Hachiman Ursprungslegenden

Aus Kamigraphie
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ThemengruppeErzählung (Mythos, Legende, Märchen, etc.)
Schlagworte Fusō ryakki 扶桑略記, Yusuhara Hachiman engi 由原八幡縁起 (
ProtagonistenHachiman
Dieser Artikel wurde ursprünglich für das Schwesterprojekt Hachiman-no-pedia verfasst.


Eines der wichtigsten Merkmale der frühen Verehrung Hachimans ist die Verschmelzung schamanischer Glaubensansätze mit bereits vorherrschenden kami 神 und Gottheiten lokaler Klane auf Nord-Kyūshū.

Aufgrund der geographischen Nähe zu Korea lassen sich ebenso Einflüsse koreanischer Mythen feststellen.[1]

In diesem Zusammenhang ergeben sich folgende Bereiche, die die Entstehung des Hachimankults unter Berücksichtigung verschiedener Ansätze charakterisieren:

  • Legenden über die Offenbarung Hachimans als Gottheit.
  • Verbindung Hachimans zum Metall- und Schmiedehandwerk, in dem auf bereits vorhandene lokale Schmiedegottheiten zurückgegriffen wird.
  • Ursprungsnachweis Hachimans über frühgeschichtliche Beziehungen zwischen Japan und Korea, am Beispiel chinesisch-koreanischer Einwanderer (Hata).

Legenden über die Offenbarung Hachimans in Usa

Im Yusuhara Hachiman engi 由原八幡縁起 (1662) wird von der erstmaligen Erscheinung Hachimans als „steinerner Gongen“, in Form von drei Steinen auf dem Gipfel des Maki-mine in Usa 宇佐市 berichtet. Jener Legende zufolge gingen von diesen Steinen goldene Strahlen aus, die den Palast des Kaisers Nintoku 仁徳 trafen. Dieser schickte Boten aus, um den Erscheinungen auf den Grund zu gehen. Als diese den Gipfel des Maki- mine erreichten, erschien ihnen Hachiman in Form eines goldenen Falken. Daraufhin errichteten sie am Fuße des Berges eine Schatzhalle, in der Hachiman als Gottheit verehrt werden sollte. Diese Schatzhalle wurde in weiterer Folge der Hachiman-Schrein von Usa.[2]

Eine weitere Offenbarungslegende berichtet über die Erscheinung Hachimans bei Kaiser Kinmei 欽明 im 12. Jahr seiner Herrschaft (591). Im 31. Jahr des Kaisers Kinmei 欽明 (569) erschien am Maki-mine ein goldener Schein am Himmel. Der Kaiser schickte Boten aus, die die Ursache der Strahlen erforschen sollten. Jenen Boten wurde erklärt, dass auf dem Gipfel des Maki-mine ein Mann namens Hachiman lebt. Als die Boten den Gipfel erreichten, fanden sie drei große Steine, auf denen ein Adler saß. Von diesem Adler gingen goldene Strahlen aus, die die Boten als göttliche Erscheinung interpretierten. Nachdem Kaiser Kinmei von der Offenbarung der Gottheit Hachiman berichtet wurde, ließ er den Maki-mine in den Berg Omoto umbenennen.[3]

Nach dem Mitte des 12. Jahrhunderts verfassten Fusō ryakki 扶桑略記, manifestierte sich Yahata erstmals im Jahr 571. Jener Legende zufolge, lebte zwischen dem Umaya-Gipfel und dem Ishigata-See im Bezirk Usa ein alter Schmied, der aufgrund seines sonderbaren Wesens von Ōmiwa no Hige verehrt wurde. Dieser forderte den Schmied auf sich zu offenbaren, welcher sich in Folge in ein drei jähriges Kind verwandelte und verkündete, dass er Homuda Tennō Hirahata Yahata Maro sei. Homuda ist der Geburtsname des Ōjin Tennō 応神天皇.[3]

Ursprung Hachimans im Tendō-Kult

Der Kult des „Himmelsknaben“ (tendō 天童) und die Tendō-Legenden, die ihren Ursprung auf der Insel Tsushima haben, weisen aufgrund der geographischen Nähe zur Insel Kyūshū Ähnlichkeiten zu den Legenden über die Geburt Hachimans auf. Mishina untersuchte die mit buddhistischem Gedankengut durchzogenen Quellen, und fand Übereinstimmungen zu koreanischen Mythen über die legendären Herrscher des Königreichs Silla.[4]

Dem Tendō-Glauben zufolge wird die Geburt des Tendō in zwei Versionen erklärt, wobei die erste dem Mythos über Jingū Kōgō 神功皇后 entspricht, die durch Sonnenstrahlen geschwängert wurde. In der zweiten Version wird eine kaiserliche Gemahlin verstoßen und von ihrem Vater aufs Meer hinausgeschickt. An den Strand getrieben, bringt sie an dieser Stelle den „Himmelsknaben“ zur Welt.

Diese Legende entspricht der Hachiman-Legende von Osumi, die in Kagoshima ihren Ursprung hat. Nach der Legende des Shō-Hachiman von Osumi, herrschte am Anfang der Glaube an eine jungfräuliche Muttergöttin vor. Jenen Überlieferungen zufolge wurde in Kagoshima die 7- jährige Ōhirume 大比留女 verehrt, die wie Jingū Kōgō durch Sonnenstrahlen geschwängert wurde. Der Mythos über eine Empfängnis durch Sonnenstrahlen, hat ebenfalls Entsprechungen in koreanischen Legenden nach samguk-sagi und samguk-yusa, wonach der Uhrahn des Könighauses von Silla unter ähnlichen Umständen geboren wurde.[5]

Weiters ist im Bezug auf den Sonnenstrahlenmythos zu erwähnen, dass im Nihon shoki 日本書紀 in den Mythen über die Erzeugung der Götter, Ōhirume anstelle von Amaterasu 天照 als Sonnengöttin erwähnt wird.[6] In früheren historischen Überlieferungen wurden in Usa Hachiman und Hime-kami („Mädchengottheit“) verehrt, zu der später noch Ōtarashi-hime hinzukam. Sie wurde allerdings als eigenständige Gottheit erst beigefügt, als sich der Glaube gefestigt hatte, dass die unter dem Namen Yahata/Hachiman verehrte Gottheit in Usa, Ōjin Tennō 応神天皇 ist.[7]

Hachimans Ursprung als Bergbau- und Schmiedegottheit

Einen ursprünglichen Bezug Hachimans zum Metall- und Schmiedehandwerk lässt sich auf verschiedenen Ebenen feststellen.

Neben der bereits erwähnten Legende über den sonderbaren Schmied, der sich als Homuda Tennō (Hachiman) offenbarte, gibt es Ansätze, die Hachiman direkt mit einer bereits in Usa vorherrschenden einäugigen Schmiedegottheit in Verbindung bringen.

Naumann stützt sich in diesem Zusammenhang auf das 1290-1313 kompilierte Usa Hachiman gū takusen shū 宇佐宮託宣集, „Sammlung der Orakelsprüche des Usa-Hachiman-Schreins“, in denen urkundliches Material enthalten ist. In weiterentwickelten Schriften, die von buddhistischem Gedankengut absehen, manifestiert sich die Darstellung des Gottes Yahata in Form eines Kindes, sowie die Verbindung zum Schmiedehandwerk.[8]

Yanagita Kunio 柳田國男 weist neben einer Verbindung Hachimans zum Metall- und Schmiedehandwerk, auch einen gewissen Bezug zu einäugigen lokalen Gottheiten auf. In diesem Zusammenhang stützt sich Yanagita auf Überlieferungen des einäugigen Ikime- Hachiman, der mit dem erblindeten Fujiwara Kagekiyo 藤原景清 in Verbindung gebracht wird. Diese lokale Gottheit wird primär angebetet, um Genesung von Augenkrankheiten zu erhalten. Hauptschreine befinden sich in Oita 大分県, Miyazaki 宮崎県 und Kagoshima 鹿児島県.[3]

Untersucht man den Ursprung des Namens Yahata, so lässt sich ein gemeinsamer Ursprung mit der Gruppe der Hata feststellen, die in der Metallverarbeitung tätig waren. Soto galt als das älteste Bergbaugebiet Japans und war gleichzeitig Ausgangspunkt des Tendō-Kults. In diesem Gebiet siedelten sich nach Mishina chinesisch-koreanische Einwanderer aus Korea an, nachdem sie ihr Land aufgrund von Kriegswirren im 4./5. Jahrhundert verließen. Südkorea galt seit dem Altertum als Zentrum der Eisengewinnung- und Verarbeitung.[5]

Bereits im Buzen-fudoki 豊前風土記, das im Usa Hachiman takusen shū, enthalten ist, wird berichtet, dass sich eine koreanische Gottheit aus Silla auf dem Kabaru Berg im Bezirk Tagawa niedergelassen habe, auf dem seit jeher Kupfer abgebaut wurde. Wenn man vom koreanischen Ursprung der Hata ausgeht, unterstützt jener Mythos die These, dass die Hata im Kupferbergbau tätig waren. Daneben unterstand den Hata die Leitung des Hakozaki Schreins 筥崎宮 im Kazuya Distrikt von Chikuzen 筑前国, in dem Jingū Kōgō und Ōjin Tennō als Hauptgottheiten verehrt wurden.[9]

Verweise

Literatur

  • Fusō-ryakki 扶桑略記, Ausgabe Kōgaku sōsho Band 6, Tōkyō 1929.
  • Yuzuhara Hachiman engi 由原八幡縁起, Zoku-Gunshō-ruijū, maki 77.
  • Christine Guth Kanda 1985
    Shinzō: Hachiman imagery and its development. Cambridge, Massachussets u.a.: Harvard University Press 1985. (Exzerpt.)
  • Mishina Akihide (1943), Nichi-sen shinwa densetsu no kenkyū, Shinwa minzoku hen, Tokyo 1958.
  • Mishina Akihide (1943), Kojiki to chōsen, Tōkyō 1958.
  • Nelly Naumann 1988
    Die einheimische Religion Japans: Teil 1: Bis zum Ende der Heian-Zeit. Leiden: Brill 1988. (Exzerpt.)
  • Nelly Naumann 1964
    „Yama no kami - Die japanische Berggottheit: Teil II: Zusätzliche Vorstellungen.“ Asian Folklore Studies 23/2 (1964), S. 48-199. (Exzerpt.)
  • Kunio Yanagita 1934
    Hitotsume kozō. Tōkyō: Oyama Shoten 1934.

Fußnoten

  1. Kanda 1985, S. 37
  2. Naumann 1964, S. 121
  3. 3,0 3,1 3,2 Naumann 1964, S. 123
  4. Naumann 1988, S. 192
  5. 5,0 5,1 Naumann 1964, S. 125
  6. Naumann 1964, S. 126
  7. Naumann 1964, S. 124
  8. Naumann 1988, S. 198
  9. Naumann 1964, S. 133