Die Sieben Glücksgötter (Shichi Fukujin) sind ein Sinnbild für das religiöse Streben nach diesseitigem Wohlergehen (genze riyaku). Sie entstanden zusammen mit der bürgerlichen Stadtkultur im späten Mittelalter und gewannen in der Edo-Zeit (1600–1867) ihre bekannte ikonographische Gestalt.1 Auf den ersten Blick scheint es, als ob das Glück, das sie versprechen, nur mit materiellem Gewinn zu tun hat, doch transportieren sie auch Tugenden wie Fleiß, Arbeitseifer und Selbstgenügsamkeit. Ihre Botschaften sind jedoch völlig frei von jeder transzendenten Dimension. Auf diese Weise haben sie sich mühelos aus der Vormoderne in die moderne Konsumgesellschaft hinübergerettet. Noch heute ist es bei manchen Japanern Brauch, in der Neujahrsnacht ein Bild der Glücksgötter unter den Kopfpolster zu legen, um das Neue Jahr mit einem glücksverheißenden Traum zu beginnen.
Die Sieben Glückgötter (Shichi Fukujin) in ihrem Schatzboot (takarabune), das in diesem Fall ein lebender Drache zu sein scheint, der seine Haut zu einem Schiff inklusive Segel aufgebläht hat. Inmitten ihrer diversen Schätze feiern die Götter ein kleines Fest: In der Bildmitte vollführen Ebisu und der greise Fukurokuju einen pantomimischen Tanz; Daikoku (rechts) und Bishamon-ten (links) benützen ihre Geräte als Rhythmusinstrumente; auch Jurōjin (links) klatscht in die Hände; Hotei (rechts) scheint sich glänzend zu amüsieren, während Benzaiten (Mitte) sich als einzige etwas distanziert gibt. Umringt wird das Schiff von Kranich und Schildkröte, den Symboltieren des Langen Lebens, im Hintergrund ragt Berg Fuji empor.
Szenen wie diese sollte man besonders zu Neujahr auch in den eigenen Träumen sehen. Dann — so glaubte man jedenfalls in der Edo-Zeit und glaubt es teils noch heute — würde das Jahr ein glückliches werden.
Bemerkenswert ist, dass es sich hier um eine Gemeinschaftsproduktion der drei führenden Vertreter der Utagawa Schule handelt. Werk von Utagawa Kuniyoshi (li.), Utagawa Kunisada (Mitte) und Keisai Eisen (re.). Späte Edo-Zeit, Mitte 19.Jh. The British Museum.
Shintōistisch? Buddhistisch?
Heute gelten die fukujin zwar als Shintō-Götter (kami), doch sie tragen viele buddhistische oder daoistische Merkmale aus der Zeit ihrer Entstehung, als die Trennwand zwischen Buddhas und kami noch wesentlich durchlässiger war. Sie vereinen die mildtätige Barmherzigkeit der Bodhisattvas, die ehrfurchtgebietende Strenge der Wächtergötter (tenbu) und das daoistische Versprechen des Langen Lebens mit einer bodenständigen Lebenstüchtigkeit und sind damit ein anschauliches Beispiel für den unverkrampften Umgang der japanischen Kultur mit verschiedenen religiösen Traditionen.
Pilgerfahrten zu Sieben Glücksgöttern erfreuen sich besonders am Jahresanfang großer Beliebtheit. Meistens handelt es sich um sieben Stationen, die im Zuge eines längeren Spaziergangs leicht an einem Tag besucht werden können. Oft wechseln sich buddhistische Tempel und Shintō Schreine innerhalb dieser Routen ab. Jeder Gott kann aber auch allein angebetet werden, wobei es für die meisten sowohl Tempel als auch Schreine gibt.
Statue eines schwarzhäutigen Daikoku auf zwei Reisballen im Kiyomizu-dera. Leider wurde dieser sog. shusse daikoku mittlerweile ziemlich lieblos restauriert und verströmt nicht mehr die gleiche geheimnisvolle Aura wie auf diesem Bild. Muromachi-Zeit?. Ron Reznick, 2004 (mit freundlicher Genehmigung).
Daikoku (auch Daikoku-ten) ist so etwas wie der Anführer aller sieben Glücksgötter, vielleicht, weil er am längsten in dieser Funktion verehrt wird. Zu seinen wichtigsten Emblemen zählen Reissack und Glückshammer. Er steht in erster Linie für Wohlergehen in Form von Nahrung, doch so wie der gebündelte Reis einst auch ein Zahlungsmittel war, lässt sich Daikokus Zuständigkeitsbereich auf jede beliebige Form von materiellem Wohlstand und insbesondere auf das Geld ausdehnen. Sein Botentier ist die Maus, die im chinesischen Horoskop ebenfalls mit Reichtum (oder Geiz) assoziiert wird (s. Himmelskunde und Himmelsdeutung; Tierkreiszeichen in der japanischen Kunst). Wenn Daikoku als einzelne Gottheit verehrt wird, bewacht mitunter ein Paar Mäuse seinen Tempel oder Schrein.
Daikoku trägt manchmal den Göttertitel -ten, was ihn als mit dem Buddhismus in Zusammenhang stehende deva-Gottheit ausweist. Konkret handelt es sich um die zornvolle tantristische Gottheit Mahākāla. Beide Namen lassen sich als „Großer Schwarzer“ übersetzen. Ältere Darstellungen zeigen Daikoku daher auch mit schwarzer Haut und drei Gesichtern. Einige seltene Daikoku-Bilder ähneln sogar den Mahakala Darstellungen des tibetischen Buddhismus, mit furchteinflößenden Attributen wie Raubtierzähnen, Schmuck aus Schlangen und Totenschädeln und dgl. mehr. Doch gibt es seit altersher auch eine „einheimische“ Variante des Daikoku, in der er als einfacher Bauer auftritt. In dieser Gestalt wird er auch häufig mit dem mythologischen Gott Ōkuninushi identifiziert. (Mehr dazu...)
Auf vielen Bildern ist Daikoku zusammen mit Ebisu, dem Gott des Fischfangs, zu sehen. Daikoku und Ebisu sorgen für die materiellen Grundbedürfnisse, die Ernährung, und vertreten oft die Gesamtheit der Glücksgötter, sozusagen in kleiner Besetzung.
Ebisu trägt die klassische Hoftracht (kariginu), die heute noch von Shintō-Priestern benützt wird, in der Edo-Zeit aber auch von Bauern und Handwerkern getragen wurde. Anhand seiner Attribute ist er deutlich als Gott des Fischfangs zu erkennen: Er hält eine Angel und trägt eine riesige Rote Meerbrasse (tai) unter dem Arm. Dennoch scheint er in manchen Gegenden auch als Gott der Landwirtschaft verehrt worden zu sein. Heute ist er unter Ladenbesitzern, Kleingewerbetreibenden und Wirten besonders populär. Auch die bekannte Biermarke „Yebisu“ trägt seinen Namen.
Ebisu gilt als der einzige „einheimische“ Gott unter den Shichi Fukujin, sein Name dürfte allerdings die Grundbedeutung „Fremder“ besitzen. Laut manchen Schreinlegenden wird er mit dem sogenannten „Blutegel-Kind“ (Hiru-ko), dem ersten und etwas missglückten Sprössling des Urgötterpaares Izanagi und Izanami in Verbindung gebracht. (Diese Herleitung entstammt wohl dem Nishinomiya Jinja in der Nähe von Ōsaka, einem Zentrum des Ebisu-Kultes, beruht jedoch nicht auf klassischen Quellen wie Kojiki oder Nihon shoki.) Andererseits wird Ebisu auch gern mit der mythologischen Zwerg-Gottheit Sukunabikona assoziiert, eine Art Alterego des oben genannten Ōkuninushi (Daikoku). In beiden Fällen soll Ebisu über das Meer nach Japan gekommen sein. Dieses Motiv eines Fremden, der per Schiff quasi auf Besuch kommt und wieder verschwindet, könnte auch dem Schatzschiff, auf dem die gesamte Gruppe der Glücksgötter häufig abgebildet ist, zugrunde liegen. (Mehr dazu...)
Benzaiten oder abgekürzt Benten („Deva der Beredsamkeit“) ist die einzige Frau unter den Sieben Glücksgöttern. Allein schon aufgrund ihrer äußeren Erscheinung steht Benten für Anmut. In den meisten Abbildungen hält sie eine biwa-Laute in der Hand. Dieses Instrument hat sie von ihrer indischen Ahnin, der Flussgöttin Sarasvatī übernommen. Beide Göttinnen sind ausgehend vom Wasser auch für Beredsamkeit, für Musik, für das Wissens und die Künste zuständig.
Sarasvati
Der Glücksaspekt Benzaitens kann natürlich ebenfalls vom Wasser herrühren, also von Benzaitens Einfluss auf den Regen und damit auf die Landwirtschaft. Noch direkter scheint aber eine heute fast in Vergessenheit geratene Darstellung einer achtarmigen Benzaiten mit ihrer Funktion als Glücksgöttin in Verbindung zu stehen.
In dieser Gestalt hält Benzaiten ein buddhistisches Wunschjuwel (nyoi no tama) in der Hand und ist häufig von fünfzehn (oder sechzehn) Jünglingen umgeben, die ihre wohltätigen Eigenschaften repräsentieren.
Die Schreininsel Enoshima mit Berg Fuji im Hintergrund, vom Meer aus gesehen. Auf der Insel findet eben das Fest der Benzaiten statt. Die Höhlen auf der dem Meer zugewandten Seite sind wohl der Ausgangspunkt der mit der Insel verbundenen Legenden. Sie berichten von bösen Drachen, welche in diesen Höhlen hausten. Werk von Utagawa Hiroshige (1797–1858). Edo-Zeit. MAK, Museum für Angewandte Kunst, Wien (mit freundlicher Genehmigung).
Trotz der verschiedenen Erscheinungsformen, die Benzaiten im Laufe ihrer Geschichte zugeschrieben wurden, hat sie ihre enge Verbindung zum Wasser stets beibehalten. Ihre Schreine oder Tempel befinden sich sind fast immer auf natürlichen oder künstlichen Inseln, sind also ganz von Wasser umgeben. In Kamakura gibt es darüber hinaus den berühmten Zeniarai-Benten Schrein — den Schrein der „geldwaschenden Benten“. Wer an der dortigen Quelle sein Geld wäscht, darf auf dessen wundersame Vermehrung hoffen. (Mehr dazu...)
Der Name Bishamon-ten leitet sich von skt. Vaiśravaṇa ab. Vaishravana ist einer der Vier Himmelskönige (Shi-Tennō), und zwar der Hüter des Nordens. In Japan ist Bishamon-ten auch unter dem Namen Tamon-ten (einer Übersetzung des Sanskritnamens mit der Bedeutung „der alles Hörende“) bekannt. Zu seinen Attributen zählen ein Dreizack und eine kleine Pagode. In der klassischen Ikonographie strahlt er die Würde eines Feldherren aus und wurde in früherer Zeit auch mit der Bitte um Kriegsglück angebetet. Auch als Glücksgott wird er immer in chinesischer Rüstung dargestellt.
Besonders im frühen japanischen Buddhismus erfreute sich Bishamon-ten einer großen Beliebtheit. Das Goldglanz Sutra portraitiert ihn als Erfinder einer Gebetsformel (mantra), die alle Wünsche verwirklichen hilft. Obwohl seine Bedeutung mit der Zeit abnahm, entwickelte sich ein dem Bishamon-ten geweihter Tempel, der Kurama-dera in den Bergen nördlich von Kyōto, im japanischen Mittelalter zu einer Art Pilgerzentrum für die Stadtbevölkerung. Dies dürfte einer der Gründe sein, warum diese kriegerische Gottheit in den ursprünglich aus Kyōto stammenden Kreis der Sieben Glücksgötter aufgenommen wurde. Doch auch der indische Vorläufer dieser Gottheit konnte als Reichtumsgottheit angebetet werden. (Mehr dazu ...)
Ein besonders freundlicher Hotei, dessen Bauch durch seinen Sack ausbalanciert wird. Sein äußeres Erscheinungsbild (gedrungene Statur, dicker Bauch, fleischige Ohrläppchen, ...) ähnelt bereits den Sieben Glücksgöttern (Shichi Fukujin), deren Kombination etwa zur gleichen Zeit (15. oder 16. Jahrhundert) erstmals als Bildmotiv auftaucht. Werk von Kanō Masanobu (1434–1530). Muromachi-Zeit. Awakenings, Zen Painting in Medieval Art.
Die Figur des Hotei geht auf die legendenumwobene Gestalt des chinesischen Mönchs Qici (auch Changting zi) zurück. Dieser führte im neunten Jahrhundert ein Wanderleben als Bettelmönch. Er trug seine Habseligkeiten stets in einem großen Sack mit sich, sodass er vor allem unter seinem Spitznamen „Jutesack“ (chin. Budai oder Pu-tai, jap. Hotei) bekannt wurde.
Budai/Hotei erwies sich nach seinem irdischen Leben als Inkarnation des BodhisattvaMaitreya (jap. Miroku, chin. Mile-fo, auch als „Buddha der Zukunft“ bekannt) und wurde in China zum typischen „Lachenden Buddha“. Besonders beliebt ist er im Chan/Zen Buddhismus, wo seine Heiterkeit als Ausdruck der Selbstgenügsamkeit begriffen wird. Er stellt ein beliebtes Motiv der Zen-Tuschezeichnungen (zenga) dar. (Mehr dazu ...)
Fukurokuju und Jurōjin
Fukurokuju (wtl. „Glück-Erfolg-Langes Leben“) und Jurōjin (wtl. „Alter Mann des Langen Lebens“) erscheinen beide als alte Männer und sind mit allen möglichen Eigenschaften und Emblemen daoistischer Unsterblicher ausgestattet. Dazu gehört auch die markante, phallisch anmutende Form ihres Schädels, der allerdings oft dezent unter einer Kappe verborgen ist. Beide Götter tragen das Zeichen 寿 für Langes Leben im Namen und gewähren den entsprechenden Wunsch.
Die tierischen Begleiter der beiden sind Kranich, Schildkröte und Hirsch, wobei der letztere meist an der Seite von Jurōjin zu finden ist. Vor allem die Schildkröte, aber auch Kranich und Hirsch gelten als Symboltiere des Langen Lebens.
Jurōjin in Begleitung von Hirsch und Schildkröte. Der Literat und Maler Tani Bunchō kopierte hier ein Bild von Sesshū 雪舟 aus der Muromachi-Zeit. Werk von Tani Bunchō (1763–1841). Edo-Zeit. Bildquelle: Tani Buncho-ha Database, über Internet Archive.
Trotz ihrer unverkennbar daoistischen Attribute sind die beiden Gottheiten als solche in China selbst nicht zu finden. Fuku-roku-ju (chin. fu-lu-shou) bezeichnet jedoch eine Gruppe von drei chinesischen Glücksgöttern, die u.a. im Feng Shui eine wichtige Rolle spielen. Jurōjin könnte aus einem der vielen Namen für den Südlichen Polarstern (Canopus) abgeleitet sein. Dieser wird in China selbst als Gottheit des Langen Lebens und als Verkörperung Laotse’s angesehen.
Fukurokuju und Jurōjin sind somit aus allerlei daoistischen Versatzstücken zusammengesetzt, die um das Thema „Langes Leben“ kreisen und sich im Grunde beliebig kombinieren lassen. Daher verwundert es nicht weiter, dass sie mitunter zu einem Gott verschmolzen wurden. In diesem Fall wurde die Gruppe der shichi fukujin beispielsweise durch die weibliche Gottheit Kichijō-ten (auch Kisshōten) ergänzt. Wenn aber beide chinesischen Alten zusammen dargestellt sind, nimmt Jurōju meist das Aussehen eines konfuzianischen Gelehrten an, während Fukurokuju eher an einen daoistischen Heiligen erinnert.
Wieso Sieben?
Vorbilder oder Verwandte der Sieben Glücksgötter finden sich vor allem in China, dort sind es aber üblicherweise acht daoistische Unsterbliche, die zusammen auf einem Boot zur Insel der Glückseligkeit unterwegs sind. Es gibt verschiedene Theorien, wieso man sich in Japan statt dessen auf die Zahl Sieben festlegte. So wird z.B. immer wieder auf die Sieben Übel (shichinan), bzw. die Sieben Tugenden (shichi shōzai) des Buddhismus hingewiesen.2 Die Zahl Sieben spielt aber auch im chinesischen Polarstern-Glauben eine wichtige Rolle (Anzahl der Sterne im Sternbild des Großen Wagens). Auch die Sieben Weisen im Bambushain, eine Gruppe chinesischer Philosophen, die gerne auf den Tuschmalereien der mittelalterlichen Zen-Mönche dargestellt wurde, könnten eine Inspriationsquelle der Shichi Fukujin gewesen sein.3
Eine bekannte Anekdote besagt, dass das Ensemble der Sieben Glückgötter auf den Mönch Tenkai, einen wichtigen religiösen Ratgeber des ersten Tokugawa Shōguns Tokugawa Ieyasu zurückgeht. Tenkai hätte die Sieben Tugenden des Buddhismus in abgewandelter Form auf Ieyasu übertragen und mit sieben Gottheiten folgendermaßen in Verbindung gebracht: Langes Leben (Jurōjin), Wohlstand (Daikoku), Beliebtheit (Fukurokuju), Aufrichtigkeit (Ebisu), Liebenswürdigkeit (Benzaiten), Autorität (Bishamonten), Großmut (Hotei). Diese Kombination sei der Schlüssel zu Ieyasus erfolgreicher Befriedung des Landes. Klar, dass Ieyasu von dieser Charakterisierung begeistert war und seinen Hofmaler anwies, die sieben Gottheiten in einem Bild darzustellen. Leider dürfte es sich allerdings bloß um eine Legende handeln, die durch verlässliche historische Quellen nicht bestätigt werden kann.
Frühformen der Shichi Fukujin legen die Vermutung nahe, dass das Ensemble tatsächlich von buddhistischen Mönchen kreiert wurde. Wahrscheinlich geht die Idee aber nicht auf einen einzigen Mönch zurück, sondern bildete sich allmählich im Laufe der Muromachi-Zeit (14.–16. Jh.) heraus. In jedem Fall waren die Shichi Fukujin in der Edo-Zeit wesentlich bekannter und populärer als mythologische Gottheiten wie Amaterasu oder Susanoo. Vor allem auf bildlichen Darstellungen sind sie allseits präsent, während die „eigentlichen“ Shintō-Götter nur sehr selten abgebildet werden. Daran hat sich im Grunde bis heute nichts geändert.
Die Glücksgötter (Shichi Fukujin) in ihrer ikonographisch ausgereiften Form, dargestellt von den sieben bekanntesten ukiyo-e-Künstlern des frühen 19. Jahrhunderts. Werk von Utagawa Toyoharu, Utagawa Toyokuni, Utagawa Toyohiro, Utagawa Kunisada, Katsushika Hokusai, Torii Kiyonaga, Katsukawa Shun’ei. Spätere Edo-Zeit, 1810. Bildquelle: Muian, über Internet Archive.
↑ Dieser Befund stammt von Kita Sadakichi, einem Historiker und Volkskundler der Zwischenkriegszeit, der 1935 den Aufsatz „Shichifukujin no seiritsu“ (Die Entstehung der Sieben Glücksgötter) veröffentlichte. Obwohl Kita unter anderem auch als nationalistischer Ideologe in Erinnerung geblieben ist, wird seine zeitliche Einordnung der Glücksgötter von der japanischen Volkskunde heute allgemein akzeptiert.
↑Im Sutra der Barmherzigen Könige, Ninnō-kyō, heißt es im Zusammenhang mit dem Rezitieren eines Sutrentextes: „... da vergingen die Sieben Übel, und die Sieben Wohltaten entstanden“ (shichinan sokumetsu, shichifuku sokushō 七難即滅七福即生). Diese Wendung wurde in späteren Schriften des japanischen Buddhismus häufig zitiert. Worin die Sieben Übel bestehen, wird allerdings unterschiedlich angegeben. (Kita 1935, in Miyata 1998, S. 300).
↑Laut Kita soll ein gewisser Mönch Keishun 瓊春 bereits im 15. Jh. ein Bild gemalt haben, in dem die Götter Ōkuninushi, Hiruko, Uzume, Bishamon, Fukurokuju, Jurōjin und Hotei in Imitation der Sieben Weisen im Bambushain dargestellt wurden. Das Original wurde allerdings 1473 durch Brand vernichtet und ist nur in Kopien erhalten. Jedenfalls entsprechen diese Götter weitgehend den späteren Glücksgöttern, lediglich Ame no Uzume wurde durch Benzaiten ersetzt. (Ibid, S. 301–302)
Bernhard Scheid, „Synkretismus als Methode: Die Sieben Glücksgötter Japans im Spannungsfeld von Buddhismus und Volksreligion“. In: Alexander Grau, Gerson Raabe (Hg.), Religion: Facetten eines umstrittenen Begriffs. Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt, 2014, 65–90.
Bilder
Quellen und Erläuterungen zu den Bildern auf dieser Seite
^Die Sieben Glückgötter (Shichi Fukujin) in ihrem Schatzboot (takarabune), das in diesem Fall ein lebender Drache zu sein scheint, der seine Haut zu einem Schiff inklusive Segel aufgebläht hat. Inmitten ihrer diversen Schätze feiern die Götter ein kleines Fest: In der Bildmitte vollführen Ebisu und der greise Fukurokuju einen pantomimischen Tanz; Daikoku (rechts) und Bishamon-ten (links) benützen ihre Geräte als Rhythmusinstrumente; auch Jurōjin (links) klatscht in die Hände; Hotei (rechts) scheint sich glänzend zu amüsieren, während Benzaiten (Mitte) sich als einzige etwas distanziert gibt. Umringt wird das Schiff von Kranich und Schildkröte, den Symboltieren des Langen Lebens, im Hintergrund ragt Berg Fuji empor.
Szenen wie diese sollte man besonders zu Neujahr auch in den eigenen Träumen sehen. Dann — so glaubte man jedenfalls in der Edo-Zeit und glaubt es teils noch heute — würde das Jahr ein glückliches werden.
Bemerkenswert ist, dass es sich hier um eine Gemeinschaftsproduktion der drei führenden Vertreter der Utagawa Schule handelt. Werk von Utagawa Kuniyoshi (li.), Utagawa Kunisada (Mitte) und Keisai Eisen (re.). Späte Edo-Zeit, Mitte 19.Jh. The British Museum.
^Statue eines schwarzhäutigen Daikoku auf zwei Reisballen im Kiyomizu-dera. Leider wurde dieser sog. shusse daikoku mittlerweile ziemlich lieblos restauriert und verströmt nicht mehr die gleiche geheimnisvolle Aura wie auf diesem Bild. Muromachi-Zeit?. Ron Reznick, 2004 (mit freundlicher Genehmigung).
^Die Schreininsel Enoshima mit Berg Fuji im Hintergrund, vom Meer aus gesehen. Auf der Insel findet eben das Fest der Benzaiten statt. Die Höhlen auf der dem Meer zugewandten Seite sind wohl der Ausgangspunkt der mit der Insel verbundenen Legenden. Sie berichten von bösen Drachen, welche in diesen Höhlen hausten. Werk von Utagawa Hiroshige (1797–1858). Edo-Zeit. MAK, Museum für Angewandte Kunst, Wien (mit freundlicher Genehmigung).
^Ein besonders freundlicher Hotei, dessen Bauch durch seinen Sack ausbalanciert wird. Sein äußeres Erscheinungsbild (gedrungene Statur, dicker Bauch, fleischige Ohrläppchen, ...) ähnelt bereits den Sieben Glücksgöttern (Shichi Fukujin), deren Kombination etwa zur gleichen Zeit (15. oder 16. Jahrhundert) erstmals als Bildmotiv auftaucht. Werk von Kanō Masanobu (1434–1530). Muromachi-Zeit. Awakenings, Zen Painting in Medieval Art.
^Jurōjin in Begleitung von Hirsch und Schildkröte. Der Literat und Maler Tani Bunchō kopierte hier ein Bild von Sesshū 雪舟 aus der Muromachi-Zeit. Werk von Tani Bunchō (1763–1841). Edo-Zeit. Bildquelle: Tani Buncho-ha Database, über Internet Archive.
^Die Glücksgötter (Shichi Fukujin) in ihrer ikonographisch ausgereiften Form, dargestellt von den sieben bekanntesten ukiyo-e-Künstlern des frühen 19. Jahrhunderts. Werk von Utagawa Toyoharu, Utagawa Toyokuni, Utagawa Toyohiro, Utagawa Kunisada, Katsushika Hokusai, Torii Kiyonaga, Katsukawa Shun’ei. Spätere Edo-Zeit, 1810. Bildquelle: Muian, über Internet Archive.
Amaterasu 天照 ^Sonnengottheit; Ahnherrin des Tennō-Geschlechts; Hauptgottheit von Ise
Benzaiten 弁才天/弁財天 ^Glücksgöttin im Ensemble der Sieben Glücksgötter (Shichi Fukujin); Gottheit des Wassers, der Musik und der Beredsamkeit; skt. Sarasvatī; auch: Benten
Bishamon-ten 毘沙門天 ^Himmelswächter des Nordens, Glücksgott; abgeleitet von einem indischen Gott des Reichtums, Vaiśravaṇa
biwa 琵琶 ^japanische Kurzhalslaute mit vier oder fünf Saiten, wird mit einem großen Plektron angeschlagen
deva (skt.) देव ^„Gottheit“, oberste Klasse indischer Götter; jap. -ten 天 oder tenbu 天部
Ebisu 恵比寿 ^Glücksgott der Händler und Fischer; andere Schreibung: 夷 oder 戎; Grundbedeutung wahrscheinlich „Fremder“ oder „Barbar“
Edo 江戸 ^Hauptstadt der Tokugawa-Shōgune, heute: Tōkyō; auch: Zeit der Tokugawa-Dynastie, 1600–1867 (= Edo-Zeit);
Feng Shui (chin.) 風水 ^chin. Raumkonzept auf der Grundlage von Yin und Yang; für zeremonielle Architektur wichtig
fukujin 福神 ^Glücksgottheit; Gottheit, die für spezifische Formen des irdischen Glücks (Reichtum, Gesundheit, Kinder, ...) angebetet wird; s.a. Shichi Fukujin
Fukurokuju 福禄寿 ^Glücksgott, Gott des Langen Lebens
Fu-lu-shou (chin.) 福禄寿 ^wtl. Glück, Wohlstand und Langes Leben; in China Gruppe von drei Göttern, die diese Eigenschaften symbolisieren. In Japan zur Figur des Fukurokuju verschmolzen.
genze riyaku 現世利益 ^(religiöse) Belohnung in diesem Leben
Shi-Tennō 四天王 ^wtl. Vier Himmelskönige, die aber eher als Himmelswächter auftreten und jeweils eine Himmelsrichtung beschützen; angeführt von Bishamon-ten, dem Wächter des Nordens; der Ausdruck wird auch für diverse Gruppen von vier Kriegern angewendet
Sukunabikona 少名毘古那 ^winzige Gottheit, Gefährte oder alter ego von Ōkuninushi, auch: Sukunahikona
Susanoo 須佐之男/素戔男 ^mytholog. Gottheit; Trickster-Gott, Sturmgott, Mondgott; Bruder der Amaterasu