Ajisuki

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Themengruppe Gottheiten (Götter, numinose Erscheinungen)
Name Ajisuki („Gott des glänzenden Pfluges“)
Sonstige Namen Aji-shiki-taka-hiko-ne 阿遅鉏高日子根 (Kojiki), Aji-suki-taka-hiko-ne 味耜高彥根 (Nihon shoki)
Funktion, Wirkkraft Gott des Ackerbaus
Bemerkung Gott mit einem Sprachfehler; Sohn von Ōkuninushi 大国主
Dieser Artikel wurde ursprünglich für das Schwesterprojekt Fudokipedia verfasst.


Ajisuki (laut Kojiki 古事記 Aji-shiki-taka-hiko-ne-no-kami, laut Nihon shoki 日本書紀 Aji-suki-taka-hiko-ne) ist ein Sohn von Ōkuninushi 大国主 (bzw. Ohonamuchi wie er im Izumo fudoki 出雲風土記 genannt wird) und von Tagiribime no mikoto 田霧姫命, einer Tochter des Susanoo 須佐之男. Er wird auch als Gott des glänzenden Pfluges bezeichnet.

Er ist laut Izumo fudoki eine Gottheit des Kamo Schreins 賀茂神社 im heutigen Kyōto.

Ajisuki in Nihon shoki und Kojiki

Sowohl das Nihon shoki als auch das Kojiki erzählen die Geschichte von Ajisukis Besuch bei der Trauerfeier um den gefallenen Gott Amewakahiko.

Dieser wurde im Auftrag der Amaterasu 天照 und des Takamimusubi 高御産巣日神 , dem Großvater des Ninigi 邇邇芸, auf die Erde hinab geschickt, um dort aufständische irdische Götter zu unterwerfen. Um dies zu erreichen, bekam er einen himmlischen Bogen samt himmlischen Pfeilen. Jedoch setzte sich Amewaka-hiko in den irdischen Gefilden zur Ruhe und erstattete auch nach 8 Jahren keine Rückmeldung über seinen Verbleib. Um näheres herauszufinden, ließ das Götterpantheon den Fasan Na-naki-we als Späher hinterherschicken. Der Vogel setzte sich auf einen Baum außerhalb von Amewaka-hikos Anwesen und erkundigte sich lautstark danach, was dieser denn 8 Jahre lang getrieben habe. Die irdische Göttin Ama no sagume hörte dies und sagte Amewaka-hiko, dass der Vogel unlautere Dinge spricht und getötet werden müsse. Daraufhin zückte Amewaka-hiko seinen himmlischen Bogen und erschoss den Fasan. Der Pfeil flog weiter in den Himmel, wo er von Takamimusubi bzw. Amaterasu gefunden und zurückgeschleudert wird, woraufhin er Amewaka-hiko in die Brust traf und dieser starb. Das löste große Trauer bei seiner Familie aus und sie hielten eine Trauerzeremonie ab und errichteten ein Totenhaus. Sie trauerten 8 Tage und 8 Nächte um den verstorbenen Gott.

Auch Ajisuki kam um dem Toten, mit dem er gut befreundet war, seine Ehre zu erweisen. Nur war seine Erscheinung dem Verstorbenen so ähnlich, dass er von den Trauernden für diesen gehalten wurde. Das er für eine unreine, tote Person gehalten wurde, versetzte Ajisuki in Rage und er zerschlug das Totenhaus mit seinem Schwert und flog weg. Er wurde danach von den vormals Trauernden mit Gesängen geehrt.

Diese Geschichte kommt im Nihon shoki zweimal und im Kojiki einmal vor und unterscheidet sich jeweils leicht. In der ersten Version im Nihon shoki wird Amewaka-hiko von Takamimusubi auf die Erde geschickt, und in der zweiten von Amaterasu. Das Kojiki nennt hier beide Götter. Der zurückgeschleuderte Pfeil wird auch jeweils von den „Auftraggebern“ abgeschossen, im Kojiki jedoch nur von Takamimusubi.

Ajisuki Takahiko im Izumo fudoki

Laut Izumo fudoki ist Ajisuki ein Gott mit einem Sprachfehler: Er konnte nicht sprechen und machte nur unverständliche Geräusche, selbst als er erwachsen wurde. Ohonamuchi sorgte sich sehr um seinen Sohn und suchte um Wohlwollen bei den Göttern. Er wurde damit belohnt, dass er seinen Sohn im Schlaf reden hörte.

Interessanterweise ist in den Yamato-Mythen ein solcher Defekt nirgendwo erwähnt.

In den Übersetzungen des Bezirkes Ou wird außerdem ein Ajisuki Takahiko erwähnt. Es scheint sich dabei um dieselbe Gottheit zu handeln, denn er ist ebenso ein Sohn des Ohonamuchi und außerdem ebenfalls ein Gott des Ackerbaus. Sein Name bedeutet „Glänzender Gott der Hacke und des Pfluges“. Sein Hauptsitz ist nicht in Izumo, sondern im Kamo-Schrein 賀茂神社 in Katsuragi (im heutigen Kyōto). In Ou gibt es jedoch Ländereien bzw. Schreinhaushalte, die für den Kamo-Schrein arbeiten, daher wird diese Gemeinde Kamo genannt. Der Kamo-Schrein steht wahrscheinlich mit koreanischen Eliten am Yamato-Hof in Verbindung (s.u.).

Im Dorf Taku im Bezirk Tatenui 楯縫 soll seine Frau Ame no Mikajihime 天御梶日女命 ihren Sohn Takitsuhiko 多伎都比古命 (geboren haben. Taki bedeutet „Wasserfall“, weshalb es sich hierbei wohl um einen Wassergott handelt. Es gibt außerdem einen Wasserfall in der Nachbarschaft von Kannabi-Yama.

Im Bezirk Kando 神門, in der Gemeinschaft Yamuya 鹽冶, wird ein weiterer Sohn von Ajisuki Takahiko verehrt werden, nämlich Yamuyahiko 鹽冶毘古命. Deswegen wird dieser Ort Yamuya genannt.

Im gleichen Bezirk, in der Gemeinschaft Takagishi 高岸, soll der kleine Ajisuki Takahiko ein von seinem Vater eigens gebautes, hohes Gebäude zum darin Leben gehabt haben. Es war eine Leiter angebracht, durch die er hinauf- und hinabklettern konnte so oft er wollte. Ajisuki weinte Tag und Nacht laut und wurde von seinem Vater in diesem Gebäude, das mit einer hohen Klippe verglichen wird, aufgezogen und getröstet. Deswegen wird es Takagishi, „hohe Klippe“, genannt.

Im Bezirk Nita 仁多, in der Gemeinschaft Misaha, wird ebenfalls von Ajisuki Takahiko berichtet. Der Sohn des Ohonamuchi war stumm geboren. Weil er nicht sprechen konnte, weinte er Tag und Nacht, sogar nachdem sein Bart lang gewachsen war. Sein Vater nahm den Prinzen an Bord eines Schiffes und fuhr mit ihm rund um die Insel um ihn zu trösten. Trotzdem wollte Ajisuki nicht zu weinen aufhören. Ohonamuchi ersuchte um Wohlwollen bei den Göttern in seinen Träumen. „Sagt mir warum mein Sohn so viel weint, ich flehe Euch an.“ In der Nacht, in der er betete, sah er seinen Sohn im Traum sprechen. Er erwachte sofort und sprach zu seinem Sohn. Dieser stotterte ein einziges Wort: „misaha“. „Was ist das für ein Ort, den du so nennst, mein Sohn?“, fragte Ohonamuchi. Daraufhin brach Ajisuki auf, überquerte einen Fluss aus Kieselsteinen und lief einen Hang hinauf. Als er den oberen Teil des Hügels erreichte, blieb Ajisuki stehen und sagte: „Dies ist der Ort, mein Herr.“ An diesem Platz gab es eine Quelle, in welcher Ajisuki badete um seinen Körper mit dem Quellenwasser zu reinigen. Wegen Ajisuki wird heute eine schwangere Frau nicht den Reis essen, der in diesem Dorf gewachsen ist. Würde sie diesen Reis essen, würde ihr Kind stumm geboren wären, so sagt man.

Möglicher Ursprung von Ajisuki

Die Figur des Ajisuki hat eine Entsprechung in Homuchiwake 誉津別命, dessen Beziehung zu Izumo in Nihon shoki und Kojiki erwähnt wird.

[Nihon shoki:] Homuchiwake kommt als Sohn des Kaisers Suinin 垂仁天皇 zur Welt, wird allerdings Halbwaise, nachdem seine Mutter zusammen mit ihrem Bruder gegen Suinin rebellieren und dabei sterben. Mit 30 ist Homuchiwake immer noch stumm. Als er aber einen fliegenden Schwan sieht, fragt er was das sei. Suinin befiehlt seinen Gefolgsleuten, diesen Schwan zu fangen, was dann auch im fernen Izumo gelingt. Homuchiwake fängt darufhin an zu sprechen.[1]

[Kojiki:] Hier hat das Fangen des Schwans keinen Erfolg. Im Traum erscheint Suinin jedoch der Gott von Izumo und verlangt nach einem Palast. "Wenn du das nicht tust, wird dein Sohn niemals geheilt werden". Eine Kommission mehrerer Prinzen, darunter Homuchiwake, reist daraufhin nach Izumo, wo der Prinz tatsächlich seine Stummheit verliert. Suinin lässt danach den versprochenen Palast errichten.[2]

Im Izumo fudoki wird von einem Palast für Ohonamuchi berichtet, der dem kaiserlichen Palast nachgebaut worden war. Aoki sieht hier ein Zeichen für den großen Einfluss, den Izumo (oder Kizuki) auf den Yamato-Hof ausübte.[3]

Den Prinzen Homuchiwake bringt Aoki insofern in Verbindung mit Ajusuki, als sie die Sprechstörungen beider Charaktere auf schamanischen Ursprung zurückführt. Das Motiv eines stummen Kindes sei in folkloristischen Mythen Nordasiens und Nordeuropa häufig vertreten.

Koreanische Einwanderer

Bekannterweise sandte der Yamato-Hof koreanische Einwanderer oder Flüchtlinge nach Izumo, um die Macht des dortigen Herrschers zu schwächen. Besonders im Flussdelta des Flusses Hino 斐伊川 wurden diese jedoch nicht konfliktfrei akzeptiert. Die ursprünglichen Bewohner Izumos verehrten den Gott Ohonamuchi, während die neuen Siedler an die Gottheit Ajisuki glaubten, die vom Yamato-Hof kam. Möglicherweise blieben sie aufgrund mangelnder Kenntnis der japanischen Sprache auch untereinander und gliederten sich nicht ein. Die heimischen Siedler sahen höchstwahrscheinlich auf sie herab. Allerdings mussten sie zugeben, dass die neuen Siedler mehr Wissen und Erfahrung in der Landwirtschaft verzeichneten als sie selbst und dass ihre Werkzeuge den eigenen überlegen waren. Auch wenn sie diese Überlegenheit anerkannten, konnten sie sich nicht überwinden, den Gott Ajisuki zu verehren. Ohonamuchi adoptierte also Ajisuki, den Gott des glänzenden Pfluges.

Aoki meint, man könne davon ausgehen, dass die Sprechstörungen des Gottes des glänzenden Pfluges die Unkenntnis der japanischen Sprache der koreanischen Einwanderer symbolisiere, während der Konflikt zwischen den heimischen und den neuen Siedlern in der Mythologie als Vater-Sohn-Beziehung dargestellt wurde.[4]

Im Izumo fudoki wird berichtet, dass Ohonamuchi nach seinem weinenden Sohn sah, bis es diesem besser ging. Als Ajisuki reifer wurde und sich an Izumo anpasste, hörte er auf, zu lamentieren. Dies könnte ebenfalls die sich langsam entwickelnde Beziehung zwischen den einheimischen Siedlern und den neuen Einwanderern darstellen bzw. die Anpassung der Einwanderer an Izumo.

Schreine

Aus einer Liste des Izumo fudoki geht hervor, dass 44 von den 122 Schreinen Ajizuki gewidmet waren. Der Gott des glänzenden Pfluges war eine sehr hochgeschätzte Gottheit der Agrikultur und es gab in der Gegend viel fruchtbaren Boden, der sich sehr gut zum Reisanbau eignete. Dadurch war Ajizuki eine wichtige Gottheit für Izumo.

Verweise

Literatur

  • Michiko Yamaguchi Aoki (Ü.) 1971
    Izumo fudoki. (Monumenta Nipponica Monograph.) Tokyo: Sophia University 1971.
  • William George Aston (Ü.) 1896
    Nihongi: Chronicles of Japan from the earliest times to a.d. 697. London: Kegan Paul 1896. (Zahlreiche Neuauflagen, JHTI Onlineversion, Onlineversion (Wiki-Source).)
  • Basil Hall Chamberlain (Ü.) 1932
    Kojiki: Records of ancient matters. Kobe: J. L. Thompson & Co 1932. (Erste Auflage 1919, JHTI Onlineversion, Onlineversion.)
  • Norman Havens, Nobutaka Inoue (Hg.) 2001
    Encyclopedia of Shintō: Volume one: kami. (Contemporary Papers on Japanese Religion, Bd. 4.) Tokyo: Institute for Japanese Culture and Classics, Kokugakuin University 2001.

Internetquellen

  • Ajisuki, The Studies of Japanese Culture (Zugriff über Internet Archive)
Letzte Überprüfung der Linkadressen: 2021/08/12

Fußnoten

  1. Aston 1896, S. 170–73, 174–175.
  2. Chamberlain, S. 237–239.
  3. Aoki 1971, S. 64
  4. Aoki 1971, S. 66