Kichijō-ten 吉祥天 (auch: Kisshō-ten, Kudoku-ten 功徳天, Sanskrit: Lakshmi bzw. Lakṣmī लक्ष्मी), war zeitweise Mitglied im Ensemble der Sieben Glücksgötter (Shichi Fukujin 七福神), wobei sie Jurōjin 寿老人 ersetzte. Sie ist die Göttin des Glücks, der Schönheit und des Reichtums, sowohl im weltlichen als auch im spirituellen Sinne. Manche Quellen sehen sie zudem als Göttin der Fruchtbarkeit.[1]
Herkunft
Kichijō-ten hat ihren Ursprung in der indischen Göttin Shri Lakshmi (auch bekannt als Mahashri oder Mahadevi), der göttlichen Gemahlin oder Muse schlechthin, etwa in Gestalt der Ehefrau Vishnus. Im japanischen Buddhismus (jap. bukkyō 仏教) wird Kichijō-ten häufig als Ehefrau Bishamon-tens 毘沙門天 oder als dessen Schwester betrachtet. Bishamon-tens Sohn Zennishi Dōji 善膩師童子 soll ihr gemeinsames Kind sein.[2]
Das Goldglanz Sutra[3] (Konkōmyō Saishōōkyō 金光明最勝王経) erlangte in der Nara-Zeit 奈良時代 (710–794) in Japan große Beliebtheit. Bestärkt wurde dies durch die Politik Shōmu Tennōs 聖武天皇 (701–756, r. 724–749), der 741 im ganzen Land Schutztempel (kokubunji 国分寺) errichten ließ, in denen primär das Goldglanz Sutra kopiert und rezitiert zu werden hatte.[4] Dadurch gewann auch Kichijō-ten an Bedeutung[5], die in dem Sutra als Hauptfrau Bishamon-tens eine wichtige Rolle inne hat.
Nach Angaben Mark Schumachers verlor sie gegen Ende des 15./16. Jahrhunderts ihre wichtige Stellung in der Heiligenverehrung, während Benzai-ten 弁財天 zunehmend an Popularität gewann und letztendlich an ihre Stelle rückte. Der Austausch ging so weit, dass heute noch Darstellungen Kichijō-tens fälschlicherweise Benzai-ten zugerechnet werden.[6]
Verehrung
Die Sieben Glücksgötter inklusive Kichijō-ten, Edo-Zeit, 1783 [Abb. 2]
Die Verehrung Kichijō-tens fand ihren Höhepunkt in der Nara-Zeit (710–794). Das buddhistische Bußritual zum Jahresanfang, kichijō keka 吉祥悔過, in dessen Zentrum Gemälde und Skulpturen Kichijō-tens in verschiedenen Tempeln standen, erfreute sich damals großer Beliebtheit.[7] Das kichijō keka wird vom 8.1. bis zum 14.1. eines jeden Jahres abgehalten. Es sollen während des Gebets zu Kichijō-ten die Sünden des letzten Jahres bereut werden, dafür erhofft man sich gute Ernte und Frieden im kommenden Jahr. Das Ritual besteht bis heute im Tempel Hōryū-ji 法隆寺 in Ikaruga 斑鳩町, Nara, wenn es auch ob des Bedeutungsverlusts Kichijō-tens weniger Gläubige anzieht, als in der Nara-Zeit, in der es zu den wichtigsten religiösen Bildern gehörte, möglicherweise sogar unter ihnen das Bedeutendste war.[8]
Kichijō-ten wurde meist als adlige Hofdame der Tang-Dynastie 唐朝 (China, 618–907) dargestellt und besonders von japanischen Hofadeligen (kuge 公家 ) verehrt. Die aufkommende Klasse der Samurai in der Kamakura-Zeit (1185–1335) zog jedoch die Göttin Benzai-ten vor, die ebenfalls dem Goldglanz Sutra entstammt, jedoch eher als „Frau des Volkes“ angesehen wurde. Dadurch verlor Kichijō-ten an Zuwendung und Bedeutung, was vermutlich auch ihr Ausscheiden aus den Sieben Glücksgöttern erklärt.[9]
Abbildung Kichijō-tens im Tempel Yakushi-ji, Mitte der Nara-Zeit (746–764), jap. Nationalschatz [Abb. 3]
Kichijō-tens Darstellung orientiert sich häufig an der einer Hofdame der Tang-Dynastie. Ihre Gewänder sind oft mehrlagig und reich verziert, auffallend ist zudem ein aufwendiges Diadem, das sie auf vielen Abbildungen trägt. Im Gegensatz zu ihrer indischen Vorlage Lakshmi, die heute meist als vierarmige Göttin auftritt, hat Kichijō-ten nur zwei Arme.
Ihre rechte Hand ist oft in der Geste der Zuversicht und Sicherheit, abhaya mudra (jap. semui 施無畏), geöffnet. In der linken Hand hält sie in den meisten Darstellungen ein Wünsche erfüllendes Juwel (hōju 宝珠). Die starke Verbindung mit dem Wunschjuwel scheint primär eine japanische Entwicklung zu sein, da Lakshmi eher mit einem Lotusblatt in der linken Hand abgebildet wird.[10] Kichijō-ten steht zudem oftmals auf einer Lotusblüte.
Handhaltung wie auch das Juwel können dazu dienen Kichijō-ten und Benzai-ten auseinanderzuhalten.
Kichijō-ten auf einem Lotusblatt, rechte Hand zeigt die Geste der Zuvesicht und Sicherheit (abhayamudra), in der linken Hand ein Wünsche erfüllendes Juwel (hōju 宝珠), Meiji-Zeit 明治時代 (1868–1912) [Abb. 5]
The Virtual Museum of Japanese Arts (Übersichtsseite über verschiedene jap. Künste. Erstellt von Kodansha International Ltd. im Auftrag des jap. Außenministeriums) (Zugriff über Internet Archive, Flashplayer notwendig)