Die Schreinanlage von Ise

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Die Schreinanlage von Ise

Die Schreinanlage von Ise wird üblicherweise als „höchster“, „erster“ oder „wichtigster“ Schrein Japans bezeichnet. Ise ist in der Tat der bedeutenste Ahnenschrein des Tennō. Andererseits war Ise bereits in der Edo-Zeit ein populäres Pilgerzentrum und zieht auch heute jährlich mehrere Millionen Besucher an. Beide Aspekte werden auf dieser Seite erläutert.

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Das 2013 neu errichtete Hauptgebäude des Äußeren Schreins (Gekū) von Ise. Bis auf wenige Details ist dieses Gebäude mit der Haupthalle des fünf Kilometer entfernten Inneren Schreins identisch.
© Minamikawa Sanjirō, 2013
1 Die neu errichtete Haupthalle des Äußeren Schreins, 2013

Schreinanlage und Neuerrichtung

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Lage des Inneren Schreins (Naikū) und Äußeren Schreins (Gekū) von Ise, deren Hauptgebäude über 4km von einander entfernt sind. Ehemals waren beide Anlagen von eigenen Dörfern, Yamada und Uji, umgeben, die heute zur Stadt Ise zusammengewachsen sind.
© Google Earth, 2014
2 Lage der Hauptschreine von Ise
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Satellitenbild welches den Äußeren Schrein (Gekū) von Ise zeigt.
© Google Earth, 2014
3 Äußerer Schrein (Gekū)
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Satellitenbild, welches den Inneren Schrein (Naikū) von Ise zeigt.
© Google Earth, 2014
4 Innerer Schrein (Naikū)
Die beiden Hauptschreine nach der Schreinverlegung von 2013,
aber noch vor dem Abbau der alten Gebäude.

Der besondere Bezug Ises zum Tennō drückt sich bereits in der offiziellen Schreinbezeichnung Ise Jingū aus: jingū, wtl. „Götterpalast“, ist eine Bezeichnung, die nur Schreinen von kaiserlichen Ahnengottheiten zusteht. Obwohl auch Schreine wie der Atsuta Jingū oder der Meiji Jingū zu den Ahnenschreinen des Tennō zählen, ist klar, dass von Ise die Rede ist, wenn jingū ohne spezifischen Zusatz verwendet wird.

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Der Ise Schrein kurz nach der Schrein­verlegungs­zeremonie, Oktober 2013. Vor einem knallneuen torii verneigen sich zwei festlich gekleidete Damen unter Anleitung eines Priesters. Eine Masse von Schaulustigen, zu denen auch der Fotograf gehört, befindet sich hinter einem Zaun, der nur für prominente Gäste geöffnet wird. Vom eigentlichen Hauptgebäude ist lediglich ein kleines Stück Dach zu sehen, die Architektur entspricht jedoch dem überdachten Tor hinter dem torii. Rechts im Hintergrund ist noch die spiegelbildlich errichtete alte Anlage zu sehen, die in Kürze abgerissen wird, bis das Areal nach zwanzig Jahren für einen weiteren Neuaufbau genutzt wird.
© Bernhard Scheid, 2013
5 Hauptschrein von Ise

Die beiden etwa gleich großen Hauptschreine, der Innere Schrein (Naikū) und der Äußere Schrein (Gekū), bilden die Gravitationspunkte einer Anlage, die sich über die ganze Region von Ise erstreckt. Sie liegen etwas mehr als 4 km Luftlinie von einander entfernt und waren ehemals von zwei separaten Dörfern, Yamada und Uji, umgeben. Daneben zählen noch 123 weitere Schreingebäude, die über die heutige Stadt Ise und ihre Umgebung verstreut sind, zum Schreinkomplex von Ise. Die Hauptschreine sind exakt nach Süden ausgerichtet und streng symmetrisch (wie im übrigen auch die meisten buddhistischen Tempel), die meisten Nebenschreine sind allerdings nach keinem erkennbaren Plan positioniert.

Die Hauptgebäude sind durch einen vierfachen Zaun von der Allgemeinheit getrennt, als normaler Besucher bekommt man lediglich die Spitzen der Dächer zu Gesicht. Abgesehen von den örtlichen Priestern dürfen nur Mitglieder der kaiserlichen Familie in die innersten Schreinbereiche vordringen. Die Nebenschreine sind im Stil der Hauptgebäude gehalten, wenn auch kleiner, und dürfen heute sehr wohl von der Nähe betrachtet werden.

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Die Anlage des Inneren Schreins (Naikū), wie sie 1880 von Edoardo Chiossone und anderen dokumentiert wurde. Abgebildet ist jener Bereich, der damals wie heute für gewöhnliche Besucher unzugänglich ist. Obwohl es heißt, dass die Anlage alle zwanzig Jahre nach exakt dem gleichen Plan neu errichtet wird, fallen im Vergleich zu heutigen Bildern Veränderungen auf. So gab es damals offenbar noch kein verlängertes Vordach vor dem Eingang der Haupthalle (im linken Bildteil), vor allem aber sind die beiden Nebengebäude heute nicht mehr in der gleichen Achse wie die Haupthalle, sondern weit nach hinten versetzt (vgl. Bild:Naiku_google.jpg). Werk von Chiossone u.a..
© Museum für Angewandte Kunst (MAK), Wien
6 Abb. der Anlage des Inneren Schreins, 1880

Sämtliche Haupt- und Nebenschreine werden im Abstand von zwanzig Jahren zur Gänze abgerissen und neu errichtet. Auch torii und Brücken sowie eine Unzahl von Schreinschätzen, die kaum jemand zu Gesicht bekommt, sind Teil der rituellen Wiedererrichtung. Dabei dürfen nur traditionelle Materialien und Techniken zum Einsatz kommen, selbst der Gebrauch von maschinellen Sägen und Hobeln ist untersagt.

Die periodische Erneuerung der gesamten Anlage (shikinen sengū) zieht sich über etwa acht Jahre hin. Der Höhepunkt ist die Überführung der Hauptgottheiten, nach der auch das Datum der Schreinerneuerung angegeben wird. In einer nächtlichen Zeremonie, die mit dem jährlichen Erntedankfest (Kanname-sai, das wichtigste Schreinfest im Oktober) korreliert, werden die shintai von Gekū und Naikū in die jeweiligen neuen Gebäude überführt. Diese übernehmen von da an alle Funktionen der alten Gebäude. Die alten Gebäude bleiben allerdings noch eine gewisse Zeit bestehen, bis sie schließlich abgebaut und durch Miniaturschreine ersetzt werden. Die alten Hölzer werden teilweise von anderen Schreinen verwendet.

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Anlässlich der periodischen Neuerrichtung der Schreinanlage von Ise, die alle 20 Jahre stattfindet, wird das Hauptheiligtum (go-shintai) des Schreins in einer nächtlichen Prozession zu seinem neuen Bestimmungsort gebracht. Das heilige Objekt ist durch Tücher verhüllt. Meiji-Zeit
7 Zeremonie der Schreinüberführung (sengū)

Die genauen Gründe dieser Prozedur liegen im Dunkeln, man nimmt aber an, dass sie tatsächlich dazu geführt hat, die Struktur der Bauwerke in ihrer ursprünglichen Form zu bewahren. Auch die traditionellen Handwerkstechniken werden durch die regelmäßigen Erneuerungen lebendig gehalten. Ähnliche systematische Erneuerungszyklen kennt man im übrigen auch von anderen traditionellen Schreinen, doch nirgends werden sie so umfassend durchgeführt wie in Ise. Dies erforderte stets eine entsprechende ökonomische Grundlage. Diese war jedoch während des japanischen Mittelalters nicht immer gegeben, sodass die Tradition einmal über hundert Jahre unterbrochen war, sich ansonsten aber bis ins späte siebente Jahrhundert zurück verfolgen lässt.

Herz-Pfeiler

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Rituelle Übergabe von Nahrungsopfern an die Götter des Waldes anlässlich der ersten Baumfällungen für die neue Schreinanlage von Ise, acht Jahre vor der Hauptzeremonie. 2005/6/3
© Sengu News, über Internet Archive
8 Ritueller Beginn der Schreinerneuerung

Ein für die Dramaturgie der Schreinverlegung essenzielles Element ist der sogenannte „Herz-Pfeiler“ (shin no mihashira), der in gewisser Weise die Seele des Schreins verkörpert. Nur die beiden Haupthallen von Gekū und Naikū verfügen über einen solchen Pfeiler. Er befindet sich in der Mitte des Gebäudes und reicht von der Erde bis zum Fußboden, hat also keine statische Funktion. Er markiert lediglich die Stelle, wo die „Gottkörper“ (shintai) aufbewahrt sind. Nach dem Abbau des ihn umgebenden Schreingebäudes hält er als einziger Bestandteil des alten Gebäudes bis zur nächsten Schreinüberführung (also insgesamt 40 Jahre) quasi die Stellung und wird dabei wie ein Heiligtum von einem Miniaturschrein beschützt. Acht Jahre vor dem Neubau der Haupthalle beginnt der Zyklus der Erneuerung dann damit, dass ein Baum für den Herzpfeiler des neu zu errichtenden Schreins in den Wäldern nahe des Schreins gefällt wird. Dieser wird allerdings erst kurz vor der endgültigen Schreinüberführung in einer nächtlichen Zeremonie in den Boden unter dem neuen Gebäude versenkt. In Ise selbst heißt es, dass dieser Pfeiler ein altes Menschenopfer ersetzen würde.1 Ähnliche Herz-Pfeiler gibt es auch im Schrein von Izumo.

Baustil

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Die Haupthalle des Äußeren Schreins (Gekū) von Ise weicht nur in kaum merkbaren Details von der des Inneren Schreins ab. Unter anderem sind die verlängerten Dachsparren (chigi) hier vertikal und nicht horizontal abgeschrägt (vgl. Bild:Naiku kokkayoho.jpg). Werk von Chiossone u.a..
© Museum für Angewandte Kunst (MAK), Wien
9 Äußerer Schrein
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Das Bild entstand im Rahmen einer Inspektionstour zu den Baudenkmälern und Kunstschätzen Japans aus den Jahren 1879 und 80, die von Tokunō Ryōsuke (1825–1883), dem Leiter der Staatsdruckerei, initiiert worden war. Ein Team von Photographen und Lithographen erhielt die Aufgabe, die repräsentativsten Kunstschätze des Landes so naturgetreu wie möglich festzuhalten. Dem Expertenteam gehörte auch der Italiener Edoardo Chiossone an, der Japan mit den neuesten Techniken der europäischen Druckkunst vertraut machte und u.a. die japanischen Banknoten entwarf. Die von Chiossone und anderen angefertigten Lithographien der Serie sind teilweise hyperrealistisch und genauer als Photographien. Dennoch wirkt der Innere Schrein (Naikū), das Hauptheiligtum von Ise, zwar in den Details realistisch, die Proportionen stimmen allerdings nicht ganz mit dem heutigen Bau überein. Werk von Chiossone u.a..
© Museum für Angewandte Kunst (MAK), Wien
10 Innerer Schrein
Abbildung der beiden Haupthallen aus dem Jahr 1880

Den charakteristischen Stil der Ise Schreine nennt man shinmei-zukuri, „Stil der strahlenden Gottheit [= die in Ise verehrte Sonnengottheit Amaterasu]“. Er entspricht der Bauweise in der Yayoi-Zeit, also der Zeit von ca. 300 vor bis ca. 300 nach unserer Zeitrechnung. Dies scheint das mythische Alter der Anlage (s.u.) zu bestätigen, doch geht man heute davon aus, dass sich das Ensemble der hier verehrten Gottheiten und ihr enger Bezug zum Kaiserhaus erst im siebenten Jahrhundert festigte. Die Ise Schreine wurden daher wahrscheinlich von Beginn an in einem archaisierenden Stil errichtet, der durch den regelmäßigen Wiederaufbau in Erinnerung blieb.

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Modellgraphik des Inneren Schreins
Bild: Japonia.org.pl

Die Grundform der Gebäude ähnelt einem Speicher, was auch den relativ großen Abstand vom Boden erklärt. Das Dach ist mit Schilf gedeckt. Der Dachfirst wird von einem eigenen, an die Außenwand gelehnten Pfeiler gestützt, ein Charakteristikum, das bei jüngeren, von China beeinflussten Bauformen fehlt.

Im Gegensatz zu fast allen anderen Schreinen, wird das Holz der Ise Schreine nicht lackiert oder sonst vor Verwitterung geschützt. Auch werden die Pfeiler der Gebäude einfach in den Boden versenkt, während sie bei anderen Gebäuden auf Steinen ruhen, um sie vor der Feuchtigkeit des Bodens zu schützen. Nach zwanzig Jahren sehen die Schreingebäude daher in der Tat bereits sehr „antik“ aus.

Katsuogi und chigi

Zu den auffallendsten Charakteristika des shinmei-Stils zählt der Dachschmuck: Der First ist mit katsuogi-Querhölzern, die Giebel mit sogenannten chigi geschmückt. Chigi und katsuogi gelten als Überbleibsel des altjapanischen Palast-Baustils, die sich nur noch in der Schreinarchitektur erhalten haben. Sie existieren in vielen Varianten, die jeweils für einen bestimmten traditionsreichen Schrein charakteristisch sind. Im Fall von Ise gibt es die Besonderheit, dass die chigi mit der Dachkonstruktion verschmolzen sind, während sie in den meisten anderen Fällen als x-förmiges Dekorelement neben den katsuogi auf dem Dachfirst reiten.

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Haupthalle des Ise Schreins im shinmei-Stil.
Bildquelle: Mundo-Nipo, 2014
11 Frontalansicht des Inneren Schreins
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Die „weibliche“ Form des Dachornaments des Ise Schreins ist charakterisiert durch horizontal abgeschrägte Dachsparren (chigi) und eine gerade Anzahl von Querhölzern (katsuogi).
Bildquelle: J-Blog
12 Horizontal abgeschrägte Dachsparren (Innerer Schrein, „weibliche“ Form)
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Das Dach des Äußeren Schreins (Gekū) unterscheidet sich durch die Vertikale Abschrägung der Dachsparren (chigi) und die ungerade Zahl der Rundhölzer (9) vom Dach des Inneren Schreins.
© Minamikawa Sanjirō, 2013
13 Vertikal abgeschrägte Dachsparren (Äußerer Schrein, „männliche“ Form)

Auf den Bildern oben sind chigi in zwei Varianten zu erkennen, einmal horizontal, einmal vertikal abgeschrägt. Dies findet sich auch bei anderen Schreinen, wobei horizontale chigi eine weibliche, vertikale dagegen eine männliche Schreingottheit symbolisieren. Auch auf die Anzahl der katsuogi wird Bedacht genommen: weibliche Gottheiten haben eine gerade Anzahl von katsuogi auf dem Dach, männliche eine ungerade. Dieser Symbolismus lässt einen Einfluss der Yin Yang-Philosophie erkennen (gerade = Yin = weiblich, ungerade = Yang = männlich), der möglicherweise jüngeren Datums ist als die eigentlichen architektonischen Grundelemente.

In Ise dienen die chigi-Formen jedoch zur Unterscheidung von Schreinen, die zum Äußeren (vertikal) bzw. zum Inneren Schrein (horizontal) gehören. Der Symbolismus wird also sowohl bei den Haupt- als auch bei den zahlreichen Nebenschreinen angewandt, unabhängig vom Geschlecht der spezifischen Gottheit. Zusammen mit der Tatsache, dass sich zwischen Äußerem und Innerem Schrein sonst kaum ein Unterschied erkennen lässt (auch kein größenmäßiger) wirft dies die Frage auf, ob die Anlage ursprünglich tatsächlich für eine weibliche Hauptgöttin und ihre Dienerin entworfen wurde, wie dies die Schreinchronik berichtet. Architektonisch gesehen haben wir es eher mit einem Paar von gleichrangigen Gottheiten unterschiedlichen Geschlechts zu tun, ein Muster, das sich in vielen alten Schreinen finden lässt. In jedem Fall ist festzuhalten, dass zwischen der Architektur und der Mythologie der Ise Schreine keine unmittelbare Verbindung besteht.

Schreinmythologie

Ise wird häufig als Schrein der Sonnengottheit Amaterasu angesehen, doch nur der Innere Schrein ist dieser Gottheit geweiht. Hier wird als shintai ein Spiegel aufbewahrt, welcher der Schreinmythologie zufolge von den Göttern selbst angefertigt wurde, um Amaterasu aus ihrer selbst auferlegten Isolation in der Felsenhöhle zu locken (s. Göttermythen). Diesen Spiegel gab Amaterasu ihrem Enkel Ninigi mit auf den Weg, als er die Herrschaft auf der Erde antrat. Er solle diesen Spiegel als ein Ebenbild seiner göttlichen Großmutter ansehen. Der Spiegel wurde laut den ältesten Chroniken Japans (den sogenannten kiki) von den Nachfolgern des Ninigi, den frühen Tennō, zusammen mit anderen Schätzen im kaiserlichen Palast aufbewahrt. Unter dem zehnten Tennō, Sujin, kam es jedoch zu einer Entfremdung zwischen dem Herrscher und seinen Ahnengöttern, als eine furchtbare Epidemie das Land heimsuchte. Diese wurde von den Gottheiten Ōmononushi und Amaterasu hervorgerufen (man beachte, dass Amaterasu hier als missgünstige, gefährliche Gottheit auftritt). Erst durch eigene Schreine, die auch die göttlichen Schätze des Kaiserhauses bargen, konnten die Gottheiten besänftigt werden.

Amaterasus Schrein befand sich jedoch zunächst nicht in Ise, sondern im Nara-Becken nahe Berg Miwa. Erst unter dem nächsten Tennō, Suinin, wurde die kaiserliche Prinzessin Yamato-hime damit beauftragt, einen neuen Platz für die Sonnengottheit zu suchen, und fand ihn nach einer jahrelangen Wanderung in Ise, nachdem Amaterasu selbst ihr eine entsprechende Weisung gab:

The province of Ise, of the divine wind, is [...] a secluded and pleasant land. In this land I wish to dwell.2

In diesem Ausspruch der Amaterasu findet sich der berühmte Ausdruck kamikaze, Götterwind, der als schmückendes Beiwort von Ise mehrfach in den ältesten Quellen genannt wird.3 Erst viel später, zur Zeit der Mongoleninvasion, erhielt der Ausdruck den militärischen Beigeschmack, der sich schließlich durch die „Kamikaze-Piloten“ des Zweiten Weltkriegs weltweit ins kulturelle Gedächtnis einschrieb.

Im weiteren Verlauf der Yamato-hime Episode stellt sich heraus, dass die Priester-Prinzessin auch zwei der drei kaiserlichen Throninsignien mit sich führte, nämlich Spiegel und Schwert. Das Schwert übergab sie jedoch ihrem Neffen, Yamato Takeru. Es landete schlussendlich im Atsuta Schrein. Der Spiegel hingegen soll sich seit Yamato-hime in Ise befinden.

Seltsamerweise bleibt Ise in den Episoden der Tennō, die nach Yamato-hime regieren, vollkommen unerwähnt. Lediglich unter Yūryaku Tennō (Tennō Nummer 21) erfährt man die tragische Geschichte einer seiner Töchter, Takuhata-hime, die als kaiserliche Kult-Prinzessin in Ise tätig war und Selbstmord beging, nachdem sie fälschlich der Unzucht bezichtigt worden war.4

Der Äußere Schrein führt seine Gründung auf eine Legende zurück, die ebenfalls in der Zeit des Yūraku Tennō angesiedelt ist. In einer Traumbotschaft teilte Amaterasu dem Tennō mit, dass er den Schrein der Nahrungsgottheit Toyouke aus der Provinz Tanba in die Nähe ihres Schreins verlegen lassen solle. Toyouke wurde demnach zunächst in einer Provinz nordwestlich von Kyōto verehrt. Toyouke wird als marginale Gestalt im Kojiki flüchtig erwähnt. Ihr Schrein in Tanba und seine Übersiedlung nach Ise finden sich jedoch nicht in den kiki, sondern lediglich in der erwähnten Schreinchronik aus dem Jahr 804.

Schließlich bergen die kiki noch den Hinweis auf eine weitere Gottheit, die möglicherweise vor Amaterasu in Ise verehrt wurde und vielleicht sogar in der Rolle einer Sonnengottheit von ihr verdrängt wurde. Es handelt sich um Sarutahiko, den etwas unheimlichen Bergführer des Ninigi, der mit Ame no Uzume vermählt wird. Von diesem Paar heißt es im Nihon shoki, dass sie sich – lange vor Yamato-hime – am Oberlauf des Isuzu-Flusses (der am Inneren Schrein vorbei fließt) niederließen.

Schreingeschichte

Die oben skizzierte Schreinmythologie ist zwar bereits in den kiki zu finden, doch deutet sich in diesen Chroniken zugleich an, dass die Zentren des kami-Kults in vor- und frühgeschichtlicher Zeit woanders, nämlich in Izumo und Miwa gelegen haben müssen. Auch bietet die Mythologie, wie erwähnt, keine befriedigende Erklärung für die Doppelstruktur der Anlage. Die meisten Experten gehen daher heute davon aus, dass die Verehrung einer weiblichen Sonnengottheit, die zugleich als wichtigste Ahnengottheit des Kaiserhauses gilt und ihren Hauptsitz in Ise hat, erst in historischer Zeit zustande kam. Man nimmt an, dass sich die schriftliche Niederlegung der kaiserlichen Mythologie Anfang des achten Jahrhunderts mit der Entstehung des Ise-Kults überschneidet.5

Sowohl die Abfassung der kiki als auch der Ausbau von Ise wären nach dieser Theorie ein Produkt der Tenmu Dynastie, einer bestimmten Linie des Kaiserhauses, die von Tenmu Tennō und seiner Witwe und Nachfolgerin Jitō begründet wurde. Seit dieser Zeit ist auch die Existenz von zwei Hauptschreinen, die von den Priesterfamilien Arakida (Innerer Schrein) und Watarai (Äußerer Schrein) geführt wurden, zuverlässig dokumentiert. Auch die 20-jährigen Schreinerneuerungen dürften ab dieser Zeit durchgeführt worden sein, obwohl sie erst ab 785 zweifelsfrei dokumentiert sind.6 Erst die Tenmu-Dynastie war also dafür verantwortlich, dass Ise den Status des obersten kaiserlichen Ahnenschreins erhielt.

Altertum

Ab der Zeit Tenmus und Jitōs wurden die wirtschaftlichen Bedürfnisse der Schreinanlage in Form von „Opfergaben“ durch das Tennō-Haus realisiert. Die Opfergaben waren materielle Güter, die den Unterhalt der Priester sicherten, und wurden von sogenannten Schreinhaushalten hergestellt, bäuerlichen Betrieben, die nominell dem Tennō unterstanden. Umgekehrt durften andere Personen, egal ob adelig oder nicht, den Gottheiten von Ise keine Unterstützungen oder Opfer zukommen lassen. Die Schreinhaushalte wurden jedoch von priesterlichen „Zeremonienmeistern“ (saishu) des Hofes überwacht. Diese Zeremonienmeister, die wiederum aus der höfischen Priesterfamilie Nakatomi stammten, lebten zwar am Hof, hatten jedoch die eigentliche Autorität in Ise inne.7 Daneben gab es auch die Institution der Kult-Prinzessin (saiō). Diese stammte aus der Familie des Tennō, musste Jungfrau sein und nahm in rituellen Belangen die höchste Stellung ein. Wahrscheinlich hatte sie aber nur nominelle Autorität.

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Kuroda Sayako, derzeit stellvertretende Kult-Prinzessin (saiō) in Ise, ist eine Tochter des Heisei Tennō. Hier leitet sie das Tsukinami-sai, ein traditionelles halbjährliches Ritual in Ise. Rechts die 20 Jahre alte Anlage des Inneren Schreins (Naikū), die in Kürze durch die neuen Gebäude im Hintergrund ersetzt werden wird. Werk von Minamikawa Sanjirō. 2013
© Minamikawa Sanjirō, 2013/6/16
14 Ise Priester mit Kult-Prinzessin Kuroda Sayako, 2013

Die besondere Beziehung zum Tennō-Haus führte zu einer Sonderstellung Ises innerhalb der Schreinlandschaft Japans. In allen bekannten Schreinlisten, die seit der Heian-Zeit geführt werden, steht Ise als kaiserlicher Ahnenschrein trotz der entlegenen Lage unangefochten an erster Stelle. Der Tennō selbst war ab der Heian-Zeit in seiner Mobilität auf die Hauptstadt beschränkt und besuchte Ise daher nie in eigener Person. Auch die Aristokratie besuchte eher Schreine in Hauptstadtnähe hielt. Der Hof wahrte demnach gegenüber der höchsten Gottheit des Landes einen deutlichen Respektabstand.

Mittelalter und Frühe Neuzeit

Mit dem Niedergang des Hofes zwischen dem 12. und 14. Jahrhundert verschwanden sowohl die Zeremonienmeister des Hofes als auch die Kult-Prinzessinnen und die Ise Schreine wurden nun wirklich von den dort ansässigen Priestern geführt. Zugleich mussten sie sich aber unter den neuen Kriegereliten nach Ersatz für die ökonomische Unterstützung durch den Hof umsehen. Dies führte zu einer erbitterten Konkurrenz zwischen den Watarai und den Arakida. Die Watarai bemühten sich, ihren Schrein, den Äußeren, als mindestens ebenso bedeutsam wie den Inneren darzustellen. Zu diesem Zweck identifizierten sie ihre Gottheit mit Kuni no Tokotachi, der im Nihon shoki Generationen vor Amaterasu als Urgottheit in Erscheinung tritt. Dieser Urgott sollte laut Watarai die ursprüngliche Gottheit des Äußeren Schreins sein. In ihrem Bemühen um eine neue Identität gingen die Priester aber noch weiter und begründeten den sogenannten Watarai Shintō, der zu einer Inspirationsquelle späterer Shintō-Theologien wurde.

Amaterasu blieb zwar über lange Sicht dennoch die repräsentativste Gottheit Ises, doch ihre Mythologie geriet weitgehend in Vergessenheit. Der große buddhistische Dichtermönch Saigyō etwa schrieb: „Obwohl wir das Geheimnis [Ises] nicht kennen, rührt es uns doch zu Tränen.“8 In der Tat wurde Amaterasu zeitweise als Mann aufgefasst und mit Dainichi Nyorai identifiziert. Auch eine jugendliche Gottheit namens Utsuho Dōji wurde als Erscheinungsform Amaterasus gedeutet. Besonders exaltierte Theologen sahen in ihr auch eine Schlangengottheit.9

Sowohl der Innere als auch der Äußere Schrein sandten im Mittelalter und in der frühen Neuzeit unabhängig von einander Priester durchs Land, die der allgemeinen Bevölkerung von den sagenhaften Kräften der Ise-Gottheiten kündeten und Ise zur populärsten shintōistischen Pilgerstätte des Landes machten. Sie verteilten dabei auch Talismane in Papierform (o-fuda) und entwickelten zugleich, fast nebenbei, das erste Papiergeld Japans (mehr dazu auf der Spezialseite zu Daikoku).

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Dichtes Gedränge von diversen Pilgern und Pilgergruppen vor einem torii das den Eingang des Areals von Ise markiert. Im Hintergrund links ist die Uji-Brücke zu erkennen, im Hintergrund rechts eine Bühne mit Shamisen-Spielerinnen. Werk von Utagawa Kunisada (Toyokuni III, 1786–1865). 1834
© Waseda University Library, über Internet Archive
15 Pilgermassen in Ise, 1834

Gegen Ende der Edo-Zeit tauchten folgerichtig Gerüchte auf, dass die Ise-Pilger bisweilen mit einem Geldregen überschüttet werden würden, was zu einem weiteren Anstieg der Popularität Ises führte. Man stellte sich Amaterasu auch als weißes Pferd vor, das bei Hungerkatastrophen und Erdbeben helfend in Erscheinung trat. Schließlich entstanden unter den Ise-Pilgern unmittelbar vor der Meiji-Restauration millienaristische Bewegungen, die eine Art Zeitenwende (yonaoshi) heraufbeschworen und ekstatische Tänze und Gesänge (die nach ihrem Refrain ee ja nai ka – etwa: „ist doch gut so“ – genannt wurden) praktizierten. Obwohl diese Bewegungen eher unpolitisch und nicht auf den Tennō bezogen waren, leisteten sie wahrscheinlich einen Beitrag zum politischen Umschwung von 1867 bis 68.

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Das Bild ist eigentlich ein Kalender, auf dem verschiedene Kalenderdaten für das Jahr Keiō 4 (1868) eingeschrieben sind. Dabei ließ sich der Künstler offenbar von den Umzügen inspirieren, die Ende 1867 in vielen Landesteilen im Anschluss an Erntedank-Feste (hōnen odori) spontan um sich griffen. Diese sind nach dem Refrain der Gesänge, die dabei gesungen wurden, als ee ja nai ka („ist doch gut so“ oder „was ist schon dabei“) Umzüge bekannt. Auslöser waren z.T. auch Gerüchte von mysteriösen Geldregen, die sich insbesondere während der Pilgerfahrten nach Ise ereigneten. Dass sich im kommenden Jahr 1868 ein politischer Umschwung ereignen würde, war dem Künstler natürlich nicht bewusst, doch deutet sich in dem hektischen Treiben die aufgeladene Stimmung unter der allgemeinen Bevölkerung dieser Zeit an. Diese scheint durch die Münzen hervorgerufen zu werden, die von der drachenreitenden Gestalt in der linken oberen Bildecke in die Menge geworfen werden. Dabei handelt es sich wahrscheinlich um Amaterasu, die Hauptgottheit des Ise Schreins. Die zwölf tanzenden Figuren sind teilweise bekannte Glücksbringer, repräsentieren aber hier wohl auch die zwölf Monate, angedeutet durch die Zwölf Tierkreiszeichen (jūni shi). Werk von Kawanabe Kyōsai (1831–1889). 1867
© National Diet Library, Tōkyō
16 Darstellung des ee ja nai ka Phänomens durch Kawanabe Kyosai, 1867

Moderne

Unter dem Regime der Meiji-Zeit wurden die Verbindungen zwischen Ise und Tennō schließlich wieder systematisch verstärkt. Der Watarai Shintō wurde endgültig als „Fälschung“ gebrandmarkt und die Gottheiten entsprechend den ältesten Chroniken in ihrer heutigen Gestalt festgelegt. Dass dies jedoch nicht unbedingt der Weisheit letzter Schluss sein muss, zeigen u.a. die erwähnten Widersprüche zwischen Architektur und Mythos.

Ein interessantes Detail am Rande: Die Institution der Kult-Prinzessin wurde in der Moderne in modifizierter Form erneut aufgenommen. Allerdings lautet ihr Titel saishu (Zeremonienmeisterin). Das Kriterium der Jungfernschaft fiel zwar weg und es muss sich nicht einmal unbedingt um eine Frau handeln. Doch pendelt sich langsam wieder der Brauch ein, weibliche Angehörige des Tennō-Hauses in leitender ritueller Funktion in Ise zu installieren.

Ise als Inbegriff der japanischen Ästhetik

Ise wird auch in ästhetischer Hinsicht oft als Inbegriff des Shintō gedacht und gepriesen. Mit der Wiederaufwertung des Tennō Anfang der Meiji-Zeit wurde die monumental-archaische Formensprache Ises auch für neu geschaffene Schreine verwendet. So verfügen etwa der Yasukuni Schrein, aber auch diverse neu geschaffene Kaisergräber, über die besonders schlichten torii im shinmei-Stil.

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Monumentales torii im shinmei-Stil am Eingang der Schreinanlage des Yasukuni Jinja. Zur Zeit seiner Errichtung (1921) das größte torii Japans; 1943 zur Kriegsmaterialgewinnung eingeschmolzen; 1974 neu errichtet. Mit 25m Höhe nach wie vor das größte torii Japans. 20. Jh.
© Bernhard Scheid, März 2012
17 Torii des Yasukuni Schreins
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Mit einer Höhe von zwölf Metern ist dieses torii das größte hölzerne myōjin torii Japans. Zur Zeit der Errichtung des Meiji Schreins (um 1920) wurde dieses Torii aus einer 1200 Jahre alten taiwanesischen Zypresse (hinoki) hergestellt. Taiwan war damals bekanntlich eine japanische Kolonie. 1966 wurde das Torii jedoch durch einen Blitzeinschlag beschädigt. Daraufhin suchte man in Japan vergeblich nach entsprechenden Baumriesen. Erst 1975 gelang es, wiederum mit einer Zypresse aus Taiwan, ein neues, ähnlich großes Torii zu errichten. (S. Meiji jingū) um 1920 errichtet, 1966 zerstört, 1975 neu errichtet
Wikimedia Commons, 2002
18 Torii des Meiji Schreins
Ise torii (li.), konventionelles myōjin torii (re.)

Interessanterweise wurde allerdings der Schrein für Kaiser Meiji, der 1920 fertig gestellt wurde, in einem Stil gehalten, der eher den buddhistisch beeinflussten Schreingebäuden der Edo-Zeit entspricht. Seine geschwungenen Dächer und Balken wurden offenbar doch vertrauter empfunden als das kantige Erscheinungsbild des antiken Ahnenschreins. Auch Europäer des 19. Jahrhunderts wie Ernest Satow, einer der Pioniere der britischen Japanologie, charakaterisierten Ise als „disappointing in its simplicity and perishable nature“.10

Bruno Taut

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Der Architekt, Stadtplaner und Architekturtheoretiker Bruno Taut.
© Architekturmuseum Berlin
19 Bruno Taut

Offenbar spielte der deutsche Architekt und Stadtplaner Bruno Taut eine nicht unwesentliche Rolle für die heute gängige, überwiegend positive ästhetische Bewertung des Baustils von Ise. Als Pionier einer funktionalistischen, auf das Notwendigste reduzierten Architektur genoss Taut in den 1920er Jahren internationale Bekanntheit, u.a. durch richtungsweisende Sozialbauten in Berlin. Mit dem Machtantritt der Nazis geriet Taut allerdings zur persona non grata, verließ Deutschland und fand vorübergehend in Japan Exil. Dort begeisterte er sich u.a. für die Schlichtheit der Ise-Architektur, die er positiv mit dem überladenen Stil buddhistischer Tempel oder der Schreinanlage von Nikkō kontrastierte. Ise stellte für ihn eine Entsprechung der Akropolis auf dem Gebiet der Holzarchitektur dar. In Ise und im Katsura Rikyū Palast in Kyōto entdeckte er die Vorwegnahme moderner (eigener) architektonischer Prinzipien. Bereits 1933 erhielt Taut die Gelegenheit, seine Sicht der japanischen Architektur und Kultur auf japanisch zu veröffentlichen, und fand damit in Japan großen Anklang.11 Es mag ihm dabei nicht völlig bewusst gewesen sein, dass sein Lob der archaischen Monumentalität Ises durchaus ins Konzept des aufkeimenden japanischen Ultra-Nationalismus passte.

Tange Kenzō

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Portrait des japanischen Architekten Tange Kenzō (1913–2005) vor der Yoyogi Sporthalle, err. 1964, einem der vielen architektonischen Denkmäler, die er in Tōkyō hinterließ.
© Geijutsu shinchō, August 2013
20 Tange Kenzō

Im Kontext der Schreinerneuerung von 1953 setzte sich Tange Kenzō, der Vorreiter des sogenannten Metabolismus, für eine ähnliche Bewertung Ises wie Bruno Taut ein. Zusammen mit dem Architekturkritiker Kawazoe Noboru veröffentlichte er eine Hommage an Ise, die unter dem Titel Ise: Prototype of Japanese Architecture auch im englischen Sprachraum weite Verbreitung fand.12 Doch auch Tanges Lob ist nicht ganz frei von nationalistischen Bezügen: Noch zu Kriegszeiten, mit nur 29 Jahren, machte er erstmals auf sich aufmerksam, als er ein nationales Monument entwarf, das von der Schreinarchitektur Ises inspiriert war und am Fuße des Berges Fuji errichtet werden sollte.13

Die permanente Erneuerung Ises wurde von Tange und Kawazoe als Sinnbild des „Metabolismus“ (eig. Stoffwechsel) gedeutet, den Japans Architektur im Grunde immer schon in sich trug und der nun – in Übereinstimmung mit den Vorgaben der Natur – voll zum Tragen kommen sollte. Ise stellte somit – wohl nicht nur für Tange – ein scheinbar über jede Ideologie erhabenes Bindeglied zwischen Tradition und Moderne sowie zwischen Kriegs- und Nachkriegszeit dar. Charakteristischerweise nahmen Tange und Kawazoe wenig Bedacht auf die erwähnten historischen Veränderungen der Schreinanlage und ließen Mythen wie die über zweitausendjährige Schreingeschichte oder die Funktion Ises als ältester kaiserlicher Ahnenschrein unhinterfragt. Ihr Fokus auf ästhetische Fragen ließ sich zur Übertünchung der nationalistischen Propaganda, in die Ise verstrickt war und ist, natürlich bestens verwenden. Zu Tanges Ehrenrettung muss jedoch hinzugefügt werden, dass er sich ebenso von der buddhistischen Architektur Japans inspirieren ließ und insofern keinen puristischen Shintō-Essenzialismus praktizierte.

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Vielleicht das berühmteste Bauwerk des Meisterarchitekten Tange Kenzō, das oft mit dem Schreinstil von Ise verglichen wird (obwohl es meiner Meinung nach eher an den Tōdaiji erinnert). Werk von Tange Kenzō (1913–2005). 1964
© William Bullimore, flickr, 2009
21 Olympische Sporthalle von Tange, 1964

Verweise

Verwandte Themen

Fußnoten

  1. Ellwood 1968, S. 188.
  2. Nihon shoki 6, Suinin Tennō (Ü.: Aston 1972, Bd. 1, S. 176)
  3. Die älteste Erwähnung stammt aus einem Lied des Jinmu Tennō (Antoni 2012, S. 104; Aston 1972, I, S. 122), andere stammen aus dem Manyōshū.
  4. Nihon shoki 14, Yūryaku Tennō (Aston 1972, Bd. 1, S. 341).
  5. S. dazu Breen, Teeuwen 2017.
  6. Die älteste komplette Chronik von Ise ist das Daijingū shozō jiki 太神宮諸雜事記 aus dem späten 11. Jahrhundert, von einem Priester der Familie Arakida (Innerer Schrein) verfasst. Nach diesem Werk fanden die Schreinüberführungen ab 790 im 20-Jahres Rhythmus statt. Eine ältere Quelle, das Kōtai Jingū gishikichō 皇太神宮儀式帳 aus dem Jahr 804, gibt allerdings das Jahr 785 für die erstmalige Schreinüberführung an (Ōbayashi, Watanabe 1982, S. 39).
  7. Teeuwen 1996, Kap. 1.
  8. About Ise Jingu (Offizielle Website).
  9. Ein anschauliches Beispiel mittelalterlicher Exegesen von Amaterasu wird z.B. in Teeuwen 2003 diskutiert.
  10. Satow 1874, S. 121.
  11. Neben einer allgemeinen Beschreibung Japans, Nippon, mit europäischen Augen gesehen, die sofort ins Japanische übersetzt wurde, aber erst 2009 im deutschsprachigen Originaltext erschien (Taut 2009), verfasste Taut auch eine Reihe von Essays über die japanische Architektur, die sowohl ins Japanische als auch ins Englische übersetzt wurden.
  12. Tange, Kawazoe 1965.
  13. Carlos Zeballos, „The Metabolist Movement“ (Blogartikel, 2011), in My Architectural Moleskine (2014/10/24)

Internetquellen

Letzte Überprüfung der Linkadressen: Jul. 2020

Literatur

Klaus Antoni (Ü.) 2012
Kojiki: Aufzeichnungen alter Begebenheiten. Berlin: Verlag der Weltreligionen (Insel Verlag) 2012. [Mit einer begleitenden Studie und ausführlichen Text-Anmerkungen.]
William George Aston (Ü.) 1972
Nihongi: Chronicles of Japan from the Earliest Times to A.D. 697. Rutland, Vt: Tuttle 1972. [Erste Ausgabe: London 1896.]
John Breen, Mark Teeuwen 2017
A Social History of the Ise Shrines: Divine Capital. London, New York: Bloomsbury 2017.
Robert S. Ellwood 1968
„Harvest and Renewal at the Grand Shrine of Ise.“ Numen 15/3 (1968), S. 165–190.
Taryō Ōbayashi, Watanabe Yoshio 1982
Ise und Izumo: Die Schreine des Schintoismus. Freiburg/Breisgau: Herder 1982. [Ü. Thomas Münster.]
Ernest Satow 1874
„The Shintō Temples of Ise.“ Transactions of the Asiatic Society of Japan 1:2 (1874).
Tange Kenzō, Kawazoe Noboru 1965
Ise: Prototype of Japanese Architecture. Cambridge: The M.I.T. Press 1965.
Bruno Taut 2009
Nippon mit europäischen Augen gesehen. Berlin: Gebr. Mann Verlag 2009. [1933 auf Japanisch erschienen als Nippon: Yōroppajin no me de mita; dt. Originalmanuskript 2009 herausgegeben, mit einem Nachwort und Erläuterungen versehen von Manfred Speidel.]
Mark Teeuwen 1996
Watarai Shinto: An Intellectual History of the Outer Shrine in Ise. Leiden: CNWS 1996.
Mark Teeuwen 2003
„The creation of a honji suijaku deity: Amaterasu as the Judge of the Dead.“ In: Mark Teeuwen und Fabio Rambelli (Hg.), Buddhas and Kami in Japan. London, New York: RoutledgeCurzon 2003, S. 115–144.

Bilder

Quellen und Erläuterungen zu den Bildern auf dieser Seite:

  1. ^ 
    Shogu ise.jpg

    Das 2013 neu errichtete Hauptgebäude des Äußeren Schreins (Gekū) von Ise. Bis auf wenige Details ist dieses Gebäude mit der Haupthalle des fünf Kilometer entfernten Inneren Schreins identisch.
    © Minamikawa Sanjirō, 2013

  2. ^ 
    Ise map.jpg

    Lage des Inneren Schreins (Naikū) und Äußeren Schreins (Gekū) von Ise, deren Hauptgebäude über 4km von einander entfernt sind. Ehemals waren beide Anlagen von eigenen Dörfern, Yamada und Uji, umgeben, die heute zur Stadt Ise zusammengewachsen sind.
    © Google Earth, 2014

  3. ^ 
    Geku google.jpg

    Satellitenbild welches den Äußeren Schrein (Gekū) von Ise zeigt.
    © Google Earth, 2014

  4. ^ 
    Naiku google.jpg

    Satellitenbild, welches den Inneren Schrein (Naikū) von Ise zeigt.
    © Google Earth, 2014

  5. ^ 
    Ise2013.jpg

    Der Ise Schrein kurz nach der Schreinverlegungszeremonie, Oktober 2013. Vor einem knallneuen torii verneigen sich zwei festlich gekleidete Damen unter Anleitung eines Priesters. Eine Masse von Schaulustigen, zu denen auch der Fotograf gehört, befindet sich hinter einem Zaun, der nur für prominente Gäste geöffnet wird. Vom eigentlichen Hauptgebäude ist lediglich ein kleines Stück Dach zu sehen, die Architektur entspricht jedoch dem überdachten Tor hinter dem torii. Rechts im Hintergrund ist noch die spiegelbildlich errichtete alte Anlage zu sehen, die in Kürze abgerissen wird, bis das Areal nach zwanzig Jahren für einen weiteren Neuaufbau genutzt wird.
    © Bernhard Scheid, 2013

  6. ^ 
    Naiku gesamt kokkayoho.jpg

    Die Anlage des Inneren Schreins (Naikū), wie sie 1880 von Edoardo Chiossone und anderen dokumentiert wurde. Abgebildet ist jener Bereich, der damals wie heute für gewöhnliche Besucher unzugänglich ist. Obwohl es heißt, dass die Anlage alle zwanzig Jahre nach exakt dem gleichen Plan neu errichtet wird, fallen im Vergleich zu heutigen Bildern Veränderungen auf. So gab es damals offenbar noch kein verlängertes Vordach vor dem Eingang der Haupthalle (im linken Bildteil), vor allem aber sind die beiden Nebengebäude heute nicht mehr in der gleichen Achse wie die Haupthalle, sondern weit nach hinten versetzt (vgl. Bild:Naiku_google.jpg). Werk von Chiossone u.a..
    © Museum für Angewandte Kunst (MAK), Wien

  7. ^ 
    Shikinensengu.jpg

    Anlässlich der periodischen Neuerrichtung der Schreinanlage von Ise, die alle 20 Jahre stattfindet, wird das Hauptheiligtum (go-shintai) des Schreins in einer nächtlichen Prozession zu seinem neuen Bestimmungsort gebracht. Das heilige Objekt ist durch Tücher verhüllt. Meiji-Zeit

  8. ^ 
    Misomahajime.jpg

    Rituelle Übergabe von Nahrungsopfern an die Götter des Waldes anlässlich der ersten Baumfällungen für die neue Schreinanlage von Ise, acht Jahre vor der Hauptzeremonie. 2005/6/3
    © Sengu News, über Internet Archive

  9. ^ 
    Geku kokkayoho.jpg

    Die Haupthalle des Äußeren Schreins (Gekū) von Ise weicht nur in kaum merkbaren Details von der des Inneren Schreins ab. Unter anderem sind die verlängerten Dachsparren (chigi) hier vertikal und nicht horizontal abgeschrägt (vgl. Bild:Naiku kokkayoho.jpg). Werk von Chiossone u.a..
    © Museum für Angewandte Kunst (MAK), Wien

  10. ^ 
    Naiku kokkayoho.jpg
    Das Bild entstand im Rahmen einer Inspektionstour zu den Baudenkmälern und Kunstschätzen Japans aus den Jahren 1879 und 80, die von Tokunō Ryōsuke (1825–1883), dem Leiter der Staatsdruckerei, initiiert worden war. Ein Team von Photographen und Lithographen erhielt die Aufgabe, die repräsentativsten Kunstschätze des Landes so naturgetreu wie möglich festzuhalten. Dem Expertenteam gehörte auch der Italiener Edoardo Chiossone an, der Japan mit den neuesten Techniken der europäischen Druckkunst vertraut machte und u.a. die japanischen Banknoten entwarf. Die von Chiossone und anderen angefertigten Lithographien der Serie sind teilweise hyperrealistisch und genauer als Photographien.

    Dennoch wirkt der Innere Schrein (Naikū), das Hauptheiligtum von Ise, zwar in den Details realistisch, die Proportionen stimmen allerdings nicht ganz mit dem heutigen Bau überein. Werk von Chiossone u.a..
    © Museum für Angewandte Kunst (MAK), Wien

  11. ^ 
    Ise enface.jpg

    Haupthalle des Ise Schreins im shinmei-Stil.
    Bildquelle: Mundo-Nipo, 2014

  1. ^ 
    Ise dach.jpg

    Die „weibliche“ Form des Dachornaments des Ise Schreins ist charakterisiert durch horizontal abgeschrägte Dachsparren (chigi) und eine gerade Anzahl von Querhölzern (katsuogi).
    Bildquelle: J-Blog

  2. ^ 
    Geku dach.jpg

    Das Dach des Äußeren Schreins (Gekū) unterscheidet sich durch die Vertikale Abschrägung der Dachsparren (chigi) und die ungerade Zahl der Rundhölzer (9) vom Dach des Inneren Schreins.
    © Minamikawa Sanjirō, 2013

  3. ^ 
    Ise saishu.jpg

    Kuroda Sayako, derzeit stellvertretende Kult-Prinzessin (saiō) in Ise, ist eine Tochter des Heisei Tennō. Hier leitet sie das Tsukinami-sai, ein traditionelles halbjährliches Ritual in Ise. Rechts die 20 Jahre alte Anlage des Inneren Schreins (Naikū), die in Kürze durch die neuen Gebäude im Hintergrund ersetzt werden wird. Werk von Minamikawa Sanjirō. 2013
    © Minamikawa Sanjirō, 2013/6/16

  4. ^ 
    Ise sangu.jpg

    Dichtes Gedränge von diversen Pilgern und Pilgergruppen vor einem torii das den Eingang des Areals von Ise markiert. Im Hintergrund links ist die Uji-Brücke zu erkennen, im Hintergrund rechts eine Bühne mit Shamisen-Spielerinnen. Werk von Utagawa Kunisada (Toyokuni III, 1786–1865). 1834
    © Waseda University Library, über Internet Archive

  5. ^ 
    Eejanaika kyosai.jpg
    Das Bild ist eigentlich ein Kalender, auf dem verschiedene Kalenderdaten für das Jahr Keiō 4 (1868) eingeschrieben sind. Dabei ließ sich der Künstler offenbar von den Umzügen inspirieren, die Ende 1867 in vielen Landesteilen im Anschluss an Erntedank-Feste (hōnen odori) spontan um sich griffen. Diese sind nach dem Refrain der Gesänge, die dabei gesungen wurden, als ee ja nai ka („ist doch gut so“ oder „was ist schon dabei“) Umzüge bekannt. Auslöser waren z.T. auch Gerüchte von mysteriösen Geldregen, die sich insbesondere während der Pilgerfahrten nach Ise ereigneten.

    Dass sich im kommenden Jahr 1868 ein politischer Umschwung ereignen würde, war dem Künstler natürlich nicht bewusst, doch deutet sich in dem hektischen Treiben die aufgeladene Stimmung unter der allgemeinen Bevölkerung dieser Zeit an. Diese scheint durch die Münzen hervorgerufen zu werden, die von der drachenreitenden Gestalt in der linken oberen Bildecke in die Menge geworfen werden. Dabei handelt es sich wahrscheinlich um Amaterasu, die Hauptgottheit des Ise Schreins. Die zwölf tanzenden Figuren sind teilweise bekannte Glücksbringer, repräsentieren aber hier wohl auch die zwölf Monate, angedeutet durch die Zwölf Tierkreiszeichen (jūni shi). Werk von Kawanabe Kyōsai (1831–1889). 1867
    © National Diet Library, Tōkyō

  6. ^ 
    Yasukuni torii.jpg

    Monumentales torii im shinmei-Stil am Eingang der Schreinanlage des Yasukuni Jinja. Zur Zeit seiner Errichtung (1921) das größte torii Japans; 1943 zur Kriegsmaterialgewinnung eingeschmolzen; 1974 neu errichtet. Mit 25m Höhe nach wie vor das größte torii Japans. 20. Jh.
    © Bernhard Scheid, März 2012

  7. ^ 
    Torii meiji.jpg

    Mit einer Höhe von zwölf Metern ist dieses torii das größte hölzerne myōjin torii Japans. Zur Zeit der Errichtung des Meiji Schreins (um 1920) wurde dieses Torii aus einer 1200 Jahre alten taiwanesischen Zypresse (hinoki) hergestellt. Taiwan war damals bekanntlich eine japanische Kolonie. 1966 wurde das Torii jedoch durch einen Blitzeinschlag beschädigt. Daraufhin suchte man in Japan vergeblich nach entsprechenden Baumriesen. Erst 1975 gelang es, wiederum mit einer Zypresse aus Taiwan, ein neues, ähnlich großes Torii zu errichten. (S. Meiji jingū) um 1920 errichtet, 1966 zerstört, 1975 neu errichtet
    Wikimedia Commons, 2002

  8. ^ 
    Bruno taut.jpg

    Der Architekt, Stadtplaner und Architekturtheoretiker Bruno Taut.
    © Architekturmuseum Berlin

  9. ^ 
    Tange kenzo.jpg

    Portrait des japanischen Architekten Tange Kenzō (1913–2005) vor der Yoyogi Sporthalle, err. 1964, einem der vielen architektonischen Denkmäler, die er in Tōkyō hinterließ.
    © Geijutsu shinchō, August 2013

  10. ^ 
    Yoyogi sporthalle.jpg

    Vielleicht das berühmteste Bauwerk des Meisterarchitekten Tange Kenzō, das oft mit dem Schreinstil von Ise verglichen wird (obwohl es meiner Meinung nach eher an den Tōdaiji erinnert). Werk von Tange Kenzō (1913–2005). 1964
    © William Bullimore, flickr, 2009


Glossar

Namen und Fachbegriffe auf dieser Seite:

  • Amaterasu 天照 ^ Sonnengottheit; Ahnherrin des Tennō-Geschlechts
  • Ame no Uzume 天鈿女/天宇受賣 ^ mythologische Gottheit, Ahnherrin des Theaters
  • Atsuta Jingū 熱田神宮 ^ wichtigster und ältester Schrein in Nagoya
  • chigi 千木 ^ ornamentale Dachsparren
  • Dainichi Nyorai 大日如来 ^ Buddha Vairocana, der „kosmische Buddha“; wtl. „Großes Licht“ oder „Große Sonne“
  • Edo 江戸 ^ Hauptstadt der Tokugawa-Shōgune, heute: Tōkyō; auch: Zeit der Tokugawa-Dynastie, 1600–1867 (= Edo-Zeit);
  • Gekū 外宮 ^ Äußerer Schrein von Ise, Toyouke geweiht
  • Heian 平安 ^ auch Heian-kyō 平安京, „Stadt des Friedens“; politisches Zentrum 794–1185 (= Heian-Zeit)
  • Ise 伊勢 ^ vormoderne Provinz (heute Präfektur Mie); Kurzbezeichnung für die Schreinanlage von Ise (Ise Jingū)
  • Ise Jingū 伊勢神宮 ^ kaiserlicher Ahnenschrein (wtl. Götterpalast) von Ise, Präfektur Mie
  • Izumo 出雲 ^ alter Namen der Präfektur Shimane in West-Japan; auch kurz für Izumo Taisha
  • jingū 神宮 ^ „Götterpalast“; Ahnenschrein des Kaiserhauses, meist Ise Jingū
  • Jitō Tennō 持統天皇 ^ 645–703, r. 686–697; 41. japanische Kaiserin
  • kami ^ Gottheit; im engeren Sinne einheimische oder lokale japanische Gottheit, Schreingottheit (s. jinja), Gottheit des Shintō
  • kamikaze 神風 ^ Götterwind; urspr. ein poetischer Beinamen der Provinz Ise, wird der Begriff seit den Mongolenangriffen des 13. Jh.s mit göttlichem Schutz im Krieg assoziiert und daher auch mit den Selbstmord-Piloten des 2. Weltkriegs in Verbindung gebracht
  • Kanname-sai 神嘗祭 ^ wtl. Fest des göttlichen Kostens [des ersten Reises]; kaiserl. Erntedankfest im zehnten Monat, das parallel am Kaiserpalast und im Ise Schrein durchgeführt wird
  • katsuogi 鰹木 ^ ornamentale Querhölzer auf dem Schreindach; wörtlich „Bonito-Holz“, abgeleitet von der Form eines beliebten Speisefisches (katsuo = Bonito-Fisch)
  • Katsura Rikyū 桂離宮 ^ kaiserlicher Nebenpalast und -garten aus dem 17. Jahrhundert im Westen Kyōtos
  • kiki 記紀 ^ Sammelbezeichnung für KojiKI und Nihon shoKI (ki, Bericht, ist jeweils mit einem leicht abweichenden Zeichen geschrieben)
  • Kuni no Tokotachi 国常立 ^ mythologische Urgottheit des Shintō
  • Meiji Ishin 明治維新 ^ Meiji Restauration, wtl. Meiji-Erneuerung, umfasst den politischen Umsturz 1867–68 und die nachfolgende Konsolidierung Japans als moderner Nationalstaat
  • Meiji Jingū 明治神宮 ^ Schrein des Meiji Tennō in Tōkyō, err. 1920
  • Meiji Tennō 明治天皇 ^ 1852–1912; 122. japanischer Kaiser (r. 1867–1912); Namensgeber und politische Symbolfigur der Meiji-Zeit; Eigenname: Mutsuhito
  • Miwa 三輪 ^ Ortsname (wtl. Drei Ringe); Kurzbez. für den Ōmiwa Jinja
  • Naikū 内宮 ^ Innerer Schrein von Ise, Amaterasu geweiht
  • Nikkō 日光 ^ Tempel-Schreinanlage im Norden der Kantō-Ebene, Präf. Tochigi; beherbergt u.a. den Tōshō-gū Schrein
  • Ninigi 瓊瓊杵 ^ mytholog. Gottheit, Enkel Amaterasus
  • o-fuda お札 ^ Amulett oder Talisman in Gestalt eines symbolischen Zeichens, meist aus Papier; auch shinsatsu; das Zeichen 札 kann auch „Geldschein“ bedeuten, wird dann aber sinojap. satsu ausgesprochen;
  • Ōmiwa Jinja 大神神社 ^ Ōmiwa Schrein, auch Miwa Schrein, nahe Nara; einer der ältesten Schreine Japans
  • Ōmononushi 大物主 ^ Gottheit des Schreins von [Ō]Miwa
  • Saigyō 西行 ^ 1118–1190; eigentlich: Satō Norikiyo; japanischer Mönch und Dichter
  • saiō 斎王 ^ Kult-Priesterin aus dem Tennō-Haus in den Schreinen Ise und Kamo; auch saigū; in Ise bis 1334 existent
  • saishu 祭主 ^  wtl. Zeremonienmeister; spezielles Priesteramt in Ise
  • Sarutahiko 猿田彦 ^ Mythologische Gottheit in tengu-ähnlicher Gestalt
  • Satow, Ernest (west.) ^ 1843–1929; brit. Diplomat und Pionier der Japanologie
  • shikinen sengū 式年遷宮 ^ periodische Schreinverlegung bzw. -erneuerung; zumeist, aber nicht nur, auf Ise bezogen
  • shinmei-zukuri 神明造 ^ Baustil der Schreine von Ise bzw. Stil der torii von Ise; auch shinmei torii
  • shin no mihashira 神の御柱 ^ „Herz-Pfeiler“; symbolischer Bauteil ohne statische Funktion unterhalb von Schreingebäuden, z.B. in Ise
  • shintai 神体 ^ heiliges Objekt eines Shintō-Schreins; wtl. „Gottkörper“
  • Suinin Tennō 垂仁天皇 ^ 11. kaiserl. Herrscher Japans, leg. Regiergungszeit 29 v.–70 n.u.Z.
  • Sujin Tennō 崇神天皇 ^ 97–30 v.u.Z. (mythol. Regierungszeit); 10. japanischer Kaiser
  • Takuhata-hime 栲幡姫 ^ Tochter des semi-historischen Herrschers Yūryaku und Kult-Prinzessin in Ise; wtl. Prinzessin Maulbeer-Webstuhl
  • Tange Kenzō 丹下健三 ^ 1913–2005; japanischer Architekt und Städteplaner
  • Taut, Bruno (west.) ^ 1880–1938; deutscher Architekt der Zwischenkriegszeit, der unter dem Nationalsozialismus (1933–1936) in Japan Asyl fand
  • Tenmu Tennō 天武天皇 ^ 631?–686; 40. japanischer Kaiser; (r. 673–686)
  • Tennō 天皇 ^ jap. „Kaiser“-Titel, wtl. Herrscher des Himmels
  • torii 鳥居 ^ Torii, Schreintor; wtl. „Vogelsitz“
  • Toyouke 豊受 ^ Nahrungsgottheit des Äußeren Schreins von Ise
  • Watarai Shintō 度会神道 ^ Shintō-Lehre des Äußeren Schreins von Ise
  • Yamato-hime 倭姫(倭比売) ^ Mytholog. Priesterin der Amaterasu, Tochter von Suinin Tennō
  • Yamato Takeru 倭建/日本武 ^ Mythologischer Prinz, Sohn des Keikō Tennō; wtl. der Held/der Tapfere von Yamato
  • Yasukuni Jinja 靖国神社 ^ Yasukuni Schrein, Tōkyō; Schrein zum Gedenken an Kriegsgefallene
  • Yayoi 弥生 ^ Yayoi-Zeit (ca. 300 v.u.Z. – 300 u.Z.); Zeit der Entwicklung des Reisanbaus
  • Yin Yang (chin.) 陰陽 ^ Dualistisches Prinzip der chin. Naturphilosophie
  • yonaoshi 世直し ^ Welterneuerung; „Weltsanierung“; gesamtgesellschaftliche Umwälzung
  • Yūryaku Tennō 雄略天皇 ^ 418–479; semi-historischer 21. Kaiser Japans; (r. 456–479); andere Namen: Ōhatsuse Wakatake; Wakatakeru no Ōkimi
Religion in JapanBautenBekannte SchreineIse
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„Die Schreinanlage von Ise.“ In: Bernhard Scheid, Religion-in-Japan: Ein digitales Handbuch. Universität Wien, seit 2001