Eine Million Miniatur-Stupas

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Eine Million Miniatur-Stupas
Hyakumanto.jpg
1 Hyakumantō
Im Inneren der Stupas befinden sich Papierzettel mit einem buddhistischen Text. Diese Zettel wurden mit einem einfachen Druckstempelverfahren hergestellt und gelten als die ältesten erhaltenen Druckwerke der Welt. Etwa 40.000 Exemplare befinden sich derzeit noch im Besitz des Hōryū-ji. Nara-Zeit, 8. Jh.
Tanaka Motomasa

Die hier abgebildeten Miniatur-Stupas [stūpa (skt.) स्तूप „Hügel“, Grabmonument (jap. 塔 oder sotoba 卒塔婆)] stellen ein Beispiel für die buddhistische Begeisterung unter Kaiserin Shōtoku [Kōken Tennō (jap.) 孝謙天皇 718–770; japanische Kaiserin; r. 749–758 und 764–770 unter dem Namen Shōtoku 称徳] (nicht zu verwechseln mit Prinz Shōtoku [Shōtoku Taishi (jap.) 聖徳太子 574–622; Prinz Shōtoku; kaiserlicher Regent]!) und dem Mönch Dōkyō [Dōkyō (jap.) 道鏡 700?–772; Nara-zeitl. Mönch; buddhistischer Staatsmann] dar. Angeblich wurden von diesen Stupas eine Million (hyakuman) angefertigt, weshalb man sie auch als „Millionen Stupas“ (hyakuman tō [hyakuman tō (jap.) 百万塔 Miniatur-Stupas, wtl. Millionen-Stupas]) bezeichnet. Anlass dieser frommen Massenproduktion war ein militärischer Sieg im Jahr 764, durch den es gelang, eine Rebellion innerhalb der Hofaristokratie zu vereiteln. Dieser militärische Erfolg wurde von der siegreichen Kaiserin dem Buddhismus zugeschrieben.

In der Gegend von Nara sind heute noch einige dieser Stupas zu finden. Es sind einfache, etwa 21cm hohe Figuren, in deren Innerem sich Papierstreifen mit einer Gebetsformel (skt. dharani [dhāraṇī (skt.) धारणी (magische) Gebetsformel, ähnlich wie, aber meist länger als Mantra (jap. darani 陀羅尼 oder ju 呪)]) befinden. Die Gebetsformel ist einem Sutra entnommen, das diese Art religiöser Handlung — die Herstellung von Miniatur-Stupas zum Zweck der Aufbewahrung von dharanis — explizit anpreist. Die Texte sollten demnach nicht gelesen werden, sondern wie eine Reliquie als Heiligtum aufbewahrt werden.

Die Gebetstexte wurden mit Hilfe eines primitiven Druckverfahrens vervielfältigt. Es handelt sich nicht nur um die frühesten Druckwerke Japans, sondern auch weltgeschichtlich um eines der frühesten Beispiele des Buchdrucks. Allerdings deutet vieles darauf hin, dass ähnliche Beispiele buddhistischen Staatskults zu dieser Zeit auch in China und Korea praktiziert wurden.1


Verweise

Fußnoten

  1. Kornicki 2001, S. 114–117.

Literatur

Peter Kornicki 2001
The Book in Japan: A Cultural History from the Beginnings to the Nineteenth Century. Honolulu: University of Hawaii Press 2001.

Bilder

Quellen und Erläuterungen zu den Bildern auf dieser Seite:

  1. ^ 
    Hyakumanto.jpg
    Im Inneren der Stupas befinden sich Papierzettel mit einem buddhistischen Text. Diese Zettel wurden mit einem einfachen Druckstempelverfahren hergestellt und gelten als die ältesten erhaltenen Druckwerke der Welt.

    Etwa 40.000 Exemplare befinden sich derzeit noch im Besitz des Hōryū-ji. Nara-Zeit, 8. Jh.
    Tanaka Motomasa


Glossar

Namen und Fachbegriffe auf dieser Seite:

  • dhāraṇī (skt.) धारणी ^ (magische) Gebetsformel, ähnlich wie, aber meist länger als Mantra (jap. darani 陀羅尼 oder ju 呪)
  • Dōkyō 道鏡 ^ 700?–772; Nara-zeitl. Mönch; buddhistischer Staatsmann
  • hyakuman tō 百万塔 ^ Miniatur-Stupas, wtl. Millionen-Stupas
  • Kōken Tennō 孝謙天皇 ^ 718–770; japanische Kaiserin; r. 749–758 und 764–770 unter dem Namen Shōtoku 称徳
  • Shōtoku Taishi 聖徳太子 ^ 574–622; Prinz Shōtoku; kaiserlicher Regent
  • stūpa (skt.) स्तूप ^ „Hügel“, Grabmonument (jap. 塔 oder sotoba 卒塔婆)
Religion in JapanGeschichteNaraMiniaturstupas
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„Eine Million Miniatur-Stupas.“ In: Bernhard Scheid, Religion-in-Japan: Ein digitales Handbuch. Universität Wien, seit 2001