Exzerpt:Nakano 2002, Hachimans Orakel

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Themengruppe Exzerpte
Behandeltes Werk „Takusen suru kami“ 託宣する神, in:
Hayatoshi Nakano (Hg.) 2002
Hachiman shinkō jiten. Tokyo: Ebisu Kōshō 2002. (S.a. Sieben Stichworte zum Hachiman Glauben.)
, S. 56–59
Dieser Artikel wurde ursprünglich für das Schwesterprojekt Hachiman-no-pedia verfasst.


Einleitung

Der Gott Hachiman 八幡 wird zwar weder im Kojiki 古事記, noch im Nihon shoki 日本書紀 erwähnt, dennoch wude er als Schutzgottheit des Landes und des Kaiserhauses, sowie des Buddhismus verehrt. Dazu mussten verschiedene Bedingungen erfüllt werden und dabei spielte der Umstand, dass Hachiman in Zeiten von wichtigen Belangen des Landes sehr häufig Orakel verkündet hat, eine überaus große Rolle.

Was offizielle Geschichtswerke betrifft, so wurde die Geschichte des Hachiman-Orakels zum ersten Mal im Shoku nihongi 続日本紀, in einem Eintrag des Jahres Tenpyō-shōhō 1 天平勝宝 (19.11.749), mit dem Titel „Der große Gott Yawata verkündete ein Orakel, dass der Hauptstadt übermittelt werden sollte“, erwähnt.

Das Orakel begünstigte die Errichtung der großen Buddhastatue Daibutsu 大仏 und wurde nach und nach auch vom Kaiserhaus wertgeschätzt. Das Orakel wurde aber auch von dem zum Dharma-König (hōō 法王) aufgestiegenen Mönch Dōkyō 道鏡 (ca. 700-772) für eigennützige Zwecke verwendet. Er selbst versuchte den Kaiserthron zu besteigen, indem indem er eine Intrige anzettelte und gleichzeitig versuchte, die Gunst von Shōtoku Tennō 称徳天皇 (718-770) zu gewinnen.

Orakel in der Dōkyō-Affäre

Im Jahre Jingo-keiun 3 神護景雲 (769) fälschte der kanzukasa 主神 von Dazaifu 大宰府 (Präfektur Fukuoka, Kyūshū), Nakatomi-no-suge no Asomaro 中臣習宜阿曾麻呂, einen Orakelspruch zu Dōkyōs Gunsten, wonach im ganzen Land Frieden herrschen würde, wenn Dōkyō den Thron besteigen würde, und er berichtete auch dem Kaiserhof von diesem Orakelspruch, um sich beim mächtigen Dōkyō einzuschmeicheln.

Die Kaiserin wollte die Nonne Hōkin 法均尼 (buddh. Name von Wake no Hiromushi 和気広虫 730-799), (die sie als Medium für ihr persönliches Orakel verwendete?) nach Usa 宇佐 (Präfektur Ōita, Kyūshū) schicken, nachdem ihr dies von einem Boten Hachimans im Traum aufgetragen wurde, um die wahren Absichten hinter dem Orakelspruch von Hachiman herauszufinden. Weil die Nonne sich jedoch zu schwach fühlte, schickte sie als Ersatz ihren jüngeren Bruder Wake no Kiyomaro 和気清麻呂 (733-799) nach Usa.

Im 9. Monat des Jahres 769 kam Kiyomaro aus Usa zurück und berichtete von der Nachricht des Orakels, wonach es "in unserem Land seit alters her eine festgesetzte Trennung in Herrscher und Untertan gibt und es kein (historisches) Beispiel gibt, wonach ein Untertan zum Herrscher wurde". Zudem erteilte das Orakel den Befehl, dass „der Thron an angemessene Personen innerhalb der kaiserlichen Linie weitergegeben werden sollte“.

Der darüber verärgerte Dōkyō verbannte Kiyomaro und seine Schwester, aber nachdem Shōtoku Tennō verstarb, wurde Kiyomaro zurückgerufen und stattdessen wurde Dōkyō in die Provinz Shimotsuke 下野国 (heutige Provinz Tochigi, Honshū) verbannt und seine Verschwörung endete in einem Misserfolg.

Man ersieht daraus, dass sich Hachimans Orakel sogar auf die Nachfolge des Kaiserhauses auswirkten und daher allerhöchste Autorität besaßen.

Während sich Kiyomaro noch im Exil befand, plante Dōkyō einen Anschlag, um Kiyomaro engültig aus seinem Weg zu schaffen und beauftragte einen Attentäter, der aber durch ein Gewitter daran gehindert wurde.

Angefangen von den Schilderungen des Nihon kōki 日本後紀 und auch anderen, noch erhaltenen Überlieferungen zufolge, konnte Kiyomaro mithilfe Hachimans göttlichem Beistand seinem Unglück entfliehen.

Ursprünge des Orakelwesens

Weiters sagte Hachiman in einem Orakelspruch anlässlich der Rebellion der Hayato in Süd-Kyūshū während der Yōrō Ära 養老 (17.11.717 – 4.2.724), dass man „zum Schutz der Tennō-Dynastie“ (百王守護) die „grausamen Banditen“ (Hayato) unterwerfen sollte.

Nachdem die Rebellion niedergeschlagen wurde und viele Hayato 隼人 als Zeichen der Vergeltung ermordet wurden, erteilte Hachiman im Orakel den Befehl, ein hōjō-e 放生会 zur Wiedergutmachung durchzuführen (Hachiman-usa-miya-gotakusen-shū 八幡宇佐宮御託宣集).

Aus welchen Gründen wurde von Hachiman so oft ein Orakel verlangt?

Man glaubt, dass die Zeremonieleiter, sowie die Herkunft des Gottes Hachiman großen Einfluss auf die Orakel hatten. Menschen, die von Göttern besessen sind und dann in Orakeln sprechen nennt man Schamanen, Hachiman wurde in alten Zeiten von solchen Schamanen angerufen, wenn diese eine Möglichkeit erahnten, einem Gott Fragen stellen zu können. Es ist bekannt, dass es in der Zeit von Yūryaku Tennō 雄略 (Mitte des 5. Jahrhunderts) in der Provinz Toyo 豊国 (alte Provinz Japans in Nord-Kyūshū) bereits „seltsame Priesterinnen“ (ayashikikannagi 奇巫), mit anderen Worten, Schamanen existierten (aus Band 20 des Shinsen shōji-roku 新撰姓氏録).

Weiters wird im Shoku nihon kōki 続日本後紀, im Eintrag Jōwa 承和 12(845)/7/14, vermerkt, dass im 2. Jahr des Tennō Yōmei 用明天皇 (587, regierte 585-587) „buddhistische Mönche aus der Provinz Toyo 豊国教師“ in Begleitung von „ayashi kanagi aus der Provinz Tsukushi 筑紫之奇巫“ (Tsukushi 筑紫 ist eine Bezeichnung für eine alte Provinz in Kyushu bzw. für Kyushu selbst), beim Kaiserhof vorsprachen.

Es wird angenommen, dass der Klan der Karashima 辛嶋氏, die einer komplexen Religion angehörten, die sie über die koreanische Halbinsel mitgebracht hatten und aus daoistischem Volksglauben und Buddhismus vermischt worden war, zuerst in Tōyo einwanderten und sich dort angesiedelt haben. Es bestehen die Überlegungen, dass sie auf das, was man das Wesen der „Orakel“ nennt, Einfluss ausgeübt haben.

Darüber hinaus soll der Ōga-Klan 大神氏, dem Ōga no Hike (大神比義) angehörte, ein Geschlecht gewesen sein, das auf das wie bereits erwähnt, die Ursprünge der Schamanen des Miwa-Glaubens der Region Yamato 大和 zurückgehen und die aus Usa stammende Shintopriesterin Ōga no Morime 大神杜女, die bei der Ankunft des Gottes Hachimans in der Hauptstadt gleich dem Tenno in einer purpurnen Sänfte getragen und im Tōdaiji 東大寺 angebetet worden sein soll, soll eine miko von starkem schamanistischem Charakter gewesen sein.

Ab der Nara-Zeit 奈良時代 (710-794) bis zu ersten Hälfte der Heian-Zeit 平安時代 (794-1185) sprachen in Usa Priesterinnen, die wie die Morime „Jōnegi“ 女禰宣 gerufen wurden, Hachimans Orakel.

Vom Standpunkt aus betracht, dass der göttlichen Willen mitgeteilt wurde, gibt es einen unübersehbaren Zusammenhang zu dem zuvor erwähnten Gott der Orakel, Hokushin 北辰神.

Sanja takusen

Es wurden auf dem, in der Neuzeit unter dem Volk weit verbreiteten, Rollbild Sanja takusen 三社託宣, auf welchen die Abbildungen von drei Götter gemalt wurden, neben Amaterasu Ōmikami 天照大神 und Kasuga no kami 春日神 die Orakel des Hachiman aufgeschrieben. Es handelt sich hierbei um eine Hachiman-Triade, wie z.B. jene von Yakushiji oder Tōji.

Das Sanja takusen gliedert die Tugenden in Aufrichtigkeit, Reinheit und Barmherzigkeit. In den Hachimanorakeln wird die Reinheit des Herzens so erklärt, dass "雖為食鉄丸、不受心汚人之物、雖為座銅焰、不到心穢人之処" (kanbun).

Das vorhergehende Zitat soll sich auf den Eintrag im Gujienjishō 宮寺縁事抄 Jingo-keiun 3 神護景雲 (669)/7/11 beziehen , wo es heißt, dass „Ich, der Große Gott, kann glühende Eisenbälle wie Reis essen, doch nehme ich nichts von Menschen mit schmutzigen Herzen, kann auf dem Feuer der Kupferschmiede sitzen, doch nehme ich nichts von einem Menschen mit einem unreinem Herzen.“