Alltag/Friedhof: Unterschied zwischen den Versionen

Zur Navigation springen Zur Suche springen
K (Textersetzung - „{{skt:“ durch „{{s|“)
(20 dazwischenliegende Versionen von 2 Benutzern werden nicht angezeigt)
Zeile 1: Zeile 1:
{{titel | Friedhof und Grab}}
+
{{titel  
{{fl|W}}ie im Zusammenhang mit den [[Alltag/Totenriten | Totenriten]] besprochen, wird der Körper eines Ver·storbenen meist ver·brannt. Seine Asche wird in einer Urne aufbewahrt und schließlich in einem Familien·grab ({{g|haka}}) beigesetzt. Auf dem Grab·stein ist der Name der Familie deutlich ein·graviert, die übliche Aufschrift auf Gräbern lautet: „Grab mehrer Generationen der Familie XY“. Die individuellen Fa·mi·lien·mitglieder sind hin·ge·gen entweder gar nicht, oder nur an der Rück·sei·te des Grab·steins ein·ge·tra·gen. Darin liegt einer der Unter·schiede zwischen Grab·stein und {{g|ihai}} („Totentäfelchen“). Während ''ihai'' einem in·di·vi·duellen Ver·storbenen zugeordnet sind, repräsentieren Grab·steine in der Regel eine ganze Familie. Die Fa·mi·lien·zu·ge·hörig·keit folgt der männ·lichen Linie. Frauen werden daher meist im Fa·mi·lien·grab ihres Mannes bei·ge·setzt.
+
| Friedhof und Grab
{{w500
+
}}
|grab_yanaka.jpg|top=-120
+
 
 +
{{fl|W}}ie im Zusammenhang mit den [[Alltag/Totenriten | Totenriten]] besprochen, wird der Körper eines Verstorbenen meist verbrannt. Seine Asche wird in einer Urne aufbewahrt und schließlich in einem Familiengrab ({{g|haka}}) beigesetzt. Auf dem Grabstein ist der Name der Familie deutlich eingraviert, die übliche Aufschrift auf Gräbern lautet: „Generationen-Grab der Familie XY“. Die individuellen Familienmitglieder sind hingegen entweder gar nicht, oder nur an der Rückseite des Grabsteins eingetragen. Darin liegt einer der Unterschiede zwischen Grabstein und {{g|ihai}} („Totentäfelchen“). Während ''ihai'' einem individuellen Verstorbenen zugeordnet sind, repräsentieren Grabsteine in der Regel eine ganze Familie. Die Familienzugehörigkeit folgt der männlichen Linie. Frauen werden daher meist im Familiengrab ihres Mannes beigesetzt.
 +
 
 +
{{wmaxX
 +
|grab_yanaka2.jpg |t=-50
 
|Friedhof in Tōkyō
 
|Friedhof in Tōkyō
 +
|ref= 1
 
}}
 
}}
{{Sidebox3
+
 
| sidepage=Gorinto
+
In Tōkyō sind derartige Familiengräber meist etwas kleiner als ein durchschnittliches europäisches Grab, ihre Anschaffung und Aufrechterhaltung bedeutet aber dennoch einen erheblichen Kostenaufwand. Es gehört zu den traditionellen Pflichten des ältesten Sohnes, diese Kosten zu übernehmen. Dem ältesten Sohn (ev. Tochter) kommt auch die Leitung der familiären Trauerfeiern beim Tod der Eltern zu.
| gorinto_koya.jpg
 
| top= -40
 
| ''Gorintō'' Grabsteine
 
}}
 
In Tōkyō sind derartige Fa·mi·lien·gräber meist etwas kleiner als ein durch·schnitt·liches europäisches Grab, ihre An·schaf·fung und Auf·recht·erhaltung bedeutet aber den·noch einen erheblichen Kosten·aufwand. Es gehört zu den tra·di·tionellen Pflichten des ältesten Sohnes, diese Kosten zu übernehmen. Dem ältesten Sohn (ev. Tochter) kommt auch die Leitung der familiären Trauer·feiern beim Tod der Eltern zu.
 
  
 
==Grabbesuch==
 
==Grabbesuch==
 +
 
{{smallimage
 
{{smallimage
 
|ohakamairi.gif
 
|ohakamairi.gif
Zeile 19: Zeile 20:
 
|nolink=yes
 
|nolink=yes
 
}}  
 
}}  
Ähnlich wie in Europa dienen Gräber dem Gedenken an die Toten in Form von Fried·hofs·besuchen. Beim Grab·besuch ({{g|hakamairi|''o-haka mairi''}}) schmückt man das Grab mit Blumen und entzündet Räucher·stäbchen. Zuvor wird der Grab·stein rituell gereinigt, indem man ihn mit Wasser übergießt. Wieder sind es vor allem ältere Menschen, die die Pflege eines Familien·grabs übernehmen. Viele besuchen ihr Grab einmal pro Monat an einem be·stimm·ten Tag, bei·spiels·weise dem Sterbe·tag ihres Vaters oder ihrer Mutter. Zumindest einmal im Jahr, nämlich zum {{g|Obon|Bon-Fest}}, dem Fest der Ahnen, sollte allerdings jeder sein Familien·grab aufsuchen.
+
Ähnlich wie in Europa dienen Gräber dem Gedenken an die Toten in Form von Friedhofsbesuchen. Beim Grabbesuch ({{g|hakamairi}}) schmückt man das Grab mit Blumen und entzündet Räucherstäbchen. Zuvor wird der Grabstein rituell gereinigt, indem man ihn mit Wasser übergießt. Wieder sind es vor allem ältere Menschen, die die Pflege eines Familiengrabs übernehmen. Viele besuchen ihr Grab einmal pro Monat an einem bestimmten Tag, beispielsweise dem Sterbetag ihres Vaters oder ihrer Mutter. Zumindest einmal im Jahr, nämlich zum {{g|Obon|Bon-Fest}}, dem Fest der Ahnen, sollte allerdings jeder sein Familiengrab aufsuchen.
  
==Grabformen==
+
==Grabsteine und Grabbeigaben==
Die Geschichte des japanischen Bestattungs·wesens ist äußerst wechselvoll. Auf alten Fried·höfen, beispiels·weise dem [[Bauten/Bekannte_Tempel/Berg_Koya | Oku-no-in]] auf Berg {{g|kouyasan|Kōya}}, sieht man noch die ehemals ver·brei·teten Grab·steine in {{g|gorintou}}-Form, die sich als Ab·bilder von bud·dhis·tischen {{s|stupa|Stupas}} verstehen, also eigentlich nichts anderes sind als verkleinerte Grab·denk·mäler des {{s|Buddha}} (s. Sidepage [[Alltag/Friedhof/Gorinto | Gorintō]]).
+
 +
Moderne Gräber bestehen meist aus einem relativ einfachen, quaderförmigen Grabstein (s. Abb. oben). Bis zur {{g|Meiji}}-Zeit waren die meisten Grabsteine jedoch im {{g|Gorintou}}-Stil gestaltet. Auf alten Friedhöfen, beispielsweise dem {{g|Okunoin}} auf Berg {{g|kouyasan|Kōya}}, dominiert diese Grabform nach wie vor. Ursprünglich leiten sich ''gorintō'' ebenso wie die landläufigen japanischen Pagoden ({{g|tou}}) von den indischen {{s|stupa|Stupas}}, also den Grabmonumenten des {{s|Buddha}} ab (s. dazu Kap. Bauten, {{showTitel|Bauten/Tempel/Pagoden}} und {{showTitel|Bauten/Tempel/Stupas}}). Aber auch die heute noch gängigen Grabbeigaben namens {{g|sotoba}} gehen auf das Wort „Stupa“ zurück. Beide offenbaren die tiefen Verbindungen zwischen dem Buddhismus und dem japanischen Totenkult.   
  
An·de·rer·seits bezeichnet man auch die hölzernen Latten, die sich bisweilen als Grab·bei·gaben neben den Gräbern befinden, als {{g|sotoba}} oder ''tōba'', was wiederum von skt. ''stupa'' abgeleitet ist. Diese Latten tragen eine hand·ge·schrie·bene Inschrift, die u.a. den Toten·namen des Ver·stor·benen oder den Namen eines Buddhas, etc. ent·hal·ten kann. Je nach bud·dhis·tischer Richtung können auch Sanskrit·zeichen auf dem Holz ein·ge·tragen sein. Diese Grab·bei·gaben haben im Grunde dieselbe Funktion wie der Grab·stein, allerdings sind sie natürlich nicht von so langer Dauer wie Stein·grab·mäler. Zu·meist werden sie daher am Ende der Trauer·zeit vom Grab ent·fernt und ggf. anlässlich späterer Ge·denk·feiern noch einmal aufgestellt. Der technische Fort·schritt hat im übrigen auch vor ''sotoba''s nicht Halt gemacht: Wie die Ab·bil·dung rechts zeigt, können sie heute bereits mit Hilfe eines Computers ausgedruckt werden.
+
=== Gorintō ===
 +
{{w502
 +
| Saidaiji_eisonto.jpg
 +
| gorinto_mimizuka.jpg
 +
| Grabstein von Eison 
 +
| Gorintō auf dem „Ohrenhügel“
 +
| caption= Grabsteine im ''gorintō''-Stil
 +
| top2=-40
 +
| rh= 320
 +
| ref= 1
 +
}}
 +
Die fünf Abschnitte (''gorin'', wtl. „Fünf Ringe“) der ''gorintō'' verkörpern die Fünf Elemente des Buddhismus:
 +
 +
{{floatright
 +
|gorinto_schema2.gif
 +
|rh= auto
 +
|link=
 +
}}
 +
{{shortlist|
 +
# Raum (Juwel)
 +
# Wind (Halbkreis)
 +
# Feuer (Dreieck)
 +
# Wasser (Kreis)
 +
# Erde (Viereck)
 +
}}
 +
Die Fünf Elemente repräsentieren die Bestandteile, aus denen sich das gesamte Universum zusammensetzt. Diese Konzeption weist zwar viele Parallelen zu den chinesisch-daoistischen Fünf Elementen  bzw. den [[Denken/Yin_und_Yang | Fünf Wandlungsphasen]] auf, scheint aber unabhängig davon bereits in vor-buddhistischer Zeit von der indischen Naturphilosophie entwickelt worden zu sein. Sie können auch durch Sanskrit-Zeichen (jap. {{g|Shuji}}, wtl. „Samen-Zeichen“) in Siddham-Schrift repräsentiert werden. Auf der Grafik rechts sind diese besonderen Zeichen in japanischer Aussprache und in Sanskrit-Aussprache (in Klammer) wiedergegeben.
  
{{w502
+
''Gorintō'' wurden wahrscheinlich in der späten {{g|Heian}}-Zeit vom esoterischen Buddhismus ({{g|shingonshuu}}, {{g|tendaishuu}}) entwickelt und sind eng mit dem Kosmos des {{g|dainichinyorai}} verknüpft. Die ältesten bekanntesten Beispiele stammen aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Zu dieser Zeit hatten sie sich in den meisten Richtungen als Grabmonument etabliert, lediglich der Amida-Buddhismus ({{g|joudoshuu}}, {{g|joudoshinshuu}}) scheint nie davon Gebrauch gemacht zu haben.
 +
 
 +
{{w500
 +
| Gorinto_kuroda.jpg
 +
| Grabanlage der Kuroda (Daimyō in Fukuoka)
 +
| ref= 1 <!-- 1 (Bildtext als Fußnote) -->
 +
}}
 +
{{w502
 +
|rh= 300
 +
| gorinto_amidagatake_hide.jpg
 +
| gorinto_koya.jpg
 +
| Grabmal des  Toyotomi Hideyoshi
 +
| Oku-no-in, Berg Kōya 
 +
| ref= 1
 +
}}
 +
 
 +
===Sotoba ===
 +
 
 +
Die charakteristischen hölzernen Latten, die sich bisweilen als Grabbeigaben neben den Gräbern befinden, tragen ebenfalls eine Inschrift in Siddham-Schrift. Diese kann u.a. den Totennamen des Verstorbenen oder den Namen eines Buddhas, etc. enthalten. Je nach buddhistischer Richtung können auch gängige japanische {{g|kanji}} auf dem Holz eingetragen sein.
 +
 
 +
{{w500
 +
|Sotoba_yanaka.jpg
 +
| ''Sotoba''-Grabbeigaben
 +
|ref= 1
 +
}}
 +
{{w502 | rh= 320
 
|sotoba.jpg  
 
|sotoba.jpg  
|toba_purinta.jpg |w2=400|left2=-40
+
|toba_purinta.jpg | l2=-40| r2=-100
| Sotoba
+
| ''Sotoba''
| Sotoba Printer
+
| ''Sotoba''-Printer
}}
+
|ref= 1
Näheres zu den Jenseits·vor·stellungen, die natürlich bei der Gestaltung der Toten- und Be·gräb·nis·riten eine wichtige Rolle spielen, findet man im Kapitel „[[Mythen|Mythologie]]“.
+
}}  
{{Linkbox|text=
+
Diese Grabbeigaben haben im Grunde dieselbe Funktion wie der Grabstein, allerdings sind sie natürlich nicht von so langer Dauer. Zumeist werden sie daher am Ende der Trauerzeit vom Grab entfernt und ggf. anlässlich späterer Gedenkfeiern noch einmal aufgestellt. Der technische Fortschritt hat im übrigen auch vor ''sotoba''s nicht Halt gemacht: Wie die Abbildung oben zeigt, können sie heute bereits mit Hilfe eines Computers ausgedruckt werden.
* [http://www.hakaishi.jp/ Nihon no haka] (jap.)<br/>Bebilderte Da·ten·bank von Gräbern bekannter Per·sön·lichkeiten, nach ver·schie·de·nen Kriterien aufgelistet.
+
 
|update= Sept. 2016|
+
{{ThisWay|Alltag/Pilgerschaft}}
 +
 
 +
{{verweise
 +
| FN=0
 +
| links=
 +
* [http://www.hakaishi.jp/ Nihon no haka] (jap.)<br/>Bebilderte Datenbank von Gräbern bekannter Persönlichkeiten, nach verschiedenen Kriterien aufgelistet.
 +
 
 +
Sanskrit-Zeichen im japanischen Buddhismus:
 +
* [http://tobifudo.jp/bonjisho/ Bonji jiten] (Tobifudō)<br/>Sanskritzeichenlexikon einer empfehlenswerten Website des Tempels Shōbōin in Tōkyō.
 +
* [http://www.iidasekizai.jp/010.htm Iida sekizai]<br/>Website eines Bestattungsunternehmens.
 +
| update= Jul. 2020
 
}}
 
}}
{{ThisWay|Alltag/Moenche}}
 
{{Styles}}
 

Version vom 12. August 2022, 17:34 Uhr

Friedhof und Grab

Wie im Zusammenhang mit den Totenriten besprochen, wird der Körper eines Verstorbenen meist verbrannt. Seine Asche wird in einer Urne aufbewahrt und schließlich in einem Familiengrab (haka) beigesetzt. Auf dem Grabstein ist der Name der Familie deutlich eingraviert, die übliche Aufschrift auf Gräbern lautet: „Generationen-Grab der Familie XY“. Die individuellen Familienmitglieder sind hingegen entweder gar nicht, oder nur an der Rückseite des Grabsteins eingetragen. Darin liegt einer der Unterschiede zwischen Grabstein und ihai („Totentäfelchen“). Während ihai einem individuellen Verstorbenen zugeordnet sind, repräsentieren Grabsteine in der Regel eine ganze Familie. Die Familienzugehörigkeit folgt der männlichen Linie. Frauen werden daher meist im Familiengrab ihres Mannes beigesetzt.

Grab yanaka2.jpg
Typische traditionelle Familiengräber in Tōkyōs größtem Friedhof in Yanaka. Im Hintergrund der Sky Tree.
Emre Engin, fickr 2011
1 Friedhof in Tōkyō

In Tōkyō sind derartige Familiengräber meist etwas kleiner als ein durchschnittliches europäisches Grab, ihre Anschaffung und Aufrechterhaltung bedeutet aber dennoch einen erheblichen Kostenaufwand. Es gehört zu den traditionellen Pflichten des ältesten Sohnes, diese Kosten zu übernehmen. Dem ältesten Sohn (ev. Tochter) kommt auch die Leitung der familiären Trauerfeiern beim Tod der Eltern zu.

Grabbesuch

Ohakamairi.gif

Ähnlich wie in Europa dienen Gräber dem Gedenken an die Toten in Form von Friedhofsbesuchen. Beim Grabbesuch ((o)haka mairi) schmückt man das Grab mit Blumen und entzündet Räucherstäbchen. Zuvor wird der Grabstein rituell gereinigt, indem man ihn mit Wasser übergießt. Wieder sind es vor allem ältere Menschen, die die Pflege eines Familiengrabs übernehmen. Viele besuchen ihr Grab einmal pro Monat an einem bestimmten Tag, beispielsweise dem Sterbetag ihres Vaters oder ihrer Mutter. Zumindest einmal im Jahr, nämlich zum Bon-Fest, dem Fest der Ahnen, sollte allerdings jeder sein Familiengrab aufsuchen.

Grabsteine und Grabbeigaben

Moderne Gräber bestehen meist aus einem relativ einfachen, quaderförmigen Grabstein (s. Abb. oben). Bis zur Meiji-Zeit waren die meisten Grabsteine jedoch im gorintō-Stil gestaltet. Auf alten Friedhöfen, beispielsweise dem Oku-no-in auf Berg Kōya, dominiert diese Grabform nach wie vor. Ursprünglich leiten sich gorintō ebenso wie die landläufigen japanischen Pagoden () von den indischen Stupas, also den Grabmonumenten des Buddha ab (s. dazu Kap. Bauten, Japanische Pagoden und Bekannte Pagoden und Stupas außerhalb Japans). Aber auch die heute noch gängigen Grabbeigaben namens sotoba gehen auf das Wort „Stupa“ zurück. Beide offenbaren die tiefen Verbindungen zwischen dem Buddhismus und dem japanischen Totenkult.

Gorintō

Fehler im Ausdruck: Unerwarteter Operator <px
Grabmonument im gorintō-Stil des Mönchs Eison (1201–1290), eines Reformers des Shingon-Buddhismus. Zählt mit dreieinhalb Metern zu den größten Exemplaren seiner Art. Kamakura-Zeit, 1290
J-Blog, 2010
2 Grabstein von Eison
Fehler im Ausdruck: Unerwarteter Operator <px
Das Monument in Form eines gorintō-Grabsteins ist mit deutlich erkennbaren Sanskrit-Zeichen versehen, die die fünf Elemente der buddhistischen Naturlehre symbolisieren. Es befindet sich auf dem Mimizuka ("Ohrenhügel") in Kyōto, wo die Nasen und Ohren der koreanischen Kriegsgegner, die im Zuge von Toyotomi Hideyoshis Korea-Invasion (1592–98) getötet wurden, beigesetzt sind. Zugleich ein Zeichen des Triumphes und der Bitte um Vergebung. Edo-Zeit, errichtet 1773
Wikimedia Commons, Frank Gualtieri, 2006
3 Gorintō auf dem „Ohrenhügel“
Grabsteine im gorintō-Stil

Die fünf Abschnitte (gorin, wtl. „Fünf Ringe“) der gorintō verkörpern die Fünf Elemente des Buddhismus:

Gorinto schema2.gif
Schematische gorintō-Darstellung.
Bildquelle: unbekannt
  1. Raum (Juwel)
  2. Wind (Halbkreis)
  3. Feuer (Dreieck)
  4. Wasser (Kreis)
  5. Erde (Viereck)

Die Fünf Elemente repräsentieren die Bestandteile, aus denen sich das gesamte Universum zusammensetzt. Diese Konzeption weist zwar viele Parallelen zu den chinesisch-daoistischen Fünf Elementen bzw. den Fünf Wandlungsphasen auf, scheint aber unabhängig davon bereits in vor-buddhistischer Zeit von der indischen Naturphilosophie entwickelt worden zu sein. Sie können auch durch Sanskrit-Zeichen (jap. shuji, wtl. „Samen-Zeichen“) in Siddham-Schrift repräsentiert werden. Auf der Grafik rechts sind diese besonderen Zeichen in japanischer Aussprache und in Sanskrit-Aussprache (in Klammer) wiedergegeben.

Gorintō wurden wahrscheinlich in der späten Heian-Zeit vom esoterischen Buddhismus (Shingon-shū, Tendai-shū) entwickelt und sind eng mit dem Kosmos des Dainichi Nyorai verknüpft. Die ältesten bekanntesten Beispiele stammen aus der Mitte des 12. Jahrhunderts. Zu dieser Zeit hatten sie sich in den meisten Richtungen als Grabmonument etabliert, lediglich der Amida-Buddhismus (Jōdo-shū, Jōdo Shinshū) scheint nie davon Gebrauch gemacht zu haben.

Gorinto kuroda.jpg
Grabanlage der Familie Kuroda, die in der Edo-Zeit über das Daimyat Fukuoka, heute Teil der Präfektur Fukuoka im Norden Kyushus herrschten. Die Grabsteine sind im klassischen gorintō-Stil gehalten. Die Anlage befindet sich auf dem Gelände des Tempels Tōchō-ji, des ältesten Shingon-Tempels auf Kyushu. Der zentrale Grabstein birgt die Urne des zweiten Kuroda Daimyo, Tadayuki (1602–1654), der ein großer Förderer dieses Tempels war.
Bernhard Scheid, flickr, 2018
4 Grabanlage der Kuroda (Daimyō in Fukuoka)
Fehler im Ausdruck: Unerwarteter Operator <px
Grab des Toyotomi Hideyoshi (1537-1598) im gorintō-Stil (Meiji-zeitliche Rekonstruktion). Meiji-Zeit, 1898
Kyoto o kanjiru hibi, 2006, über Internet Archive
5 Grabmal des Toyotomi Hideyoshi
Fehler im Ausdruck: Unerwarteter Operator <px
Bemooste Grabsteine im gorintō-Stil in der berühmten Grabanlage auf Berg Kōya.
Gregor Hohpe, flickr 2006
6 Oku-no-in, Berg Kōya

Sotoba

Die charakteristischen hölzernen Latten, die sich bisweilen als Grabbeigaben neben den Gräbern befinden, tragen ebenfalls eine Inschrift in Siddham-Schrift. Diese kann u.a. den Totennamen des Verstorbenen oder den Namen eines Buddhas, etc. enthalten. Je nach buddhistischer Richtung können auch gängige japanische kanji auf dem Holz eingetragen sein.

Sotoba yanaka.jpg
Traditionelle Grabbeigaben (sotoba) auf älteren Familiengräbern in Tōkyōs größtem Friedhof in Yanaka.
Emre Engin, fickr 2011
7 Sotoba-Grabbeigaben
Fehler im Ausdruck: Unerwarteter Operator <px
Grabbeigaben aus Holz (sotoba). Der Begriff leitet sich von stupa, also dem indischen Wort für Grabmahl ab. Die Schriftzeichen in stilisiertem Sanskrit symbolisieren die Fünf Elemente: Raum, Wind, Feuer, Wasser, Erde, die auch bei anderen Stupas eine Rolle spielen.
Bildquelle: unbekannt
8 Sotoba
Fehler im Ausdruck: Unerwarteter Operator <px
Dafür nimmt er einen Laptop und eines eigens für diesen Zweck bestimmten Printer zu Hilfe.
TTN, über Internet Archive
9 Sotoba-Printer

Diese Grabbeigaben haben im Grunde dieselbe Funktion wie der Grabstein, allerdings sind sie natürlich nicht von so langer Dauer. Zumeist werden sie daher am Ende der Trauerzeit vom Grab entfernt und ggf. anlässlich späterer Gedenkfeiern noch einmal aufgestellt. Der technische Fortschritt hat im übrigen auch vor sotobas nicht Halt gemacht: Wie die Abbildung oben zeigt, können sie heute bereits mit Hilfe eines Computers ausgedruckt werden.


Verweise

Verwandte Themen

Internetquellen

  • Nihon no haka (jap.)
    Bebilderte Datenbank von Gräbern bekannter Persönlichkeiten, nach verschiedenen Kriterien aufgelistet.

Sanskrit-Zeichen im japanischen Buddhismus:

  • Bonji jiten (Tobifudō)
    Sanskritzeichenlexikon einer empfehlenswerten Website des Tempels Shōbōin in Tōkyō.
  • Iida sekizai
    Website eines Bestattungsunternehmens.


Letzte Überprüfung der Linkadressen: Jul. 2020

Bilder

Quellen und Erläuterungen zu den Bildern auf dieser Seite:

  1. ^ 
    Grab yanaka2.jpg

    Typische traditionelle Familiengräber in Tōkyōs größtem Friedhof in Yanaka. Im Hintergrund der Sky Tree.
    Emre Engin, fickr 2011

  2. ^ 
    Saidaiji eisonto.jpg

    Grabmonument im gorintō-Stil des Mönchs Eison (1201–1290), eines Reformers des Shingon-Buddhismus. Zählt mit dreieinhalb Metern zu den größten Exemplaren seiner Art. Kamakura-Zeit, 1290
    J-Blog, 2010

  3. ^ 
    Gorinto mimizuka.jpg

    Das Monument in Form eines gorintō-Grabsteins ist mit deutlich erkennbaren Sanskrit-Zeichen versehen, die die fünf Elemente der buddhistischen Naturlehre symbolisieren. Es befindet sich auf dem Mimizuka ("Ohrenhügel") in Kyōto, wo die Nasen und Ohren der koreanischen Kriegsgegner, die im Zuge von Toyotomi Hideyoshis Korea-Invasion (1592–98) getötet wurden, beigesetzt sind. Zugleich ein Zeichen des Triumphes und der Bitte um Vergebung. Edo-Zeit, errichtet 1773
    Wikimedia Commons, Frank Gualtieri, 2006

  4. ^ 
    Gorinto kuroda.jpg

    Grabanlage der Familie Kuroda, die in der Edo-Zeit über das Daimyat Fukuoka, heute Teil der Präfektur Fukuoka im Norden Kyushus herrschten. Die Grabsteine sind im klassischen gorintō-Stil gehalten. Die Anlage befindet sich auf dem Gelände des Tempels Tōchō-ji, des ältesten Shingon-Tempels auf Kyushu. Der zentrale Grabstein birgt die Urne des zweiten Kuroda Daimyo, Tadayuki (1602–1654), der ein großer Förderer dieses Tempels war.
    Bernhard Scheid, flickr, 2018

  5. ^ 
    Gorinto amidagatake hide.jpg

    Grab des Toyotomi Hideyoshi (1537-1598) im gorintō-Stil (Meiji-zeitliche Rekonstruktion). Meiji-Zeit, 1898
    Kyoto o kanjiru hibi, 2006, über Internet Archive

  1. ^ 
    Gorinto koya.jpg

    Bemooste Grabsteine im gorintō-Stil in der berühmten Grabanlage auf Berg Kōya.
    Gregor Hohpe, flickr 2006

  2. ^ 
    Sotoba yanaka.jpg

    Traditionelle Grabbeigaben (sotoba) auf älteren Familiengräbern in Tōkyōs größtem Friedhof in Yanaka.
    Emre Engin, fickr 2011

  3. ^ 
    Sotoba.jpg

    Grabbeigaben aus Holz (sotoba). Der Begriff leitet sich von stupa, also dem indischen Wort für Grabmahl ab. Die Schriftzeichen in stilisiertem Sanskrit symbolisieren die Fünf Elemente: Raum, Wind, Feuer, Wasser, Erde, die auch bei anderen Stupas eine Rolle spielen.
    Bildquelle: unbekannt

  4. ^ 
    Toba purinta.jpg

    Dafür nimmt er einen Laptop und eines eigens für diesen Zweck bestimmten Printer zu Hilfe.
    TTN, über Internet Archive


Glossar

Namen und Fachbegriffe auf dieser Seite:

  • Amida 阿弥陀 ^ Buddha Amitabha; Hauptbuddha der Schulen des Reinen Landes (Jōdo-shū bzw. Jōdo Shinshū)
  • Buddha (skt.) बुद्ध ^ „Der Erleuchtete“ (jap. butsu, hotoke 仏 oder Budda 仏陀)
  • Dainichi Nyorai 大日如来 ^ Buddha Vairocana, der „kosmische Buddha“; wtl. „Großes Licht“ oder „Große Sonne“
  • gorintō 五輪塔 ^ Grabsteinform; „Stupa der Fünf Elemente“
  • haka ^ Grab
  • (o)haka mairi (お)墓参り ^ Grab- oder Friedhofsbesuch
  • Heian 平安 ^ auch Heian-kyō 平安京, „Stadt des Friedens“; politisches Zentrum 794–1185 (= Heian-Zeit)
  • ihai 位牌 ^ Ahnentäfelchen
  • Jōdo Shinshū 浄土真宗 ^ Shin-Buddhismus, bzw. Jōdo Shin-Buddhismus; wtl. „Wahre Schule des Reinen Landes“
  • Jōdo-shū 浄土宗 ^ Schule des Amida-Buddhismus
  • kanji 漢字 ^ chin. Schriftzeichen im japanischen Schriftsystem
  • Kōya-san 高野山 ^ Klosterberg südl. von Nara; sprituelles Zentrum des Shingon Buddhismus
  • Meiji 明治 ^ posthumer Name von Kaiser Mutsuhito; nach ihm wird auch die Meiji-Zeit (1868–1912) benannt
  • O-bon お盆 ^ Fest der Ahnen; Bon-Fest
  • Oku-no-in 奥の院 ^ wtl. Innerste [Tempel-] Halle; oft auch Mausoleum
  • Shingon-shū 真言宗 ^ Shingon-Schule, wtl. Schule des Wahren Wortes; wichtigste Vertreterin des esoterischen Buddhismus (mikkyō) in Japan
  • shuji 種子 ^ Symbolische Sanskrit-Zeichen in siddham-Schrift; wtl. Samen (Skt. bija); auch bonji 梵字, „indische Zeichen“; v.a. in rituellen Texten des esoterischen Buddhismus (mikkyō) in Gebrauch
  • siddhaṃ (skt.) सिद्धं ^ „Vollendet“, antike Schriftform der indischen Brahmanen, die später auch im ostasiat. esoterischen Buddhismus Anwendung fand (jap. shittan 悉曇 oder bonji 梵字)
  • sotoba 卒塔婆 ^ hölzerne Grabbeigabe; abgeleitet von skt. stupa, aus dem sich auch die sino-japanische „Pagode“ () entwickelte
  • stūpa (skt.) स्तूप ^ „Hügel“, Grabmonument (jap. 塔 oder sotoba 卒塔婆)
  • Tendai-shū 天台宗 ^ Tendai-Schule, chin. Tiantai
  • ^ Pagode; Turm; abgeleitet von skt. stupa; auch sotoba