Symboltiere und Tiersymbole (Tiergötter und Götterboten, Teil 3)

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Tiergötter und Götterboten, Teil 3Symboltiere und Tiersymbole

Sowohl einheimische Gottheiten (kami), als auch buddhistische Wesen können mit spezifischen Tieren eine enge symbolische Beziehung eingehen. In Legenden und bildlichen Darstellungen kann das Tier entweder als Bote (o-tsukai) einer Gottheit fungieren oder sich als Erscheinungsform der Gottheit entpuppen. An Tempeln und Schreinen dienen solche Tiere als vertraute Erkennungsmerkmale der jeweiligen Gottheit. Folgende Tiere, die teilweise auf anderen Seiten genauer besprochen werden, stehen in besonders enger Verbindung zu bestimmten Gottheiten:

Fuchs Inari Schlange Benzaiten
Affe Hie/Hiyoshi (Sannō) Hirsch Kasuga
Rind Tenjin, Enma Taube Hachiman
Maus Daikoku, Bishamon-ten Hase Ōkuninushi

Affen

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Das Bild wurde im „Metall-Affen“ Jahr 1800 am Tag des Metall-Affen (kōshin) angefertigt und zeigt einen tanzenden Affen in priesterlich anmutendem Gewand. Das Gewand ist mit Kranich-Motiven geschmückt, der Fächer mit Pinien — beides Symbole für langes Leben. Anhand von Fächer und Schelle lässt er der Affe (saru) als Tänzer des Sanbasō identifizieren. Dies ist ein ritueller Tanzes des -Theaters, das ja auch als sarugaku, „Affenmusik“, bezeichnet wird. Auch dieser Tanz soll langes Leben bringen. Werk von Mori Sosen (1774). 1800
Pacific Asia Museum, Pasadena
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Mori Sosen gilt als Meister der Affendarstellung; hier eine Darstellung eines sich lausenden nihon-zaru. Werk von Mori Sosen (1774-1821). Edo-Zeit
Yaneurabeya no Bijutsukan
Affenportraits von Mori Sosen, dem Meister der Affendarstellung

Zoologisch betrachtet ist in Japan nur eine einzige Affenart heimisch, der Japan-Makake (nihon-zaru), der wiederum nur in Japan zu finden ist. Er besitzt ein rotes Gesicht, rote Hinterbacken und ein verhältnismäßig dichtes langes Fell. Die in großen Rudeln lebende Makakenart ist auf allen Hauptinseln außer auf Hokkaidō weit verbreitet und kann sowohl in Tierparks als auch in freier Natur beobachtet werden. Der nihon-zaru ist den Japanern also sehr vertraut und kommt entsprechend häufig in japanischen Märchen und Legenden vor. Er tritt dabei meist als Clown oder ungeschickter Schwindler auf, der erfolglos versucht, es den Menschen gleichzutun. Dennoch ist das Image des Affen nicht grundsätzlich schlecht. Sogar einer der berühmtesten Heerführer Japans, Toyotomi Hideyoshi, trug den Spitznamen „Affe“ (saru). Außerdem taucht der Affe auch als Gott oder göttlicher Bote auf.

Religiöse Rollen des Affen

Affenmaske.jpg
Maske in Form eines Affen (saru). Kamakura-Zeit
Miho Museum, Japan
3 Affenmaske
  • Das -Theater nannte sich ursprünglich sarugaku, wtl. „Affenmusik“ oder „Affentheater“. Dieser Namen war aber keinesfalls abfällig zu verstehen. Vielmehr hießen bereits die Priestertänzerinnen am Hof der Heian-Zeit sarume, wtl. „Affen-Frauen“. Die Ahnengöttin dieser Priesterinnen ist Sarume no kimi, alias Ame no Uzume, die Ahnherrin von Tanz und Theater. Sie heiratete einen Gott namens Sarutahiko, dessen rotes Gesicht vielleicht einst einen Affen darstellen sollte. Affe und (religiöser) Tanz waren jedenfalls im japanischen Altertum eng miteinander assoziiert.
  • Der Hie Schrein (auch Hiyoshi Schrein) am Fuße des Klosterberges Hiei fungiert als Schutzschrein dieses einstmals mächtigsten Klosters von Japan. Seine zahlreichen Unterschreine werden kollektiv zu einer Gottheit zusammengefasst, Sannō, wtl. der Bergkönig. Dieser „Bergkönig“ wird mitunter auch als Affe dargestellt bzw. sieht man Affen als seine Boten an. Vielleicht rührt es daher, dass Affen gern in der Kleidung von Shintō-Priestern abgebildet werden.* Die berühmteste figurative Darstellung von Affen befindet sich im Schrein von Nikkō: die Drei Weisen Affen, die nicht hören, nicht sehen und nicht sprechen wollen. Das Motiv dieser Drei Affen gibt es in vielen Kulturen, in Japan macht es aber auf ganz besondere Weise Sinn: „nicht sehen“, „nicht hören“, und „nicht sprechen“ heißt auf Klassisch-Japanisch: mizaru, iwazaru, kikazaru, wobei die Endung -zaru sowohl eine Verneinung als auch „Affe“ bedeuten kann. Ihre Beliebtheit hängt mit dem sogenannten Kōshin-Glauben (kōshin shinkō) zusammen, der ehemals in Japan weit verbreitet war.
  • Es ist auch kein Zufall, dass die Drei Affen von Nikkō an einem Nebengebäude des Schreins zu bewundern sind, in dem einst weiße Pferde gehalten wurden. Nach einem auch in China weit verbreiteten Glauben hält man Pferde gesund, indem man Affen in ihren Ställen ansiedelt. Affen und Pferde werden daher auch in der bildenden Kunst häufig gemeinsam dargestellt. Angeblich sollen die berittenen Samurai des Mittelalters Affenhäute über ihre Köcher gespannt haben, um die Gesundheit ihrer Pferde zu garantieren.

Weitere Tiere mit religiöser Symbolik

  • Die Zwölf Tierkreiszeichen (Ratte, Büffel, Tiger, Hase, Drache, Schlange, Pferd, Schaf, Affe, Hahn, Hund, Wildschwein) stehen im chinesischen Kalender, der in Japan bis zur Meiji-Zeit Verwendung fand, nicht nur für Monate, sondern v.a. für Jahre. Ähnlich wie im Fall der hierzulande bekannten Sternzeichen, verleiht ein Jahrestier allen, die in diesem Jahr geboren werden, einen bestimmten Charakter.
  • Kraniche (tsuru) und Schildkröten (kame) sind beide chinesische Symbole des Langen Lebens und zieren daher alle möglichen glücksbringenden Gegenstände, Schreine und Tempel. Sie sind auch ein beliebtes Neujahrsmotiv. Schildkröten treten darüber hinaus in Mythen und Legenden, etwa der Geschichte von Urashima Tarō, als göttliche Botentiere in Erscheinung.
  • Katzen (neko) sind ähnlich wie Füchse und Tanuki magisch begabt. Besonders zauberkräftige Katzen erkennt man (ähnlich wie Füchse) an ihren mehrfach gespaltenen Schwänzen. Solche Gespensterkatzen (nekomata) sind ausgesprochen unheimlich. Als Winke-Katze (maneki neko) stellen sie hingegen ihre Magie in den Dienst der Geschäftsleute und verhelfen ihnen zu mehr Umsatz.
  • Der Hase (usagi) steht mit dem Mond in Verbindung. In Japan meint man, in der Scheibe des Vollmonds kein Gesicht, sondern einen Hasen zu erkennen, der mit einem hammerartigen Schlegel (kine) Reis stampft. Diese Idee dürfte auf eine buddhistische Legende aus den indischen Jataka-Erzählungen zurückgehen. In China hat sich daraus ein Hase entwickelt, der Kräuter zu einem Elixier des Langen Lebens zusammenstampft, in Japan hingegen stampft er Reiskuchen (mochi). Dies angeblich deshalb, weil der Ausdruck mochizuki sowohl „Vollmond“ als auch „Reisstampfen“ bedeuten kann. Die Verbindung Hase-Mond ist jedoch ein mythologisches Motiv, das sich auch außerhalb des Buddhismus findet.
  • Das Pferd (uma) gilt zwar nicht als magisch begabt, diente aber in früherer Zeit wie alle wertvollen Dinge als beliebte Opfergabe (siehe auch „Pferde-Bilder“, ema) und außerdem als Götterboten. In der Edo-Zeit wurden z.B. die Gottheiten des kaiserlichen Ahnenschreins in Ise gerne als Pferd dargestellt.
  • Ein eher unheimliches Tier ist der Wels (namazu). In der Edo-Zeit glaubte man, dass ein riesiger Wels-Gott Ursache für Erdbeben sei. Ein großes Erdbeben im Jahr 1855 löste eine Flut von sog. Welsbildern (namazue) aus, in denen das Erdbeben und seine Folgen in symbolischer und oft karikierender Weise dargestellt wurden.
Froesche.jpg
Detail einer der berühmtesten Tierdarstellungen Japans aus der späten Heian-Zeit. Auf einer Querbildrolle sind zahlreiche Tiere in humoristischen, menschenähnlichen Situationen dargestellt. Werk von Kakuyū (zugeschr.) (1053–1140).
Wikimedia Commons
Ende des Kapitels „Mythen und Legenden“


Verweise

Verwandte Themen

Internetquellen


Letzte Überprüfung der Linkadressen: Jul. 2020

Literatur

Emiko Ohnuki-Tierney 1987
The Monkey as Mirror: Symbolic Transformations in Japanese History and Ritual. Princeton: Princeton University Press 1987.

Bilder

Quellen und Erläuterungen zu den Bildern auf dieser Seite:

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    Koshin sosen.jpg

    Das Bild wurde im „Metall-Affen“ Jahr 1800 am Tag des Metall-Affen (kōshin) angefertigt und zeigt einen tanzenden Affen in priesterlich anmutendem Gewand. Das Gewand ist mit Kranich-Motiven geschmückt, der Fächer mit Pinien — beides Symbole für langes Leben. Anhand von Fächer und Schelle lässt er der Affe (saru) als Tänzer des Sanbasō identifizieren. Dies ist ein ritueller Tanzes des -Theaters, das ja auch als sarugaku, „Affenmusik“, bezeichnet wird. Auch dieser Tanz soll langes Leben bringen. Werk von Mori Sosen (1774). 1800
    Pacific Asia Museum, Pasadena

  2. ^ 
    Affe sosen.jpg

    Mori Sosen gilt als Meister der Affendarstellung; hier eine Darstellung eines sich lausenden nihon-zaru. Werk von Mori Sosen (1774-1821). Edo-Zeit
    Yaneurabeya no Bijutsukan

  1. ^ 
    Affenmaske.jpg

    Maske in Form eines Affen (saru). Kamakura-Zeit
    Miho Museum, Japan

  2. ^ 
    Froesche.jpg

    Detail einer der berühmtesten Tierdarstellungen Japans aus der späten Heian-Zeit. Auf einer Querbildrolle sind zahlreiche Tiere in humoristischen, menschenähnlichen Situationen dargestellt. Werk von Kakuyū (zugeschr.) (1053–1140).
    Wikimedia Commons


Glossar

Namen und Fachbegriffe auf dieser Seite:

  • Ame no Uzume 天鈿女/天宇受賣 ^ mythologische Gottheit, Ahnherrin des Theaters
  • Benten 弁天 ^ Glücksgöttin; Kurzform von Benzaiten
  • Bishamon-ten 毘沙門天 ^ Himmelswächter des Nordens, Glücksgott; abgeleitet von einem indischen Gott des Reichtums, Vaishravana
  • Daikoku 大黒 ^ Gott des Reichtums und Stellvertreter der Sieben Glücksgötter (Shichi Fukujin); skt. Mahakala = „Großer Schwarzer“; auch Daikoku-ten
  • ema 絵馬 ^ Votivbild; wtl. Bild-Pferd
  • Enma 閻魔 ^ skt. Yama; König oder Richter der Unterwelt; auch Enra; meist als Enma-ten oder Enma-ō angesprochen
  • Hachiman 八幡 ^ Shintō-Gottheit, Ahnengottheit des Tennō und des Kriegeradels; auch „Yawata“ ausgesprochen
  • Heian 平安 ^ auch Heian-kyō 平安京, „Stadt des Friedens“; politisches Zentrum 794–1185 (= Heian-Zeit)
  • Hiei-zan 比叡山 ^ Klosterberg Hiei bei Kyōto, traditionelles Zentrum des Tendai Buddhismus
  • Hie Taisha 日吉大社 ^ Schutzschrein von Berg Hiei bei Kyōto; moderne Aussprache Hiyoshi Taisha; auch: Sannō Schrein
  • Inari 稲荷 ^ Reisgottheit, häufig von Fuchswächtern bewacht
  • Ise Jingū 伊勢神宮 ^ kaiserlicher Ahnenschrein (wtl. Götterpalast) von Ise, Präfektur Mie, bestehend aus den Anlagen Gekū und Naikū
  • kame ^ Schildkröte
  • kami ^ Gottheit; im engeren Sinne einheimische oder lokale japanische Gottheit, Schreingottheit (s. jinja), Gottheit des Shintō
  • Kasuga Taisha 春日大社 ^ Kasuga Schrein, Nara; ehemals Ahnenschrein der Fujiwara
  • kine ^ Stößel; Mörserkeule; hammerartiger Schlegel zum Reisstampfen
  • kōshin shinkō 庚申信仰 ^ Kōshin-Glauben, ein ursprünglich aus dem Daoismus stammender Kult zur Verlängerung des Lebens
  • maneki neko 招き猫 ^ winkende Katze, Winkekatze; Glücksbringer, besonders für geschäftlichen Erfolg
  • Meiji 明治 ^ posthumer Name von Kaiser Mutsuhito; nach ihm wird auch die Meiji-Zeit (1868–1912) benannt
  • mizaru, iwazaru, kikazaru 見ざる、言わざる、聞かざる ^ „nichts sehen, nichts sagen, nichts hören“
  • mochi ^ Japanische Reiskuchen bzw. Klöße aus gestampftem Reis, die traditionell vor allem zu Neujahr (O-shōgatsu) gegessen werden.
  • namazu ^ Namazu oder Wels; in der Edo-Zeit als Erdbebengott von religiöser Bedeutung
  • namazue 鯰絵 ^ Bild des Erdbeben-Welses; vor allem nach dem Ansei Erdbeben von 1855 sehr populär
  • neko ^ Katze
  • nekomata 猫又 ^ Gespensterkatze
  • nihon-zaru 日本猿 ^ macaca fuscata, Japanmakak; einzige in Japan beheimatete Affenart, hat von allen Primaten das nördlichste Verbreitungsgebiet
  • Nikkō 日光 ^ Tempel-Schreinanlage im Norden der Kantō-Ebene, Präf. Tochigi; beherbergt u.a. den Tōshō-gū Schrein
  • ^ traditionelles jap. Theater mit charakterstischem Tanz, Gesang und Masken; entwickelte sich im 14. Jh. aus dem volkstümlichen dengaku (Feld- oder Bauern-Theater) und avancierte zur repräsentativen Theaterform der Kriegerelite (bushi)
  • Ōkuninushi 大国主 ^ mythol. Gottheit; wtl. Großer Meister des Landes
  • o-tsukai お使い ^ wtl. Bote; auch: Götterbote, häufig in Tiergestalt
  • Sannō 山王 ^ Wtl. „Bergkönig“; Schutzgott des Tendai-Klosters auf Berg Hiei
  • saru ^ Affe; gehört auch zu den zwölf Tierkreiszeichen (jūni shi) (verwendet in dem Fall das Kanji 申)
  • sarugaku 猿楽 ^ Alte Bezeichnung für -Theater; wtl. „Affenmusik“
  • sarume 猿女 ^ Priestertänzerin; wtl. „Affenfrau“
  • Sarutahiko 猿田彦 ^ Mythologische Gottheit in tengu-ähnlicher Gestalt
  • Tenjin 天神 ^ wtl. „Himmelsgott“, s.a. Tenman Tenjin
  • Toyotomi Hideyoshi 豊臣秀吉 ^ 1537–1598, Feldherr, militärischer Machthaber; bekannt als der zweite von drei Reichseinigern am Ende der „Zeit der kämpfenden Länder“ (Sengoku Jidai)
  • tsuru ^ Kranich
  • uma ^ Pferd; wenn das Pferd als Element der der zwölf Tierkreiszeichen (jūni shi) gemeint ist, wird das Schriftzeichen verwendet
  • Urashima Tarō 浦島太郎 ^ Held einer berühmten Sage; heiratet eine Meeresprinzessin, verbringt mit ihr drei Jahre im Meerespalast, kehrt nach Hause zurück und stellt fest, dass nicht drei, sondern dreihundert Jahre seit seinem Fortgang vergangen sind.
  • usagi ^ Hase; zählt u.a. zu den Tierkreiszeichen (jūni shi; s. u)
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„Symboltiere und Tiersymbole (Tiergötter und Götterboten, Teil 3).“ In: Bernhard Scheid, Religion-in-Japan: Ein digitales Handbuch. Universität Wien, seit 2001