Gion Matsuri

Aus Kamigraphie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Kyoto Gion sairei Utagawa Hiroshige II.jpg
Seiten-Infobox
Themengruppe Riten (Feste, Zeremonien)
Name Gion Matsuri 祇園祭
Sonstige Namen Gion goryō-e 祇園御霊会, Gion-e 祇園会
Typus Reinigungszeremonie, Fest (buddhistisch)
Funktion Schutz vor Krankheit, Ritual zur Besänftigung der goryō 御霊
Ort Kyoto
Zeit 1. bis 29. Juli
Entstehungszeit 869
Bemerkung gehört zusammen mit dem Kanda matsuri 神田祭 in Tōkyō und dem Tenjin matsuri 天神祭 in Ōsaka zu den drei großen matsuri Japans
Diese Seite entstand im Kontext des Seminars Kamigraphie:Wintersemester 2011.


Das Gion matsuri 祇園祭 (auch Gion goryō-e 祇園御霊会 oder Gion-e 祇園会) wird jeden Juli in Kyōto gefeiert. Es zählt gemeinsam mit dem Kanda matsuri 神田祭 in Tōkyō und dem Tenjin matsuri 天神祭 in Ōsaka zu den drei großen matsuri Japans.

Geschichte

Das Gion matsuri hat seinen Ursprung in der Heian-Zeit (784 bzw. 794 bis 1185). Im Jahr 869 grassierte eine Epidemie in Japan, von der man glaubte, dass sie von Gozu Tennō 牛頭天王 als Strafe geschickt worden war. Auf Befehl des Kaisers Seiwa 清和天皇 (850–880, Regierungszeit: 858–876) am 7. Tag des 6. Monat des Jahres 869 66 hoko 鋒 (Hellebarden), die die Provinzen des Landes symbolisierten, aufgestellt und verbrannt. Danach wurde symbolisch Susanoo no Mikoto 須佐之男命 in einem mikoshi 神輿 (tragbarer Schrein) in den Garten des Schreinsees des damaligen Gion-Schreins 祇園社, dessen Name sich von Gion Shōja 祇園精舎[1] herleitet und dadurch mit Gozu Tennō in Verbindung gebracht wurde,[2] getragen und es wurde ein goryō-e 御霊会, ein Ritual zur Besänftigung der goryō, durchgeführt. Seit dem Jahr 970 wurde das Gion goryō-e am 14. Tag des 6. Monats zu Ehren Gozu Tennōs abgehalten, um neuerliche Epidemien abzuwenden.

Durch den Ōnin-Krieg 応仁の乱 (1467–1477) wurde die Fortführung des Gion matsuri vorläufig unterbrochen, um später wieder zu neuer Blüte zu gelangen. Seit dem 17. Jahrhundert wurden auch importierte Teppiche aus Persien und Europa zur Dekoration verwendet. Seit der Meiji-Zeit wird das Gion matsuri im Juli veranstaltet, mit der yamabokojunkō 山鉾巡行 als dem Höhepunkt am 17. und am 24. Juli. Zwischen 1966 und 2014 wurde die Parade aufgrund von Verkehrsproblemen nur mehr am 17. Juli abgehalten.[3] Seit 2014 findet am 24. Juli wieder das ato-matsuri statt. In diesem Jahr kehrte auch nach 150 Jahren die Ōfune Hoko wieder in die Parade zurück [4]. Das Gebiet des Gion-Schreins, der seit der Meiji-Zeit 明治時代 (1868–1912) den Namen Yasaka-Schrein 八坂神社 trägt, aber nach wie vor als Veranstalter des Gion matsuri gilt, liegt am östlichen Ende der Shijō dōri 四条通, die durch den Bezirk Shimogyō 下京区 in Kyōto verläuft. Auch die yamabokochō 山鉾町 befinden sich in der Gegend um die Shijō dōri. Dass sich das Gion matsuri gerade in diesem Viertel Kyōtos entwickelt hat, ist wohl kein Zufall. Die japanische Historikerin Wakita Haruko 脇田晴子 führt als Grund die Tatsache an, dass Shimogyō schon zu dieser Zeit das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum der damaligen Hauptstadt Japans war.[5]

McMullin argumentiert, dass sich das Gion matsuri auch aus einem weiteren Grund im Gion-Schrein, der am Fuß eines Hügels steht, entwickelt haben könnte. Laut ihm waren Hügel von alters her Orte, von denen man glaubte, dass sich an ihnen Gottheiten niederließen. Die Gottheit des Gion-Schreins, die ursprünglich Mutō Tenjin 武塔天神 hieß und später mit Susanoo no Mikoto und Gozu Tennō assoziiert wurde, bevorzugte Hügel in Trapezform, so wie jenen, an dessen Fuß sich der Gion- bzw. Yasaka-Schrein befindet.[6] Beide Erklärungsversuche sind nicht von der Hand zu weisen, zumal religiöse Anlagen in Japan häufig am Fuß von Hügeln oder Bergen zu finden sind, wirtschaftliche Faktoren aber nicht außer Acht gelassen werden sollten.

Auch der Zeitpunkt seines Entstehens in einer Zeit, in der die hygienischen Zustände in den urbanen Gebieten Japans ein Ausbreiten von Seuchen begünstigten, lässt nicht weiter verwundern. McMullin argumentiert, dass Desaster wie Seuchen als ein „Barometer für politische Ungerechtigkeit“ gesehen werden können und Veranstaltungen wie öffentliche goryō-e ein Ventil für die unzufriedene Bevölkerung darstellten.[7]

Wichtige Veranstaltungen des Gion matsuri

yamaboko junkō [Abb. 1]
Anichtskarte (Meiji-Zeit) [Abb. 2]

Der Höhepunkt des Gion matsuri ist die Parade der Festwägen (yamaboko junkō), die am 17. Juli zwischen 9 und 14 Uhr stattfindet, das matsuri dauert aber vom 1. bis zum 29. Juli.

  • Am Morgen des 1. Juli findet das kippu iri 吉符入り statt. Dies kann als Eröffnungszeremonie bezeichnet werden, die den Beginn der religiösen Rituale kennzeichnet.
  • Am 2. Juli um 10 Uhr vormittags wird die Reihenfolge der yamaboko-Festwägen für die Parade bestimmt. Bis auf die Naginata Hoko 長刀鋒, die die Parade traditionell anführt, wird die Reihenfolge per Losentscheid bestimmt. Die zu diesem Zweck durchgeführte Lotterie heißt kujitorishiki 鬮取り式. Ihr sitzt der Bürgermeister von Kyōto vor. Dieser Brauch begann im Jahr 1500 als die Tradition der yamaboko nach dem Ende des Ōnin-Kriegs wieder belebt wurde. In der Edo-Zeit (1600–1868) fand die kujitorishiki im Rokkakudō 六角道, einem Tempel in Kyōto, unter der Aufsicht des vom Shogunat eingesetzten Militärgouverneurs statt. In der Meiji-Zeit (1868–1912) ging diese Aufgabe an die Stadtverwaltung Kyōtos über. Heutzutage nehmen an dieser Zeremonie neben dem Bürgermeister und dem Oberpriester des Yasaka-Schreins 八坂神社 u.a. der Vorsitzende des Unterstützungskommitees des Gion matsuri, der Vorsitzende des Yamaboko-Verbands sowie jeweils ein Vertreter der Yamaboko-Handwerkerviertel (yamaboko-chō) teil.
  • Der Zusammenbau der yamaboko findet zwischen dem 10. und 14. Juli in den yamaboko-chō statt. Dieser Teil des matsuri wird yamabokotate 山鉾建て genannt. Nach dem die hoko fertig zusammengebaut sind, unternehmen die jeweiligen Verantwortlichen eine Testfahrt mit dem Festwagen. Bei dieser hikizome 曳き初め („erstes Ziehen“) sind nur Personen anwesend, die in irgendeiner Form in das Gion matsuri involviert sind.
  • Der 16. Juli wird yoi yama 宵山 genannt. An diesem Tag und auch an den beiden Tagen davor, kommen viele Menschen in das Viertel von Kyōto, wo die yamaboko aufgebaut werden, um die Schätze der einzelnen yamaboko zu bewundern. Darunter einige Teppiche aus Europa aus dem 16. Jahrhundert.
  • Am 17. Juli findet schließlich die yamabokojunkō 山鉾巡行 statt, die große Parade. Sie dauert von 9 Uhr morgens bis ca. 14 Uhr und führt durch die Shijō Dōri, die Kawaramachi Dōri und die Oike Dōri.
  • Am späten Nachmittag des 17. Juli findet das shinkōsai 神幸祭, eine Zeremonie, bei der die Gottheiten des Yasaka-Schreins, nämlich Gozu Tennō, seine Frau Kushiinada Hime 奇稲田姫 und ihre acht Kinder, in drei mikoshi vom Schrein in ein otabishō 御旅所, einen temporären Aufbewahrungsort, an der Ecke Shijō dōri 四条道 und Teramachi dōri 寺町道 gebracht werden.
  • Am 24. Juli werden diese drei mikoshi wieder in den Schrein zurückgebracht und die Gottheiten nehmen in einer Zeremonie, die kankōsai 還幸祭 heißt, wieder ihren Platz im Yasaka-Schrein ein.
  • Am 24. Juli findet auch die hanagasajunkō 花傘巡航 statt. Diese Prozession wurde nach der Zusammenlegung von saki und ato no matsuri junkō eingeführt und ähnelt der originalen Form den Gion goryō-e.
  • Ebenfalls am 24. Juli wird seit 2014 wieder das ato-matsuri abgehalten.

Verweise

Verwandte Themen

Literatur

  • Hirayama Toshijirō 平山敏治郎 1972
    „Gion matsuri.“ Encyclopaedia Japonica. (Bd. 5.) Tokyo: Shogakukan 1972, S. 324 - 325. (Erste Auflage 1968.)
  • Neil McMullin 1988
    „On placating the gods and pacifying the populace: The case of the Gion "Goryō" cult.“ History of Religions 27/3 (1988), S. 270 - 293. (Exzerpt.)
  • Michael K. Roemer 2007
    „Ritual participation and social support in a major Japanese festival.“ Journal for the Scientific Study of Religion 46/2 (2007), S. 185 - 200. (Exzerpt.)
  • Wakita Haruko 脇田晴子 1997
    „Fêtes et communautés urbaines dans le Japon medieval: La fête de Gion à Kyoto.“ Annales Histoires, Science Sociales 52/5 (1997), S. 1039-1056.

Internetquellen

  • Gion Matsuri  祇園祭 (Offizielle HP, KYOTO GIONMATSURI VOLUNTEER 京都・祇園祭ボランティア).
Letzte Überprüfung der Linkadressen: 2021/08/15

Fußnoten

  1. Gion Shōja ist der japanische Name von Jetavana, ein Hain in Indien, in dem sich das Kloster befand, dessen Beschützer Gosirsa Devaraja bzw. Gozu Tennō war.
  2. McMullin 1988, S. 277
  3. Roemer 2007, S. 196
  4. Porcu 2021, S. 38
  5. Wakita 1997, S. 1044
  6. McMullin 1988, S. 276
  7. McMullin 1988, S. 272–273

Bilder

Quellen und Erläuterungen zu den Bildern auf dieser Seite:

  1. Gion Matsuri Maekawa Senpan.jpg
    Gion Matsuri Blockdruck (Papier) von Maekawa Senpan (1888 - 1960); 20 x 26 cm
    Bild © The Trustees of the British Museum. (Letzter Zugriff: 2011/10/21)
  2. Gion Matsuri Postkarte.jpg
    Gion Matsuri Postkarte (Farbe, Lithographie); 13,8 x 8,8 cm
    Bild © Museum of Fine Arts, Boston. (Letzter Zugriff: 2012/10/26)
    Jaeger Collection Leonard A. Lauder Collection, Museum of Fine Arts, Boston, Fractional gift of Lauder