Yuiitsu shintō myōbō yōshū (Shintō-Klassiker, Teil 2)

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Shintō-Klassiker, Teil 2Yuiitsu shintō myōbō yōshū

Das Yuiitsu shintō myōbō yōshū [Yuiitsu shintō myōbō yōshū (jap.) 唯一神道名法要集 „Grundzüge von Namen und Gesetz des Einen und Einzigen Shintō“, Traktat von Yoshida Kanetomo, spätes 15. Jh.] („Grundzüge von Namen und Gesetz des Einen und Einzigen Shintō“, kurz Myōbō yōshū) stellt einen der ersten Texte dar, die den Begriff Shintō [Shintō (jap.) 神道 Shintō; wtl. Weg der Götter, Weg der kami] im modernen Verständnis von „Shintō-Religion“ geprägt haben. Es ist eine Art Glaubensbekenntnis einer im japanischen Mittelalter entstandenen religiösen Schule, die sich selbstbewusst den Namen „der Eine und Einzige Shintō“ (Yuiitsu Shintō [Yuiitsu Shintō (jap.) 唯一神道 mittelalt. Shintō-Richtung (= Yoshida Shintō)]) gab, heute jedoch zumeist als Yoshida Shintō [Yoshida Shintō (jap.) 吉田神道 mittelalterl. Shintō-Richtung, begründet von Yoshida Kanetomo] bezeichnet wird. Der Yoshida Shintō war vor allem in der ersten Hälfte der Edo [Edo (jap.) 江戸 Hauptstadt der Tokugawa-Shōgune, heute: Tōkyō; auch: Zeit der Tokugawa-Dynastie, 1600–1867 (= Edo-Zeit);]-Zeit äußerst einflussreich.

Autor und Zeitumstände

Yoshida Kanetomo [Yoshida Kanetomo (jap.) 吉田兼倶 1435–1511; Shintō-Priester und Theologe; Begründer des Yoshida Shintō (auch Yuiitsu Shintō), Autor des Yuiitsu shintō myōbō yōshū] (1435–1511) lässt sich aus heutiger Sicht als Gründer des Yoshida Shintō identifizieren. Er war das Oberhaupt einer höfischen Priesterfamilie, die sich u.a. der Überlieferung der kiki [kiki (jap.) 記紀 Sammelbezeichnung für KojiKI und Nihon shoKI (ki, Bericht, ist jeweils mit einem leicht abweichenden Zeichen geschrieben)]-Mythen verschrieben hatte. Höfische Familien wie die Yoshida blieben üblicherweise auch noch im Mittelalter den Traditionen aus der Heian [Heian (jap.) 平安 auch Heian-kyō 平安京, „Stadt des Friedens“; politisches Zentrum 794–1185 (= Heian-Zeit)]-Zeit treu und unterwarfen sich einer strikten Hierarchie, die sich in der Blütezeiten der höfischen Kultur herausgebildet hatte. Jede höfische Familie hatte bestimmte, klar definierte Aufgaben und in Verbindung damit ein gewisses Kapital an Kenntnissen und schriftlichen Quellen, die u.a. ihren Status bei Hof festlegten. Ende des 15. Jahrhunderts standen die Yoshida jedoch vor dem Problem, dass ihre Familienbibliothek wie so viele andere Gebäude und Artefakte des kaiserlichen Hofes Opfer des Ōnin [Ōnin no Ran (jap.) 応仁の乱 Aufruhr der Ōnin-Zeit; Bürgerkrieg 1467–1477, der insbesondere in Kyōto große Zerstörungen verursachte]-Krieges geworden waren. Damit war ein Großteil ihres kulturellen Kapitals vernichtet und die Basis ihres höfischen Status in höchstem Maße gefährdet. In dieser Situation erfand Kanetomo seine Familientradition gleichsam neu und erweiterte sie dabei beträchtlich.

Aus Rücksicht auf den höfischen Traditionalismus schrieb Kanetomo das Myōbō yōshū nicht in seinem eigenen Namen, sondern legte es einem Vorfahren aus dem zehnten Jahrhundert, Urabe [Urabe (jap.) 卜部 Priester und Orakelleser des Tennō-Hofs] Kanenobu, in den Mund. Dieser Etikettenschwindel wurde erst in der Edo-Zeit ruchbar. Kanetomo selbst konnte sowohl bei Hof als auch im Kriegeradel Interessenten für seine Lehren gewinnen und wurde zu einer der einflussreichsten intellektuellen Persönlichkeiten seiner Zeit.

Inhalt

Der Text ist ebenso kompliziert wie sein Titel und damit ein typisches Produkt des japanischen Spätmittelalters. In einer Studie dieses Werks (Scheid 2001) habe ich die labyrinthische Struktur des Myōbō yōshū darauf zurück geführt, dass es wie ein esoterisches Ritual organisiert ist und gar nicht auf Anhieb verstanden werden möchte, sondern erst nach langem Üben Schicht für Schicht erarbeitet werden soll. Es enthält jedoch namentlich am Beginn und am Ende einige durchaus leicht verständliche Passagen, die sich als Vorläufer der nationalistischen Shintō-Ideologien der Moderne lesen lassen.

Das Myōbō yōshū ist nach einem Frage-Antwort Schema (mondō [mondō (jap.) 問答 Frage-Antwort Schema; Diskussion, Disput;]) abgefasst. Jede Frage bezieht sich auf die vorhergehende Antwort. Die erste Frage lautet: „Wie lässt sich der Begriff ,Shintō‘ unterteilen?“ Das ganze Werk ist folglich — zumindest in formaler Hinsicht — eine enzyklopädische Erklärung von „Shintō“. Dabei wird deutlich, dass der Begriff sehr verschiedene Bedeutungen haben kann. Er kann, wie heute üblich, als Schulrichtung verstanden werden (neben dem Yuiitsu [oder Genpon-sōgen] Shintō gibt es auch den Ryōbu-shūgō [Ryōbu Shintō (jap.) 両部神道 Shintō-Interpretation des Mittelalters; wtl. „Shintō der beiden Teile“] und den Suijaku-engi Shintō ).1 Shintō kann aber auch eine göttliche Urkraft sein („shintō der Drei Uranfänge“)2 oder einfach eine zeremonielle Handlung („Die unzähligen Regierungsangelegenheiten an unserem Hof, sie alle sind shintō“)3.

In der sogenannten „Baumtheorie“ wird Shintō schließlich als japanische Entsprechung von Buddhismus und Konfuzianismus bzw. als deren Grundlage definiert:

Unser Land Japan bringt den Samen hervor, in China zeigen sich Zweige und Blätter, in Indien öffnen sich Blüten und Früchte. Deshalb ist der Buddhismus die Blume und Blüte, der Konfuzianismus die Zweige und Blätter, der Shintō aber Wurzel und Stamm aller Dharmas. Die ersten beiden Lehren sind nichts anderes als Varianten des Shintō. Zweige und Blätter, Blüten und Früchte verweisen auf Wurzel und Stamm. Und wie die Blüten fallen und zu den Wurzeln zurückkehren, so kam auch der Buddhismus zurück in den Osten. Dieses zeigt, dass unser Land Wurzel und Stamm der Drei Länder ist.4

Hier zeigen sich ähnliche Gedankengänge, wie sie etwa auch im Jinnō shōtō-ki [Jinnō shōtō-ki (jap.) 神皇正統記 „Über die Wahre Abfolge der Göttlichen Herrscher“, Traktat von Kitabatake Chikafusa, 1339] anklingen: Wie lassen sich die verschiedenen Traditionen der „Drei Länder“ auf einen Nenner bringen? Wie lässt sich darüber hinaus, analog zu den Mythen, eine Vorrangstellung Japans gegenüber China und Indien rechtfertigen, ohne die kulturelle Errungenschaften und Einflüsse dieser Länder ganz zu negieren? Wie lässt sich all dies insbesondere aus der Geschichte ableiten?

Obwohl die Baummetapher selbst schon vor Kanetomo existierte, war die Verwendung von „Shintō“ als repräsentative Lehre Japans neu. Das konfrontierte Kanetomo mit dem Problem, dass es diese Lehre — im Gegensatz zu Buddhismus und Konfuzianismus — nicht in kodifizierter Form gab. Was also hatte Kanetomos Shintō Buddhismus und Konfuzianismus entgegenzusetzen? Eine direkte Antwort auf dieses Problem bleibt das Myōbō yōshū zwar schuldig, doch deuten sich zwei Argumentationsstrategien an. Zum einen finden sich Argumente, dass es gar keiner kodifizierten Lehre bedarf, da Shintō so ursprünglich und gottgegeben ist, dass jeder Versuch der Kodifizierung ein Sakrileg darstellt. Zum anderen wird aber auch behauptet, dass es diese kodifizierte Lehre sehr wohl gibt, allerdings in geheimer Form, die nur den Yoshida-Priestern zugänglich ist. Das Myōbō yōshū selbst wäre demnach die sichtbare Spitze eines Eisbergs, dessen eigentliche Masse unter dem Meeresspiegel esoterischer Geheimnisse verborgen ist.

Die vorgeblich geheime Form der eigenen Shintō-Lehre konnte natürlich leicht zur Rechtfertigung unbeweisbarer und bislang unbekannter Behauptungen genützt werden. Unter anderem begründete Kanetomo damit auch die Umkehr der damals üblichen Rollenverteilung von kami und Buddhas in „Urform und Spur“ (honji suijaku [honji suijaku (jap.) 本地垂迹 wtl. Grundform und herabgelassene Spur; Theorie der Identität von kami und Buddhas]):

Die offene Lehre macht Buddha zur Urform. Diese Vereinfachung dient der Bekehrung. Die geheime Lehre stellt jedoch die kami an den Anfang. Auf ihrer tiefsten Stufe birgt sie die absolute Wahrheit.5

Auf diese Weise kehrte Kanetomo die Hierarchie zwischen Buddhas und kami, die von den meisten seiner Zeitgenossen als unumstößliches Faktum angesehen wurde, schlichtweg um. Er sprach dem Buddhismus also nicht jegliche Berechtigung ab, wie das die Shintō-Enthusiasten der Edo-Zeit taten, aber er wendete den inklusivistischen Kunstgriff, mit dem der Buddhismus bislang alle Arten von kami-Glauben vereinnahmt hatte, in die umgekehrte Richtung an: „Im Grunde haben alle Lehren das gleiche Ziel, aber die wahre Gestalt dieses Ziels kennen nur wir.“

Ähnlich wie für Kitabatake Chikafusa [Kitabatake Chikafusa (jap.) 北畠親房 1293–1354; Krieger und Gelehrter] stellte die höfische Tradition einschließlich ihrer Mythologie und ihrer Betonung der ungebrochenen kaiserlichen Herrschaftslinie für Kanetomo einen absoluten Fixpunkt dar. Bei Kanetomo finden wir jedoch erstmals eine unmissverständliche Verbindung von Tennō-Loyalismus und Shintō, wie sie bei Chikafusa in Ermangelung eines entsprechenden Shintō-Begriffs noch nicht existiert hatte. Kanetomo postuliert:

Unser Land ist das Götterland. Unser Weg ist der Götterweg (shintō). Unser Landesherr ist ein göttlicher Herrscher.6

Die Motivation für Kanetomos Shintō-Innovationen erwuchs wohl nicht primär aus einer Gegnerschaft zum Buddhismus, sondern, wie erwähnt, aus dem Bedürfnis, das kulturelle Kapital der eigenen Familie wieder herzustellen. Ironischerweise erwies sich der Ōnin-Krieg hier als unerwarteter Katalysator. Die Tatsache, dass nicht nur die Bibliothek der Yoshida, sondern die gesamte sakrosankte Ordnung der Hofaristokratie über den Haufen geworfen wurde, ermöglichte es Kanetomo viel weiter zu gehen, als seine Vorfahren zu träumen gewagt hätten. Kanetomos Ziel war nichts weniger als die oberste Autorität des Götteramtes (Jingi-kan [Jingi-kan (jap.) 神祇官 Götteramt, wtl. Amt für Götter des Himmels und der Erde]) zu erlangen. Dies war seinen Vorfahren, die von ihrer Qualifikation her durchaus dazu in der Lage gewesen wären, aufgrund der Unverrückbarkeit ihres Familienstatus (sie standen immer im zweiten Glied der höfischen Priesterhierarchie) unmöglich gewesen. Unter den neuen Verhältnissen genügte jedoch — so Kanetomos Kalkül — ein möglichst vollmundiges Programm, um einen neuen status quo zu schaffen.

Dieses Kalkül ging in vieler Hinsicht auf. Doch hatte der Yoshida Shintō immer auch erbitterte Gegner, die zumeist aus den Reihen jener Priesterfamilien stammten, deren Privilegien Kanetomo für sich usurpiert hatte. Dazu zählte u.a der Innere Schrein von Ise [Ise Jingū (jap.) 伊勢神宮 kaiserlicher Ahnenschrein (wtl. Götterpalast) von Ise, Präfektur Mie, bestehend aus den Anlagen Gekū und Naikū], dessen Schätze (etwa der Yata-Spiegel [Yata no Kagami (jap.) 八咫鏡 Spiegel; Teil der drei Throninsignien Japans], ein Bestandteil der Drei Throninsignien, sanshu no jingi [sanshu no jingi (jap.) 三種の神器 die mythol. Drei Throninsignien des Tennō: das Schwert Kusanagi no Tsurugi, der Spiegel Yata no Kagami und die Krumm-Juwelen, Yasakani no Magatama]) Kanetomo für sich reklamierte, indem er schlichtweg behauptete, dass sie eines Nachts in seinen Schrein geflogen seien.

Rezeption durch die Nachwelt

In der sengoku [Sengoku Jidai (jap.) 戦国時代 Zeit der kämpfenden Länder, 1467–1568]-Zeit machten Kanetomo und seine Nachfolger ihre neuartigen Shintō-Interpretationen sowohl unter der Krieger-Elite als auch im Bauernstand bekannt. Darüber hinaus gelang es Kanetomo sogar, den Tennō selbst in den Einen und Einzigen Shintō einzuweihen. Der Hofadel sah jedoch wohl schon bald mit Skepsis auf die Yoshida, da sie historisch gewachsene Beziehungen zwischen Hof und Schreinen in der Provinz in Zweifel zogen bzw. in ihrer Bedeutung relativierten.

Den größten „Coup“ landeten die Yoshida, als sie 1599 damit beauftragt wurden, den eben verstorbenen Diktator Toyotomi Hideyoshi [Toyotomi Hideyoshi (jap.) 豊臣秀吉 1537–1598, Feldherr, militärischer Machthaber; bekannt als der zweite von drei Reichseinigern am Ende der „Zeit der kämpfenden Länder“ (Sengoku Jidai)] zu einem Gott zu erklären. Auch sein Nachfolger, Tokugawa Ieyasu [Tokugawa Ieyasu (jap.) 徳川家康 1543–1616; Begründer des Tokugawa Shogunats; Reichseiniger] interessierte sich für diese besondere Kapazität des Yoshida Shintō, wurde aber schließlich von seinem buddhistischen Ratgeber Tenkai [Tenkai (jap.) 天海 1536?–1634; Abt und Reformer des Tendai Buddhismus, religiöser Berater des Tokugawa Shōgunats; auch: Nankōbō Tenkai; Jigen Daishi] zum kami [kami (jap.) Gottheit; im engeren Sinne einheimische oder lokale japanische Gottheit, Schreingottheit (s. jinja), Gottheit des Shintō] erklärt (s. Bekannte Schreine/Nikko). 1665 erhielten die Yoshida jedoch vom Tokugawa Shōgunat eine Art Generalvollmacht in Sachen Schreinadministration.

Gegen diese Vormachtstellung regte sich von zwei Seiten Widerstand. Einerseits verwiesen andere höfische Priesterfamilien auf ältere Rechte als die Yoshida und wurden darin z.T. auch vom Shōgunat anerkannt. Andererseits wiesen konfuzianisch geschulte Historiker auf die Schwachstellen der Yoshida-spezifischen Geschichtskonstruktionen hin. Für die kokugaku [kokugaku (jap.) 国学 „Lehre des Landes“, Nationale Schule, Nativismus; in der Edo-Zeit entstandene Gelehrtentradition, die ihren Fokus auf das nationale Erbe Japans richtete] stellte der Yoshida Shintō schließlich den Inbegriff der Traditionsfälschung dar, obwohl beide Denkrichtungen in der Emanzipation vom Buddhismus ein gemeinsames Ziel hatten.

Das von der kokugaku gezeichnete Bild beherrschte zu Beginn der Moderne den Shintō-Diskurs und war wohl ein entscheidender Faktor dafür, dass die Yoshida Familie selbst sich vollkommen von ihren priesterlichen Traditionen löste und ihr kulturelles Kapital, bestehend aus dem Yoshida Schrein [Yoshida Jinja (jap.) 吉田神社 Yoshida Schrein, Kyōto; 859 als Zweigschrein des Kasuga Taisha gegründet; ursprünglich Ahnenschrein der Fujiwara; später Zentrum des Yoshida Shintō] und einer umfangreichen Bibliothek, veräußerte. Die westliche Shintō-Forschung übernahm das Bild der kokugaku weitgehend unreflektiert. In Japan erkannte jedoch bereits der Shintō Historiker Miyaji Naokazu [Miyaji Naokazu (jap.) 宮地直一 (1886–1949), japanischer Shintō Historiker] (1886–1949) die geschichtliche Bedeutung der Schule. Trotzdem beschränkt sich die Bekanntheit des Yoshida Shintō im heutigen Japan auf enge akademische Kreise.

Innovationen

Zu den nachhaltigsten Ideen, die Yoshida Kanetomo im Myōbō yōshū postulierte, zählt die Einteilung der verschiedenen Schreintraditionen in drei Gruppen: yuiitsu, ryōbu und suijaku. Die erste Gruppe bezeichnete allein die Yoshida; die zweite im Wesentlichen den Ise Shintō; und die Dritte den — buddhistisch geprägten — Rest. Trotz dieser etwas seltsamen Gewichtung entstand damit erstmals ein Begriff von Shintō als Schulrichtung. In der Edo-Zeit wurde das Schema mannigfach variiert, die Grundstruktur „wir, unsere intimsten Gegner, die ahnungslose Masse“ findet sich aber auch bei vielen Gegnern des Yoshida Shintō.

Auch die Umkehr der konventionellen Hierarchie von Urform und Spur stellt eine wichtige Neuerung dar. Sie ermöglichte es, sich eine transzendente Welt ohne Buddhas vorzustellen. Damit eröffnete der Yoshida Shintō ein konzeptionelles Feld, von dem aus eine fundamentale Kritik am Buddhismus überhaupt erst möglich wurde.

Auf rituellem Gebiet entwickelten die Yoshida u.a. eine Alternative zu buddhistischen Begräbnissen. Dadurch waren Shintō-Priester hinsichtlich der Betreuung ihrer Toten nicht mehr auf den Buddhismus angewiesen — für das japanische Mittelalter ein revolutionärer Schritt. Heutige shintōistische Begräbnisformen lassen sich zumeist direkt oder indirekt auf den Yoshida Shintō zurückführen, allgemein durchgesetzt hat sich diese Praxis jedoch nie.

Ende des Kapitels „Lehren und Schriften“


Verweise

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Fußnoten

  1. Scheid 2001, S. 301ff.
  2. Scheid 2001, S. 325. Ein anderes Zitat, das Shintō als Urkraft deutet, lautet: „Wäre im Himmel nicht shintō, gäbe es nicht die Drei Lichter (Sonne, Mond, Sterne) und nicht die Vier [Jahres]zeiten. Wäre in der Erde nicht shintō, gäbe es nicht die Fünf Phasen und nicht die Myriaden von Dingen. Wäre im Menschen nicht shintō, gäbe es kein Leben (ichimei) und nicht die Myriaden von Dingen (banpō).“ (Scheid 2001, S. 363.)
  3. Scheid 2001, S. 348.
  4. Kanetomo legt dieses Zitat dem antiken Prinzregenten Shōtoku Taishi in den Mund. Vgl. Scheid 2001, S. 243 und 350.
  5. Scheid 2001, S. 245 und 354.
  6. Scheid 2001, S. 248 und 361. „Göttlicher Herrscher“ übersetzt jap. shinkō oder jinnō 神皇, ein Bergriff der auch im Titel des Jinnō shōtō-ki verwendet wird.

Literatur

Bernhard Scheid 2001
Der Eine und Einzige Weg der Götter: Yoshida Kanetomo und die Erfindung des Shinto. Wien: Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften 2001.

Glossar

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Yuiitsu shintō myōbō yōshū (Shintō-Klassiker, Teil 2).“ In: Bernhard Scheid, Religion-in-Japan: Ein digitales Handbuch. Universität Wien, seit 2001