Shichigosan: Der Kinder Segen

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Shichigosan Der Kinder Segen

Das Shichigosan-Fest besteht heutzutage aus einem feierlichen Schreinbesuch rund um den 15. November, bei dem kleine Kinder traditionelle Kimonos anlegen, ganz bestimmte Süßigkeiten („Tausend-Jahr-Bonbons“ chitose-ame) geschenkt bekommen und von ihren stolzen Eltern pausenlos fotografiert werden. Shichigosan bedeutet nichts anderes als „sieben, fünf, drei“. Der Schreinbesuch im Kimono ist nämlich nur für drei- oder fünfjährige Buben bzw. drei- oder siebenjährige Mädchen vorgesehen.

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Plakat eines Schreins, der den ganzen November hindurch Shichigosan-Feiern veranstaltet.
© Jean, trip-advisor 2010
1 Shichigosan Plakat

Optische Eindrücke

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Besucher des Shichigosan-Festes
© sambird, flickr 2005
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Hier sieht man den besonderen Andrang beim Shichigosan-Fest, der an diesem Tag im Tsurugaoka Hachiman-gū von Kamakura herrscht.
© Takaku Masayuki, flickr 2006
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Kleine Buben bessern ihre Performance beim Shichigosan-Fest, wie hier im Tsurugaoka Hachiman-gū, gerne mit Ultraman Masken auf.
© Takaku Masayuki, flickr 2006
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Die Hauptrolle beim Shichigosan-Fest spielen eindeutig Mädchen in ihren farbenprächtigen Kimonos.
© Shige's Wallpapers, über Internet Archive
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Shichigosan-Prinzessin
© Amy G., flickr 2006
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Ein Shichigosan-Prinz beim Fotographieren...
© Einharch, flickr 2010
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Dreijähriges Mädchen beim Shichigosan-Fest in Sendai. Im Hintergrund ein Gestell für Glückslose (o-mikuji).
© jpellgen, Flickr, 2009
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Shichigosan-Kimonos im Schaufenster
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Betendes Mädchen im festlichen Kimono bei der Shichigosan-Feier.
© Norman Lee, flickr 2001
Kinder beim Shichigosan-Fest

Geschichte

Das Shichigosan-Fest entstand aus drei ursprünglich unabhängigen Zeremonien für kleine Kinder, die wahrscheinlich alle auf Zeremonien des antiken Kaiserhofs zurückgehen, im Laufe des Mittelalters dann vom Kriegeradel (Samurai) adaptiert wurden und in der Edo-Zeit schließlich zu einer Einheit verschmolzen.

  • Die erste dieser Zeremonien hieß kamioki („Haare [wachsen] lassen“) und markierte den Zeitpunkt, ab dem Kleinkindern der Kopf nicht mehr geschoren wurde. Diese Zeremonie wurde in Samuraifamilien für Kinder im dritten Lebensjahr am 15. des Elften Monats durchgeführt und war mit Bitten um ein langes Leben für das Kind verbunden.
  • Die zweite Zeremonie hieß hakamagi („Anlegen von Hakama“). Kinder zwischen dem dritten und siebenten Lebensjahr durften zu diesem Anlass erstmals die traditionellen Pluderhosen (hakama) anlegen. Erst durch diesen Ritus wurde das Kind formal als Familienmitglied anerkannt.
  • Die dritte Zeremonie hieß himotoki oder obihajime („Lösen der Schnur“ bzw. „erster Gürtel“) und richtete sich an Kinder im siebenten Lebensjahr. Wie diese Namen verraten, erhielten die Kinder dabei einen Gürtel (obi) anstelle einer einfachen Schnur zum Zusammenbinden des Kimonos.
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Segnung (harae) beim Shichigosan-Fest der Kinder im Alter von drei, fünf und sieben Jahren durch einen Shintō-Priester (kannushi).
11 Segnung der Kinder

Die Zusammenlegung dieser Riten soll auf Shōgun Tokugawa Tsunayoshi (1646–1709) zurückgehen. Die Verbindung mit einem Schreinbesuch scheint erst gegen Ende der Edo-Zeit zum Standard geworden zu sein. In der Kansai Region (rund um Kyōto) gab es beispielsweise ehemals das sogenannte Jūsan-mairi („Andachtsbesuch mit dreizehn“), bei dem dreizehnjährige Kinder einen Tempel des Bodhisattva Kokuzō aufsuchten. Erst Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts wurde das Shichigosan Fest zu einem allgemeinen Brauch, der heute von großen Teilen der Bevölkerung vollzogen wird.

Ähnliches gilt für das „Puppenfest“ (Hina Matsuri) am 3. 3., auf das sich die Mädchen besonders freuen, und das „Knabenfest“ (Kodomo no hi) am 5.5., bei dem Wimpel in Karpfen-Form aufgehängt werden. Auch sie gehen auf höfische Bräuche aus der Heian-Zeit zurück, wurden aber erst zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts standardisiert und stellen heute in erster Linie einen Anlass dar, sich ganz dem Zauber der traditionellen Kultur hinzugeben.


Verweise

Internetquellen

Letzte Überprüfung der Linkadressen: Jul. 2020

Literatur

Endō Jun 2003
„The early modern period: In search of a Shinto identity.“ In: Inoue Nobutaka (Hg.), Shinto: A Short History. New York: RoutledgeCurzon 2003, S. 108–158.

Bilder

Quellen und Erläuterungen zu den Bildern auf dieser Seite:

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    Plakat eines Schreins, der den ganzen November hindurch Shichigosan-Feiern veranstaltet.
    © Jean, trip-advisor 2010

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    Besucher des Shichigosan-Festes
    © sambird, flickr 2005

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    Hier sieht man den besonderen Andrang beim Shichigosan-Fest, der an diesem Tag im Tsurugaoka Hachiman-gū von Kamakura herrscht.
    © Takaku Masayuki, flickr 2006

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    Kleine Buben bessern ihre Performance beim Shichigosan-Fest, wie hier im Tsurugaoka Hachiman-gū, gerne mit Ultraman Masken auf.
    © Takaku Masayuki, flickr 2006

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    Die Hauptrolle beim Shichigosan-Fest spielen eindeutig Mädchen in ihren farbenprächtigen Kimonos.
    © Shige's Wallpapers, über Internet Archive

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    Shichigosan-Prinzessin
    © Amy G., flickr 2006

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    Ein Shichigosan-Prinz beim Fotographieren...
    © Einharch, flickr 2010

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    753 sendai.jpg

    Dreijähriges Mädchen beim Shichigosan-Fest in Sendai. Im Hintergrund ein Gestell für Glückslose (o-mikuji).
    © jpellgen, Flickr, 2009

  3. ^ 
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    Shichigosan-Kimonos im Schaufenster

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    Betendes Mädchen im festlichen Kimono bei der Shichigosan-Feier.
    © Norman Lee, flickr 2001

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    753 kannushi.jpg

    Segnung (harae) beim Shichigosan-Fest der Kinder im Alter von drei, fünf und sieben Jahren durch einen Shintō-Priester (kannushi).


Glossar

Namen und Fachbegriffe auf dieser Seite:

  • Bodhisattva (skt.) बोधिसत्त्व ^ „Erleuchtetes Wesen“ (jap. bosatsu 菩薩)
  • chitose-ame 千歳飴 ^ „Tausend-Jahr-Bonbons“, rot-weiße Zuckerstange die Kinder beim Shichigosan-Fest geschenkt bekommen
  • Edo 江戸 ^ Hauptstadt der Tokugawa-Shōgune, heute: Tōkyō; auch: Zeit der Tokugawa-Dynastie, 1600–1867 (= Edo-Zeit);
  • hakama ^ Rockhosen mit weitgeschnittenen Beinen, traditionelles japanisches Obergewand
  • Heian 平安 ^ auch Heian-kyō 平安京, „Stadt des Friedens“; politisches Zentrum 794–1185 (= Heian-Zeit)
  • Hina Matsuri 雛祭 ^ „Puppenfest“; jahreszeitliches Fest am 3.3.
  • Kodomo no hi 子供の日 ^ Kinder- bzw. Knabenfest am 5.5.
  • Shichigosan 七五三 ^ Shichigosan-Fest für Kinder von drei, fünf, und sieben Jahren
  • Tokugawa Tsunayoshi ^ 1646–1709; fünfter Shōgun der Tokugawa Dynastie, wegen seiner Tierliebe auch als dog shōgun bezeichnet
Religion in JapanAlltagFamilieShichigosan
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Shichigosan: Der Kinder Segen.“ In: Bernhard Scheid, Religion-in-Japan: Ein digitales Handbuch. Universität Wien, seit 2001