977
Kojiki: Translated with an Introduction and Notes. Tokyo: University of Tokyo Press 1977. [1. Aufl. 1968.]
Donald Philippi (Ü.) 1990
Norito: A Translation of the Ancient Japanese Ritual Prayers. Princeton: Princeton University Press 1990. [Eingeleitet von Joseph M. Kitagawa. Erste Ausgabe 1959.]
Sonoda Minoru 1974
The traditional festival in urban society.“ Japanese Journal of Religious Studies 2/2–3 (1974), S. 103–36.
Informationen zum Kanda Schrein.
Alexander Vovin 2018
On the etymology of the name of Mt. Fuji.“ In: Willian McCure, Alexander Vovin (Hg.), Studies in Japanese and Korean Historical and Theoretical Linguistics and Beyond: Festschrift to John B. Whitman. Leiden: Brill 2018, S. 80–89.

Bilder

Quellen und Erläuterungen zu den Bildern auf dieser Seite:

  1. ^ 
    Okuninushi hokusai.jpg

    Ōkuninushi heilt den Hasen von Inaba, dem Meeresungeheuer (wani) das Fell abgezogen haben. Hokusai interpretiert Ōkuninushi als Daikoku und die wani als Krokodile. Werk von Katsushika Hokusai (1760–1849). Edo-Zeit
    Museum of Fine Arts, Boston.

  2. ^ 
    Inaba shirousagi jishujinja.jpg

    Diese Skulptur aus dem 20. Jh. befindet sich im Jishu Schrein, wo Ōkuninushi als Gott der Verliebten gefeiert wird. 20.Jh.
    Bildquelle: Jack Lin, Picasa 2006.

  3. ^ 
    Okuninushi sukunabikona kuniyoshi.jpg

    Ōkuninushi und Sukuna Bikona. Werk von Utagawa Kuniyoshi.
    Waseda University.

  4. ^ 
    Okuninushi kuniyoshi.jpg

    Darstellung der mythologischen Gottheit Ōkuninushi. Werk von Utagawa Kuniyoshi.
    Waseda University.

  5. ^ 
    Inasa2.jpg

    Strand von Inasa, wo Ōkuninushi den Mythen zufolge zur Abdankung genötigt wurde. Am charakteristischen Felsen ist undeutlich ein Schrein-torii zu erkennen.
    Kitayama Takeshi, flickr 2008.

  1. ^ 
    Miwayama.jpg

    Der Berg Miwa gilt als der „Gottleib“ (shintai) des Ōmiwa Schreins. Davor steht das große torii, das heute den Zugang zum Schrein markiert.
    Bildquelle: unbekannt.

  2. ^ 
    Omiwa.jpg

    Shime-torii vor der Zeremonienhalle des Miwa Jinja.
    Horohoro, 2004.

  3. ^ 
    Daikoku kongorinji.jpg
    Dies ist die angeblich älteste Darstellung des japanischen Daikoku aus einem Tendai-Tempel in der Umgebung von Saichōs Klosterberg Hiei. Die Rüstung und vor allem die langen Ohren offenbaren einen starken Einfluss der buddhistischen Ikonographie. Dennoch verleihen die Mütze und die gedrungene Statur diesem Daikoku eine gewisse Bodenständigkeit. Die Figur ist ein ichiboku-zukuri, d.h. sie ist aus einem einzigen Holzblock herausgearbeitet.

    Das Motiv einer Figur, die im sogenannten „halben Lotossitz“ auf einem Felsen sitzt, erinnert an  Kannon oder Benzai-ten, die dann jeweils auf ihrer eigenen Insel dargestellt sind. Im Falle Daikokus ist das Motiv jedoch äußerst selten und praktisch nur auf Tendai-Tempel beschränkt. (Iyanaga 2002, S. 300.) Heian-Zeit
    Shinbutsu imasu Ōmi.

  4. ^ 
    Kanda daikoku.jpg

    Rezente Skulptur des Daikoku auf dem Gelände des Kanda Schreins. 20. Jh.
    Bildquelle: Ikeada Katsumi, 2014, über Internet Archive.


Glossar

Namen und Fachbegriffe auf dieser Seite:

  • Amaterasu 天照 ^ Sonnengottheit; Ahnherrin des Tennō-Geschlechts; Hauptgottheit von Ise
  • ama-tsu-kami 天津神 ^ Götter des Himmels; mytholog. Gottheiten
  • Ame no Hohi 天穂日 ^ mythol. Himmelsgottheit, Sohn von Amaterasu und Susanoo
  • Buddha (skt.) बुद्ध ^ „Der Erleuchtete“ (jap. butsu, hotoke 仏 oder Budda 仏陀)
  • Daikoku 大黒 ^ Gott des Reichtums und Stellvertreter der Sieben Glücksgötter (Shichi Fukujin); skt. Mahakala = „Großer Schwarzer“; auch Daikoku-ten
  • Ebisu 恵比寿 ^ Glücksgott der Händler und Fischer; andere Schreibung: 夷 oder 戎; Grundbedeutung wahrscheinlich „Fremder“ oder „Barbar“
  • Edo 江戸 ^ Hauptstadt der Tokugawa-Shōgune, heute: Tōkyō; auch: Zeit der Tokugawa-Dynastie, 1600–1867 (= Edo-Zeit);
  • enmusubi no kami 縁結びの神 ^ wtl. „Gottheit, die Verbindungen knüpft“; Gottheit für Verliebte, japanischer Amor
  • Enryaku-ji 延暦寺 ^ Haupttempel des Hiei Klosterbergs
  • fudoki 風土記 ^ Lokalchronik
  • Hashihaka 箸墓 ^ wtl. Essstäbchen-Grab; Hügelgrab aus dem 4. Jh. nahe Berg Miwa
  • Heian 平安 ^ auch Heian-kyō 平安京, „Stadt des Friedens“; politisches Zentrum 794–1185 (= Heian-Zeit)
  • Hie Taisha 日吉大社 ^ Schutzschrein von Berg Hiei bei Kyōto; moderne Aussprache Hiyoshi Taisha; auch: Sannō Schrein
  • Inaba 因幡 ^ alte jap. Provinz in Zentraljapan
  • Inasa 伊那佐 ^ Strand in der Bucht von Izumo; Ort des Aufeinandertreffens zwischen der mythologischen Gottheit Ōkuninushi und Gottheiten aus anderen Sphären
  • Izanagi 伊耶那岐/伊奘諾 ^ Göttervater; auch Izanaki (ki hier männliche Endung); Bruder und Mann von Izanami
  • Izanami 伊耶那美/伊奘冉 ^ Göttermutter, Göttin der Unterwelt (mi hier weibliche Endung); Schwester und Frau des Izanagi
  • Izumo 出雲 ^ alter Namen der Präfektur Shimane in West-Japan; auch kurz für Izumo Taisha
  • Izumo fudoki 出雲風土記 ^ Lokalchronik von Izumo, 733
  • Izumo Taisha 出雲大社 ^ Großschrein von Izumo (Präfektur Shimane)
  • Jinmu Tennō 神武天皇 ^ wtl. „göttlicher Krieger“; gemäß den japanischen Mythen der erste menschliche Herrscher (Tennō) Japans
  • Jitō Tennō 持統天皇 ^ 645–703, r. 686–697; 41. japanische Kaiserin
  • kami ^ Gottheit; im engeren Sinne einheimische oder lokale japanische Gottheit, Schreingottheit (s. jinja), Gottheit des Shintō
  • Kanda Jinja 神田神社 ^ Kanda Schrein, einer der bekanntesten Schreine in Tōkyō
  • Kanda Myōjin 神田明神 ^ Generelle Bezeichnung für die Gottheiten des Kanda Schreins in Tōkyō bzw. Bezeichnung für den Schrein selbst
  • Kanmu Tennō 桓武天皇 ^ 737–806; 50. japanischer Tennō; (r. 781–806); verantwortlich für Verlegung der Hauptstadt nach Heian (Kyōto)
  • kiki 記紀 ^ Sammelbezeichnung für KojiKI und Nihon shoKI (ki, Bericht, ist jeweils mit einem leicht abweichenden Zeichen geschrieben)
  • kimon 鬼門 ^ „Dämonentor“, Nord-Osten; nach alter Vorstellung die Richtung, aus der die Dämonen kommen
  • Kojiki 古事記 ^ „Aufzeichnung alter Begebenheiten“; älteste jap. Chronik (712)
  • Kotoshiro-nushi 事代主 ^ mythol. Gottheit; Sohn und Thronfolger des Ōkuninushi; in etwa „Meister des Wortwissens“
  • kuni no miyatsuko 国造 ^ frühzeitlicher japanischer Titel, Provinzverwalter; spätere Lesung: kokuzō
  • kuni-tsu-kami 国津神 ^ Götter der Erde
  • kuniyuzuri 国譲り ^ wtl. Landübergabe, Inbesitznahme des Landes (Japan) durch die Nachfahren des Sonnengeschlechts
  • Mahākāla (skt.) महाकाल ^ „Großer Schwarzer“, esoterische Gottheit (jap. Makakara 摩訶迦羅 oder Daikoku 大黒)
  • mandokoro 政所 ^ Verwaltungsgebäude; später wurde der Name für die Verwaltungsabteilung des Shōgunats entlehnt
  • Matsunoo Taisha 松尾大社 ^ Matsunoo Schrein (auch: Matsuo Schrein), Kyōto; Hauptgottheiten: Ōyamakui und Nakatsushima-hime
  • matsuri ^ religiöses (Volks-)Fest
  • Meiji Tennō 明治天皇 ^ 1852–1912; 122. japanischer Kaiser (r. 1867–1912); Namensgeber und politische Symbolfigur der Meiji-Zeit; Eigenname: Mutsuhito
  • Mimuro 三室 ^ anderer Name für Berg Miwa in der heutigen Präfektur Nara
  • Miwa 三輪 ^ Ortsname (wtl. Drei Ringe); Kurzbez. für den Ōmiwa Jinja
  • miwa 神酒 ^ altertümliche Bezeichnung für Sake, der den Göttern geopfert wird
  • Nara 奈良 ^ Hauptstadt und Sitz des Tennō, 710–784 (= Nara-Zeit); auch: Heijō-kyō
  • Ne no Kuni 根の国 ^ wtl. Wurzelland, auch Ne no Katasukuni 根之堅州國; Unterwelt
  • Ninigi 瓊瓊杵 ^ mytholog. Gottheit, Enkel Amaterasus
  • Ōkuninushi 大国主 ^ mythol. Gottheit; wtl. Großer Meister des Landes
  • Ōmiwa Jinja 大神神社 ^ Ōmiwa Schrein, auch Miwa Schrein, nahe Nara; einer der ältesten Schreine Japans
  • Ōmononushi 大物主 ^ Gottheit des Schreins von [Ō]Miwa
  • Ōtataneko 大田田根子 ^ Hohepriester und Ahnherr der Priester von Miwa
  • Ōyamakui 大山咋神 ^ mythologische Berggottheit, in den Schreinen Hie Taisha (Hiyoshi) und Matsunoo Taisha verehrt; wtl. „Großer Berg-Pfahl“
  • Saichō 最澄 ^ 767–822; Gründer des Tendai-Buddhismus; auch bekannt als Dengyō Daishi
  • Sake ^ Reiswein
  • Sannō 山王 ^ Wtl. „Bergkönig“; Schutzgott des Tendai-Klosters auf Berg Hiei
  • Senge 千家 ^ Priestergeschlecht des Großschreins von Izumo
  • shintai 神体 ^ heiliges Objekt eines Shintō-Schreins; wtl. „Gottkörper“
  • Shōgun 将軍 ^ Shōgun; Titel der Militärherrscher aus dem Kriegeradel (bushi, Samurai)
  • Suinin Tennō 垂仁天皇 ^ 11. kaiserl. Herrscher Japans, leg. Regiergungszeit 29 v.–70 n.u.Z.
  • Sujin Tennō 崇神天皇 ^ 97–30 v.u.Z. (mythol. Regierungszeit); 10. japanischer Kaiser
  • Sukunabikona 少名毘古那 ^ winzige Gottheit, Gefährte oder alter ego von Ōkuninushi, auch: Sukunahikona
  • Susanoo 須佐之男/素戔男 ^ mytholog. Gottheit; Trickster-Gott, Sturmgott, Mondgott; Bruder der Amaterasu
  • Suseri-hime 須勢理毘売 ^ Tochter Susanoos, Ehefrau Ōkuninushis
  • Taira no Masakado 平将門 ^ Heian-zeitlicher Rebel, ?–940
  • Takamimusubi 高御産巣日神 ^ einer der „drei Kami der Schöpfung“, Himmelsgottheit
  • Tendai-shū 天台宗 ^ Tendai-Schule, chin. Tiantai
  • Tenji Tennō 天智天皇 ^ 626–672; 38. Kaiser Japans; (r. 661–672); Eigenname: Naka-no-Ōe
  • Tenmu Tennō 天武天皇 ^ 631?–686; 40. japanischer Kaiser; (r. 673–686)
  • Tennō 天皇 ^ jap. „Kaiser“-Titel, wtl. Herrscher des Himmels
  • Tokugawa Ieyasu 徳川家康 ^ 1543–1616; Begründer des Tokugawa Shogunats; Reichseiniger
  • wani ^ Meeresungeheuer; Krokodil; Hai
  • Yakushi Nyorai 薬師如来 ^ Buddha der Medizin; skt. Bhaisajyaguru
  • Yamato 大和/倭 ^ Kernland der Tennō-Dynastie in Zentraljapan (Präfektur Nara); archaischer Name für Japan
  • Yamato-hime 倭姫(倭比売) ^ Mytholog. Priesterin der Amaterasu, Tochter von Suinin Tennō
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„Ōkuninushi als heimlicher Gegenspieler der Himmlischen Götter.“ In: Bernhard Scheid, Religion-in-Japan: Ein digitales Handbuch. Universität Wien, seit 2001