Berühmte Tempeltore Japans

< Bauten‎ | Tempel
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Berühmte Tempeltore Japans

In den Mauern rund um die Anlage eines buddhistischen Tempels sind in der Regel mehrere Tore (jap. mon) angebracht. Viele Tempeltore wirken wie ein selbständiges Bauwerk und sind es in gewissem Sinne auch, denn sie dienen nicht nur als Durchgang, sondern auch als Aufbewahrungsort für Tempelschätze oder Ort religiöser Rituale. Auf dieser Seite werden einige berühmte Beispiele kurz vorgestellt.

Tempeltor hokusai manga5.jpg
1 Typisches Tempeltor, Buchillustration Edo-Zeit
Gebäudestudie aus einem Band von Hokusais Manga, der u.a. architektonischen Themen gewidmet ist. Seitentor eines kleineren Tempels mit den typischen Dekorelementen Löwenhunde (shishi) und Dämonenmaske (onigawara).
Werk von Katsushika Hokusai. Edo-Zeit. Institut National d’Histoire de l’Art, Paris (bildbearbeitet).

Bauliche Merkmale

Das Haupttor, und damit auch der Hauptzugangsweg, befindet sich meist im Süden. Ähnlich wie weltliche Paläste „blickt“ ein buddhistischer Tempel also üblicherweise von Norden nach Süden. Die Größe des Haupttores spiegelt zumeist das Prestige eines Tempels wider. Über dem Durchgang befindet sich ein (der Allgemeinheit meist unzugängliches) Obergeschoß, das von einem mächtigen Dach bedeckt wird. Zwischen Ober- und Untergeschoß können kleine Vordächer vorspringen. Diese zweigeschoßige Form gepaart mit der Funktion als Speicher ist typisch für Haupttore besonders großer japanischer Tempel. Kleinere Tore besitzen kein Obergeschoß. Je nach Größe variiert auch die Anzahl der Hauptpfeiler („Beine“), auf denen die Dächer der Tore ruhen. Häufig sind zwölfbeinige (3x4) Tore mit zwei mal drei Kammern, größere Tore mit drei Reihen von fünf Kammern werden von 24 (4x6) Pfeilern getragen.

Gängige Tempeltor-Varianten

  • nandaimon („südliches Großtor“): Meist das Haupttor einer Anlage, markiert entsprechend dem oben beschriebenen Schema den Hauptzugang im Süden.
  • rōmon („Turmtor“): Mittelgroße Tore mit Obergeschoß, aber meist ohne Zwischendach. Das Obergeschoß bleibt funktionslos und ist lediglich durch eine Balustrade optisch vom Untergeschoß abgesetzt.
  • niōmon („Wächtertor“): Tempeltore unterschiedlicher Größe, ausgestattet mit spezifischen Wächterfiguren namens niō, die links und rechts des Durchgangs in eigenen Nischen stehen. (S. dazu Kap. „Ikonographie“, Niō-Wächterstatuen.)
  • sanmon (wtl. „Dreitor“): Frei stehende Torgebäude ohne anschließende Mauern oder Zäune. Die Bezeichnung Drei-Tor soll eine Abkürzung von sangedatsu mon sein, wörtlich „Tor der Überwindung von drei Hindernissen [auf dem Weg ins Nirvāṇa]“. Dieser Bedeutung entsprechend besitzen sanmon-Tore auch keine verschließbaren Türflügel. Die eigentliche Funktion eines Tores — ein versperrbarer Zugang — ist bei sanmon-Toren verloren gegangen. Ähnlich wie die torii des Shintō dienen sie eher als symbolische Abgrenzung des inneren Zirkels einer Tempelanlage. Meist befinden sie sich zwischen dem äußersten (versperrbaren) Eingang und der Haupthalle. Sanmon sind vor allem in Zen-Tempeln anzutreffen und beherbergen typischerweise ein Set von 16 Arhat-Figuren.
  • karamon („chinesisches Tor“): Meist eher kleine, aber reich dekorierte Tore im „barocken“ Stil aus der Zeit um 1600, oft zur Gänze mit geschnitzten Figuren aus chinesischen Legenden bedeckt. Die Bezeichnung „chinesisches Tor“ leitet sich aber wahrscheinlich vom elegant geschwungenen, ins Dach eingelassenen Torbogen her, der in der Fachsprache als „chinesischer Giebel“ (karahafu) bezeichnet wird. Alle chinesischen Tore der Edo-Zeit besitzen dieses charakteristische Stilelement.

Beispiele

Hōryū-ji

Das sogenannte „Mitteltor“ (chūmon) des Hōryū-ji soll aus dem 7. Jh. stammen. Es zählt in jedem Fall zu den ältesten Holzbauwerken Japans und damit auch zu den ältesten Tempeltoren. Doch obwohl es auf den ersten Blick als Archetyp eines Tempeltors erscheint, bietet es für Kenner der japanischen Tempelarchitektur eine ungewöhnliche Eigenheit: einen zweigeteilten Durchgang.

Horyuji chumon.jpg
2 Haupttor (Chūmon) des Hōryū-ji, 7.Jh.
Dieses Tor (mon) wird als Mitteltor (chūmon) bezeichnet, weil es sich in der inneren Einfriedung des Tempels Hōryū-ji befindet. Es besitzt einen zweigeteilten Durchgang. Üblicherweise gibt es nur einen zentralen, bzw. drei Durchgänge. Nur im Hōryū-ji gibt es den Fall, dass ein Mittelpfosten quasi den natürlichen Zugang zum Tempel blockiert.
Nara-Zeit, 7. Jh. Bildquelle: Lonely Trip, über Internet Archive.

Üblicherweise besteht ein Tempeltor aus einer ungeraden Anzahl von Kammern (meist drei oder fünf), von denen eine oder drei passierbar sind (s. die Beispiele unten). Nur im Hōryū-ji gibt es den Fall, dass das Torgebäude aus vier Kammern besteht und insofern ein Mittelpfosten den Eingang in zwei Bereiche spaltet und damit quasi den natürlichen Zugang zum Tempel blockiert. Trotz oder gerade wegen dieser Besonderheit zählen nicht nur das Tor selbst, sondern auch seine Torwächter (niō), die hier gut zu erkennen sind, zu den berühmtesten und ältesten Beispielen ihrer Art.

Nandaimon Horyuji.jpg
3 Südtor des Hōryū-ji, 15.Jh.
Südliches Großtor (nandaimon) des Hōryū-ji (westl. Tempelbezirk). Schlichtes, klassisches Tempeltor.
Muromachi-Zeit, 1438.

Das Südliche Großtor (nandaimon) des Hōryū-ji ist dem Mitteltor vorgelagert. Es diente zunächst als westl. Eingangstor und wurde erst nach einem Brand des eigentlichen Südtores hierher verlegt. Es ist vergleichsweise schlicht (besitzt kein Stockwerk über dem Eingang), entspricht aber der klassischen Form von drei Kammern und wird von acht Hauptsäulen getragen.

Tōdaiji

Das Südliche Haupttor des Tōdaiji, hinter dem sich der Große Buddha (daibutsu) von Nara befindet, ist das vielleicht bekannteste Tempeltor Japans. Es zählt zu den japanischen „Nationalschätzen“ (kokuhō). In seinem Inneren sind die beiden größten und zugleich eindrucksvollsten Torwächterstatuen (niō) Japans zu sehen. Die gigantische Halle des Großen Buddhas ist im Hintergrund undeutlich zu erkennen. Davor die zahmen Hirsche, die in Nara überall frei umherlaufen.

Nandaimon.jpg
4 Nandaimon, Tōdaiji, Nara
Das riesige Südtor (nandaimon) des Tōdaiji, wo sich der Große Buddha von Nara befindet, mit den zahmen Hirschen, die hier überall frei umherlaufen. Die ebenfalls gigantische Halle des Großen Buddhas ist im Hintergrund zu erkennen. Das Tor stammt in seiner heutigen Form aus dem Jahr 1199, nachdem es zusammen mit dem Rest der Tempelanlage im Genpei-Krieg (1181) zerstört worden war. Charakteristisch sind die frei schwebenden Querbalken, die die Dachkonstruktion stützen. Im Inneren des Tores sind die beiden größten und zugleich eindrucksvollsten Torwächterstatuen Japans zu sehen.
Kamakura-Zeit, 1199. Frank J. Gualtieri Jr., 2005.

Die Anlage des Tōdaiji stammt aus dem achten Jahrhundert, wurde jedoch im Genpei-Krieg (1181) fast vollkommen zerstört. Das Tor stammt daher in seiner heutigen Form aus dem Jahr 1199. Man bediente sich beim Wiederaufbau im zwölften Jahrhundert einer vergleichsweise schlichten, pragmatischen Holzbauweise, für die etwa die frei schwebenden Querbalken, die die Dachkonstruktion stützen, charakteristisch sind. Man nennt diesen Stil „indisch“ (tenjiku-yō), obwohl er eigentlich aus Südchina stammt. Auch die Tempelhalle wurde damals im „indischen Stil“ errichtet, brannte aber später ein weiteres Mal ab. Daher ist das Nandaimon eines der wenigen erhaltenen Beispiele des „indischen Stils“. Die Wahl dieses Stils dürfte direkt auf den Mönch Chōgen zurück zu führen sein, unter dessen Leitung der Wiederaufbau zustande kam. Chōgen war auch der Mentor der berühmten Kei-Schule, einer Werkstatt von Bildhauern, die auch die Statuen des Nandaimon schufen.

Ninna-ji

Auch das Haupttor des Ninna-ji in Kyōto wird von zwei eindrucksvollen niō-Wächtern bewacht und daher meist als niōmon bezeichnet. Wie das vorige Beispiel besteht auch dieses Gebäude aus zwei Geschoßen, die jeweils in fünf Kammern unterteilt sind. Im Erdgeschoß sind die äußeren Kammern für die Niō-Statuen reserviert, die mittleren Kammern sind durchgängig passierbar. Die größten Tempeltore Japans entsprechen fast alle dieser architektonischen Grundstruktur.

Niomon ninnaji.jpg
5 Ninna-ji, Kyōto
Wie viele große Tempeltore wird auch dieses Tor (mon) des Ninna-ji von zwei eindrucksvollen niō-Wächtern bewacht und daher meist als Niō-Tor bezeichnet. Es stammt in seiner heutigen Form aus dem Jahr 1646, der Tempel selbst ist aber viel älter.
Edo-Zeit, 1646. Wikimedia Commons, 663highland, 2010.

Das niōmon des Ninna-ji stammt in seiner heutigen Form aus dem Jahr 1646, der Tempel selbst ist aber viel älter. Der Ninna-ji gehört zum Shingon-Buddhismus und wurde lange Zeit von kaiserlichen Prinzen geführt.

Berg Kōya

Das spirituelle Zentrum des Shingon Buddhismus, der Tempelkomplex auf Berg Kōya, weicht vom üblichen Nord-Süd Schema ab: Das größte Eingangstor (err. 1705) zu dieser weitläufigen Anlage befindet sich im Westen. Auch hier sind die äußeren Kammern für zwei Torwächterstatuen reserviert.

Koya daimon.jpg
6 Berg Kōya, Wakayama
Westliches Eingangstor zum Tempelbezirk auf Berg Kōya, errichtet 1705. Größtes Tempeltor (mon) des Klosterbergs. Ähnliche Bauweise wie die vorigen Beispiele (ebenfalls mit niō-Wächtern), allerdings rot bemalt, was durchaus der ursprünglichen Erscheinungsform buddhistischer Tempeltore entspricht. Zählt zum Typ sanmon.
Edo-Zeit, 1705. Wikimedia Commons, 663highland, 2009.

Das Tor sticht durch seine rote Farbe hervor. Obwohl heute viele buddhistische Bauwerke in natürlichen Holzfarben gehalten sind, entspricht der rote Lack der ursprünglichen Erscheinungsform buddhistischer Tempelgebäude.

Chion-in

Mit einer Höhe von 24 und einer Breite von 50 Metern gilt das Haupttor des Chion-in in Kyōto als das größte Tempeltor Japans. Es wurde 1721 errichtet und gehört zum Haupttempel des Jōdo Buddhismus.

Chionin sanmon.jpg
7 Chion-in
Dieses Tor (mon) des Chion-in gilt als das größte Tempeltor Japans. Zählt zum Typ sanmon (wtl. „Dreitor“).
Edo-Zeit, 1721. Bertrand Marquet, flickr 2011.

Kenchō-ji

Das Tor des Kenchō-ji in Kamakura übertrifft das Tor des Chion-in sogar noch an Höhe (30m). Da es sich frei stehend innerhalb des Tempelareals befindet (sanmon), fungiert es im Grunde nicht als Tor, sondern als Speicher für Tempelschätze.

Kenchoji3.jpg
8 Kenchō-ji, Kamakura
Das Haupttor im sanmon-Stil übertrifft sogar das Tor des Chion-in an Höhe (30m). Da es sich frei stehend innerhalb des Kenchō-ji Tempelareals befindet, fungiert es im Grunde nicht als Tor, sondern als Speicher für Tempelschätze. Seine heutige Form stammt aus dem Jahr 1775.
Edo-Zeit, 1775. julesberry2001, Flickr, 2011.

Die heutige Form dieses Tores stammt aus dem Jahr 1775. Der Kenchō-ji (gegr. 1253) ist der älteste Zen-Tempel Kamakuras. Mit seiner Errichtung begannen die Minamoto Shogune im 13. Jahrhundert die Förderung des damals neuen Zen-Buddhismus.

Nanzen-ji

Der Nanzen-ji ist der bedeutendste unter den „Fünf Bergen“ (= Hauptklöster) des Rinzai-Zen in Kyōto. Ähnlich wie im Kenchō-ji fungiert das frei stehende Tor im sanmon-Stil nicht als versperrbarer Eingang zur Tempelanlage, sondern dient lediglich der Repräsentation und als Speicher von Wertgegenständen.

Sanmon-nanzenji.jpg
9 Nanzen-ji, Kyōto
Haupttor des Nanzen-ji im sanmon-Stil, errichtet von Daimyō Tōdō Takatora.
Frühe Edo-Zeit, 1628. Chris Gladis, flickr, 2007 (mit freundlicher Genehmigung).

Das Haupttor des Nanzen-ji wurde 1628 von Daimyō Tōdō Takatora errichtet.

Nishi Hongan-ji, Kyōto

Der Nishi Hongan-ji in Kyōto hat seinen Haupteingang ausnahmsweise im Osten, an der Südseite befindet sich allerdings ein verhältnismäßig kleines, aber besonders reich dekoriertes „chinesisches Tor“ (karamon), das zu den Nationalschätzen Japans zählt. Es war einst der Eingang zu den Gemächern des Abtes, bleibt heute aber, wahrscheinlich aus Gründen des Denkmalschutzes, permanent verschlossen.

Karamon nishihonganji.jpg
10 Nishi Hongan-ji, Kyōto
Das Chinesische Tor (karamon) des Nishi Hongan-ji in Kyōto, ein etwas vernachlässigtes Architektur-Juwel aus der Zeit um 1600.
Edo-Zeit, 17. Jh. Bernhard Scheid, Flickr, 2016.

Das Tor stammt aus der frühen Edo-Zeit und dürfte ursprünglich für ein anderes, möglicherweise weltliches Gebäude angefertigt worden sein.

Sōfuku-ji, Nagasaki

Das sogenannte Drachenpalast-Tor (ryūgū-mon) des Sōfuku-ji in Nagasaki, eines Tempel der Ōbaku-Zen Schule, wurde 1849 errichtet und offenbart neuartige chinesische Einflüsse.

Sofukuji ryugumon.jpg
11 Sōfuku-ji, Nagasaki
Im Unterschied zu den älteren japanischen Tempeltoren (mon), die meist zur Gänze aus Holz sind, spielt bei diesem chinesisch angehauchten Gebäudetyp (ryūgū-mon) des Sōfuku-ji die massive Grundmauer auch optisch eine tragende Rolle. Siehe auch Drachen und Drachenpaläste.
Edo-Zeit, 1849. Tōkyō enogu, 2010.

Bei diesem chinesisch angehauchten Gebäudetyp spielt die massive Grundmauer sowohl optisch als auch funktionell eine tragende Rolle. Dadurch unterscheidet sich dieser Typ, der erst seit der Edo-Zeit bekannt ist, von älteren japanischen Tempeltoren, die meist zur Gänze aus Holz sind.

Schreintore

Die Bauweise buddhistischer Tempeltore ist bisweilen auch in großen Schreinanlagen anzutreffen. Im Vergleich zu buddhistischen Torbauten, ist der rōmon-Stil, bei dem eine Ballustrade das Zwischendach ersetzt, vergleichsweise häufig, das mag aber auch dem Zeitgeschmack (zumeist 16. oder 17. Jh.) geschuldet sein.

Yomeimon vorne.jpg
12
Das Yōmei-mon, das bekannteste und am reichsten dekorierte Bauwerk in der Anlage in Nikkō (vordere Ansicht). Die Architektur folgt buddhistischen Vorbildern (sanmon), aber anstelle der buddhistischen Wächtergottheiten (niō) sind zwei naturalistische Bogenschützen (suijin) zu sehen; einer jung, einer alt.
Edo-Zeit, 1636. TokyoViews, Matsui Fumio, flickr 2010 (mit freundlicher Genehmigung).
Yōmei-mon, Schreinanlage von Nikkō, errichtet 1636
Fushimi inari romon.jpg
13
Eingang zur frisch gestrichenen Anlage des Fushimi Inari Taisha. Das Tor im Stil eines buddhistischen Tempeltores (rōmon) wurde von Toyotomi Hideyoshi aus Dank für die Genesung seiner Mutter gestiftet. Anstelle der im Buddhismus üblichen Torwächterfiguren (niō) sind shintoistische Wächter (suijin) in Form realistischer Bogenschützen zu erkennen.
Momoyama-Zeit, 1589. Bernhard Scheid, (flickr) 2013.
Fushimi Inari Taisha, Kyōto, errichtet 1589
Tsushima jinja.jpg
14
Schreintor im buddhistischen rōmon- bzw. sanmon-Stil.
Momoyama-Zeit, ca. 1590. Cultural Heritage Online.
Tsushima Jinja, Präf. Aichi, errichtet ca. 1590
Kitano2.jpg
15
Eingang des Kitano Tenman-gū zur Zeit der Pflaumenblüte. Auch auf einem der Lampions neben dem Eingang ist das fünfblättrige Pflaumenemblem, das Wappenzeichen des Schreins, zu sehen.
Edo-Zeit, 1607. Apricot Cafe, flickr 2007.
Kitano Tenmangū, Kyōto, errichtet 1607
Iwakiyama romon.jpg
16
Stilistisch ein typisches zweigeschoßiges Tempeltor (rōmon), das sich jedoch in einem der ältesten Schreine in Nordjapan befindet.
Kamakura-Zeit. Koike Takashi, 2009, Wikimedia Commons.
Iwakiyama Schrein, N-Japan, Kamakura-Zeit

Obwohl eindeutig aus der buddhistischen Architektur stammend, können Torstile wie rōmon oder sanmon also nicht eindeutig zur Identifikation eines buddhistischen Bauwerks herangezogen werden. Im Gegensatz dazu sind torii-Schreintore — bis auf wenige Ausnahmen — auf shintōistische Anlagen beschränkt (s. dazu Torii: Markenzeichen der kami).

Verweise

Verwandte Themen

Internetquellen

  • JAANUS (Japanese Architecture and Art Net Users System): Sanmon, Roumon


Letzte Überprüfung der Linkadressen: 2020/11/11

Bilder

Quellen und Erläuterungen zu den Bildern auf dieser Seite

  1. ^ 
    Tempeltor hokusai manga5.jpg
    Gebäudestudie aus einem Band von Hokusais Manga, der u.a. architektonischen Themen gewidmet ist. Seitentor eines kleineren Tempels mit den typischen Dekorelementen Löwenhunde (shishi) und Dämonenmaske (onigawara).
    Werk von Katsushika Hokusai. Edo-Zeit. Institut National d’Histoire de l’Art, Paris (bildbearbeitet).
  2. ^ 
    Horyuji chumon.jpg
    Dieses Tor (mon) wird als Mitteltor (chūmon) bezeichnet, weil es sich in der inneren Einfriedung des Tempels Hōryū-ji befindet. Es besitzt einen zweigeteilten Durchgang. Üblicherweise gibt es nur einen zentralen, bzw. drei Durchgänge. Nur im Hōryū-ji gibt es den Fall, dass ein Mittelpfosten quasi den natürlichen Zugang zum Tempel blockiert.
    Nara-Zeit, 7. Jh. Bildquelle: Lonely Trip, über Internet Archive.
  3. ^ 
    Nandaimon Horyuji.jpg
    Südliches Großtor (nandaimon) des Hōryū-ji (westl. Tempelbezirk). Schlichtes, klassisches Tempeltor.
    Muromachi-Zeit, 1438.
  4. ^ 
    Nandaimon.jpg
    Das riesige Südtor (nandaimon) des Tōdaiji, wo sich der Große Buddha von Nara befindet, mit den zahmen Hirschen, die hier überall frei umherlaufen. Die ebenfalls gigantische Halle des Großen Buddhas ist im Hintergrund zu erkennen. Das Tor stammt in seiner heutigen Form aus dem Jahr 1199, nachdem es zusammen mit dem Rest der Tempelanlage im Genpei-Krieg (1181) zerstört worden war. Charakteristisch sind die frei schwebenden Querbalken, die die Dachkonstruktion stützen. Im Inneren des Tores sind die beiden größten und zugleich eindrucksvollsten Torwächterstatuen Japans zu sehen.
    Kamakura-Zeit, 1199. Frank J. Gualtieri Jr., 2005.
  5. ^ 
    Niomon ninnaji.jpg
    Wie viele große Tempeltore wird auch dieses Tor (mon) des Ninna-ji von zwei eindrucksvollen niō-Wächtern bewacht und daher meist als Niō-Tor bezeichnet. Es stammt in seiner heutigen Form aus dem Jahr 1646, der Tempel selbst ist aber viel älter.
    Edo-Zeit, 1646. Wikimedia Commons, 663highland, 2010.
  6. ^ 
    Koya daimon.jpg
    Westliches Eingangstor zum Tempelbezirk auf Berg Kōya, errichtet 1705. Größtes Tempeltor (mon) des Klosterbergs. Ähnliche Bauweise wie die vorigen Beispiele (ebenfalls mit niō-Wächtern), allerdings rot bemalt, was durchaus der ursprünglichen Erscheinungsform buddhistischer Tempeltore entspricht. Zählt zum Typ sanmon.
    Edo-Zeit, 1705. Wikimedia Commons, 663highland, 2009.
  7. ^ 
    Chionin sanmon.jpg
    Dieses Tor (mon) des Chion-in gilt als das größte Tempeltor Japans. Zählt zum Typ sanmon (wtl. „Dreitor“).
    Edo-Zeit, 1721. Bertrand Marquet, flickr 2011.
  8. ^ 
    Kenchoji3.jpg
    Das Haupttor im sanmon-Stil übertrifft sogar das Tor des Chion-in an Höhe (30m). Da es sich frei stehend innerhalb des Kenchō-ji Tempelareals befindet, fungiert es im Grunde nicht als Tor, sondern als Speicher für Tempelschätze. Seine heutige Form stammt aus dem Jahr 1775.
    Edo-Zeit, 1775. julesberry2001, Flickr, 2011.
  1. ^ 
    Sanmon-nanzenji.jpg
    Haupttor des Nanzen-ji im sanmon-Stil, errichtet von Daimyō Tōdō Takatora.
    Frühe Edo-Zeit, 1628. Chris Gladis, flickr, 2007 (mit freundlicher Genehmigung).
  2. ^ 
    Karamon nishihonganji.jpg
    Das Chinesische Tor (karamon) des Nishi Hongan-ji in Kyōto, ein etwas vernachlässigtes Architektur-Juwel aus der Zeit um 1600.
    Edo-Zeit, 17. Jh. Bernhard Scheid, Flickr, 2016.
  3. ^ 
    Sofukuji ryugumon.jpg
    Im Unterschied zu den älteren japanischen Tempeltoren (mon), die meist zur Gänze aus Holz sind, spielt bei diesem chinesisch angehauchten Gebäudetyp (ryūgū-mon) des Sōfuku-ji die massive Grundmauer auch optisch eine tragende Rolle. Siehe auch Drachen und Drachenpaläste.
    Edo-Zeit, 1849. Tōkyō enogu, 2010.
  4. ^ 
    Yomeimon vorne.jpg
    Das Yōmei-mon, das bekannteste und am reichsten dekorierte Bauwerk in der Anlage in Nikkō (vordere Ansicht). Die Architektur folgt buddhistischen Vorbildern (sanmon), aber anstelle der buddhistischen Wächtergottheiten (niō) sind zwei naturalistische Bogenschützen (suijin) zu sehen; einer jung, einer alt.
    Edo-Zeit, 1636. TokyoViews, Matsui Fumio, flickr 2010 (mit freundlicher Genehmigung).
  5. ^ 
    Fushimi inari romon.jpg
    Eingang zur frisch gestrichenen Anlage des Fushimi Inari Taisha. Das Tor im Stil eines buddhistischen Tempeltores (rōmon) wurde von Toyotomi Hideyoshi aus Dank für die Genesung seiner Mutter gestiftet. Anstelle der im Buddhismus üblichen Torwächterfiguren (niō) sind shintoistische Wächter (suijin) in Form realistischer Bogenschützen zu erkennen.
    Momoyama-Zeit, 1589. Bernhard Scheid, (flickr) 2013.
  6. ^ 
    Tsushima jinja.jpg
    Schreintor im buddhistischen rōmon- bzw. sanmon-Stil.
    Momoyama-Zeit, ca. 1590. Cultural Heritage Online.
  7. ^ 
    Kitano2.jpg
    Eingang des Kitano Tenman-gū zur Zeit der Pflaumenblüte. Auch auf einem der Lampions neben dem Eingang ist das fünfblättrige Pflaumenemblem, das Wappenzeichen des Schreins, zu sehen.
    Edo-Zeit, 1607. Apricot Cafe, flickr 2007.
  8. ^ 
    Iwakiyama romon.jpg
    Stilistisch ein typisches zweigeschoßiges Tempeltor (rōmon), das sich jedoch in einem der ältesten Schreine in Nordjapan befindet.
    Kamakura-Zeit. Koike Takashi, 2009, Wikimedia Commons.

Glossar

Namen und Fachbegriffe auf dieser Seite

  • Arhat (skt.) अर्हत् ^ buddhistische Heiligenfigur; höchste Stufe des Menschseins vor dem Austritt aus dem Geburtenkreislauf (jap. rakan)
  • Chion-in 知恩院 ^ Haupttempel des Jōdo Buddhismus in Kyōto, err. 1234
  • Chōgen 重源 ^ 1121–1206; Mönch der Shingon-shū, bekannt für die Wiedererrichtung des Tōdaiji
  • chūmon 中門 ^ wtl. Mitteltor; Tor im Inneren einer (religiösen) Anlage
  • daibutsu 大仏 ^ wtl. „Großer Buddha“; monumentale Buddha-Statue
  • Genpei Gassen 源平合戦 ^ Krieg zwischen den Minamoto (Gen) und den Taira (Hei, bzw. Pei), 1180–1185
  • Hōryū-ji 法隆寺 ^ Tempel in Ikaruga bei Nara, gegr. 607; wtl. „Tempel des prosperierenden [Buddha]-Gesetzes“
  • Jōdo-shū 浄土宗 ^ Schule des Amida-Buddhismus
  • karahafu 唐破風 ^ „chinesischer“ (kara-) bzw. eleganter, geschwungener Giebelbalken, meist an Seitendächern über einem Palast- oder Tempeltor
  • karamon 唐門 ^ wtl. chinesisches Tor; Tor mit wellenförmig aufgewölbter Dachkante (meist über dem Eingang); trotz seines Namens ist dieser Baustil spezifisch für die japanische Holzarchitektur; das bekannteste karamon in Nikkō ist darüber hinaus auch tatsächlich mit chinesischen Motiven geschmückt
  • Kei-ha 慶派 ^ Buddh. Bildhauerschule des japanischen Mittelalters; benannt nach ihren berühmtesten Vertretern Unkei und Kaikei
  • Kenchō-ji 建長寺 ^ Zen-Tempel in Kamakura
  • kokuhō 国宝 ^ japanischer „Nationalschatz“; offizielle Auszeichnung besonderer Kulturgüter
  • Kōya-san 高野山 ^ Klosterberg südl. von Nara; sprituelles Zentrum des Shingon Buddhismus
  • Minamoto^ Kriegerfamilie, die 1185 eine neue Herrschaftsdynastie begründete: Kamakura Shōgunat, 1185–1333
  • mon^ Tor
  • nandaimon 南大門 ^ Südliches Haupttor einer Tempelanlage; bekanntestes Beispiel ist das Haupttor des Tōdaiji in Nara
  • Nanzen-ji 南禅寺 ^ Haupttempel der Nanzen-Schule in Kyōto; 1291 errichtet
  • Nara 奈良 ^ Hauptstadt und Sitz des Tennō, 710–784 (= Nara-Zeit); auch: Heijō-kyō
  • Ninna-ji 仁和寺 ^ Großer, buddhistischer Tempelkomplex der Shingon-shū in Kyōto; 888 errichtet
  • niō 仁王 ^ Wächterfigur, Torwächter
  • niōmon 仁王門 ^ Tempeltore mit integrierten niō-Wächterstatuen
  • Nirvāṇa (skt.) निर्वाण ^ „Erloschen, ausgelöscht“, Ort der Erlösung von allem Leid, absolutes Jenseits; jap. Nehan 涅槃
  • Nishi Hongan-ji 西本願寺 ^ Westlicher Hongan-Tempel in Kyōto; Haupttempel der Honganji-Linie des Jōdo-Shin Buddhismus; s.a. Östlicher Hongan-Tempel (Higashi Hongan-ji)
  • Ōbaku-shū 黄檗宗 ^ Dritte Hauptrichtung des jap. Zen
  • Rinzai-shū 臨濟宗 ^ Rinzai-Schule des jap. Zen Buddhismus
  • rōmon 楼門 ^ wtl. „Turmtor“; buddhistischer Torstil, zweigeschoßig; das Obergeschoß ist durch eine Ballustrade vom Untergeschoß getrennt und meist nicht zugänglich
  • ryūgū-mon 龍宮門 ^ wtl. Tor des Drachenpalastes; chinesisch angehauchtes Tempeltor
  • sangedatsu mon 三解脱門 ^ Tempeltor; Synonym für sanmon
  • sanmon 三門/山門 ^ Tempeltor; in der ersten Schreibung (wtl. „Dreitor“) besitzt der Begriff einen metaphysischen Hintersinn: „Tor [der Befreiung von den] drei [Hindernissen]“, auch sangedatsu mon. In der zweiten Schreibung steht san (Berg) für „Tempel“.
  • Shingon-shū 真言宗 ^ Shingon-Schule, wtl. Schule des Wahren Wortes; wichtigste Vertreterin des esoterischen Buddhismus (mikkyō) in Japan
  • Sōfuku-ji 崇福寺 ^ Buddhistischer Tempel in Nagasaki; 1629 errichtet
  • tenjiku-yō 天竺様 ^ „indischer Stil“; Typus eines Tempeltores; wurde aufgrund der irreführenden Verbindung mit Indien von Ōta Hirotarō im 20. Jahrhundert in daibutsu-yō umbenannt
  • torii 鳥居 ^ Torii, Schreintor; wtl. „Vogelsitz“; s. dazu Torii: Markenzeichen der kami
  • Tōdaiji 東大寺 ^ Tempel des Großen Buddha von Nara; wtl. Großer Ost-Tempel
  • Tōdō Takatora 藤堂高虎 ^ 1556–1630; Daimyō der Azuchi-Momoyama- und frühen Edo-Zeit
  • Zen^ chin. Chan, wtl. Meditation; Zen Buddhismus
Religion in JapanBauten
Diese Seite:

„Berühmte Tempeltore Japans.“ In: Bernhard Scheid, Religion-in-Japan: Ein digitales Handbuch. Universität Wien, seit 2001