Exzerpt:Nakano 2002, Tauben als Götterboten

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Themengruppe Exzerpte
Behandeltes Werk „Shinshi ‚hato‘“ 神使鳩, in:
Hayatoshi Nakano (Hg.) 2002
Hachiman shinkō jiten. Tokyo: Ebisu Kōshō 2002. (S.a. Sieben Stichworte zum Hachiman Glauben.)
, S. 62–64
Dieser Artikel wurde ursprünglich für das Schwesterprojekt Hachiman-no-pedia verfasst.


Einleitung

In vielen Schreinen gibt es Götterboten (goshinshi ご神使), wie unter anderem den Hahn des Ise Schreins 伊勢神宮, den Hirsch des Kasuga Schreins 春日大社 oder den Affen des Hiyoshi Schreins 日吉大社, die als Gesandte der Götter bezeichnet werden, und gelegentlich mit der Gottheit selbst gleichgesetzt wurden.

Z.B. gibt es im Kojiki 古事記 die Schilderung, dass Yamato Takeru (82-113), bei der Gelegenheit den Gott von Ibukiyama 伊吹山 zu unterwerfen, auf halbem Weg ein großes, weißes Wildschwein begegnete, welches wohl der Götterbote war und er ließ davon ab es zu töten. Das Wildschwein quälte ihn und in der Tat war es die Inkarnation des Gottes von Ibukiyama.

Eine solche Denkweise macht ersichtlich, dass die Japaner von je her, inmitten der Natur die sie umgab und die auch Tiere mit einschloss, Götter entdeckten. Es ist bekannt, dass die Taube der Götterbote des Gottes Hachiman ist, aber warum wird die Taube wohl als Götterbote gesehen?

Über die Entstehung weiß man zwar nicht genau Bescheid, aber man stellt verschiedene Entstehungen des Shinto Schreins, Schriftstücke, klassische Literatur und die Darstellung eines zuihitsu 随筆 vor und wir betrachten es zunächst einmal von dieser Seite.

Hachiman als Falke

Zunächst: Über die Errichtung des Takai Schreins, in dem sich Hachiman befand bevor er seinen Sitz im gegenwärtigen Aufenthaltsort hatte, über Kinmei Tennō 欽明天皇 dem 29. japanischen Kaiser, über Hachiman, der zum Falke wurde und angeflogen kam, über den Tempel, den Ōmiwa no Higi 大神比義 und Karashima Suguri Otome 辛嶋勝乙目 gebaut haben und feierlich begangen. Es gibt eine Überlieferung, nach der der Schrein Takai Schrein hieß, weil ein Falke heran geflogen kam und dort blieb (aus dem Jōwa-engi 承和縁起).

Zu Beginn der Nara-Zeit, im 3. Wadō Jahr 和銅三年 (710), schrieb auch das Hachiman Usa-gū gotakusenshū 八幡宇佐宮御託宣集, dass derselbe Gott ein Falke war und dort blieb.

Das gleiche Schriftstück datiert das erste Auftreten Hachimans ins 29. Jahr von Kinmei Tennō und berichtet darüber, dass auf der Seite des rautenförmigen Usa Teiches, der am Fuße des Kokura Berges liegt, die Verkörperung/Inkarnation Hachimans als goldener Falke zum Vorschein kam und, wenn Priester Omiwa no Higi ein Gebet hielt, er sich in eine goldene Taube verwandelte.

Durch solche Überlieferungen könnte man sich auch vorstellen, dass der Falke der eigentliche Götterbote Hachimans war.

Hachiman als lila Vogel / Taube

Im zweiten Buch des Hachiman gudōkun 八幡愚童訓, welches Anfang des 14. Jahrhunderts entstand, ist von einem einen Ort namens Yonjakiba 四闍牙 im indischen Savatthi die Rede, wo am 17. Tag des 12. Monats Jōwa 7 ein Priester ein Orakel abhielt. Zudem versammelten sich alle Bosatsus und verkündeten ihre Lehren und dort war ein sog. murasaki tori 紫鳥 („Lila Vogel“). Das dreimal am Tag erklingende Zwitschern dieses Vogels ähnelte der Musik der buddhistischen Predigten. Einem Orakel zufolge sagte Hachiman: „In diesen Vogel habe ich mich verwandelt, aber das Durchschnittsauge sieht nur eine Taube.“

Das heißt, im indischen Savatthi gab es einen murasaki tori genannten Vogel, der für gewöhnliche Personen wie eine Taube aussah, aber in Wirklichkeit Hachimans Verkörperung war.

Anfang des dreizehnten Jahrhunderts wurde auch im Miyadera enjishō 宮寺縁事抄 (eine Sammlung von Schreingedichten) des Iwashimizu Hachiman Schreins niedergeschrieben, dass das Orakel: 我紫鳥と云鳥化也 ("Ich habe mich in den murasaki genannten Vogel verwandelt") schon einmal stattfand, als der Mönch Gyōkyō 行教 (Gründer des Iwashimizu Hachiman Schreins) im Jahr 809 bei einem Schreinbesuch in Usa Sutren rezitierte. Man könnte die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass unter dem Einfluss eines solchen buddhistischen Gedankenguts die Taube zum Götterboten gemacht wurde. Unter anderem steht darüber hinaus auch im gudōkun über die nachfolgenden Minamoto 源氏, dass, als Minamoto no Yoriyoshi 源頼義 im Zenkunen Krieg (前九年の役, 1051-1063) von Abe Sadatō 安倍貞任 und Abe Munetō 安倍宗任 geplagt wurde, er zu Hachiman betete und eine Taube von einer Regimentsfahne herab stieg.

Das Kojidan 古事談 berichtet darüber, dass irgendwann eine Taube in die Residenz von Minamoto no Yoshiie 源義家 hineinflog und starb, nachdem sie drei muku (japanische Nussart) aus ihrem Mund fallen ließ und dass dies, Yoshiie zufolge, ein Bote Hachimans war, weshalb er Hachiman ein Schwert und ein Pferd vermachte. Im gudōkun (Band 1) steht, dass, als Minamoto no Yoritomo 源 頼朝 für die Unterwerfung der Heike 平家 zu Hachiman betete, sich eine weiße Fahne vom Himmel senkte, eine Bergtaube in den Himmel aufstieg, was als Symbol des geglückten Gebets galt, und eine Taube als Gott in Erscheinung trat.

Es gibt in ganz Japan „Taubenhügel“, „Taubengipfel“ oder „Taubenwald“ genannte Orte, was auf Gründungslegenden 創祀伝承 beruht, die besagen, dass an diesen Orten Tauben auftauchten, die als Götterboten angesehen wurden. Weiters kann man auf Schreintoren und Schreindächern oft die Hachiman Schriftzeichen „八幡“, sowie abgebildete Tauben erblicken. Ferner werden beim Usa Schrein am 18. Tag des dritten Monats und ein zweites Mal am 1. Tag des achten Monats, die der Taube als göttlichen Boten nachgebildeten Holzskulputuren, kaebato 換鳩 genannt, von den Schreinbesuchern im Inneren des Tempelbezirks bei der Durchführung des hatokae 鳩換 Rituals miteinander getauscht. Den Leuten, die ein richtiges, am kaebato befestigtes Nummernlos ziehen, wird vom Schrein eine goldene oder silberne Taube verliehen. In diesem Zusammenhang gibt es berühmte hatosabure 鳩サブレ (Taubenbutterkekse) als Kamakura Mitbringsel, die auch, um dem Glauben des Gründers des Tsurugaoka Hachiman Schreins 鶴岡八幡宮 treu zu bleiben, im Bezug auf die Taube, als Götterbote angefertigt sind. Gegenwärtig kennt man die Taube primär mit ihrem Ursprung als Friedenssymbol aus dem alten Testament, aber auch in Japan ist der Hachimanglaube seit jeher etwas, das gegenüber der Taube besondere Zuneigung hegt.