Berg Kōya und sein Friedhof
Der Klosterberg Kōya ist das geistliche Zentrum des Shingon-Buddhismus, der zusammen mit der Tendai-Schule zu den bedeutendsten buddhistischen Strömungen des japanischen Altertums zählt. Der weitläufige Gebäudekomplex befindet sich in einer abgelegenen Bergregion südlich von Nara, auf der Halbinsel Kii. Die Berge hier sind zwar nicht besonders hoch, doch die Täler sind eng und bieten nur wenig Fläche für Landwirtschaft. Die Anlage von Berg Kōya liegt jedoch in einem sanft auslaufenden Hochtal, das nach örtlicher Interpretation von acht Berggipfeln umrahmt wird, die den Blättern der Lotosblüte entsprechen.
Sander Voerman, Tokyo.nl, 2022.
Wie alle großen Klöster in Japan besteht auch Berg Kōya aus vielen Einzeltempeln, deren älteste aus der Heian-Zeit stammen und die zahlreiche wertvolle Kunstschätze bergen. Heute befinden sich auch ein Museum und eine wichtige buddhistische Universität innerhalb der Anlage, die durchaus den Charakter einer Kleinstadt besitzt. Vor allem aber beeindruckt der Klosterberg durch einen riesigen Friedhof, in dessen hinterstem Teil das Mausoleum des Klostergründers liegt.
Friedhof und Oku-no-in
Im Schatten von großen Zedern verbreiten die alten moosüberwachsenen Grabsteine des Friedhofs eine besonders weihevolle Aura um sich. Die Gräber sind entlang eines etwa zwei Kilometer langen Waldwegs aufgereiht, der zum „Innersten Tempel“ (Oku-no-in) führt. Ähnlich wie beispielsweise in Nikkō bezeichnet der Begriff Oku-no-in hier den hintersten (innersten) Bereich einer religiösen Anlage. Es handelt sich dabei nicht um das nach außen hin repräsentativste Bauwerk, doch verbindet man mit Oku-no-in einen besonders heiligen und daher geschützten, abgeschirmten Raum, der meist höher als alle anderen Gebäude gelegen ist. Im Fall von Berg Kōya ist es das Areal rund um die letzte Ruhestätte des vielleicht bedeutendsten Mönchs des japanischen Buddhismus, Kūkai (Kōbō Daishi). Kūkai soll hier in seinem Mausoleum nach wie vor in ewiger Meditation verharrend physisch anwesend sein. Tagtäglich werden in einer feierlichen Prozession Speiseopfer zum Mausoleum gebracht, deren Duft den heiligen Mann ernährt.
Bernhard Scheid, flickr 2013.
Simon le nippon, flickr 2009.
Edo-Zeit. Amy Nakazawa, flickr 2006.
Edward Faulkner, flickr 2006.
Amy Nakazawa, flickr, 2006 (mit freundlicher Genehmigung).
Mike Murrill, flickr 2007 (mit freundlicher Genehmigung).
Trane DeVore, flickr 2006.
Molly Des Jardin, flickr 2008.
Molly Des Jardin, flickr 2008.
Edo-Zeit. Eckhart Derschmidt, 2014/8 (mit freundlicher Genehmigung).
Eckhart Derschmidt, 2014/8 (mit freundlicher Genehmigung).
Amy Nakazawa, flickr 2006.
Eckhart Derschmidt, 2014/8 (mit freundlicher Genehmigung).
Der Friedhof von Berg Kōya entstand also im Grunde nur dadurch, dass sich entlang des Zugangswegs zu Kūkais Mausoleum noch andere Gräber scharten. Im Lauf der Geschichte wurde aus diesem Brauch der Hauptgeschäftszweig des gesamten Klosterbergs: Die meisten seiner Einzeltempel sind mit der rituellen Pflege der Gräber beschäftigt, sodass die Gemeinde auf Berg Kōya auch als Friedhofsstadt angesehen werden kann.
Werk von Asai Koei. 1860er Jahre. David Rumsey Map Collection.
Prominentengräber
Um dem heiligen Mann Kūkai möglichst nahe zu sein, wurde es bereits in der späten Heian-Zeit unter den Familien des Kriegeradels Brauch, ein Grab auf Berg Kōya zu unterhalten. Kenner der japanischen Geschichte finden praktisch auf jedem Grab einen berühmten Namen (wie auch beim Anklicken der folgenden Bilder zu erkennen ist). Oft handelt es sich dabei nicht um wirkliche Gräber, sondern um Grabdenkmäler, d.h. die sterblichen Überreste sind woanders beigesetzt. Diese Praxis wurde bis in die Edo-Zeit fortgeführt, aus der die meisten Grabsteine auf den folgenden Bildern stammen. Das älteste datierbare Grab stammt jedoch bereits aus dem 10. Jahrhundert.
Späte Heian-Zeit. KoyaQuest.
Chantal Dupasquier, flickr 2005.
Die Grabmonumente sind üblicherweise im gorintō-Stil gestaltet. Besonders auffallend ist, dass diverse größere Grabstätten durch ein torii gekennzeichnet sind, wie es ansonsten nur vor Shintō-Schreinen zu finden ist. Die torii dienen hier als Eingänge eines speziellen, meist umzäunten Areals, das den Gräbern einer Familie vorbehalten ist. In der Regel handelt es sich um bekannte Samurai-Geschlechter aus der Edo-Zeit. Berg Kōya beherbergt zwar nicht den einzigen Friedhof, wo torii den Zutritt zu Familiengrabanlagen markieren, aber wohl den bekanntesten.
Darüber hinaus gibt es auf dem Kōya-san auch ein Areal, in dem sich Industrielle und andere Angehörige des modernen „Geldadels“ bestatten ließen. Auch dessen Besichtigung lohnt sich, denn man findet hier die erstaunlichsten Grabdenkmäler, unter anderem eines in Form einer Rakete.
Schutzschrein und Gründungslegende
Berg Kōya wurde von Kūkai selbst gegründet. Dies bedurfte Anfang der Heian-Zeit noch einer kaiserlichen Genehmigung, die Kūkai im Sommer 816 erhielt. Zwei Jahre später weihte Kūkai die ersten Tempelgebäude ein, die unter Anleitung seiner Schüler errichtet worden waren. Es gibt zwei Legenden, wie es zur Auswahl des Ortes durch Kūkai kam.
Die erste Legende berichtet, dass Kūkai, als er noch zu Studienzwecken in China weilte, einen dreizackigen vajra in Richtung Osten also nach Japan schleuderte. Dort, wo dieser Vajra landete, wollte er ein eigenes Kloster errichten. Der Vajra landete in der Krone einer Pinie auf Berg Kōya, die noch heute dort verehrt wird. Diese Legende dürfte wohl auch für den Namen des Haupttempels der Anlage, „Tempel des Vajra-Gipfels“ (Kongōbu-ji), verantwortlich sein.
Kamakura-Zeit, 1296. Tokyo National Museum.
Kamakura-Zeit, 1296. Tokyo National Museum.
Die zweite Legende berichtet, dass Kūkai nach langem Suchen diesen Ort mit Hilfe eines Jägers fand. Das ist insofern bemerkenswert, als die Jagd ja im Grunde dem buddhistischen Tötungsverbot widerspricht.1 Der Jäger gibt Kūkai seine zwei Hunde mit auf den Weg, die ihm den Ort zeigen. Dort angekommen erscheint eine Dame in königlichen Gewändern vor Kūkai. Es ist die Berggöttin, welche über die Gegend herrscht. Sie erklärt, dass der Jäger ihr Sohn sei, und dass beide, sie und ihr Sohn, Kūkai bei der Errichtung seiner Tempel beistehen und als dessen Beschützer fungieren wollten. So kam es, dass die beiden Gottheiten unter dem Namen Niu Myōjin (die Berggottheit) und Kariba Myōjin (wtl. Gott des Jagdortes) als Schutzgottheiten von Berg Kōya verehrt wurden.2 Ihr Hauptschrein, der heutige Niu-tsu-hime Jinja, zu dem sich später noch zwei weitere weibliche Gottheiten — nämlich Itsukushima und die Gottheit des Kehi Schreins — dazu gesellten, befindet sich etwa zwanzig Kilometer entfernt an dem alten Pilgerweg, der zu Berg Kōya führt. Der Schrein hatte vor allem im japanischen Mittelalter eine wichtige Funktion als Verwalter des weitläufigen Grundbesitzes von Berg Kōya, der sich über die gesamte Halbinsel Kii erstreckte. Innerhalb der Tempelanlage selbst gibt es einen Zweigschrein der Kōya-Gottheiten, der von den ansässigen Mönchen regelmäßig verehrt wird.
Kamakura-Zeit, 14. Jh. Kūkai mandara: Kōbō Daishi to Kōya-san (Katalog), Reihōkan 2006, S. 39, Abb. 10.
Die Schreine und ihre Legenden unterstreichen das Bemühen Kūkais, lokale Gottheiten in seine neue Form des Buddhismus einzubeziehen. Offenbar kam die Errichtung des Klosters einem Eindringen in fremdes Gebiet gleich. Kūkais Umgang mit den Gottheiten ähnelt einer Verhandlung mit tatsächlichen Menschen. Als Kompensation für verlorenes Territorium erhalten die lokalen Gottheiten ein Amt als Wächter und treten mit dem Kloster in einen Austausch von „Schutz“ gegen Riten. Rückwirkend wird das ganze Geschäft als frommer Akt oder als freiwilliger Verzicht der Gottheiten dargestellt. Ähnlich verfuhr Kūkai auch mit der Gottheit Inari, die zu einer Schutzgottheit des von Kūkai geleiteten Tempels Tōji in Kyōto umfunktioniert wurde. Der „Schutz“ der Götter bestand in der Praxis wahrscheinlich aus Nahrung für die Mönche, die die Schreingemeinde bereit stellte. Jedenfalls gibt es Hinweise, dass eine Gottheit namens Niu, ebenso wie Inari, auch als weibliche Nahrungsgottheit verehrt wurde.
Beginn der Friedhofspraxis
Kūkai verbrachte seine letzten Lebensjahre auf Berg Kōya und wurde hier auf eigenen Wunsch in einem Mausoleum beigesetzt. Danach durchlief der entlegene Tempelkomplex aber eine Phase des Verfalls. Erst in der späten Heian-Zeit fanden sich Gönner wie Fujiwara no Michinaga, die sich Kūkai zu Ehren für eine Revitalisierung einsetzten. Wahrscheinlich entstand auch die fromme Legende von Kūkais ewiger Medidation in dieser Zeit. Michinagas Tochter, die Gemahlin des Ichijō Tennō, ließ zudem eine Strähne ihres Haars in der Nähe des Mausoleums vergraben. Dies soll der Beginn der Praxis gewesen sein, menschliche Reliquien in der Nähe Kūkais zu bestatten. Die Praxis wurde in der Folge durch die sogenannten „Kōya Heiligen“ (Kōya hijiri) popularisiert, relativ niederrangige Mönche von Berg Kōya, die Kūkais Legende erzählend durch die Lande zogen und Knochen oder Haare von Verstorbenen auf den heiligen Berg brachten, um sie hier zu bestatten. Dies war also der Beginn der späteren Friedhofspraxis.
In der Kamakura-Zeit etablierte sich Berg Kōya außerdem als Rückzugsort ehemaliger Krieger, die im Alter Trost oder Reue in der buddhistischen Laien-Mönchsschaft suchten. Zeitweise diente das Kloster sogar als neutrale Zone, in der Krieger unterschiedlicher Lager vor Verfolgung sicher waren. Auch Dichtermönche wie der berühmte Saigyō siedelten sich hier an und verewigten den Berg in ihren Gedichten. Es kam in dieser Zeit auch zu einer engen Verbindung zwischen dem Klosterberg und dem erstarkenden Glauben an Buddha Amida und sein Reines Land, was die Tatsache erklärt, dass selbst Hōnen und Shinran, die Gründerväter der beiden erfolgreichsten amidistischen Schulen, hier ganz in der Nähe Kūkais bestattet sind, obwohl beide ursprünglich auf dem Hiei-zan als Tendai-Mönche ausgebildet wurden.
Ab der Sengoku-Zeit scheint dann jeder Krieger, der etwas auf sich hielt, ein Grab auf Berg Kōya begehrt zu haben, wobei das Kloster, das zu dieser Zeit selbst weitläufige Ländereien besaß und eine mächtige Armee unterhielt, nur knapp der Zerstörung durch Toyotomi Hideyoshi entkam. Dennoch behielt man die grundsätzlich neutrale Haltung gegenüber rivalisierenden Kriegern bei. So kam es, dass sowohl odanobunanga als auch sein Mörder Akechi Mitsuhide hier respektable Grabmonumente erhielten. Die Tokugawa drückten der gesamten Anlage durch die Errichtung großer Familien-Mausoleen zwar einen unübersehbaren Stempel auf, ließen aber zu, dass auch ehemalige Feinde hier zu Ehren kamen.
Verweise
Verwandte Themen
Fußnoten
- ↑ Die zu Kūkais Zeit entstandene Legendensammlung Nihon ryōiki enthält mehrere Beispiele, wie Jäger für ihr Tun karmisch bestraft werden.
- ↑ Nicoloff 2008, S. 59–60.
Internetquellen
- History of Mt. Kōya, Teil des empfehlenswerten Web-Projekts KoyaQuest.
- Ansichtspostkarten vom Koyasan, Niels Gülberg, 2010. Eine Analyse der Selbstdarstellung des Kōya-san in Postkarten zwischen 1900 und 1945.
Literatur
Bilder
- ^ Mönch in traditionellem Mönchgewand in der winterlichen Tempelanlage (vor der Kondō-Halle) von Berg Kōya.
Sander Voerman, Tokyo.nl, 2022. - ^ Eingang zum Friedhof von Berg Kōya, bei der „ersten Brücke“ (Ichi-no-hashi).
Bernhard Scheid, flickr 2013. - ^ Der Friedhof Oku-no-in auf Berg Kōya, einer der ältesten und größten Friedhöfe Japans, befindet sich inmitten eines alten Zedernwaldes.
Simon le nippon, flickr 2009. - ^ Typische Grabanlage auf Berg Kōya im gorintō-Stil. Laut Inschrift handelt es sich um ein Grab der Familie Matsudaira (Seitenlinie der Tokugawa Dynastie), Daimyō von Shimabara in Kyūshū.
Edo-Zeit. Amy Nakazawa, flickr 2006. - ^ Kōya-san, Zugang zum Oku-no-in mit beschneiten Grabanlagen. Auf der linken Seite ist das Grab von Yūki Hideyasu, des zweitältesten Sohns von Tokugawa Ieyasu zu sehen.
Edward Faulkner, flickr 2006. - ^ Ältere Gräber im gorintō-Stil, davor neuere Gräber auf dem Oku-no-in Friedhof auf Berg Kōya.
Amy Nakazawa, flickr, 2006 (mit freundlicher Genehmigung). - ^ Typische Grabsteine (gorintō) aus vormoderner Zeit, entlang der Route zum Mausoleum Kūkais auf Berg Kōya.
Bildquelle: unbekannt. - ^ Statue des Kannon bosatsu auf dem Kōya-san.
Mike Murrill, flickr 2007 (mit freundlicher Genehmigung). - ^ Jizō bosatsu darf auf Berg Kōya natürlich nicht fehlen. Auch die kleinen Figuren im Vordergrund repräsentieren diesen wichtigsten Erretter der buddhistischen Totenwelt.
Bildquelle: unbekannt. - ^ Die Statue befindet sich vor dem Mausoleum Oku-no-in, in dem Kūkai beigesetzt wurde.
Turner, flickr 2007. - ^ Auch einige moderne Gräber (haka) mit erstaunlichen Grabmonumenten sind auf Berg Kōya zu finden.
Trane DeVore, flickr 2006. - ^ Grabmal für muen botoke, wtl. „Buddhas (= Verstorbene) ohne Bindung (= Angehörige)“. Meist bezieht sich der Begriff auf abgetriebene Kinder. Jeder Verstorbene ist durch eine kleine gorintō-Stele repräsentiert, manche davon sind mit Lätzchen versehen. Auch einige Jizō-Statuen sind darunter.
Molly Des Jardin, flickr 2008. - ^ Grabpyramide aus gorintō für (Kinder-)Seelen ohne Angehörige (muen botoke).
Molly Des Jardin, flickr 2008. - ^ Grabanlage mit torii und gorintō der Daimyō-Familie Matsumoto
Chantal Dupasquier, flickr 2005.
- ^ Grab (haka) von Yūki Hideyasu (1574–1607), dem zweiten Sohn von Tokugawa Ieyasu.
Edo-Zeit. Eckhart Derschmidt, 2014/8 (mit freundlicher Genehmigung). - ^ Grabanlage der Matsudaira von Shimabara, Kyūshū, im gorintō-Stil.
Eckhart Derschmidt, 2014/8 (mit freundlicher Genehmigung). - ^ Mönche beim Transport eines rituellen Gegenstandes über die Brücke, die zum Mausoleum Kūkais führt.
Amy Nakazawa, flickr 2006. - ^ Mönch des Kōya-san auf dem Weg zum Mausoleum Kūkais (Oku-no-in), das sich hinter der im Hintergrund sichtbaren Tempelhalle befindet.
Eckhart Derschmidt, 2014/8 (mit freundlicher Genehmigung). - ^ Die Anlage von Berg Kōya aus südlicher Richtung. Rechts oben das Mausoleum Kūkais (Oku-no-in), in der linken Bildhälfte die wichtigsten Tempel. Die einzelnen Gebäude sind alle Tempel, die wie Familienbetriebe geführt werden. Ihre Hauptaufgabe besteht in der Betreuung der Gräber, die sich in der Nähe von Kūkais Mausoleum befinden. Heute ist die Zahl der Tempel etwas zurück gegangen, viele Hallen sind auch umbenannt oder verschoben worden, die Grundstruktur der Anlage ist jedoch unverändert geblieben.
Werk von Asai Koei. 1860er Jahre. David Rumsey Map Collection. - ^ Älteste datierbare Grabsteine auf dem Kōya-san im gorintō-Stil. Es handelt sich um Grabmonumente für Minamoto (aka. Tada) no Mitsunaka (912–997), einen Ahnen der späteren Minamoto Shōgune. Da mehrere Grabanlagen dieser Person bekannt sind, wurde er wohl nicht hier bestattet, sodass es sich um ein Grabmonument handelt.
Späte Heian-Zeit. KoyaQuest. - ^ Grabanlage (haka mit gorintō) der Daimyō-Familie Shimazu aus Satsuma/Kyūshū auf Berg Kōya.
Chantal Dupasquier, flickr 2005. - ^ Familiengrab mit gorintō der Date. Die Date waren seit dem berühmten Kriegsherren Date Masamune (1567–1636) die mächtigsten Daimyō in Nordjapan mit Hauptsitz in Sendai.
Chantal Dupasquier, flickr 2005. - ^ Alte Grabanlagen (haka mit gorintō) bedeutender Familien sind oft umzäunt und durch ein Schreintor (torii) zu betreten, wie hier auf Berg Kōya.
Amy Nakazawa, flickr 2006. - ^ Die wichtigsten Familien der Edo-Zeit errichteten eigene Familientempel innerhalb der Friedhofsanlage des Kōya-san, allen voran die Tokugawa. Interessanterweise findet sich vor diesem buddhistischen Bauwerk ein torii.
Lonely Trip, 2007. - ^ Die Tempelanlage auf Berg Kōya in einer mittelalterlichen Darstellung. Die Anlage ist hier auf drei essenzielle Bestandteile reduziert: Die Große Pagode (Daitō), die Tempelhalle zu Ehren Kūkais (Miei-dō) und die Kiefer (Sanko no Matsu), auf der der Vajra landete, den Kūkai von China aus in Richtung Japan geschleudert hatte.
Kamakura-Zeit, 1296. Tokyo National Museum. - ^ Das Mausoleum Kūkais auf Berg Kōya auf einer mittelalterlichen Darstellung. Die Grabkapelle befindet sich links auf dem Bild und ist durch einen Zaun von der Tempelhalle davor getrennt. Entlang des Zugangsweges befinden sich Grabmonumente. Während diese heute zumeist aus Stein sind, handelt es sich auf dieser Darstellung zumeist um hölzerne Stäbe (sotoba).
Kamakura-Zeit, 1296. Tokyo National Museum. - ^ Kūkai in der klassischen Darstellung mit vajra in der rechten Hand, auf dem Sessel eines Tempelabtes, flankiert von den beiden Schutzgöttern von Berg Kōya: Die Göttin Niu-tsu-hime in chinesisch anmutender Tracht und der Jäger Kariba (hier Kōya Myōjin) in klassischer Hoftracht. Oberhalb der drei Gestalten ist undeutlich eine Abbildung von Kūkais Mausoleum, Oku no In, zu sehen, unterhalb eine Abbildung des Amano Niu Schreins am Fuße von Berg Kōya. Das Bild wurde für einen bestimmten Ritus zur Verehrung der Gottheiten angefertigt, der sich mondōkō 問答講, wtl. Frage und Antwort Vortrag, nannte und 1291 begonnen wurde.
Kamakura-Zeit, 14. Jh. Kūkai mandara: Kōbō Daishi to Kōya-san (Katalog), Reihōkan 2006, S. 39, Abb. 10. - ^ Verwittertes Hinweisschild zum Oku-no-in auf Berg Kōya.
2016. Shogo Sakaguchi, flickr, 2016.
Glossar
- Akechi Mitsuhide 明智光秀 ^ 1526–1582; Kriegsherr des Spätmittelalters; General und Mörder Oda Nobunagas
- Fujiwara no Michinaga 藤原道長 ^ 966–1028; Staatsmann; bekanntester und wohl auch mächtigster Vertreter der Fujiwara-Dynastie, die dank ihrer Heiratspolitik mit der Tennō-Familie die die Politik der Heian-Zeit dominierte
- Itsukushima 厳島 ^ auch Miyajima, Schrein bei Hiroshima; der Name bedeutet wtl. „Tabu-Insel“ und dürfte sich von der weiblichen Meeresgottheit Ichikishima-hime herleiten
- Nikkō 日光 ^ Tempel-Schreinanlage im Norden der Kantō-Ebene, Präf. Tochigi; beherbergt u.a. den Tōshō-gū Schrein
- Niu Myōjin 丹生明神 ^ weibliche Shintō-Gottheit, die laut Legende Kūkai erlaubte seinen Tempel auf Berg Kōya zu errichten
- Niu-tsu-hime Jinja 丹生都比売神社 ^ ehem. Hauptschrein der Provinz Kii (heute Wakayama-ken) und Schutzschrein des Tempelbergs Kōya; auch als Amano Niu Schrein bekannt
- [[Glossar:Odanobunanga|]] () ^
- Sengoku Jidai 戦国時代 ^ Zeit der kämpfenden Länder, 1467–1568; beginnt mit dem Ōnin-Krieg und endet mit dem Beginn der nationalen Einigung unter Oda Nobunaga; andere Definitionen datieren das Ende mit der Ausrottung der Toyotomi durch Tokugawa Ieyasu im Jahr 1615
- Shingon-shū 真言宗 ^ Shingon-Schule, wtl. Schule des Wahren Wortes; wichtigste Vertreterin des esoterischen Buddhismus (mikkyō) in Japan
- Toyotomi Hideyoshi 豊臣秀吉 ^ 1537–1598, Feldherr, militärischer Machthaber; bekannt als der zweite von drei Reichseinigern am Ende der „Zeit der kämpfenden Länder“ (Sengoku Jidai)
Religion in Japan, Inhalt
- 一 Grundbegriffe
- Einleitung
- Japan
- Buddhismus:
- Ausbreitung
- Buddh. Lehren
- Shintō:
- Shintō
- Chinesische Einflüsse:
- Yin und Yang
- Zusammenfassung:
- Stereotype
- Weltbild
- 二 Bauten
- 三 Alltag
- Einleitung
- Öffentliche Religion:
- Tempel- & Schreinbesuch
- Glücksbringer
- Opfergaben
- Jahreszyklus
- Volksfeste (matsuri)
- Private Religion:
- Religion und Familie
- Totenriten
- Ahnenkult
- Hausschrein
- Friedhof
- Pilgerschaft
- Religiöse Spezialisten:
- Buddhistische Mönche
- Schreinpriester
- Yamabushi
- 四 Ikonographie
- Einleitung
- Ordnungssysteme
- Buddhas und Bodhisattvas:
- Amida
- Dainichi
- Shaka
- Kannon
- Jizō
- Zornvolle Figuren:
- Myōō
- Wächtergötter
- Populäre Gottheiten:
- Glücksgötter
- Schreingottheiten:
- Shintō-Götter
- Menschen:
- Heilige
- 五 Mythen
- Einleitung
- Mythologie:
- Götter des Himmels
- Götter der Erde
- Jenseits:
- Jenseits
- Geister:
- Totengeister
- Dämonen
- Tiere:
- Imaginäre Tiere
- Verwandlungskünstler
- Symboltiere
- 六 Geschichte
- Einleitung
- Altertum:
- Prähistorie
- Frühzeit
- Nara-Zeit
- Frühe kami-Kulte
- Heian-Zeit
- Saichō
- Kūkai
- Honji suijaku
- Mittelalter:
- Kamakura-Zeit
- Amidismus
- Zen Buddhismus
- Nichiren Buddhismus
- Mittelalterl. Shintō
- Frühe Neuzeit:
- Reichseinigung
- Christentum
- Terauke-System
- Neo-Konfuzianismus
- Kokugaku
- Moderne und Gegenwart:
- Bakumatsu-Zeit
- Staatsshintō
- Neue Religionen
- 七 Essays
- Überblick
- Buddhismus, Asien:
- Arhats in China und Japan
- Vajrapani: Der Feldherr des esoterischen Buddhismus
- Bishamon-ten: Wächter und Glücksgott
- Riesen-Buddhas: Im Kampf gegen die Unbeständigkeit des irdischen Daseins
- Lokale Vorstellungen, Japan:
- Jindō und shintō: Zum Begriffsinhalt des ‚Weges der kami‘
- Ōkuninushi als heimlicher Gegenspieler der Himmlischen Götter
- Religiöse Gewalt in Japan: Blutopfer, Selbstopfer, Menschenopfer
- Regenmachen im vormodernen Japan
- Lieber das Herz in der Hand als die Taube über dem Heer
- Feuer mit Feuer bekämpfen: Der Gehörnte Meister und sein Kult
- Das Butsuzō zui: Ein ‚illustriertes Kompendium der mystischen Gestalten von Buddhas und Kami‘
- Hundert Geschichten: Horrorklassiker aus der Edo-Zeit
- Religion und Politik:
- Die Tenshō-Mission: Beginn einer schwierigen transnationalen Beziehung
- Yasukuni: Der Schrein des ‚friedlichen Landes‘
- Herrigels Zen und das Bogenschießen
„Berg Kōya und sein Friedhof.“ In: Bernhard Scheid, Religion-in-Japan: Ein digitales Handbuch. Universität Wien, seit 2001