Buddhistische Würdenträger (Mönchsgalerie, Teil 2)
In großen Tempelanlagen – oder „Klöstern“ – gibt es eine stark ausgeprägte Hierarchie innerhalb der Mönchsschaft, die sich ähnlich wie in der katholischen Kirche u.a. in der Kleidung ausdrückt. Besonders bei feierlichen Zeremonien sind die Ornate buddhistischer Würdenträger enorm prächtig und farbenfroh. Neben dem prunkvollen Gewand können Würdenträger z.B. auch durch einen roten Schirm (im alten Indien Zeichen königlicher Autorität) hervorgehoben werden.
Zeremonialgewand
Die Mönche auf dem obigen Bild tragen ein sogenanntes hōmo-shichigesa Gewand. Dieses ist bereits im Altertum dokumentiert, war damals aber nur den allerhöchsten Würdenträgern bei den wichtigsten Zeremonien gestattet.
Die oben dargestellen Bestandteile des hōmo-shichigesa sind:
- mōsu-Kapuze, heute meist wie ein Schal getragen
- kesa-Umhang aus sieben Stoffbahnen (shichijōgesa)
- eine spezielle Schärpe zum Fixieren des kesa (ōhi)
- Obergewand (hō) mit einem charakteristischen, im Nacken hochgezogenen Kragen
- Untergewand (shitagasane)
- Rock (mo).
- Überhose (ue no hakama)
- Hose (ōguchi-hakama)
- Mönchssocken (shitōzu)
- Gebetskette (juzu)
- Fächer (hiōgi, ebenfalls Bestandteil der Kleidervorschrift)
Eine Mönchsprozession der Heian-Zeit
In der Heian-Zeit war die Fortbewegung in großen zweirädrigen Karren, die von Ochsen gezogen wurden, ein besonderes Privileg des Hochadels. Solche Ausflüge waren zwar langsam, boten aber die Gelegenheit zur Darstellung von Macht. Die folgende Illustration zeigt, dass diese Form der Repräsentation auch von hochrangigen Mönchen genutzt wurde.
Werk von Kanō Einō (1631–1697). Edo-Zeit. Nara Women’s University.
Man beachte insbesondere den Mönch im Gefolge hinter dem Wagen, der das Schuhwerk des Transportierten auf einem eigenen Opfertischchen hinterher trägt.
Hochrangige Dame im Nonnenstand
Frühe Edo-Zeit. Digital cultural properties of Wakasa, Obama City, über Internet Archive.
Die obige Abbildung zeigt das seltene Bild einer buddhistischen Nonne aus dem Samurai-Adel der frühen Edo-Zeit. Es handelt sich um die Nonne Jōkō-in, eine Nichte des Oda Nobunaga, die nach dem Tod ihres Mannes Kyōgoku Takatsugu der Welt entsagte und ein Kloster gründete. Auf dem Bild trägt sie die übliche Kapuze (mōsu) sowie ein taschenförmiges kesa und hält eine Gebetskette in der Hand. Äußerlich ist kaum zu unterscheiden, ob es sich um das Portrait einer Nonne oder eines Mönchs handelt.
Weitere Bilder
Heisei-Zeit, 1996. Michael Thaler, Blog.
Werk von Enami Nobukuni. Meiji-Zeit, 19. Jh. Japanese Old Photographs.
Verweise
Verwandte Themen
Bilder
- ^ Würdenträger des Shingon Buddhismus bei einer Zeremonie auf Berg Kōya.
Cody Ryal, 2006. - ^ Buddhistisches Zeremonialgewand hōmo-shichigesa.
Bildquelle: Costume Museum, Kyōto (2009/1). - ^ Der Mönch Zōga zeigt seine Verachtung gegenüber weltlichem Reichtum und Prunk, indem er an der Ehrung seines eigenen Lehrers Ryōgen (des Mönchs im Ochsenkarren) in zerschlissener Alltagskleidung teilnimmt. Die Illustration entstammt einer Edo-zeitlichen Querbildrolle des Tanzan Schreins, des geistigen Zentrums von Tōnomine, wo Zōga tätig war.
Werk von Kanō Einō (1631–1697). Edo-Zeit. Nara Women’s University. - ^ Portrait der Nonne Jōkō-in, einer Nichte des Oda Nobunaga, die nach dem Tod ihres Mannes Kyōgoku Takatsugu (1563-1609) der Welt entsagte und ein Kloster gründete. Sie trägt eine Mönchskapuze (mōsu) sowie ein taschenförmiges kesa und hält eine Gebetskette (juzu) in der Hand.
Frühe Edo-Zeit. Digital cultural properties of Wakasa, Obama City, über Internet Archive. - ^ Hochrangiger Würdenträger des Nichiren-Buddhismus mit Begleitern.
In den Händen hält er eine buddhistische Gebetskette (juzu) und ein hossu, eine Art „Fliegenwedel“.
Heisei-Zeit, 1996. Michael Thaler, Blog.
- ^ Buddhistischer Würdenträger aus der Meiji-Zeit mit Gebetskette (juzu), kesa und in den Nacken gestecktem Fächer.
Werk von Enami Nobukuni. Meiji-Zeit, 19. Jh. Japanese Old Photographs. - ^ shingon-Mönch mit Schirm vor einer feierlichen Zeremonie.
Dale Robinson, flickr, 2004. - ^ Yamabushi beim Frühlingsfest (setsubun) des Mibu-dera in Kyōto.
Chris Gladis, flickr, 2007. - ^ Würdenträger in Asakusa.
S. Bär, flickr, 2005.
Glossar
- hō 袍 ^ Obergewand der Mönchstracht mit rundem, im Nacken hochgezogenen Kragen; wird ober dem shitagasane getragen
- Jōkō-in 常高院 ^ 1570–1633; Ehefrau von Kyōgoku Takatsugu; wurde nach seinem Tod zur Nonne und gründete ein Kloster
- ōguchi-hakama 大口袴 ^ rote hakama mit geschlossenem Schritt, werden an der linken Seite des Trägers gebunden und unter den ue no hakama getragen
Religion in Japan, Inhalt
- 一 Grundbegriffe
- Einleitung
- Japan
- Buddhismus:
- Ausbreitung
- Buddh. Lehren
- Shintō:
- Shintō
- Chinesische Einflüsse:
- Yin und Yang
- Zusammenfassung:
- Stereotype
- Weltbild
- 二 Bauten
- 三 Alltag
- Einleitung
- Öffentliche Religion:
- Tempel- & Schreinbesuch
- Glücksbringer
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- Volksfeste (matsuri)
- Private Religion:
- Religion und Familie
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- Religiöse Spezialisten:
- Buddhistische Mönche
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- 四 Ikonographie
- Einleitung
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- Riesen-Buddhas: Im Kampf gegen die Unbeständigkeit des irdischen Daseins
- Lokale Vorstellungen, Japan:
- Jindō und shintō: Zum Begriffsinhalt des ‚Weges der kami‘
- Ōkuninushi als heimlicher Gegenspieler der Himmlischen Götter
- Religiöse Gewalt in Japan: Blutopfer, Selbstopfer, Menschenopfer
- Regenmachen im vormodernen Japan
- Lieber das Herz in der Hand als die Taube über dem Heer
- Feuer mit Feuer bekämpfen: Der Gehörnte Meister und sein Kult
- Das Butsuzō zui: Ein ‚illustriertes Kompendium der mystischen Gestalten von Buddhas und Kami‘
- Hundert Geschichten: Horrorklassiker aus der Edo-Zeit
- Religion und Politik:
- Die Tenshō-Mission: Beginn einer schwierigen transnationalen Beziehung
- Yasukuni: Der Schrein des ‚friedlichen Landes‘
- Herrigels Zen und das Bogenschießen
„Buddhistische Würdenträger (Mönchsgalerie, Teil 2).“ In: Bernhard Scheid, Religion-in-Japan: Ein digitales Handbuch. Universität Wien, seit 2001