Exzerpt:Nakano 2002, Hachimans kriegerische Wunderkräfte

Aus Kamigraphie
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Themengruppe Exzerpte
Behandeltes Werk Bu no reigen 武の霊験, in:
Hayatoshi Nakano (Hg.) 2002
Hachiman shinkō jiten. Tokyo: Ebisu Kōshō 2002. (S.a. Sieben Stichworte zum Hachiman Glauben.)
, S. 51–56
Dieser Artikel wurde ursprünglich für das Schwesterprojekt Hachiman-no-pedia verfasst.


Staatsschutz

Man kann es als eine Selbstverständlichkeit bezeichnen, dass man militärischen Segen vom Hachiman-Schrein, in dem Jingū Kōgō 神功皇后 und ihr Sohn Ōjin Tennō 応神天皇 verehrt wurden, erwartete, als ein großes Heer zur Unterwerfung des Königreiches Silla 新羅 entsendet wurde. Auch im Jahr Yōrō 養老 4 (720) opferte die Truppe, die unter Ōtomo no Sukunetabito 大伴宿祢旅人 als General aufbrach, um einen Aufstand der Hayato 隼人 aus der Region Ōsumi 大隈 niederzuwerfen, der Gottheit Hachiman 八幡; ebenso wie Ōno Azumahito 大野東人 im Jahr Tenpyō 天平 12 (740) beim Aufstand des Fujiwara Hirotsugu 藤原廣嗣 in Chikushi 筑紫 (Kyūshū). Im Jahr Shōhei 承平 5 (935), als mit der Ermordung von Taira no Kunika 平国香 der Aufstand des Taira no Masakado 平将門 begann, wurde in einem anderen Schrein an 5 Orten in Kyūshū Hachiman angerufen. Im Fujizaki Hachiman-gū bunsho 藤崎八幡宮文書 ist ein Text überliefert, in dem unter dem Wortlaut „Chōteki Kyōto“ 朝敵凶徒, einer Art Kampfansage gegen die Feinde des Hofes, um die Vertreibung derselbigen gebeten wurde.

Das Beachtenswerteste Beispiel in diesem Kontext ist aber die zweimalige Niederwerfung der Mongoleninvasionen in der Ära Kōan 弘安 und Bun'ei 文永, die als Wunder betrachtet wurde. Das Kamakura-bakufu 鎌倉幕府 lehnte damals die Forderungen der Mongolen, die seit dem Jahr Bun'ei 5 (1268) die Zwangsrekrutierung von Soldaten und den Bau von Kriegsschiffen vorantrieben und immer wieder Gesandte zum damaligen Hof schickten, vollständig ab. Das bakufu forcierte in der Zwischenzeit die Errichtung einer Verteidigungsmauer in Kyūshū. Während dieser Spannungen pilgerte im Jahr Bun'ei 8 (1271) der ehemalige tennō Gofukakusa 後深草上皇 zum Hachimanschrein in Iwashimizu und bat um Schutz gegen den fremden Aggressor. Als die erste Invasion abgewehrt wurde, opferte der Hof im Jahr Bun'ei 11 (1274) an 16 Schreine, um für die erfolgreiche Abwehr der Mongolen zu danken, und der ehemalige Tennō Kameyama 亀山上皇 besuchte sogar persönlich den Iwashimizu-Schrein.

Dies zeigt übrigens nicht, dass dem Usa-Schrein Geringschätzung zuteil wurde, sondern, dass die bisher gängige Idee von regionalen Glaubenszentren durch den bereits allgemein verbreiteten Gedanken des Hachiman Daibosatsu überwunden war. Auch nach der Schlacht von Bun'ei frequentierten Gesandte aus der Mongolei mit ihren Forderungen den kaiserlichen Hof, welche aber von eben diesem hartnäckig abgelehnt wurden. Kameyama unternahm in den Jahren Kenji 建治 1 und 3 (1275 u. 1278) eine Pilgerreise mit siebentägigem Aufenthalt am Schrein von Iwashimizu, um Unterstützung gegen die Bedrohung aus dem Feindland zu erbeten. In Folge dessen, kam es, nachdem im Jahr Kōan 4 (1281) die zweite Invasion abgewehrt wurde, dazu, dass der Kult um den Hachiman-Schrein große Bedeutung erlangte, sowie, dass eine Reihe von mythologischen Werken über den Ursprung dieser Wunder, vor allem das Hachiman gudōkun 八幡愚童訓, publiziert wurden.

Ahnherr der Krieger-Sippen

Es gibt gute Gründe dafür, dass die bisherigen Beispiele beide für den Schutz des Staates stehen und im Kontext des Aufstands von Taira no Masakado ist im Shōmonki 将門記 (Geschichtensammlung über Masakado) eine Erzählung niedergeschrieben worden.

Als Masakado in das Provinzamt von Shimotsuke 下野 kam, lobpreiste nämlich eine Prostituierte namens Shōgi 一昌伎 ihn als "Großen Bodhisattva Hachiman" 八幡大菩薩 und weil der Große Bodhisattva dem Masakado, der ein Heer von 80.000 Mann hatte, den Rang eines Kaisers verlieh, verehrte er ihn mit einem Tanz von 32 Ministern und es wurde berichtet, dass er ihn willkommen hieß. Masakado freute sich sehr darüber und machte eine zweimalige Verbeugung, aber obwohl er den Ausdruck des „kaiserlichen Ranges“ hatte, war dies, wie man es auch betrachtet, nicht das erhoffte Wunder zur Sicherung des Staates. Vielmehr ist hier wichtig, dass der Gott Hachiman bei der Führung der 80.000 Männer half und sich mit diesem Wunder als Kriegsgott offenbarte. Und diesem militärischen Wunder wurde große Bedeutung beigemessen und mit Minamoto no Yoritomo 源頼朝 (1147-1199) begann die leidenschaftliche Verehrung der Seiwa Genji 清和源氏.

Im Sonpi Bunmyaku 尊卑分脈, der Genealogie der Nanboku-chō Zeit 南北朝時代 ("Zeit der Nord- und Südhöfe" 1336-1392), steht, dass Minamoto no Yoshiie 源義家 (1041-1108) seine Zeremonie des Erwachsenwerdens (genpuku 元服) im Iwashimizu Hachiman Schrein 石清水八幡宮 abhielt und deshalb den Namen Hachiman-tarō 八幡太郎 erhielt.

Es gab auch Theorien, dass die Genji sich von Anfang an mit dem Gott Hachiman befassten, was aber nicht bedeutet, dass alle Kinder von Minamoto no Yoriyoshi 源頼義 (984-1075) ihre Zeremonie des Erwachsenwerdens in Hachiman Schreinen abgehalten haben. Weil Yoriyoshis Vater, Yorinobu 源頼信 (968-1048), überdies im Konda Hachiman Schrein 誉田八幡宮, gelegen in der Stadt Habikino, in der Präfektur Osaka, eine schriftliche Erklärung an die Götter darbrachte, um als Krieger um deren Schutz zu beten, wird angenommen, dass die Genji bereits früher eine Verbindung zu dem Hachiman Schrein hatten.

Ursprünglich stammen die Genji von der kaiserlichen Familie ab, und umso mehr die Seiwa Genji, die im Iwashimizu Schrein um das Kommen eines Gottes gebetet haben, und der Clan vom Seiwa Tennō abstammt, kann man vielmehr sagen, dass es selbstverständlich war, dass sie Hachiman als ihren Schutzgott verehrten. Diese Verehrung wurde größer und zeigte sich in einem guten Omen. Der Feldzug von Vater (Yoriyoshi) und Sohn (Yoshiie) dauerte von Eishō 6 永承 (1051) bis Kōhei 5 康平 (1062) und sie besiegten die in Michinooku 陸奥 einflußreichen Familien von Abe Yoritoki 安倍頼時 (? -1057), Sadatō 貞仼 (1019-1062) und Munetō 宗仼 im sogenannten "neunjährigen Krieg". Der Kriegchronik Mutsuwaki 睦奥話記 nach zufolge hat Yoriyoshi, als es zur Entscheidungsschlacht bei der Festung Kuriyagawa 厨川 (heutige Umgebung von Shimokuriyagawa 下厨川, Morioka 盛岡市) kam, an 3 Orten zu Hachiman gebetet und plötzlich begann ein Wind zu wehen, wodurch die Festung Feuer fing und so wurde das Hauptquartier des Feindes vollständig verbrannt. Danach hat Yoriyoshi in Kamakura 鎌倉 in der Provinz Sagami 相模, der Heimat des Yui Clans 由比, um das Kommen des Hachiman im Iwashimizu Schrein gebetet. In diesem Shinto Schrein wurde im Jahr Jishō 4 治承 (1180) von Minamoto no Yoritomo, der Sitz von Kobayashi 小林郷 nach Tsurugaoka 鶴岡 verlegt und entwickelte sich zum Tsurugaoka Hachiman Schrein 鶴岡八幡宮, der vom Kamakura-Shogunat 鎌倉幕府 mit besonderer Verehrung gefeiert wurde.

Im Heiji Monogatari steht, dass nach den Heiji Unruhen, weil sein Leben durch die Unterstützung des Sippengottes Hachiman verschont wurde, Minamoto no Yoritomo 源 頼朝 den Hachiman Schrein von Yuigō 由比郷 (Yuigahama) nach Tsurugaoka 鶴岡 verlegen liess, wo er umgehend einen Verwalter für den Einflussbereich des Schreins einsetzte. Im Jahr Kenkyū 建久 2 (1191) brannte die Haupthalle völlig ab. Anschließend wurde sie nicht nur neu aufgebaut, sondern auch auf der Rückseite des Hügels geöffnet, wo, ausgehend von Iwashimizu, ein bunrei 分霊 verehrt wird, es wurden beide Schreine in die heutige Form gebracht und verehrt.

Weiters steht im Heiji Monogatari, dass im Genpei Krieg 源平 der Usa 宇佐 Hohepriester Usa Kimimichi 宇佐公通 die Partei der Heishi ergriff. Weiters war Ko Kimifusa 子公房 ein Günstling der Taira, aber die Bestrafung durch Minamoto no Yoritomo war äußerst mild, weshalb Kimifusa im Jahr Bunji 文治 1 (1185) zum Hohepriester wurde. Dadurch fühlten sich alle anwesenden Priester erleichtert. Diese Verehrung sorgte bald dafür, dass Hachiman bei den Genji auch von niederen Samurai verehrt wurde, ferner wurde der Sippengott der Genji Kriegsgott genannt und sie liessen sein Aussehen verändern. Nasuno Yoichi 那須与一 hat, kurz bevor er mit dem Fächer auf die Zielscheibe schoss, Hachiman Daibosatsu angebetet. Laut einer Aufzeichnung im Heiji Monogatari kann man sagen, dass Hachiman als Gott des Bogenschiessens und Krieges wahrgenommen wurde.

Desweiteren gibt es einen von Ashikaga Yoshiie 足利義家 hinterlassenen Brief im Nantaiheiki 難太平記 und eine Aufzeichnung von Ashikaga Takaujis 足利尊氏 Großvater Ietoki 家時 namens 八幡大菩薩に祈申給いて, laut denen die Ashikaga die gleiche Abstammung wie die Seiwa Genji hatten. Dadurch wurde Hachiman auch ihr Sippengott. Die leibliche Mutter von Ashikaga Yoshimitsu 足利義満, der das Fundament des Muromachi bakufu 室町幕府 legte, war die Tochter eines Verwalters von Iwashimizu und zeigte besonders tiefe Verehrung an den Iwashimizu Hachiman. Im Jahr Ōan 応安 2 (1369) besuchte sie persönlich, an der Seite des Shōgun, den Tempel. Die Ashikaga Familie verehrte Hachiman besonders, mit Ausnahme des Iwashimizu Hachiman, welcher seit Yoritomo traditionell der Rokujōsameushi Hachiman 六条左女牛八幡 ist, das Adelsgeschlecht der Ashikaga stiftete unter anderem den Hachiman-Schrein beim Sanjōbōmon 三条坊門.

Ashikaga Yoshimasa 足利義政, der achte shogun des Muromachi-Shogunates, hinterließ in eigener Handschrift einen Papierstreifen, demzufolge er verläßlich schwor, die Leute von Toafukasarame und Otokoyama vor Fremden zu beschützen. Dieser Schwur weißt auf eine Weissagung vom 7. Jahr der Tenpyō-shōhō 天平勝宝 (2.7.749 - 18.8.757) Zeit hin, in der der Ausdruck „Das Land der Menschen ist unser Land, und die Menschen sind wir“ offenbart wurde. Diese Bemerkung wurde so gedeutet, daß sowohl Japan gegenüber dem Ausland, als auch die eigenen Gläubigen gegenüber den Fremden, geschützt werden sollten. Aber die Lage Yoshimasas war ein Grund um besonderen Schutz zu bitten, und dieses „wir“ als die Minamoto 源 zu interpretieren, die Hachiman 八幡 zu ihrem Sippengott machten.

Jedoch, so scheint es, ist diese Interpretation der Ursprünglichkeit des Yoshimasa nicht gerecht wird. Schon früher hinterließ Kazan'in Nagachika 花山院長親 (auch Kōun 耕雲), ein lange Zeit am südlichen Hof dienender Dichter, ein Gedicht, dessen Aussage war, dass obwohl man sich selbst nicht zu diesem gemeinschaftlichen „wir“ hinzurechnet, solle man von reiner Frömmigkeit ergriffen sein:

わが人とおもはずとてもいはし水すめる心をあはれとはみよ

Dazu kommt, daß sogar ein Mitglied des Kaiserhauses, der kaiserliche Prinz Sadafusa 貞房親王, in der Gedichtesammlung Sagiyokuwakashū 沙玉和歌集, ein ähnliches Gedicht hinterließ:

わが人の数ならずとも男山さかゆく末をまもらざらめや

Beim hier vorliegenden „Wunder von Hachiman als Kriegsgott zum Schutz des Staates“ wurde allmählich das militärische Hauptelement in den Vordergrund gerückt, das „Wunder zum Schutz des Staates und der kaiserlichen Familie“ verschwand im Hintergrund. Dies könnte in gewissem Sinne ein Beispiel für die mittelalterliche Form sein, in der durch die Autoritätseinbuße des Hofes ein Ende solcher Festlichkeiten wie etwa hōjō-e 放生会 oder Iwashimizu rinjisai 石清水臨時祭, die an den Hof gebunden sind, unvermeidlich wurde.

So wurde Hachiman bis in die Neuzeit weiterhin als Kriegsgott verehrt. Toyotomi Hideyoshi 豊臣秀吉 z.B., der in Zeiten des politischen Chaos Japan mit militärischer Kraft vereinigt hatte, wünschte posthum als Gottheit verehrt zu werden; es ist überliefert, dass er seinem Testament zufolge vom Hof Shin Hachiman 新八幡 (dt. "neuer Hachiman") gennant werden wollte. Letzten Endes aber, erhielt er vom Hof den Namen Hōkoku Daimyōjin 豊国大明神. Welche Absichten Hideyoshi hegte, als er für sich als Gottheit den Namen Shin Hachiman wünschte, ist unklar; es besteht aber die Möglichkeit, dass die Tatsache, dass er als militärisches Oberhaupt regierte und ausserdem einen militärischen Feldzug zur koreanischen Halbinsel unternahm (der Krieg von Bunroku 文禄 und Keichō 慶長), um, wie im Hachiman gudōkun 八幡愚童訓 beschrieben, die drei koreanischen Reiche zu unterwerfen, ihn zu dem Wunsch veranlasste, der Kriegsgott Hachiman zu werden.

Als Seiwa-Genji verehrten auch die Tokugawa-Shogune, die Gründer des Edo-bakufu, Hachiman. Auch abgesehen von der Tokugawa-Familie pflegten daimyō 大名, die den namen Seiwa-Genji trugen, wie etwa die Familie Satake aus Akita 秋田の佐竹氏, die Hachiman Schreine in ihren Gebieten sorgfältig. Auch wenn sie keine Seiwa-Genji waren, pflegten Krieger in der Edo-Zeit offenbar mit Hingabe die Schreine des Hachiman, um ihre Loyalität gegenüber den Tokugawa zu zeigen.

Verweise

Literatur