Gorintō: Stupa der Fünf Elemente

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Gorintō Stupa der Fünf Elemente

G orintō, wtl. „stupa der Fünf Ringe“, ist eine traditionelle Form japanischer Grabmonumente. Bis zur Meiji-Zeit waren die meisten Grabsteine im gorintō-Stil gestaltet. Ursprünglich leiten sich die gorintō ebenso wie die landläufigen japanischen Pagoden von den Stupas, also den Grabmonumenten des Buddha ab. Die fünf Abschnitte (gorin, wtl. „Fünf Ringe“) verkörpern die Fünf Elemente des Buddhismus.

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Grabmonument im gorintō-Stil des Mönchs Eison (1201–1290), eines Reformers des Shingon-Buddhismus. Zählt mit dreieinhalb Metern zu den größten Exemplaren seiner Art. 1290
© J-Blog, 2010
1 Grabstein von Eison
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Das Monument in Form eines gorintō-Grabsteins ist mit deutlich erkennbaren Sanskrit-Zeichen versehen, die die fünf Elemente der buddhistischen Naturlehre symbolisieren. Es befindet sich auf dem Mimizuka ("Ohrenhügel") in Kyōto, wo die Nasen und Ohren der koreanischen Kriegsgegner, die im Zuge von Toyotomi Hideyoshis Korea-Invasion (1592–98) getötet wurden, beigesetzt sind. Zugleich ein Zeichen des Triumphes und der Bitte um Vergebung. errichtet 1773
Wikimedia Commons, Frank Gualtieri, 2006
2 Gorintō auf dem „Ohrenhügel“
Grabsteine im gorintō-Stil

Symbolik

Gorinto schema2.gif
Schematische gorintō-Darstellung.
  1. Raum (Juwel)
  2. Wind (Halbkreis)
  3. Feuer (Dreieck)
  4. Wasser (Kreis)
  5. Erde (Viereck)

Die Fünf Elemente repräsentieren die Bestandteile, aus denen sich das gesamte Universum zusammensetzt. Diese Konzeption weist zwar viele Parallelen zu den chinesisch-daoistischen Fünf Elementen bzw. den Fünf Wandlungsphasen auf, scheint aber unabhängig davon bereits in vor-buddhistischer Zeit von der indischen Naturphilosophie entwickelt worden zu sein. Rund um die Zahl Fünf hat sich eine reiche symbolische Bedeutungsvielfalt herausgebildet. So sind die fünf Elemente z.B. jeweils mit einer Himmelsrichtung verbunden. Sie können auch durch Sanskritzeichen (jap, shuji, wtl. „Samen-Zeichen“ oder bonji 梵字) repräsentiert werden, die auf der Grafik rechts in japanischer Aussprache und in Sanskrit-Aussprache (in Klammer) wiedergegeben sind.

Geschichte

Gorintō wurden wahrscheinlich in der späten Heian-Zeit vom esoterischen Buddhismus (Shingon-shū, Tendai-shū) entwickelt und sind eng mit dem Kosmos des Dainichi Nyorai verknüpft. Die ältesten bekanntesten Beispiele stammen aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Zu dieser Zeit hatten sie sich in den meisten Richtungen als Grabmonument etabliert, lediglich der Amida-Buddhismus (Jōdo-shū, Jōdo Shinshū) scheint nie davon Gebrauch gemacht zu haben.

Gorinto kuroda.jpg
Grabanlage der Familie Kuroda, die in der Edo-Zeit über das Daimyat Fukuoka, heute Teil der Präfektur Fukuoka im Norden Kyushus herrschten. Die Grabsteine sind im klassischen gorintō-Stil gehalten. Die Anlage befindet sich auf dem Gelände des Tempels Tōchō-ji, des ältesten Shingon-Tempels auf Kyushu. Der zentrale Grabstein birgt die Urne des zweiten Kuroda Daimyo, Tadayuki (1602–1654), der ein großer Förderer dieses Tempels war. Edo-Zeit
© Bernhard Scheid, flickr, 2018
3 Grabanlage der Kuroda (Daimyō in Fukuoka)
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Grab des Toyotomi Hideyoshi (1537-1598) im gorintō-Stil (Meiji-zeitliche Rekonstruktion). 1898
© Kyoto o kanjiru hibi, 2006
4 Grabmal des Toyotomi Hideyoshi
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Bemooste Grabsteine im gorintō-Stil in der berühmten Grabanlage auf Berg Kōya.
© Gregor Hohpe, flickr 2006
5 Oku-no-in, Berg Kōya

Verweise

Internetquellen

Eine Orientierung in der Verwendung von Sanskritzeichen im japanischen Buddhismus fand ich (leider nur auf Japanisch) bei:

  • Bonji jiten (Tobifudō)
    Sanskritzeichenlexikon einer empfehlenswerten Website des Tempels Shōbōin in Tōkyō.
  • Iida sekizai
    Website eines Bestattungsunternehmens.
Letzte Überprüfung der Linkadressen: Jul. 2020

Bilder

Quellen und Erläuterungen zu den Bildern auf dieser Seite:

  1. ^ 
    Saidaiji eisonto.jpg

    Grabmonument im gorintō-Stil des Mönchs Eison (1201–1290), eines Reformers des Shingon-Buddhismus. Zählt mit dreieinhalb Metern zu den größten Exemplaren seiner Art. 1290
    © J-Blog, 2010

  2. ^ 
    Gorinto mimizuka.jpg

    Das Monument in Form eines gorintō-Grabsteins ist mit deutlich erkennbaren Sanskrit-Zeichen versehen, die die fünf Elemente der buddhistischen Naturlehre symbolisieren. Es befindet sich auf dem Mimizuka ("Ohrenhügel") in Kyōto, wo die Nasen und Ohren der koreanischen Kriegsgegner, die im Zuge von Toyotomi Hideyoshis Korea-Invasion (1592–98) getötet wurden, beigesetzt sind. Zugleich ein Zeichen des Triumphes und der Bitte um Vergebung. errichtet 1773
    Wikimedia Commons, Frank Gualtieri, 2006

  3. ^ 
    Gorinto kuroda.jpg

    Grabanlage der Familie Kuroda, die in der Edo-Zeit über das Daimyat Fukuoka, heute Teil der Präfektur Fukuoka im Norden Kyushus herrschten. Die Grabsteine sind im klassischen gorintō-Stil gehalten. Die Anlage befindet sich auf dem Gelände des Tempels Tōchō-ji, des ältesten Shingon-Tempels auf Kyushu. Der zentrale Grabstein birgt die Urne des zweiten Kuroda Daimyo, Tadayuki (1602–1654), der ein großer Förderer dieses Tempels war. Edo-Zeit
    © Bernhard Scheid, flickr, 2018

  1. ^ 
    Gorinto amidagatake hide.jpg

    Grab des Toyotomi Hideyoshi (1537-1598) im gorintō-Stil (Meiji-zeitliche Rekonstruktion). 1898
    © Kyoto o kanjiru hibi, 2006

  2. ^ 
    Gorinto koya.jpg

    Bemooste Grabsteine im gorintō-Stil in der berühmten Grabanlage auf Berg Kōya.
    © Gregor Hohpe, flickr 2006


Glossar

Namen und Fachbegriffe auf dieser Seite:

  • Buddha (skt.) बुद्ध ^ „Der Erleuchtete“ (jap. butsu (hotoke) 仏 oder Budda 仏陀)
  • Dainichi Nyorai 大日如来 ^ Buddha Vairocana, der „kosmische Buddha“; wtl. „Großes Licht“ oder „Große Sonne“
  • gorintō 五輪塔 ^ Grabsteinform; „Stupa der Fünf Elemente“
  • Heian 平安 ^ auch Heian-kyō 平安京, „Stadt des Friedens“; politisches Zentrum 794–1185 (= Heian-Zeit)
  • Jōdo Shinshū 浄土真宗 ^ Shin-Buddhismus, bzw. Jōdo Shin-Buddhismus; wtl. „Wahre Schule des Reinen Landes“
  • Jōdo-shū 浄土宗 ^ Schule des Amida-Buddhismus
  • Meiji 明治 ^ posthumer Name von Kaiser Mutsuhito; nach ihm wird auch die Meiji-Zeit (1868–1912) benannt
  • Shingon-shū 真言宗 ^ Shingon-Schule, wtl. Schule des Wahren Wortes; wichtigste Vertreterin des esoterischen Buddhismus (mikkyō) in Japan
  • shuji 種子 ^ Symbolische Sanskrit-Zeichen; wtl. Samen (Skt. bija)
  • stūpa (skt.) स्तूप ^ „Hügel“ (jap. 塔 oder sotoba 卒塔婆), Grabmonument
  • Tendai-shū 天台宗 ^ Tendai-Schule, chin. Tiantai
Religion in JapanAlltagFriedhofGorinto
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Gorintō: Stupa der Fünf Elemente.“ In: Bernhard Scheid, Religion-in-Japan: Ein digitales Handbuch. Universität Wien, seit 2001