Mythen/Geister/Ubume: Unterschied zwischen den Versionen

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Die spezifische Gestalt der ''ubume'' ist — wie viele andere Wesen des {{g|youkai}}-Pantheons — in der Edo-Zeit in den für diese Zeit typischen Bildenzyklopädien graphisch fixiert worden.<ref>Eine der frühesten enzyklopädischen Gespensterverzeichnisse, die Bildrolle ''Hyakkai zukan'' aus dem Jahr 1737, beruft sich auf eine Vorlage aus der Muromachi-Zeit von Kanō Motonobu (1476–1559), diese ist jedoch nicht mehr erhalten.</ref> In der vielleicht einflussreichsten Gespenster-Enzyklopädie {{g|gazuhyakkiyagyou}} (1776) des Gelehrten und Malers {{g|toriyamasekien}} sieht man eine verzweifelt umherirrende Frau mit aufgelöstem Haar und spärlicher Bekleidung, die ein Baby schützend zur Brust hält. Da keine Füße zu sehen sind und die Gestalt knapp über dem Boden zu schweben scheint, ist klar: es handelt sich um einen Geist.  
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Die spezifische Gestalt der ''ubume'' ist — wie viele andere Wesen des {{g|youkai}}-Pantheons — in Bildenzyklopädien der Edo-Zeit graphisch fixiert worden.<ref>Eine der frühesten enzyklopädischen Gespensterverzeichnisse, die Bildrolle ''Hyakkai zukan'' aus dem Jahr 1737, beruft sich auf eine Vorlage aus der Muromachi-Zeit von Kanō Motonobu (1476–1559), diese ist jedoch nicht mehr erhalten.</ref> In der vielleicht einflussreichsten Gespenster-Enzyklopädie {{g|gazuhyakkiyagyou}} (1776) des Gelehrten und Malers {{g|toriyamasekien}} sieht man eine verzweifelt umherirrende Frau mit aufgelöstem Haar und spärlicher Bekleidung, die ein Baby schützend zur Brust hält. Da keine Füße zu sehen sind und die Gestalt knapp über dem Boden zu schweben scheint, ist klar: es handelt sich um einen Geist.  
  
 
Die Legenden dieses spezifischen Mutter-Kind-Geistes reichen allerdings weiter zurück als die bildlichen Darstellungen. Schon das {{g|konjakumonogatari}} aus der späten Heian-Zeit erzählt, dass der Held {{g|urabenosuetake}} (einer der Gefolgsleute des {{g|minamotonoyorimitsu}}) eine nächtliche Begegnung mit einer ''ubume'' hatte, welche ihn bat, ihr Kind über einen Fluss zu tragen. Er tat dies, doch als sie es wieder zurück verlangte, behielt er das Kind. Kurz danach fand er nur welke Blätter in dem Bündel, das ihm die ''ubume'' gegeben hatte.<ref>''Konjaku monogatari shū'' 27/43.</ref>  
 
Die Legenden dieses spezifischen Mutter-Kind-Geistes reichen allerdings weiter zurück als die bildlichen Darstellungen. Schon das {{g|konjakumonogatari}} aus der späten Heian-Zeit erzählt, dass der Held {{g|urabenosuetake}} (einer der Gefolgsleute des {{g|minamotonoyorimitsu}}) eine nächtliche Begegnung mit einer ''ubume'' hatte, welche ihn bat, ihr Kind über einen Fluss zu tragen. Er tat dies, doch als sie es wieder zurück verlangte, behielt er das Kind. Kurz danach fand er nur welke Blätter in dem Bündel, das ihm die ''ubume'' gegeben hatte.<ref>''Konjaku monogatari shū'' 27/43.</ref>  
  
Ähnliches erzählte man sich offenbar auch im Kyūshū der frühen Edo-Zeit. Laut der Enzyklopädie {{g|wakansansaizue}} (1712) hieß es dort, dass sich die ''ubume'' nachts auf Landstraßen umhertrieb und allfällige Reisende bat, ihr das Kind abzunehmen. Wenn man das verweigerte und floh, würde man mit Flüchen und Krankheiten bestraft werden, wenn man aber mutig das Kind übernahm, würde sich dieses kurz darauf in Luft auflösen. Das ''Wakan sanzai zue'' fügt allerdings dazu, dass derartige Legenden in der Hauptstadt-Region nicht bekannt seien.<ref>Nach Yasui 2020, S. 102.</ref> Die Aussagen zur Natur der ''ubume''  sind also widersprüchlich und haben sich wohl erst durch die Edo-zeitlichen Enzyklopädien zu einer landesweit bekannten Figur verdichtet.
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Ähnliches erzählte man sich offenbar auch im Kyūshū der frühen Edo-Zeit. Laut der Enzyklopädie {{g|wakansansaizue}} (1712) hieß es dort, dass sich die ''ubume'' nachts auf Landstraßen umhertrieb und allfällige Reisende bat, ihr das Kind abzunehmen. Wenn man das verweigerte und floh, würde man mit Flüchen und Krankheiten bestraft werden, wenn man aber mutig das Kind übernahm, würde sich dieses kurz darauf in Luft auflösen. Das ''Wakan sansai zue'' fügt allerdings dazu, dass derartige Legenden in der Hauptstadt-Region nicht bekannt seien.<ref>Nach {{zitiert|Yasui 2020}}, S. 102.</ref> Die Aussagen zur Natur der ''ubume''  sind also widersprüchlich und haben sich wohl erst durch die Edo-zeitlichen Enzyklopädien zu einer landesweit bekannten Figur verdichtet.
  
 
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Auf vielen Abbildungen der ''ubume'' sieht man im Hintergrund ein netzartiges Gebilde. Es handelt sich um ein Stück Stoff, das an vier Pfählen knapp über einem Gewässer aufgespannt ist. Dahinter ist zumeist ein hölzernes Grabmal ({{g|sotoba}}) zu sehen. Es ist dies ein Hinweis auf das Ritual {{g|nagarekanjou}}, wtl. „fließende Begießung“, das in der Edo-Zeit bei ungewöhnlichen Todesfällen wie Mord oder Selbstmord, vor allem aber beim Tod einer werdenden Mutter praktiziert wurde. Auf das aufgespannte Tuch wurden buddhistische Gebete (z.B. {{g|namuamidabutsu}} oder {{g|namumyouhourengekyou}}) geschrieben, doch es ging darum, dass die Schrift durch Flusswasser, Regen oder durch zufällige Passanten (für die mitunter ein Eimer und eine Kelle  bereitstanden) weggewaschen wurde. Dies wurde als Zeichen angesehen, dass die besondere Verunreinigung ({{g|kegare}}), die durch den ungewöhnlichen Tod entstanden war, ausgelöscht worden sei.<ref>Yasui 2020, S. 95. Westliche Beobachter dokumentierten das Ritual noch in der späten Meiji-Zeit (Bird 1880, Hartland 1902). Zur damaligen Zeit waren hinter dem aufgespannten Tuch große Totentafeln ({{gb|ihai}}) angebracht, auf der der buddhistische Totennamen der Verstorbenen verzeichnet war, und es gab eine Kelle, damit Passanten Wasser auf das Tuch gießen konnten.</ref> Die Bilder der ''ubume'', auf denen ein ''nagare kanjō'' zu sehen ist, beinhalten also sowohl einen Hinweis auf den realen Ritus für eine Frau, die schwanger verstorben ist, als auch die imaginierte Schreckensvision, vor der der Ritus schützen soll: Die Frau kehrt als Geist wieder.
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Auf vielen Abbildungen der ''ubume'' sieht man im Hintergrund ein zeltartiges Gebilde. Es handelt sich um ein Stück Stoff, das an vier Bambusstäben knapp über einem Gewässer aufgespannt ist. Dahinter ist zumeist ein hölzernes Grabmal ({{g|sotoba}}) zu sehen. Es ist dies ein Hinweis auf das Ritual {{g|nagarekanjou}}, wtl. „fließende Begießung“, das in der Edo-Zeit bei ungewöhnlichen Todesfällen wie Mord oder Selbstmord, vor allem aber beim Tod einer werdenden Mutter praktiziert wurde. Auf das aufgespannte Tuch wurden buddhistische Gebete (z.B. {{g|namuamidabutsu}} oder {{g|namumyouhourengekyou}}) geschrieben, doch es ging darum, dass die Schrift durch Flusswasser, Regen oder durch zufällige Passanten (für die mitunter ein Eimer und eine Kelle  bereitstanden) weggewaschen wurde. Dies wurde als Zeichen angesehen, dass die besondere Verunreinigung ({{g|kegare}}), die durch den ungewöhnlichen Tod entstanden war, ausgelöscht worden sei.<!--
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--> Die Bilder der ''ubume'', auf denen ein ''nagare kanjō'' zu sehen ist, beinhalten also sowohl einen Hinweis auf den realen Ritus für eine Frau, die schwanger verstorben ist, als auch die imaginierte Schreckensvision, vor der der Ritus schützen soll: Die Frau kehrt als Geist wieder.
  
Ironischerweise war der Tod im Kindbett gleichzeitig mit der Vorstellung des Blutteichs ({{g|chinoike}}) verbunden, ein spezieller Bereich der buddhistischen Hölle, der Frauen vorbehalten war (s. {{showTitel|Mythen/Hoellen/Hoellenbilder}}). Die Verunreinigung durch Blut bei Menstruation und Geburt war, obwohl aus heutiger Sicht „unverschuldet“, mit schlechtem {{s|Karma}} verbunden und hatte für die Frauen eine Wiedergeburt im Blutteich zur Folge. Starb die Frau bei der Geburt, war die karmische Last noch größer. Riten wie ''nagare kanjō'' konnten dieses Leid aber minimieren und zur Erlösung aus der Hölle beitragen. Die Angst vor der besonderen Verunreinigung durch Geburt und Tod — beides klassische Auslöser von ''kegare'' — wurde also durch Höllenvorstellungen verstärkt und  bildete so die Inspiration und den religiösen Hintergrund für die Figur der ''ubume''. In der entsprechenden Geistervorstellung fanden diese Ängste einen konkreten Ausdruck, wodurch es mitunter sogar möglich wurde, dass sie  parodistisch relativiert werden konnten (s. dazu den Essay {{showTitel|Essays/Horrorklassiker|anf=1}}).
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Der Tod im Kindbett war jedoch nicht nur mit ''kegare'', sondern auch  mit der Vorstellung des Blutteichs ({{g|chinoike}}) verbunden, ein spezieller Bereich der buddhistischen Hölle, der Frauen vorbehalten war (s. {{showTitel|Mythen/Hoellen/Hoellenbilder}}). Die Verunreinigung durch Blut bei Menstruation und Geburt war, obwohl aus heutiger Sicht „unverschuldet“ und darüber hinaus ein „shintōistisches“ Konzept, mit schlechtem {{s|Karma}} verbunden und hatte für die Frauen eine Wiedergeburt im Blutteich zur Folge. Noch spezifischere (offenbar nur in Japan verbreitete) Vorstellungen beinhalteten eine Hölle für Frauen, die kinderlos gestorben waren, sogenannte {{g|umazume}}. Auf Frauen lastete demnach ein enormer moralischer Druck, Kinder in die Welt zu setzen.
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== Chinesische Vorlagen ==
 
== Chinesische Vorlagen ==
  
In China ist schon seit dem fünften Jahrhundert ein mit der ''ubume'' verwandtes Geisterwesen namens {{g|guhuoniao}} (wtl. Vogel der stehlenden Stiefmutter) dokumentiert, welches sowohl als Vogel als auch Frau erscheinen kann. Das naturgeschichtliche Lexikon {{g|Bencaogangmu}} (Verzeichnis von [medizinischen] Pflanzen, jap. ''Honzō kōmoku'') aus dem Jahr 1578 erklärt, dass es sich um die verwandelte Seele einer im Kindbett verstorbenen Frau handelt. Stets auf der Suche nach Kindern, die es eigentlich selbst aufziehen möchte, kann dieses Wesen auch zum Verursacher von Kinderkrankheiten werden.<ref> Yasui 2020, S. 100.</ref>  In Japan wurde der ''guhuo niao''-Vogel durch den konfuzianischen Gelehrten {{g|hayashirazan}} mit der getrennt davon existierenden Vorstellung der ''ubume'' identifiziert. Andere Autoren schlossen sich diesem Gedanken an, sodass sich der chinesische Gespenstervogel als alternative Schreibung für „''ubume''“ einbürgerte und einige Bildenzyklopädien die ''ubume'' in Vogelform darstellten.  
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In China ist schon seit dem fünften Jahrhundert ein mit der ''ubume'' verwandtes Geisterwesen namens {{g|guhuoniao}} (wtl. Vogel der stehlenden Stiefmutter) dokumentiert, welches sowohl als Vogel als auch Frau erscheinen kann. Das naturgeschichtliche Lexikon {{g|Bencaogangmu}} (Verzeichnis von [medizinischen] Pflanzen, jap. ''Honzō kōmoku'') aus dem Jahr 1578 erklärt, dass es sich um die verwandelte Seele einer im Kindbett verstorbenen Frau handelt. Stets auf der Suche nach Kindern, die es eigentlich selbst aufziehen möchte, kann dieses Wesen auch zum Verursacher von Kinderkrankheiten werden.<ref> {{zitiert|Yasui 2020}}, S. 100.</ref>  In Japan wurde der ''guhuo niao''-Vogel durch den konfuzianischen Gelehrten {{g|hayashirazan}} mit der getrennt davon existierenden Vorstellung der ''ubume'' identifiziert. Andere Autoren schlossen sich diesem Gedanken an, sodass sich der chinesische Gespenstervogel als alternative Schreibung für „''ubume''“ einbürgerte und einige Bildenzyklopädien die ''ubume'' in Vogelform darstellten.  
 
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Version vom 14. Juli 2022, 20:47 Uhr

Ubume Geister verstorbener Mütter

Frauen, die während der Schwangerschaft oder im Kindbett starben, verursachten in alter Zeit besondere Ängste angesichts des meist doppelten Todes von Mutter und Kind. Diese Ängste bezogen sich auf mögliche Rachegedanken solch unglücklicher Verstorbener und manifestierten sich in einer besonderen Form von Fabelwesen namens ubume, wtl. Geburtsfrau. Ubume sind typisch für Totengeister (yūrei), die trotz oder gerade wegen ihres unglücklichen Schicksals auf Erden zu unberechenbaren, oft rachedurstigen Bewohnern der unsichtbaren Welt mutieren.1

Gestalt und Legende

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Geist einer verstorbenen Mutter (ubume) in einer Edo-zeitlichen Gespenster-Enzyklopädie von Toriyama Sekien. Werk von Toriyama Sekien. Edo-Zeit
British Museum
1 Ubume von Toriyama Sekien

Die spezifische Gestalt der ubume ist — wie viele andere Wesen des yōkai-Pantheons — in Bildenzyklopädien der Edo-Zeit graphisch fixiert worden.2 In der vielleicht einflussreichsten Gespenster-Enzyklopädie Gazu hyakki yagyō (1776) des Gelehrten und Malers Toriyama Sekien sieht man eine verzweifelt umherirrende Frau mit aufgelöstem Haar und spärlicher Bekleidung, die ein Baby schützend zur Brust hält. Da keine Füße zu sehen sind und die Gestalt knapp über dem Boden zu schweben scheint, ist klar: es handelt sich um einen Geist.  

Die Legenden dieses spezifischen Mutter-Kind-Geistes reichen allerdings weiter zurück als die bildlichen Darstellungen. Schon das Konjaku monogatari aus der späten Heian-Zeit erzählt, dass der Held Urabe no Suetake (einer der Gefolgsleute des Minamoto no Yorimitsu) eine nächtliche Begegnung mit einer ubume hatte, welche ihn bat, ihr Kind über einen Fluss zu tragen. Er tat dies, doch als sie es wieder zurück verlangte, behielt er das Kind. Kurz danach fand er nur welke Blätter in dem Bündel, das ihm die ubume gegeben hatte.3

Ähnliches erzählte man sich offenbar auch im Kyūshū der frühen Edo-Zeit. Laut der Enzyklopädie Wakan sansai zue (1712) hieß es dort, dass sich die ubume nachts auf Landstraßen umhertrieb und allfällige Reisende bat, ihr das Kind abzunehmen. Wenn man das verweigerte und floh, würde man mit Flüchen und Krankheiten bestraft werden, wenn man aber mutig das Kind übernahm, würde sich dieses kurz darauf in Luft auflösen. Das Wakan sansai zue fügt allerdings dazu, dass derartige Legenden in der Hauptstadt-Region nicht bekannt seien.4 Die Aussagen zur Natur der ubume sind also widersprüchlich und haben sich wohl erst durch die Edo-zeitlichen Enzyklopädien zu einer landesweit bekannten Figur verdichtet.

Ubume hokusai.jpg
Der Held Urabe no Suetake wird vom Totengeist einer im Kindbett verstorbenen Frau (ubume) gebeten, ihr Kind zu halten. Illustration einer Legende aus dem Konjaku monogatari. Werk von Katsushika Hokusai. Edo-Zeit
British Museum
2 Urabe no Suetake begegnet einer ubume

Ritueller Kontext

Ubume shunei.jpg
Klassische Darstellung einer ubume (weibl. Totengeist) mit Kind, im Hintergrund eine Vorrichtung für das Ritual nagare kanjō. Werk von Katsukawa Shun'ei (1762–1819). Edo-Zeit
Museum of Fine Arts, Boston
3 Ubume mit nagare kanjō
Nagare kanjo bird.jpg
Gestell für ein nagare kanjō, ein Reinigungsritus für den Geist einer im Kindbett verstorbenen Mutter. Hier in einer Illustration aus dem Reisebericht von Isabella Bird (1831–1904), die Japan im Jahr 1879 bereiste.
Nichibunken, Kyōto
4 Nagare kanjō

Auf vielen Abbildungen der ubume sieht man im Hintergrund ein zeltartiges Gebilde. Es handelt sich um ein Stück Stoff, das an vier Bambusstäben knapp über einem Gewässer aufgespannt ist. Dahinter ist zumeist ein hölzernes Grabmal (sotoba) zu sehen. Es ist dies ein Hinweis auf das Ritual nagare kanjō, wtl. „fließende Begießung“, das in der Edo-Zeit bei ungewöhnlichen Todesfällen wie Mord oder Selbstmord, vor allem aber beim Tod einer werdenden Mutter praktiziert wurde. Auf das aufgespannte Tuch wurden buddhistische Gebete (z.B. namu amida butsu oder namu myōhō renge kyō) geschrieben, doch es ging darum, dass die Schrift durch Flusswasser, Regen oder durch zufällige Passanten (für die mitunter ein Eimer und eine Kelle bereitstanden) weggewaschen wurde. Dies wurde als Zeichen angesehen, dass die besondere Verunreinigung (kegare), die durch den ungewöhnlichen Tod entstanden war, ausgelöscht worden sei.5 Die Bilder der ubume, auf denen ein nagare kanjō zu sehen ist, beinhalten also sowohl einen Hinweis auf den realen Ritus für eine Frau, die schwanger verstorben ist, als auch die imaginierte Schreckensvision, vor der der Ritus schützen soll: Die Frau kehrt als Geist wieder.

Der Tod im Kindbett war jedoch nicht nur mit kegare, sondern auch mit der Vorstellung des Blutteichs (chi no ike) verbunden, ein spezieller Bereich der buddhistischen Hölle, der Frauen vorbehalten war (s. Höllen und Höllenbilder). Die Verunreinigung durch Blut bei Menstruation und Geburt war, obwohl aus heutiger Sicht „unverschuldet“ und darüber hinaus ein „shintōistisches“ Konzept, mit schlechtem karma verbunden und hatte für die Frauen eine Wiedergeburt im Blutteich zur Folge. Noch spezifischere (offenbar nur in Japan verbreitete) Vorstellungen beinhalteten eine Hölle für Frauen, die kinderlos gestorben waren, sogenannte umazume. Auf Frauen lastete demnach ein enormer moralischer Druck, Kinder in die Welt zu setzen.

Umazume.jpg
Kinderlose Frauen (umazume) kommen dafür, dass sie ihrer Gebärpflicht nicht nachgekommen sind, in einen eigenen Bereich der Hölle. (Die Vorstellung ist nicht kanonisch buddhistisch und dürfte spezifisch für die Edo-Zeit sein.) Auf diesem Detailausschnitt eines Kumano kanjin jikkai mandara zur buddhistischen Belehrung ist die Hölle der kinderlosen Frauen in Plazenta-Form dargestellt. Hier sitzen Frauen und graben nach den Wurzeln des Bambus, denn diese stehen metaphorisch für die „Manneswurzel“ (dankon), also den Penis. 18. Jh.
Hyōgō History Station
5 Hölle der kinderlos verstorbenen Frauen (Kumano kanjin jikkai mandara)

Riten wie nagare kanjō konnten die karmische Vergeltung, die im Kindbett verstorbenen Müttern drohte, minimieren und zur Erlösung aus der Hölle beitragen: dies war das best case Szenario. Das worst case Szenario sah hingegen in der besonderen Verunreinigung durch Geburt und Tod, verstärkt durch schlechtes Karma, ein Potenzial an Verzweiflung, das sich nur in Form eines ruhelosen Rachegeistes Abhilfe schaffen konnte. Dies entsprach zwar nicht unmittelbar der Logik des Karma-Konzepts, denn Geister zögerten ja im Grunde den Zeitpunkt ihrer Wiedergeburt hinaus, um zuvor Rache zu üben, doch buddhistische Mönche übten keine Kritik an solchen Vorstellungen, sondern teilten sie zumeist.6 Riten wie nagare kanjō konnten gegen beide Gefahren, Geister und Hölle, eingesetzt werden. Vorstellungen von kegare, Geistern und karmische Höllenvorstellungen verstärkten sich demnach und bildete zusammen den religiösen Hintergrund für die Figur der ubume. Die Tatsache, dass Ängste in solchen Figuren einen konkreten Ausdruck fanden, machten es andererseits wieder möglich, diese zu kanalisieren, wodurch es mitunter sogar zu parodistischen Geisterdarstellungen kam (s. dazu den Essay „Hundert Geschichten: Horrorklassiker aus der Edo-Zeit“).

Bobome.jpg
Der Totengeist (ubume) hier satirisch als bobome („Mösen-Frau“) dargestellt. Blatt aus einem shunga-Album. Abgesehen von der sexuellen Konnotation entsprechen alle Details (inklusive nagare kanjō im Hintergrund) der gängigen Darstellung. Die Frau ruft einem Reisenden etwas flapsig zu: „Heh, kannst Du mir das Kind da halten?" Werk von Katsukawa Shunshō (1726–1792). Edo-Zeit
Gallica, Bibliothèque nationale de France
6 Parodistische shunga-Variante der ubume

Chinesische Vorlagen

In China ist schon seit dem fünften Jahrhundert ein mit der ubume verwandtes Geisterwesen namens guhuo niao (wtl. Vogel der stehlenden Stiefmutter) dokumentiert, welches sowohl als Vogel als auch Frau erscheinen kann. Das naturgeschichtliche Lexikon Bencao gangmu (Verzeichnis von [medizinischen] Pflanzen, jap. Honzō kōmoku) aus dem Jahr 1578 erklärt, dass es sich um die verwandelte Seele einer im Kindbett verstorbenen Frau handelt. Stets auf der Suche nach Kindern, die es eigentlich selbst aufziehen möchte, kann dieses Wesen auch zum Verursacher von Kinderkrankheiten werden.7 In Japan wurde der guhuo niao-Vogel durch den konfuzianischen Gelehrten Hayashi Razan mit der getrennt davon existierenden Vorstellung der ubume identifiziert. Andere Autoren schlossen sich diesem Gedanken an, sodass sich der chinesische Gespenstervogel als alternative Schreibung für „ubume“ einbürgerte und einige Bildenzyklopädien die ubume in Vogelform darstellten.

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Darstellung der ubume (weibl. Totengeist) als Vogel mit den Brüsten einer menschlichen Frau auf der Grundlage chinesischer Beschreibungen im illustrierten Lexikon Wakan sansai zue. Werk von Terajima Ryōan (1654–?). Edo-Zeit
National Diet Library, Tōkyō
7 Guhuo niao-Vogel
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Darstellung des weiblichen Totengeistes ubume in vogelartiger Gestalt. Entstand höchstwahrscheinlich unter dem Einfluss chinesischer Beschreibungen von weiblichen Totengeistern. Die Szene ist mit einem Liebesgedicht aus dem Manyōshū kombiniert. Werk von Katsushika Hokusai. Edo-Zeit
Bildquelle: unbekannt
8 Vogelfrau
Ubume als Vogel

Künstler und Gelehrte der Edo-Zeit zogen von da an sowohl japanische als auch chinesische Quellen zur spezifischen Ausgestaltung des ubume yōkai heran. Vereinzelt finden sich auch Mischformen von Frau und Vogel, quasi weibliche Pendants der vogelartigen tengu.

Verweise

Verwandte Themen

Fußnoten

  1. Die vorliegende Seite beruht in erster Linie auf einem Artikel von Yasui Manami (2020), Professorin am renommierten Nichibunken (International Research Center for Japanese Studies) in Kyōto, einem Zentrum der yōkai-Forschung.
  2. Eine der frühesten enzyklopädischen Gespensterverzeichnisse, die Bildrolle Hyakkai zukan aus dem Jahr 1737, beruft sich auf eine Vorlage aus der Muromachi-Zeit von Kanō Motonobu (1476–1559), diese ist jedoch nicht mehr erhalten.
  3. Konjaku monogatari shū 27/43.
  4. Nach Yasui 2020, S. 102.
  5. Yasui 2020, S. 95. Westliche Beobachter dokumentierten das Ritual noch in der späten Meiji-Zeit (Bird 1880, Hartland 1902). Zur damaligen Zeit war hinter dem aufgespannten Tuch eine große Totentafel (ihai) angebracht, wo der buddhistische Totennamen (kaimyō) der Verstorbenen verzeichnet war, und es gab eine Kelle, damit Passanten Wasser auf das Tuch gießen konnten.
  6. S. Rituelle Verwünschungen.
  7. Yasui 2020, S. 100.

Literatur

Isabella Bird 1880
Unbeaten Tracks in Japan: An Account of Travels in the Interior Including Visits to the Aborigines in Yezo and the shrine of Nikkō. London: John Murray 1880.
J.C. Hartland, E.S. Hartland 1902
Burial Customs in Japan.“ Folklore 3 (1902), S. 266–267.
Yasui Manami 2020
Imagining the Spirits of Deceased Pregnant Women: An Analysis of Illustrations of Ubume in Early Modern Japan.“ Japan Review 39 (2020), S. 91–112.

Bilder

Quellen und Erläuterungen zu den Bildern auf dieser Seite:

  1. ^ 
    Ubume-sekien.jpg

    Geist einer verstorbenen Mutter (ubume) in einer Edo-zeitlichen Gespenster-Enzyklopädie von Toriyama Sekien. Werk von Toriyama Sekien. Edo-Zeit
    British Museum

  2. ^ 
    Ubume hokusai.jpg

    Der Held Urabe no Suetake wird vom Totengeist einer im Kindbett verstorbenen Frau (ubume) gebeten, ihr Kind zu halten. Illustration einer Legende aus dem Konjaku monogatari. Werk von Katsushika Hokusai. Edo-Zeit
    British Museum

  3. ^ 
    Ubume shunei.jpg

    Klassische Darstellung einer ubume (weibl. Totengeist) mit Kind, im Hintergrund eine Vorrichtung für das Ritual nagare kanjō. Werk von Katsukawa Shun'ei (1762–1819). Edo-Zeit
    Museum of Fine Arts, Boston

  4. ^ 
    Nagare kanjo bird.jpg

    Gestell für ein nagare kanjō, ein Reinigungsritus für den Geist einer im Kindbett verstorbenen Mutter. Hier in einer Illustration aus dem Reisebericht von Isabella Bird (1831–1904), die Japan im Jahr 1879 bereiste.
    Nichibunken, Kyōto

  1. ^ 
    Umazume.jpg

    Kinderlose Frauen (umazume) kommen dafür, dass sie ihrer Gebärpflicht nicht nachgekommen sind, in einen eigenen Bereich der Hölle. (Die Vorstellung ist nicht kanonisch buddhistisch und dürfte spezifisch für die Edo-Zeit sein.) Auf diesem Detailausschnitt eines Kumano kanjin jikkai mandara zur buddhistischen Belehrung ist die Hölle der kinderlosen Frauen in Plazenta-Form dargestellt. Hier sitzen Frauen und graben nach den Wurzeln des Bambus, denn diese stehen metaphorisch für die „Manneswurzel“ (dankon), also den Penis. 18. Jh.
    Hyōgō History Station

  2. ^ 
    Bobome.jpg

    Der Totengeist (ubume) hier satirisch als bobome („Mösen-Frau“) dargestellt. Blatt aus einem shunga-Album. Abgesehen von der sexuellen Konnotation entsprechen alle Details (inklusive nagare kanjō im Hintergrund) der gängigen Darstellung. Die Frau ruft einem Reisenden etwas flapsig zu: „Heh, kannst Du mir das Kind da halten?" Werk von Katsukawa Shunshō (1726–1792). Edo-Zeit
    Gallica, Bibliothèque nationale de France

  3. ^ 
    Ubume sanzai.jpg

    Darstellung der ubume (weibl. Totengeist) als Vogel mit den Brüsten einer menschlichen Frau auf der Grundlage chinesischer Beschreibungen im illustrierten Lexikon Wakan sansai zue. Werk von Terajima Ryōan (1654–?). Edo-Zeit
    National Diet Library, Tōkyō

  4. ^ 
    Ubume beibeikyodan.jpg

    Darstellung des weiblichen Totengeistes ubume in vogelartiger Gestalt. Entstand höchstwahrscheinlich unter dem Einfluss chinesischer Beschreibungen von weiblichen Totengeistern. Die Szene ist mit einem Liebesgedicht aus dem Manyōshū kombiniert. Werk von Katsushika Hokusai. Edo-Zeit
    Bildquelle: unbekannt


Glossar

Namen und Fachbegriffe auf dieser Seite:

  • Bencao gangmu (chin.) 本草綱目 ^ „Kompendium von [medizinischen] Pflanzen“; chin. naturwissenschaftl. Enzyklopädie von Li Shizhen, 1578; jap. Honzō kōmoku
  • chi no ike 血の池 ^ Blutsee; für Frauen vorbehaltener Bereich der buddhistischen Hölle
  • Edo 江戸 ^ Hauptstadt der Tokugawa-Shōgune, heute: Tōkyō; auch: Zeit der Tokugawa-Dynastie, 1600–1867 (= Edo-Zeit);
  • Gazu hyakki yagyō 画図百鬼夜行 ^ „Illustrierte Nacht-Parade der hundert Geister“; Bild-Enzyklopädie von Toriyama Sekien, 1776
  • guhuo niao (chin.) 姑獲鳥 ^ wtl. Vogel der stehlenden Schwiegermutter; chin. Geisterwesen; jap. ubume
  • Hayashi Razan 林羅山 ^ 1583–1657; neo-konfuzianischer Gelehrter
  • karma (skt.) कर्म ^ „Tat“, auch „konsequente Folge“; moralische Bilanz der gesetzten Handlungen (jap. 業)
  • kegare 穢れ ^ rituelle Verunreinigung, Befleckung, Schande
  • Konjaku monogatari 今昔物語 ^ „Geschichten aus alter und neuer Zeit“ (12. Jh.); umfangreiche Sammlung von Geschichten und Anekdoten, meist aus einem buddhistischen Kontext
  • Minamoto no Yorimitsu 源頼光 ^ 948–1021, auch Minamoto Raikō; Krieger aus der Dynastie der Minamoto; zusammen mit seinen vier Vasallen, die auch als Shi-Tennō bezeichnet werden, ist er Held zahlreicher Legenden
  • nagare kanjō 流灌頂 ^ wtl. „fließende Übergießung“; Reinigungsritus; Ritus zur Entfernung von Todesbefleckung durch fließendes Wasser
  • namu amida butsu 南無阿弥陀仏 ^ in etwa: „Gelobt sei Buddha Amida“; Gebetsformel im Buddhismus des Reinen Landes
  • namu myōhō renge kyō 南無妙法蓮華経 ^ „Lobpreis dem Lotos Sutra“; Gebetsformel des Nichiren Buddhismus
  • sotoba 卒塔婆 ^ hölzerne Grabbeigabe; abgeleitet von skt. stupa, aus dem sich auch die sino-japanische „Pagode“ () entwickelte
  • tengu 天狗 ^ wtl. Himmelshund; vogelartiger oder geflügelter Kobold, meist in den Bergen
  • Toriyama Sekien 鳥山石燕 ^ 1712–1788; Künstler und Gelehrter; vor allem bekannt für seine illustrierten Gespenster-Enzyklopädien
  • ubume 産女 ^ weiblicher Totengeist (yūrei); Geist einer im Kindbett verstorbenen Mutter
  • umazume 不生女 ^ kinderlose bzw. gebärunfähige Frau
  • Urabe no Suetake 卜部季武 ^ 950?–1022; Heian-zeitlicher Krieger (Vasall des Minamoto no Yorimitsu) und Held zahlreicher Legenden
  • Wakan sansai zue 和漢三才図会 ^ „Illustrierte [Enzyklopädie] der Drei Sphären [= Himmel, Erde, Mensch] in China und Japan“ von Terajima Ryōan, 1712; basiert auf dem chinesischen Sancai tuhui
  • yōkai 妖怪 ^ Fabelwesen, Geisterwesen, Gespenster
  • yūrei 幽霊 ^ Totengeist