Nikkō: Das spirituelle Zentrum des Tokugawa Shōgunats

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Nikkō Das spirituelle Zentrum des Tokugawa Shōgunats

Der Tempel-Schrein Komplex von Nikkō im Norden der Kantō-Region wurde schon in der Heian-Zeit (8.–12. Jh.) als heiliger Ort verehrt. Zu landesweiter Bedeutung stieg der Ort allerdings erst auf, als das Mausoleum des ersten Tokugawa Shōguns, Tokugawa Ieyasu, hierher verlegt wurde. Nikkō wurde damit das spirituelle Zentrum der Tokugawa-Dynastie, die Japan über zweieinhalb Jahrhunderte (von 1600–1867) regierte, und ist zugleich das repräsentativste architektonische Beispiel für den shōgunalen Herrscherkult der Edo-Zeit. Die Anlage wurde 1999 als UNESCO Kulturerbe ausgezeichnet.

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Aufgang zur Schreinanlage von Nikkō, welche man durch das Yōmei-mon betritt. Werk von Yoshida Tōshi (1911–1995). 1940
Calisphere, University of California, Merced.
1 Bereich vor dem Eingang zur inneren Anlage von Nikkō

Religiöse Anlage

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Das weitläufige Heiligtum von Nikkō auf einem Plan aus dem Jahr 1800, der die wichtigsten, auch heute noch bestehenden Teile der Anlage wiedergibt. Im rechten unteren Teil die „heilige Brücke“ (Shinkyō), der Haupteingang des Schreins. Der von Mauern eingefasste Hauptschrein Tōshō-gū befindet sich rechts der Bildmitte. Sein Eingang ist durch Pagode und torii gekennzeichnet, oberhalb davon Yōmei-mon und Haupthalle. Rechts davon der Tempel Rinnō-ji, links (ebenfalls ummauert) der Taiyū-in, das Mausoleum des dritten Shōguns Iemitsu. Die Gebäude im linken Bildteil repräsentieren weitere Schrein- und Tempelbauten, einschließlich der berühmten Kegon Wasserfälle und des Chūzen-ji Sees, die einen halben Tagesmarsch vom Hauptschrein entfernt liegen. Tatsächlich wird das ganze Ensemble jedoch seit alters her als ein einziger „Tempel-Schrein Komplex“ angesehen. Werk von Ueyama Yahei (Verleger). 1800
Japanese Historical Maps.
2 Plan der Gesamtanlage von Nikkō aus dem Jahr 1800

Der obige Plan aus der späten Edo-Zeit zeigt die wichtigsten religiösen Gebäude von Nikkō, die auch heute noch mehr oder weniger unverändert dort zu finden sind. Den prominentesten Platz hält dabei der Tōshō-gū inne, wo Ieyasu als Gott verehrt wird. Er ist auf dem Plan als ummauerter Teilbereich rechts der Bildmitte zu erkennen. In dieser Form entstand die Anlage erst zwanzig Jahre nach Ieyasus Tod, 1634–1635 unter seinem Enkel Iemitsu, der sich ebenfalls am gleichen Ort ein Mausoleum (Taiyū-in, der ummauerte Bereich links des Tōshō-gū) errichten ließ.

Der Plan zeigt jedoch auch eine Anzahl weiterer Tempel- und Schreinbauten, die einem alten Pilgerzentrum angehören, das sich vom heutigen Zentrum der Anlage bis zum zwanzig Kilometer entfernten Chūzenji-See (Abb. oben, links) mit seinen eindrucksvollen Wasserfällen erstreckt. Auf dem Plan sind die Entfernungen zwischen den einzelnen Teilanlagen natürlich stark verkürzt dargestellt. Mit heutigen technischen Mitteln ist ihre Besichtigung zwar an einem Tag zu schaffen, es empfehlen sich aber mindestens zwei Tage, wenn man sowohl dem Hauptschrein als auch den umgebenden Natursehenswürdigkeiten die gebührende Aufmerksamkeit zukommen lassen möchte.

Das gesamte Heiligtum von Nikkō wird im Norden durch hohe Berge begrenzt. Drei dieser Berge bilden so etwas wie eine Familie bestehend aus Vater (Nantai-san), Mutter (Nyoho-san) und Kind (Tarō-san), die zugleich als die Hauptgottheiten des Futarasan Schreins angesehen werden. Dieser Schrein wird bereits in den Engishiki aus dem zehnten Jahrhundert als Hauptschrein der alten Provinz Shimotsuke (heute Tochigi-ken) ausgewiesen und repräsentiert das ursprüngliche Heiligtum von Nikkō.1 Die ältesten Schreine und Tempel der Anlage leiten sich jedoch historisch noch weiter zurück, nämlich auf einen buddhistischen Mönch der Nara-Zeit namens Shōdō (735–817). Er soll in der Kantō-Region mehrere namhafte Tempel gegründet haben. In der Entstehungsgeschichte von Nikkō sind also Buddhismus und einheimische Berggötter bereits aufs Engste miteinander verbunden. Folgerichtig wurde Nikkō im japanischen Mittelalter zu einem Zentrum des synkretistischen Bergkults Shugendō.

Eingangsbereich

Shinkyo nikko.jpg
Die „Götterbrücke“ markiert den Hauptzugang zur Anlage von Nikkō. Sie soll erstmals 808 errichtet worden sein. Ihre heutige Gestalt erhielt sie im Zuge des Ausbaus der Gesamtanlage unter Iemitsu, 1636. Nach einer Zerstörung im Jahr 1902 wurde sie 1904 nach alten Plänen neu aufgebaut, die letzte Generalsanierung erfolgte 2006. Die Brücke gehört offiziell zum Futarasan Schrein, dem ältesten Teilschrein der Anlage. (Quelle: Tochigi-ken no toboku isan)
Nipponisimo, 2008.
3 Götterbrücke (Shinkyō)
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Torii in der Schreinanlage von Nikkō. 1618
, 1998.
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Torii und Pagode () des Tōshō-gū vor der Zeit des Massentourismus (Meiji-Zeit). Spätes 19. Jh.
New York Public Library.
Das Stein-torii von Nikkō
Pagode nikko.jpg
Diese besonders schlanke fünfgeschossige Pagode (gojū-tō) befindet sich auf dem Gelände des Tōshō-gū Schreins (!) in Nikkō. Errichtet 1650, zerstört 1815, wiedererrichtet 1818
Mike Murrill, flickr 2007.
6 Pagode

Um die Anlage zu betreten, muss man den Fluss Daiyagawa überqueren, der die südliche Grenze des Areals darstellt. Die elegante „Götterbrücke“ markiert den Hauptzugang (auf dem obigen Plan rechts unten). Zur Gänze mit zinnoberrotem Lack bedeckt, diente sie seit jeher lediglich für zeremonielle Zwecke oder dem höchsten Adel, während gewöhnliche Untertanen, so sie überhaupt das Privileg erhielten, den Schrein zu besuchen, eine wenige Meter flussabwärts gelegene Brücke benützten, die heute durch eine schnöde Betonkonstruktion für den Autoverkehr ersetzt worden ist. Jenseits der beiden Brücken liegt die Hauptanlage des Tempel-Schrein Komplexes auf einem terrassenförmig gestalteten Hang. Die prächtigen Gebäude befinden sich — wie etwa auch auf Berg Kōya — in einem hohen Zedernwald, der sie dem Blick von außen entzieht und mit einem mystischen Flair umgibt. Diese Zedern (sugi) wurden allerdings erst anlässlich der Errichtung der shōgunalen Mausoleen, also Anfang des siebzehnten Jahrhunderts, gepflanzt.

Das Yōmei-mon

Das Tor zum zentralen Teil der Anlage, das Yōmei-mon, durfte früher nur von hochrangigen Mitgliedern des Adels durchschritten werden. Doch selbst wenn man als gewöhnlicher Sterblicher nur bis hier her gelangte, bot das Tor mit seinen zahllosen Schnitzereien Anlass, einen ganzen Tag lang selbstvergessen in Betrachtung seines opulenten Dekors vor ihm zu verweilen — so jedenfalls die Begründung für einen seiner Beinamen: Higurashi-mon („Das Tor, wo man den ganzen Tag zubringt“). Die Grundform dieses Tores erinnert stark an buddhistische Tempeltore, doch weichen viele Details von der buddhistischen Standardikonographie ab.

Yomeimon vorne.jpg
Das Yōmei-mon, das bekannteste und am reichsten dekorierte Bauwerk in der Anlage in Nikkō (vordere Ansicht). Die Architektur folgt buddhistischen Vorbildern (sanmon), aber anstelle der buddhistischen Wächtergottheiten (niō) sind zwei naturalistische Bogenschützen zu sehen; einer jung, einer alt. Edo-Zeit, 1636
Matsui Fumio/TOKYO VIEWS, flickr 2010.
7 Yōmei-mon (vordere Ansicht)
Einer der „Nationalschätze“ in der Anlage von Nikkō

Zunächst fallen ungewöhnlich viele legendäre Tiere ins Auge: Drachen, Löwen (oder vielleicht eher komainu-artige Mischungen von Löwe und Hund), kirin-Drachenpferde,2 und Elefanten (oder genauer: baku, die sowohl Rüssel als auch Klauen besitzen und als Beschützer vor bösen Träumen gelten). Diesen Tieren wird allgemein eine Schutzfunktion vor bösen Geistern zugesprochen, weshalb sie auch anderswo Tempel und Schreine zieren, doch in so großer Zahl wie am Yōmei-mon findet man diese tierischen Beschützer ansonsten kaum. Darüber hinaus gibt es aber auch menschliche Figuren: Neben Konfuzius im Kreise seiner Schüler sind z.B. die vier eleganten Vergnügungen des Gelehrten (kinkishoga) dargestellt: Lautenspiel (koto), Brettspiel (Go), Kalligraphie und Malerei. Diese ausgeprägt chinesische Motivwahl ist eines der neuartigen Elemente aus der Entstehungszeit des Yōmei-mon, die man auf älteren religiösen Gebäuden nicht findet. Man bemühte sich offenbar bewusst, Alternativen zur meditative Ruhe der Buddhas einerseits und der respekteinflößenden Kraft der zornvollen Mantra-Könige andererseits in die religiöse Ikonographie aufzunehmen. Zu dieser Abkehr von traditionellen Motiven passt es auch, dass die üblichen buddhistischen Torwächter (niō) im Yōmei-mon durch realistische Darstellungen von japanischen Bogenschützen (suijin) ersetzt sind.

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Drachenmotive im Gebälk des Yōmei-mon
Ron Reznick.
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Einer von zwei anonymen Wächterfiguren (suijin), welche das Yōmei-mon, den Eingang zu Ieyasus Mausoleum bewachen. Die Figur erfüllt eine ähnliche Funktion wie buddhistische Wächter (niō), aber in diesem Fall sind beide Figuren mit beruhigenden Gesten dargestellt. Dies könnte auf die Entschlossenheit der Tokugawa hindeuten, die Bürgerkriege der Sengoku-Zeit für immer zu beenden.
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Zwei Go-Spieler, Schnitzwerk des Yōmei-mon in der Schreinanlage von Nikkō
Bildquelle: unbekannt.
Yōmei-mon, Details

Der Tōshō-gū ist somit ein anschauliches Beispiel für das Ineinandergreifen religiöser Richtungen in Japan, wobei in diesem Fall zur üblichen Verbindung einheimischer und buddhistischer Gottheiten noch die als Heilige verehrten Weisen aus der chinesischen Mythologie hinzukommen. Die Vielzahl an religiösen Bezügen findet ihre Entsprechung in einer besonders ornament- und figurenreichen Schreinarchitektur, die nicht nur am Yōmei-mon, sondern beispielsweise auch am „chinesischen Tor“ (s.u.), das zum innersten Bereich der Anlage führt, deutlich zum Ausdruck kommt.

Dämonenabwehr und die Furcht vor der Perfektion

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Der Pfeiler (mayoke no sakabashira) befindet sich am rückwärtigen Teil des Yōmei-mon in Nikkō. Bei genauem Hinsehen erkennt man, dass das Muster des mittleren Pfeilers im Vergleich zu den anderen Pfeilern um 180 Grad gedreht ist. Edo-Zeit, 17. Jh.
Minkara, 2010.
11 Sakabashira
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Aus dem umgedrehten Baum (mayoke no sakabashira) entweichen Geister. Werk von Toriyama Sekien. 1776
Ryugoku University Library (jap.).
12 Sakabashira

Abgesehen von den bis ins kleinste Detail ausgearbeiteten figurativen Motiven enthält das Yōmei-mon noch eine weitere Besonderheit, die nur Eingeweihten ins Auge fällt: es handelt sich um eine der zwölf weiß bemalten Trägersäulen, die mit der gleichen ornamentalen Struktur (einem stilisierten Affengesicht) wie alle anderen Säulen verziert ist, aber um 180 Grad verdreht; die Säule ist also quasi auf den Kopf gestellt. Dies ist nicht etwa ein Versehen, sondern verdankt sich einem besonderen Tabu, von dem man schon in den mittelalterlichen „Aufzeichnungen aus Mußestunden“ (Tsurezuregusa, Abschnitt 82) erfährt: Dort heißt es, dass ein allzu perfektes Ebenmaß Unglück brächte. Und genau aus diesem Grund habe man in den kaiserlichen Palästen stets darauf geachtet, auf jeden Fall ein Detail unvollendet zu lassen. Der umgedrehte Pfeiler des Yōmei-mon ist also gemäß dieser Vorstellung ein — zweifellos perfekt ausgearbeitetes — Anti-Perfektionselement. Im übrigen scheinen umgedreht aufgestellte Baumstämme auch im Volksglauben der Geisterabwehr gedient zu haben. Die besondere Säule des Yōmei-mon trägt daher auch die Bezeichnung „umgedrehte Dämonenabwehr-Säule“ (mayoke no sakabashira).

Affen und Katzen

Affen nikko.jpg
Die Drei Weisen Affen (saru), welche ihren Ursprung im kōshin-Glauben haben, sind die vielleicht berühmteste Figurengruppe innerhalb der reich ornamentierten Anlage des Tōshō-gū Schreins. Sie befinden sich an einem Nebengebäude, das einstmals als Stall diente, denn angeblich sollen Affen gut für die Gesundheit von Pferden sein. Die Affen repräsentieren das Prinzip „Nicht sehen, nicht hören, nicht reden“ (mizaru, iwazaru, kikazaru). Werk von Hidari Jingoro. Edo-Zeit, 17. Jh.
Ron Reznick, 2004.
13 Die Drei Affen in Nikkō

Innerhalb der reichen Schnitzereien des Tōshō-gū stechen einzelne Tiere heraus, die direkt aus dem Alltag herausgegriffen zu sein scheinen und wahrscheinlich aus diesem Grund besonders populär sind. Hier sind als erstes die Drei Weisen Affen zu erwähnen. Sie befinden sich an einem Nebengebäude, das als Stall konzipiert ist. Ihre Bedeutung erklärt sich aus volkstümlichen Vorstellungen von der besonderen Wirkung von Affen auf Pferde und dem sogenannten kōshin-Glauben (siehe dazu Kapitel Mythen, Drei Affen).

Nemuri neko.jpg
Die Skulptur der nemuri neko befindet sich direkt über dem Aufgang zur eigentlichen Grabanlage des in Nikkō verehrten Shōgun Tokugawa Ieyasu. Obwohl eher klein und leicht zu übersehen, zählt sie zusammen mit den Drei Affen zu den populärsten Schnitzwerken des Schreins. Die Statue wird dem legendenumwobenen Künstler Hidari Jingorō zugeschrieben. Es heißt, Jingorō habe mit dieser Darstellung auf den verschlagenen Charakter des Shōguns anspielen wollen, der sich gleich einer Katze gern schlafend stellte, obwohl er alles um sich sehr wohl mitbekam. Werk von Hidari Jingorō. Edo-Zeit, 17. Jh.
Ron Reznick, 2004.
14 Die Schlafende Katze

Beinahe ebenso bekannt ist die Schlafende Katze (jap. nemuri neko), die sich über dem Eingang zu Ieyasus buddhistischem Grab befindet. Die Statue wird dem legendenumwobenen Künstler Hidari Jingorō zugeschrieben. Es heißt, Jingorō habe mit dieser Darstellung auf den Charakter des Shōguns anspielen wollen, der sich gleich einer Katze gerne schlafend stellte, obwohl er alles um sich herum sehr wohl wahrnahm. Tatsächlich handelt es sich aber um die Illustration eines Gleichnisses aus dem Zen-Buddhismus: demnach gleicht das Bewusstsein eines wahrhaft Erleuchteten einer Katze, die unter Päonien schläft und im nächsten Moment einem Schmetterling nachjagt. Daher auch die Pfingstrosen neben der Katze.3

Kara-mon und Haupthalle

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Detail der Dachkonstruktionen des Tōshō-gū Schreins, Nikkō. Im Vordergrund steht das „chinesische Tor“. Das Dach dahinter gehört zur Haupthalle. In diesem Architekturstil aus der frühen Edo-Zeit gibt es zwischen buddhistischen Tempeln und shintōistischen Schreinen kaum einen erkennbaren Unterschied. Frühe Edo-Zeit, 17. Jh.
Ron Reznick, 2004.
15 Kara-mon, 21. Jh
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Das „Chinesische Tor“ (karamon) des Tōshō-gū Schreins, Nikkō. Foto eines unbekannten Meisters aus dem 19. Jahrhundert. Meiji-Zeit, 19. Jh.
Museum für Angewandte Kunst (MAK), Wien.
16 Kara-mon, 19. Jh

Vom Yōmei-mon führt der Weg durch die Anlage weiter bergauf, bis man endlich zur Haupthalle gelangt. Diese wird durch ein weiteres prächtiges Tor, das karamon (Chinesisches Tor) geschützt. Das Kara-mon ist kleiner als das Yōmei-mon, aber mindestens ebenso reich dekoriert. Beide Tore zählen eindeutig zu den prächtigsten und elaboriertesten Elementen der Anlage.

Toshogu skizze.jpg
Skizze des Nikkō Tōshō-gū, ein Beispiel für den gongen-Stil. Frontseitig ist nur die Zeremonienhalle (haiden, li.) zu sehen, manchmal sind die hinteren Gebäudeteile auch durch Zäune oder Mauern den Blicken entzigen. Der Zugang zur Haupthalle (honden, re.) ist nur über die Zeremonienhalle möglich und der Öffentlichkeit grundsätzlich verwehrt. Dazwischen befindet sich ein kurzer Korridor, der ishi no ma oder ai no ma genannt wird. Häufig liegt die Bodenhöhe des Korridors tiefer als die der Zeremonienhalle, während die Bodenhöhe der Haupthalle am höchsten liegt. Die Höhenunterschiede reflektieren den religiöse Status des jeweiligen Gebäudeteils.
17 Gongen-Stil

Die Haupthalle selbst ist im Gongen-Stil gehalten, in dem Bethalle und Schreinhalle durch eine komplexe Dachkonstruktion verbunden sind: Die parallelen Giebeldächer der beiden Hallen schneiden sich mit einem quer dazu verlaufenden Giebeldach. Von oben gesehen ähnelt das Ganze einem Andreaskreuz. Zusätzliche Vordächer erhöhen die Komplexität der Konstruktion.

Toshogu haiden.jpg
Die Haupthalle besteht im Grunde aus zwei Teilen, einem vorderen, der zugänglich ist und einem hinteren, unzugänglichen, wo sich das Hauptheiligtum (shintai) des Schreins befindet. Dieses Arrangement ist typisch für den sogenannten gongen-Stil.
Ron Reznick, 2008.
18 Das Hauptgebäude des Schreins
Zeremonienhalle (haiden) und Haupthalle (honden) sind baulich verbunden.
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Die Haupthalle des Tōshō-gū und das „chinesische Tor“, welches seinen Namen den zahlreichen Motiven aus der chinesischen Mythologie verdankt, die in den Schnitzereien des Gebälks dargestellt sind. Werk von Kusakabe Kinbei. 1890
New York Public Library.
19 Haupthalle und Kara-mon (1890)
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Die Schindeln der Schreinanlage von Nikkō sind alle mit dem Familienwappen der Tokugawa (drei Malvenblätter, mitsuba aoi) ausgestattet. Edo-Zeit, 17. Jh.
Mike Murril, flickr, 2007.
20 Tokugawa-Wappen auf Schindeln

Der vergöttlichte Shōgun

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Offizielles Portrait von Tokugawa Ieyasu in schwarzer Hofbeamtenrobe (sokutai). Im Hintergrund sind Schreinbauten angedeutet, die möglicherweise den Tōshō-gū darstellen und auf die Deifizierung des Shōguns hinweisen sollen. Edo-Zeit, Anfang 17. Jh.
Bildquelle: Sakai City Museum.
21 Tokugawa Ieyasu

Der offizielle Name des Hauptschreins, Tōshō-gū, bedeutet wörtlich „Palast des Erleuchters des Ostens“. Damit ist Tokugawa Ieyasu gemeint oder genauer seine zum kami erhobene posthume Existenz, die als „Gottheit, die den Osten erleuchtet“ (Tōshō Daigongen) in Nikkō verehrt wird. Wahrscheinlich imaginierte sich sich der Shōgun bereits zu Lebzeiten als zukünftige Schutzgottheit seiner Dynastie, doch wurden sowohl sein Gottesname als auch der Ort seines Mausoleums erst nach seinem Tod festgelegt. Dieser Entscheidung ging ein erbitterter Streit seiner engsten religiösen Berater voraus, in dem sich schließlich der buddhistische Tendai-Abt Tenkai durchsetzte. Obwohl der Tōshō-gū heute dem Shintō zugerechnet wird, war es also ein hochrangiger buddhistischer Mönch, der bei der Vergöttlichung Ieyasus Regie führte.4

Dass der Tōshō-gū Elemente wie eine fünfstöckige Pagode oder eine buddhistische Halle für den Medizinbuddha Yakushi Nyorai enthält, ist angesichts seiner im Grunde buddhistischen Konzeption nicht weiter verwunderlich. Bemerkenswert ist jedoch die Tatsache, dass es hier streng genommen zwei unterschiedliche Andachtsstätten für Tokugawa Ieyasu gibt, ganz so, als ob sich seine Totenseele in einen buddhistischen und einen shintōistischen Teil aufgespaltet hätte. Zum einen wird Ieyasu im Hauptschrein des Tōshō-gū als kami verehrt, zum anderen beherbergt das Areal aber auch ein Grabmal des Ieyasu, das der Form nach buddhistisch ist. Dieses befindet sich hinter und oberhalb des Schreins und wird als Innerer Schrein (Okusha) bezeichnet. Das zentrale Element dieses Inneren Schreins bildet ein buddhistischer Grabstupa. Obwohl die Quellenlage nicht über jeden Zweifel erhaben ist, deutet alles darauf hin, dass die eigentlichen Deifizierungszeremonien für Ieyasu hier stattfanden und dass auch seine sterblichen Überreste hier bestattet sind.5

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Bronzenes Tor zum Grab des Tokugawa Ieyasu, oberhalb der Haupthalle des Schreins Edo-Zeit
Ron Reznick, 2004.
22 Buddhistische Grabstätte
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Das Grabmal ist nicht identisch mit dem Hauptschreingebäude, in dem Ieyasu als „Gottheit, die den Osten erleuchtet“ verehrt wird. Es befindet sich hangaufwärts der Schreingebäude und ähnelt einer buddhistischen Pagode im tahō-tō-Stil. 1683
Ron Reznick, 2008, über Internet Archive.
23 Grabstupa Ieyasus

Gongen-sama

Die vergöttlichte Form des Ieyasu erhielt von Tenkai den Göttertitel gongen, wtl. „verwandelte Erscheinung“. Die Bezeichnung stammt aus dem Buddhismus und impliziert, dass der betreffende kami eigentlich ein Buddha ist bzw. auf eine buddhistische Urform (honji) zurückgeführt werden kann (s. honji suijaku Konzeption). 6

Gongen war in vormoderner Zeit ein geläufiger Titel für Schreingottheiten, insbesondere im Fall von Schreinen, die mit dem Tendai-Buddhismus in Beziehung standen. Spricht man allerdings von „dem Gongen“ in der Einzahl, so ist damit Tokugawa Ieyasu gemeint, der volkstümlich „Gongen-sama“ genannt wurde. Daher trägt auch der Architektur-Stil von Ieyasus Mausoleum in Nikkō die Bezeichnung „Gongen-Stil“ (gongen-zukuri, s.u.), obwohl auch andere, ältere Schreine7 diesem Stil zugeordnet werden.

Das buddhistische Nikkō

Taiyū-in und Rinnō-ji

Ryugu nikko.jpg
Der offizielle Namen dieses Tores (ryūgū-mon) ist dem Heian-zeitlichen Kaiserpalast entlehnt und lautet Kōka-mon 皇嘉門, „Tor des kaiserlichen Ruhms“. Architektonisch orientiert sich das Tor jedoch an Vorbildern aus der chinesischen Ming-Dynastie. Es ist Teil des Mausoleums von Tokugawa Iemitsu (1604–1651), dem 3. Tokugawa-Shōgun. Dieses Mausoleum befindet sich neben dem Tōshō-gū in Nikkō. Unter Iemitsu wurde die gesamte Anlage prachtvoll ausgebaut und erhielt ihre heutige Gestalt. Frühe Edo-Zeit, 17. Jh.
Bildquelle: unbekannt.
24 Das Drachenpalast-Tor des Taiyū-in, Eingang zum Grab des Iemitsu

Ieyasus Enkel Iemitsu, dem dritten Tokugawa-Shōgun, ist es wohl zu verdanken, dass Nikkō in der heute bekannten Opulenz ausgebaut wurde. Doch dachte er dabei nicht nur an den verehrten Großvater, sondern auch an sich selbst, indem er auch für sich ein Mausoleum errichten ließ, das gemäß seinem posthumen Namen Taiyū-in benannt wurde. Iemitsus sterbliche Überreste sind gemäß eigenem testamentarischen Wunsch hier beigesetzt, eine Ehre, die keinem späteren Tokugawa-Shōgun mehr widerfahren sollte.

Strukturell ist der Taiyū-in sehr ähnlich wie der Hauptschrein Tōshō-gū gestaltet, allerdings etwas kleiner. Dafür wirken die Bauten stilistisch geschlossener und mindestens ebenso luxuriös ornamentiert.8 Die Gebäudebezeichnung -in verrät, dass es sich streng genommen um ein buddhistisches Heiligtum handelt, und tatsächlich gilt Iemitsu auch nicht als kami-Gottheit. Aus persönlichen Hinterlassenschaften Iemitsus ist jedoch bekannt, dass er sich sehr wohl als zweiten Gongen, also als zweite Ahnengottheit der Tokugawa erachtete, wobei er seinen Vater bewusst ausklammerte. In der stilistischen Ähnlichkeit zwischen Tōshō-gū und Taiyū-in lässt sich also der unerfüllte Wunsch Iemitsus erkennen, neben seinem Großvater als Ahnengottheit der Dynastie verehrt zu werden.

Nach der Meiji-zeitlichen „Trennung von kami und Buddhas“ (shinbutsu bunri) wurde der Taiyū-in offiziell ein Teil des buddhistischen Tempels Rinnō-ji, der sich unmittelbar neben dem Tōshō-gū befindet. Er gehört dem Tendai Buddhismus an und war in der Edo-Zeit das eigentliche Machtzentrum der Anlage, wo sämtliche Schreinangelegenheiten überwacht und geregelt wurden. Selbstverständlich geht dieses Arrangement auf den erwähnten Tendai-Abt Tenkai zurück.

Auch der Rinnō-ji verfügt über eine prächtige Halle, in der eine Dreiergruppe von zur Gänze vergoldeten, über acht Meter hohen Buddhastatuen zu bewundern ist. Diese Statuen unterhalten wiederum eine intime Beziehung zum ältesten Schrein der Anlage, dem Futarasan. Die Figurengruppe besteht aus Buddha Amida, flankiert von Bodhisattva Kannon in zwei unterschiedlichen Erscheinungsformen, Senju Kannon und Batō Kannon. Laut der erwähnten honji suijaku Erklärung sind dies die Urbuddhas des Futarasan Schreins, der ja ebenfalls drei Berge oder Berggottheiten verehrt.

Zweigschreine des Tōshō-gū

Nikkō verfügt zwar über kein so weit verzweigtes Netz von Filialen wie andere bekannte Schreine, denn die Tokugawa setzten eher auf Exklusivität als auf Popularität. Dennoch errichteten sie in ihren wichtigsten Residenzstädten Zweigstellen von Ieyasus Mausoleum, die zum Großteil bis heute bestehen. Auch mit dem Tendai-Buddhismus assoziierte Schreine errichteten Zweigschreine des Tōshō-gū auf ihrem Gelände. Außerdem erhielt jeder verstorbene Shōgun eigene Gedenkstätten, die alternierend in zwei buddhistischen Tempeln in Edo errichtet wurden.

Kan’ei-ji und Tōshō-gū in Edo

Der wichtigste Zweigschrein des Tōshō-gū befand sich während der Edo-Zeit am Rande der Residenzstadt Edo, im Stadtteil Ueno auf dem Gelände des heutigen Ueno-Parks in Tōkyō. Auch hier handelte es sich um einen Tempel-Schrein Komplex, der einer kami-Gottheit diente, aber von einem buddhistischen Tempel geleitet wurde. Der Tempel in Edo hieß Kan’ei-ji und war ein weiteres Geisteskind von Ieyasus religiösem Berater Tenkai.9 Er galt als Tendai-Haupttempel der Kantō-Region und stand daher hierarchisch über dem Rinnō-ji in Nikkō. Der Ahnenkult der Shōgune befand sich somit auch in Edo in den Händen des Tendai Buddhismus. Umgekehrt erfuhr der Tendai Buddhismus durch sein Monopol dieses Kultes eine Renaissance, im Zuge derer sich sein Schwerpunkt vom traditionellen Zentrum bei Kyōto, dem Berg Hiei, nach Edo in den Kan'ei-ji verlegte. Der Tōshō-gū Schrein in Edo war weniger bedeutsam als jener in Nikkō, doch konnten manche Zeremonien für den Ahnengott der Tokugawa auch hier erledigt werden.

Zojoji.jpg
Eingang eines Tokugawa Mausoleums des Shiba Tempels (Zōjō-ji), Tōkyō. Die gesamte Tempelanlage wurde im 2. Weltkrieg zerstört. Das dargestellte Tor ist das Chokugaku-mon (Tor mit kaiserlicher Aufschrift) und führte zum Yūshō-in Mausoleum des siebten Tokugawa Shōguns, Ietsugu. Das Familienwappen der Tokugawa ist an den roten Balken und den Dachschindeln deutlich erkennbar. Bemerkenswert ist die Gestalt rechts, in einer unterwürfigen Verehrungsgeste, die man heute in Japan nicht mehr sieht. Höchst wahrscheinlich war es gewöhnlichen Untertanen verwehrt, sich dem Heiligtum weiter als bis zu diesen Treppen anzunähern. Der Betende könnte ein Diener des Photographen sein, jedenfalls trägt er traditionelle Kleidung und Haartracht. Gänzlich unbeeindruckt von der Inbrunst des Betenden ist außerdem ein junger Mönch zu sehen, wahrscheinlich ein Mönch des Zōjō-ji, der dem Jōdo Buddhismus angehört. Er war wohl vom Tempel dafür abgestellt, die photographische Aufnahme zu überwachen. Werk von Kusakabe Kinbei (1841–1934). Meiji-Zeit, spätes 19. Jh.
Bildquelle: Okinawa Soba, (flickr).
25 Mausoleum der Tokugawa im Zōjō-ji, Tōkyō (19. Jh.)

Der Kan’ei-ji Tōshō-gū Komplex wurde während der Kämpfe von 1867–68, die schließlich zur Absetzung des Shōgunats und zur sogenannten Meiji-Restauration (1868) führten, zum Kriegsschauplatz und dabei weitgehend zerstört. Als Inbegriff der verhassten Tokugawa-Dynastie wurde der Kan’ei-ji in der Meiji-Zeit nur noch in bescheidenem Maßstab wieder errichtet. Der Tōshō-gū überdauerte die Kriegswirren allerdings verhältnismäßig unbeschadet und ist noch heute im Ueno Park zu besichtigen. Ähnliche Gebäude, die heute ebenfalls zerstört sind, befanden sich im Zōjō-ji, dem Zweiten Ahnentempel der Tokugawa im Süden der Burg von Edo.

Kunō-zan

Berg Kunō liegt in unmittelbarer Nähe von Ieyasus Residenz und Sterbeort Sunpu in der heutigen Stadt Shizuoka. Unmittelbar nach seinem Tod wurde Ieyasu zunächst hier beigesetzt, bevor Nikkō als endgültiger Ort seiner Apotheose feststand. Obwohl damals von Tōshō-gū noch keine Rede war, wurde später auch hier ein Zweigschrein des Tōshō-gū errichtet. An diesem Schrein lässt sich der Gongen-Stil, in dem die Tōshō-gū Schreine üblicherweise errichtet sind (s.o.), besonders gut erkennen.

Kunozan.jpg
Tōshō-gū an jenem Ort, an dem Tokugawa Ieyasu ursprünglich bestattet wurde. Die heutige Form des Schreins stammt wahrscheinlich aus den 1640er Jahren. 1645 erhielt der Schrein den Namen Tōshō-gū. Die Struktur des Gebäudes folgt dem Gongen-Stil (gongen-zukuri) des Tōshō-gū in Nikkō. Edo-Zeit, 17. Jh.
Eric Foto, flickr 2011.
26 Kunō-zan Tōshō-gū

Berg Kōya

Wie viele mächtige Kriegsherren der Sengoku-Zeit unterhielten auch die Vorfahren der Tokugawa einen Familientempel auf dem heiligen Berg Kōya. Dieser wurde in der Edo-Zeit prächtig ausgebaut und ist heute noch dort zu besichtigen.

Tokugawa koyasan.jpg
Die wichtigsten Familien der Edo-Zeit errichteten eigene Familientempel innerhalb der Friedhofsanlage des Kōya-san, allen voran die Tokugawa. Interessanterweise findet sich vor diesem buddhistischen Bauwerk ein torii.
Lonely Trip, 2007.
27 Familientempel der Tokugawa auf Berg Kōya

Verweise

Fußnoten

  1. Der Name Nikkō selbst entstand wahrscheinlich aus dem Namen Futara 二荒, der in onyomi-Lesung auch nikkō ausgesprochen werden kann. Der eigentliche Sinn von Futara wiederum ist unklar, leitet sich aber möglicherweise von Fudaraku, dem Reinen Land des Bodhisattva Kannon ab. Diese Art „stiller Post“ ist bei Orts- und Eigennamen in Japan nichts Ungewöhnliches.
  2. Kirin (chin. qilin) sind in China allgegenwärtig, während sie in Japan nur durch das gleichnamige Bier zu allgemeiner Bekanntheit gelangt sind.
  3. Das Motiv findet sich auch im kurz zuvor entstandenen Ōsaki Hachiman-gū in Sendai.
  4. Tenkais Hauptkontrahent war ebenfalls ein buddhistischer Mönch, der Zen-Abt Konchi-in Sūden (1569–1633), der u.a. federführend an Ieyasus Christenverfolgungspolitik beteiligt war. Siehe dazu u.a. Scheid 2003.
  5. Sugahara 1996, S. 77–78.
  6. Im Fall des Tōshō-gū wird der „Medizin-Buddha“ Yakushi Nyorai als Urform von Ieyasus Vergöttlichung angesehen. Unterhalb der Hauptgebäude des Schreins befindet sich daher eine buddhistische „Halle der Urform“ (Honji-dō), die Yakushi geweiht ist. Sie ist vor allem für das Deckengemälde des „brüllenden Drachens“ (naki-ryū) bekannt.
  7. Vgl. den Ōsaki Hachiman-gū, ein Zweigschrein des Hachiman.
  8. Die Haupthalle des Taiyū-in ist eines von acht Gebäuden in Nikkō, die die Auszeichnung „Nationalschatz“ (kokuhō) erhalten haben.
  9. Der Tempel wurde 1625 gegründet. Zu dieser Zeit war Tenkai ein enger Berater von Ieyasus Sohn und Nachfolger, dem zweiten Tokugawa-Shōgun Hidetada.

Internetquellen

  • Nikko, Ron Reznicks Foto-Rundgang durch Nikkō enthält die schönsten Nikkō-Impressionen, die im Internet zu finden sind. Einige davon sind auf dieser Seite mit freundlicher Genehmigung des Autors reproduziert.
  • Gongen-zukuri, Eintrag in JAANUS (Japanese Architecture and Art Net Users System)
Letzte Überprüfung der Linkadressen: Jul. 2020

Literatur

Bernhard Scheid 2003
Schlachtenlärm in den Gefilden der kami: Shintoistische Vergöttlichung im Fadenkreuz weltlicher und geistlicher Machtpolitik.“ In: Hannelore Eisenhofer-Halim (Hg.), Wandel zwischen den Welten: Festschrift für Johannes Laube. Frankfurt/Main: Lang 2003, S. 619–45.
Sugahara Shinkai 1996
The Distinctive Features of Sannō Ichijitsu Shinto.“ Japanese Journal of Religious Studies 23:1–2 (1996), S. 61–84. [Übersetzung aus dem Japanischen, Bernhard Scheid.]

Bilder

Quellen und Erläuterungen zu den Bildern auf dieser Seite:

  1. ^ 
    Nikko 1940.jpg

    Aufgang zur Schreinanlage von Nikkō, welche man durch das Yōmei-mon betritt. Werk von Yoshida Tōshi (1911–1995). 1940
    Calisphere, University of California, Merced.

  2. ^ 
    Nikko plan.jpg

    Das weitläufige Heiligtum von Nikkō auf einem Plan aus dem Jahr 1800, der die wichtigsten, auch heute noch bestehenden Teile der Anlage wiedergibt. Im rechten unteren Teil die „heilige Brücke“ (Shinkyō), der Haupteingang des Schreins. Der von Mauern eingefasste Hauptschrein Tōshō-gū befindet sich rechts der Bildmitte. Sein Eingang ist durch Pagode und torii gekennzeichnet, oberhalb davon Yōmei-mon und Haupthalle. Rechts davon der Tempel Rinnō-ji, links (ebenfalls ummauert) der Taiyū-in, das Mausoleum des dritten Shōguns Iemitsu. Die Gebäude im linken Bildteil repräsentieren weitere Schrein- und Tempelbauten, einschließlich der berühmten Kegon Wasserfälle und des Chūzen-ji Sees, die einen halben Tagesmarsch vom Hauptschrein entfernt liegen. Tatsächlich wird das ganze Ensemble jedoch seit alters her als ein einziger „Tempel-Schrein Komplex“ angesehen. Werk von Ueyama Yahei (Verleger). 1800
    Japanese Historical Maps.

  3. ^ 
    Shinkyo nikko.jpg

    Die „Götterbrücke“ markiert den Hauptzugang zur Anlage von Nikkō. Sie soll erstmals 808 errichtet worden sein. Ihre heutige Gestalt erhielt sie im Zuge des Ausbaus der Gesamtanlage unter Iemitsu, 1636. Nach einer Zerstörung im Jahr 1902 wurde sie 1904 nach alten Plänen neu aufgebaut, die letzte Generalsanierung erfolgte 2006. Die Brücke gehört offiziell zum Futarasan Schrein, dem ältesten Teilschrein der Anlage. (Quelle: Tochigi-ken no toboku isan)
    Nipponisimo, 2008.

  4. ^ 
    Torii nikko.jpg

    Torii in der Schreinanlage von Nikkō. 1618
    , 1998.

  5. ^ 
    Nikko torii meiji.jpg

    Torii und Pagode () des Tōshō-gū vor der Zeit des Massentourismus (Meiji-Zeit). Spätes 19. Jh.
    New York Public Library.

  6. ^ 
    Pagode nikko.jpg

    Diese besonders schlanke fünfgeschossige Pagode (gojū-tō) befindet sich auf dem Gelände des Tōshō-gū Schreins (!) in Nikkō. Errichtet 1650, zerstört 1815, wiedererrichtet 1818
    Mike Murrill, flickr 2007.

  7. ^ 
    Yomeimon vorne.jpg

    Das Yōmei-mon, das bekannteste und am reichsten dekorierte Bauwerk in der Anlage in Nikkō (vordere Ansicht). Die Architektur folgt buddhistischen Vorbildern (sanmon), aber anstelle der buddhistischen Wächtergottheiten (niō) sind zwei naturalistische Bogenschützen zu sehen; einer jung, einer alt. Edo-Zeit, 1636
    Matsui Fumio/TOKYO VIEWS, flickr 2010.

  8. ^ 
    Drachen nikko.jpg

    Drachenmotive im Gebälk des Yōmei-mon
    Ron Reznick.

  9. ^ 
    Yomeimon waechter.jpg

    Einer von zwei anonymen Wächterfiguren (suijin), welche das Yōmei-mon, den Eingang zu Ieyasus Mausoleum bewachen. Die Figur erfüllt eine ähnliche Funktion wie buddhistische Wächter (niō), aber in diesem Fall sind beide Figuren mit beruhigenden Gesten dargestellt. Dies könnte auf die Entschlossenheit der Tokugawa hindeuten, die Bürgerkriege der Sengoku-Zeit für immer zu beenden.

  10. ^ 
    Gospieler yomeimon.jpg

    Zwei Go-Spieler, Schnitzwerk des Yōmei-mon in der Schreinanlage von Nikkō
    Bildquelle: unbekannt.

  11. ^ 
    Sakabashira nikko.jpg

    Der Pfeiler (mayoke no sakabashira) befindet sich am rückwärtigen Teil des Yōmei-mon in Nikkō. Bei genauem Hinsehen erkennt man, dass das Muster des mittleren Pfeilers im Vergleich zu den anderen Pfeilern um 180 Grad gedreht ist. Edo-Zeit, 17. Jh.
    Minkara, 2010.

  12. ^ 
    Sakabashira.jpg

    Aus dem umgedrehten Baum (mayoke no sakabashira) entweichen Geister. Werk von Toriyama Sekien. 1776
    Ryugoku University Library (jap.).

  13. ^ 
    Affen nikko.jpg

    Die Drei Weisen Affen (saru), welche ihren Ursprung im kōshin-Glauben haben, sind die vielleicht berühmteste Figurengruppe innerhalb der reich ornamentierten Anlage des Tōshō-gū Schreins. Sie befinden sich an einem Nebengebäude, das einstmals als Stall diente, denn angeblich sollen Affen gut für die Gesundheit von Pferden sein. Die Affen repräsentieren das Prinzip „Nicht sehen, nicht hören, nicht reden“ (mizaru, iwazaru, kikazaru). Werk von Hidari Jingoro. Edo-Zeit, 17. Jh.
    Ron Reznick, 2004.

  14. ^ 
    Nemuri neko.jpg

    Die Skulptur der nemuri neko befindet sich direkt über dem Aufgang zur eigentlichen Grabanlage des in Nikkō verehrten Shōgun Tokugawa Ieyasu. Obwohl eher klein und leicht zu übersehen, zählt sie zusammen mit den Drei Affen zu den populärsten Schnitzwerken des Schreins. Die Statue wird dem legendenumwobenen Künstler Hidari Jingorō zugeschrieben. Es heißt, Jingorō habe mit dieser Darstellung auf den verschlagenen Charakter des Shōguns anspielen wollen, der sich gleich einer Katze gern schlafend stellte, obwohl er alles um sich sehr wohl mitbekam. Werk von Hidari Jingorō. Edo-Zeit, 17. Jh.
    Ron Reznick, 2004.

  1. ^ 
    Nikko karamon.jpg

    Detail der Dachkonstruktionen des Tōshō-gū Schreins, Nikkō. Im Vordergrund steht das „chinesische Tor“. Das Dach dahinter gehört zur Haupthalle. In diesem Architekturstil aus der frühen Edo-Zeit gibt es zwischen buddhistischen Tempeln und shintōistischen Schreinen kaum einen erkennbaren Unterschied. Frühe Edo-Zeit, 17. Jh.
    Ron Reznick, 2004.

  2. ^ 
    Karamon 19jh.jpg

    Das „Chinesische Tor“ (karamon) des Tōshō-gū Schreins, Nikkō. Foto eines unbekannten Meisters aus dem 19. Jahrhundert. Meiji-Zeit, 19. Jh.
    Museum für Angewandte Kunst (MAK), Wien.

  3. ^ 
    Toshogu skizze.jpg

    Skizze des Nikkō Tōshō-gū, ein Beispiel für den gongen-Stil. Frontseitig ist nur die Zeremonienhalle (haiden, li.) zu sehen, manchmal sind die hinteren Gebäudeteile auch durch Zäune oder Mauern den Blicken entzigen. Der Zugang zur Haupthalle (honden, re.) ist nur über die Zeremonienhalle möglich und der Öffentlichkeit grundsätzlich verwehrt. Dazwischen befindet sich ein kurzer Korridor, der ishi no ma oder ai no ma genannt wird. Häufig liegt die Bodenhöhe des Korridors tiefer als die der Zeremonienhalle, während die Bodenhöhe der Haupthalle am höchsten liegt. Die Höhenunterschiede reflektieren den religiöse Status des jeweiligen Gebäudeteils.

  4. ^ 
    Toshogu haiden.jpg

    Die Haupthalle besteht im Grunde aus zwei Teilen, einem vorderen, der zugänglich ist und einem hinteren, unzugänglichen, wo sich das Hauptheiligtum (shintai) des Schreins befindet. Dieses Arrangement ist typisch für den sogenannten gongen-Stil.
    Ron Reznick, 2008.

  5. ^ 
    Nikko 1890.jpg

    Die Haupthalle des Tōshō-gū und das „chinesische Tor“, welches seinen Namen den zahlreichen Motiven aus der chinesischen Mythologie verdankt, die in den Schnitzereien des Gebälks dargestellt sind. Werk von Kusakabe Kinbei. 1890
    New York Public Library.

  6. ^ 
    Dach nikko.jpg

    Die Schindeln der Schreinanlage von Nikkō sind alle mit dem Familienwappen der Tokugawa (drei Malvenblätter, mitsuba aoi) ausgestattet. Edo-Zeit, 17. Jh.
    Mike Murril, flickr, 2007.

  7. ^ 
    Ieyasu.jpg

    Offizielles Portrait von Tokugawa Ieyasu in schwarzer Hofbeamtenrobe (sokutai). Im Hintergrund sind Schreinbauten angedeutet, die möglicherweise den Tōshō-gū darstellen und auf die Deifizierung des Shōguns hinweisen sollen. Edo-Zeit, Anfang 17. Jh.
    Bildquelle: Sakai City Museum.

  8. ^ 
    Inukimon nikko.jpg

    Bronzenes Tor zum Grab des Tokugawa Ieyasu, oberhalb der Haupthalle des Schreins Edo-Zeit
    Ron Reznick, 2004.

  9. ^ 
    Hoto ieyasu nikko.jpg

    Das Grabmal ist nicht identisch mit dem Hauptschreingebäude, in dem Ieyasu als „Gottheit, die den Osten erleuchtet“ verehrt wird. Es befindet sich hangaufwärts der Schreingebäude und ähnelt einer buddhistischen Pagode im tahō-tō-Stil. 1683
    Ron Reznick, 2008, über Internet Archive.

  10. ^ 
    Ryugu nikko.jpg

    Der offizielle Namen dieses Tores (ryūgū-mon) ist dem Heian-zeitlichen Kaiserpalast entlehnt und lautet Kōka-mon 皇嘉門, „Tor des kaiserlichen Ruhms“. Architektonisch orientiert sich das Tor jedoch an Vorbildern aus der chinesischen Ming-Dynastie. Es ist Teil des Mausoleums von Tokugawa Iemitsu (1604–1651), dem 3. Tokugawa-Shōgun. Dieses Mausoleum befindet sich neben dem Tōshō-gū in Nikkō. Unter Iemitsu wurde die gesamte Anlage prachtvoll ausgebaut und erhielt ihre heutige Gestalt. Frühe Edo-Zeit, 17. Jh.
    Bildquelle: unbekannt.

  11. ^ 
    Zojoji.jpg

    Eingang eines Tokugawa Mausoleums des Shiba Tempels (Zōjō-ji), Tōkyō. Die gesamte Tempelanlage wurde im 2. Weltkrieg zerstört. Das dargestellte Tor ist das Chokugaku-mon (Tor mit kaiserlicher Aufschrift) und führte zum Yūshō-in Mausoleum des siebten Tokugawa Shōguns, Ietsugu. Das Familienwappen der Tokugawa ist an den roten Balken und den Dachschindeln deutlich erkennbar. Bemerkenswert ist die Gestalt rechts, in einer unterwürfigen Verehrungsgeste, die man heute in Japan nicht mehr sieht. Höchst wahrscheinlich war es gewöhnlichen Untertanen verwehrt, sich dem Heiligtum weiter als bis zu diesen Treppen anzunähern. Der Betende könnte ein Diener des Photographen sein, jedenfalls trägt er traditionelle Kleidung und Haartracht. Gänzlich unbeeindruckt von der Inbrunst des Betenden ist außerdem ein junger Mönch zu sehen, wahrscheinlich ein Mönch des Zōjō-ji, der dem Jōdo Buddhismus angehört. Er war wohl vom Tempel dafür abgestellt, die photographische Aufnahme zu überwachen. Werk von Kusakabe Kinbei (1841–1934). Meiji-Zeit, spätes 19. Jh.
    Bildquelle: Okinawa Soba, (flickr).

  12. ^ 
    Kunozan.jpg

    Tōshō-gū an jenem Ort, an dem Tokugawa Ieyasu ursprünglich bestattet wurde. Die heutige Form des Schreins stammt wahrscheinlich aus den 1640er Jahren. 1645 erhielt der Schrein den Namen Tōshō-gū. Die Struktur des Gebäudes folgt dem Gongen-Stil (gongen-zukuri) des Tōshō-gū in Nikkō. Edo-Zeit, 17. Jh.
    Eric Foto, flickr 2011.

  13. ^ 
    Tokugawa koyasan.jpg

    Die wichtigsten Familien der Edo-Zeit errichteten eigene Familientempel innerhalb der Friedhofsanlage des Kōya-san, allen voran die Tokugawa. Interessanterweise findet sich vor diesem buddhistischen Bauwerk ein torii.
    Lonely Trip, 2007.


Glossar

Namen und Fachbegriffe auf dieser Seite:

  • Amida 阿弥陀 ^ Buddha Amitabha; Hauptbuddha der Schulen des Reinen Landes (Jōdo-shū bzw. Jōdo Shinshū)
  • baku ^ Baku, elefantenartiges legendäres Tier, das Träume frisst; auch: Tapir
  • Batō Kannon 馬頭観音 ^ Kannon mit dem Pferdekopf, eine zornvolle Manifestation Kannons
  • Buddha (skt.) बुद्ध ^ „Der Erleuchtete“ (jap. butsu, hotoke 仏 oder Budda 仏陀)
  • Edo 江戸 ^ Hauptstadt der Tokugawa-Shōgune, heute: Tōkyō; auch: Zeit der Tokugawa-Dynastie, 1600–1867 (= Edo-Zeit);
  • Engishiki 延喜式 ^ „Bestimmungen der Engi Ära“; Gesetzeswerk mit zahlreichen religionspol. Bestimmungen, v.a. zum Schreinzeremoniell, aus dem 10. Jh.
  • Futarasan Jinja 二荒山神社 ^ ursp. Schrein des Tempel-Schrein Komplexes von Nikkō (Tochigi-ken)
  • gongen 権現 ^ wtl. „vorläufige Erscheinung“ (vgl. gon); buddh. Titel für kami
  • Gongen-sama 権現様 ^ volkstüml. Bezeichnung für den 1. Tokugawa Shōgun, Ieyasu, der als Tōshō Dai-Gongen vergöttlicht wurde
  • gongen-zukuri 権現造 ^ Architekturstil des Tōshō-gū in Nikkō, abgeleitet von Tōshō Daigongen, dem vergöttlichten Tokugawa Ieyasu; der Stil findet sich allerdings auch bei vielen anderen bedeutenden Schreinen der Edo-Zeit
  • Heian 平安 ^ auch Heian-kyō 平安京, „Stadt des Friedens“; politisches Zentrum 794–1185 (= Heian-Zeit)
  • Hidari Jingorō 左甚五郎 ^ sagenumwobener Meisterbildhauer der frühen Edo-Zeit, der Statuen so naturgetreu anfertigte, dass sie zum Leben erwachten
  • Hiei-zan 比叡山 ^ Klosterberg Hiei bei Kyōto, traditionelles Zentrum des Tendai Buddhismus
  • honji 本地 ^ (buddhistische) Urform (eines kami); s.a. suijaku
  • honji suijaku 本地垂迹 ^ wtl. Grundform und herabgelassene Spur; Theorie der Identität von kami und Buddhas
  • -in ^ Suffix für Institutionen, z.B. buddhistischer Tempel
  • kami ^ Gottheit; im engeren Sinne einheimische oder lokale japanische Gottheit, Schreingottheit (s. jinja), Gottheit des Shintō
  • Kan’ei-ji 寛永寺 ^ Tendai-Tempel in Tōkyō; in der Edo-Zeit Zentrum des Tendai Buddhismus in der Kantō Region, gegr. 1625 (Kan’ei 2)
  • karamon 唐門 ^ wtl. chinesisches Tor; Tor mit wellenförmig aufgewölbter Dachkante (meist über dem Eingang); trotz seines Namens ist dieser Baustil spezifisch für die japanische Holzarchitektur; das bekannteste karamon in Nikkō ist darüber hinaus auch tatsächlich mit chinesischen Motiven geschmückt
  • kinkishoga 琴棋書画 ^ die Vier Eleganten Zerstreuungen des klassischen chinesischen Gelehrten: Laute, Brettspiel (Go), Kalligraphie, Malerei.
  • komainu 狛犬 ^ wtl. „Korea-Hund“, auch „Löwenhund“; Wächterfigur vor religiösen Gebäuden
  • koto ^ Mit 13 Saiten bespannte Wölbbrettzither; aus China übernommenes Instrument der klassischen höfischen Musik Japans
  • kōshin 庚申 ^ Kalendereinheit; Kombination von Metall und Affe im 60er Zyklus
  • Kōya-san 高野山 ^ Klosterberg südl. von Nara; sprituelles Zentrum des Shingon Buddhismus
  • mayoke no sakabashira 魔除けの逆柱 ^ „umgedrehte Dämonenabwehr-Säule“ des Yōmei-mon im Tōshō-gū Schrein, Nikkō
  • Meiji 明治 ^ posthumer Name von Kaiser Mutsuhito; nach ihm wird auch die Meiji-Zeit (1868–1912) benannt
  • Meiji Ishin 明治維新 ^ Meiji Restauration, wtl. Meiji-Erneuerung, umfasst den politischen Umsturz 1867–68 und die nachfolgende Konsolidierung Japans als moderner Nationalstaat
  • Nara 奈良 ^ Hauptstadt und Sitz des Tennō, 710–784 (= Nara-Zeit); auch: Heijō-kyō
  • nemuri neko 眠猫 ^ schlafende Katze; bezeichnet u.a. eine bekannte Figur in den Schreinornamenten von Nikkō, die dem legendären Bildhauer Hidari Jingorō zugeschrieben wird
  • Nikkō 日光 ^ Tempel-Schreinanlage im Norden der Kantō-Ebene, Präf. Tochigi; beherbergt u.a. den Tōshō-gū Schrein
  • niō 仁王 ^ Wächterfigur, Torwächter
  • Rinnō-ji 輪王寺 ^ buddh. Tempel in der rel. Anlage von Nikkō
  • Sengoku Jidai 戦国時代 ^ Zeit der kämpfenden Länder, 1467–1568
  • Senju Kannon 千手観音 ^ Kannon mit den Tausend Händen; typische Darstellung des Bodhisattva Avalokiteshvara
  • shinbutsu bunri 神仏分離 ^ Trennung von kami und Buddhas; religionspolitische Maßnahme zur Entflechtung von buddh. Tempeln und Shintō-Schreinen; vereinzelt in der Edo-Zeit, vor allem aber für die frühe Meiji-Zeit (1868–1873) charakteristisch
  • Shōdō 勝道 ^ 735–817; buddhistischer Mönch aus Ost-Japan, in erster Linie als Gründer des religiösen Zentrums von Nikkō bekannt
  • Shōgun 将軍 ^ Shōgun; Titel der Militärherrscher aus dem Kriegeradel (bushi, Samurai)
  • Shugendō 修験道 ^ gemischt-rel. Bergkult, Orden der yamabushi
  • stūpa (skt.) स्तूप ^ „Hügel“, Grabmonument (jap. 塔 oder sotoba 卒塔婆)
  • sugi ^ Japanische Zeder
  • suijin 随神 ^ ikonographische Wächterfigur in Schreintoren der Edo-Zeit (z.B. Yōmei-mon); urspr. Palastwächter der Heian-Zeit, in letzerem Fall aber 随身 geschrieben
  • Taiyū-in 大猷院 ^ Mausoleum des 3. Tokugawa Shōguns, Iemitsu, err. 1652–53
  • Tendai-shū 天台宗 ^ Tendai-Schule, chin. Tiantai
  • Tenkai 天海 ^ 1536?–1634; Abt und Reformer des Tendai Buddhismus, religiöser Berater des Tokugawa Shōgunats; auch: Nankōbō Tenkai; Jigen Daishi
  • Tokugawa Iemitsu 徳川家光 ^ 3. Tokugawa Shōgun (1604–1651), r. 1623–1651
  • Tokugawa Ieyasu 徳川家康 ^ 1543–1616; Begründer des Tokugawa Shogunats; Reichseiniger
  • Tōshō Daigongen 東照大権現 ^ wtl. „Große göttl. Manifestation, die den Osten erleuchtet“; Götternamen des Tokugawa Ieyasu
  • Tōshō-gū 東照宮 ^ Tōshō Schrein, Mausoleum des Tokugawa Ieyasu in Nikkō, Präf. Tochigi
  • Tsurezuregusa 徒然草 ^ „Aufzeichnungen aus Mußestunden“; Gedanken und Anekdoten von Yoshida Kenkō, verfasst ca. 1330–1332
  • Yakushi Nyorai 薬師如来 ^ Buddha der Medizin; skt. Bhaisajyaguru
  • Yōmei-mon 陽明門 ^ „Tor der Sonnenklarheit“; ursprünglich Name des östlichen Tores im Kaiserpalast von Kyōto, später auch in Nikkō errichtet
  • Zōjō-ji 増上寺 ^ Jōdo-Tempel in Tōkyō, einst Ahnentempel der Tokugawa, gegr. 1393
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„Nikkō: Das spirituelle Zentrum des Tokugawa Shōgunats.“ In: Bernhard Scheid, Religion-in-Japan: Ein digitales Handbuch. Universität Wien, seit 2001