Japanische und koreanische Abstiegsmythen

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ThemengruppeErzählung (Mythos, Legende, Märchen, etc.)
Schlagworte Abstiegsmythos
Protagonistenu.a. Nigihayahi 饒速, Hwan'ung 桓雄
Dieser Artikel wurde ursprünglich für das Schwesterprojekt Fudokipedia verfasst.


Parallelen, die im folgenden Artikel herausgearbeitet und näher ausgeführt sind, lauten: Der Abstieg vom Himmel, das Einkleiden des vom Himmel steigenden Herrschers in besondere Gewandung, Throninsignien und Gefolge, Rückkehr in den Himmel, Assoziation mit Schwert und Bogen und der Jäger als dynastischer Ahnherr.[1]

Nigihayahi

Der Charakter des Absteigemythos ist laut Ōbayashi durch die Episode des Nigihayahi 饒速日, eines älteren Bruders des Ninigi 邇邇芸/瓊瓊杵, 天津彦彦火瓊瓊杵 und Enkels der Amaterasu 天照, versinnbildlicht. Seiner Geschichte wird im Kojiki 古事記 und Nihon shoki 日本書紀 keine weitere Beachtung geschenkt, eine detaillierte Version findet sich allerdings im Sendai kuji hongi 先代旧事本紀.[2] Nigihayahi ist der Ahnherr der Mononobe 物部, eines führenden Adelsgeschlechts des 6. Jahrhunderts. Er kommt in einem himmlischen Felsenboot zur Erde, mit zehn Throninsignien und einem großen Gefolge. Danach zieht er weiter nach Yamato, wo er die Schwester des Stammesführers Nagasune-hiko 長髄彦 heiratet. Er stirbt jedoch, bevor sein Sohn Umashimaji 宇摩志麻遅 geboren wird. Takamimusubi 高御産巣日/高皇産霊, die große Himmelsgottheit, holt seinen Leichnam in den Himmel, um dort das Begräbnis zu vollziehen. Als Jinmu Tennō 神武天皇 von Kyūshū nach Yamato zieht, leistet ihm Nagasune erbitterten Widerstand, bis Umashimaji seinen Onkel tötet und sich Jinmu unterwirft.[3]

Ninigi

Siehe Kapitel Ninigi.

Tangun und Suro aus dem Samguk yusa

Das Samguk yusa 三国遺事, eine Sammlung von Mythen und Volksmärchen der Drei Königreiche Silla 新羅, Koguryŏ 高句麗 und Paekche 百済, berichtet von Hwan'ung 桓雄, der beschließt, vom Himmel auf die Erde zu steigen. Sein Vater überreicht ihm drei Throninsignien. Auf der Erde zeugt Hwan'ung einen Sohn, Tangun 檀君, der das Chosŏn-Königreich 朝鮮 gründet.

Als das Volk von Kara im Herbst ein Purifikationsritual vollzieht, ertönt eine Stimme vom Himmel, die die Ankunft eines Herrschers vom Himmel prophezeit. Eine goldene Schatulle, die in rotes Tuch gehüllt ist, fällt vom Himmel herab. Sie enthält sechs goldene Eier, die zu sechs Jungen werden. Der älteste, Suro 首露, wird zum ersten König von Kara.[4]

Ninigi, Nigihayahi und Hwan'ung 桓雄 steigen mit Throninsignien und großem Gefolge auf einem Berg hinab. Suro kommt in der Gestalt eines Eies, gebettet in eine Schatulle, zur Erde, Ninigi wird zur Investitur in besondere Gewandung gekleidet (ma-toko-ofu-fusuma 真床追衾).[5]

Rückkehr zum Himmel

Die Episode des Ame-waka-hiko 天稚彦 entspricht zwar keinem Absteigemythos im Sinne eines Herrschers vom Himmel, enthält jedoch auch interessante Parallelen dazu. Ame-waka-hiko wird von den Himmelsgöttern zur Erde gesandt, um Ōkuninushi 大国主, den Herren der Großen Lande, zum Abdanken zu bewegen. Er heiratet allerdings dessen Tochter und wird aufgrund des Verrats an den himmlischen Göttern getötet. Ame-waka-hikos Vater ruft seinen Sohn zum Begräbnis in den Himmel. Wie Nigihayahi so begibt sich auch Ame-waka-hiko zu Erde, um ein irdischer Herrscher zu werden, beide steigen nach ihrem Tod wieder ins Himmelsreich auf.[5]

Das Samguk yusa erzählt die Geschichte Hyŏkkŏses 赫居世, des Ahnherren der regierenden Elite Sillas. Auch er kommt in der Gestalt eine Eies zur Erde. Dort heiratet er die Tochter des Hühnerdrachens, also ein irdisches Wesen. Nach 61 Jahren der Regentschaft steigt er in den Himmel auf und fällt schließlich als Toter auf die Erde zurück. Ōbayashi setzt den Aufstieg mit seinem Tod gleich.[6]

Die Heirat Hyŏkkŏses mit einem irdischen Wesen ist vergleichbar mit Nigihayahi, der die Schwester Nagasune-hikos heiratet oder Ame-waka-hiko, der die Tochter des Ōkuninushi ehelicht.

Waffen in den Mythen

Laut Sendai kuji hongi befindet sich unter den zehn Throninsignien, die Nigihayahi mit sich bringt, ein Schwert. Als jedoch Jinmu Tennō in Yamato einfällt zeigen ihm Nigihayahis Nachkommen die Pfeile und Bogen des Himmels, um ihre Herkunft zu bestätigen.[7] Ninigi steigt mit drei Regalia zur Erde, auch darunter befindet sich ein Schwert. Sein Sohn Hikohohodemi 彦火火出見/日子穂穂手見 ist ein ausgezeichneter Jäger mit Pfeil und Bogen. In einem Mythos des Koguryŏ-Reiches, dem Ku samguk sa 旧三国史, findet sich eine identische Episode: Haemosu 解慕漱, der Sohn des himmlischen Herrschers, steigt mit einem Schwert zur Erde, sein Sohn Chumong 朱蒙 ist ein exzellenter Kämpfer und Jäger. Also zeigt sich in den Mythen ein Zusammenhang zwischen Generationen und Waffentyp.[8]
Der Urahn einer Dynastie war laut Ōbayashi stets ein Jäger, wie am Beispiel von Chumong und Hikohohodemi deutlich wird. Überdies sind beide die ersten Nachkommen der vom Himmel gestiegenen Gottheiten, die auf der Erde geboren werden. Die Wichtigkeit der Jagd für japanische und koreanische Herrscher wird in zahlreichen Quellen – Nihon shoki 日本書紀, Shoku Nihongi 続日本紀, Nihon kōki 日本後紀, Samguk sagi – belegt. Auch das Harima fudoki 播磨風土記 berichtet von Landschauen (kunimi 国見) Kaiser Ōjins 応神 und anderer tennō, bei denen eine der wichtigsten Tätigkeiten das Jagen war. Ōbayashi erklärt, dass die nachfolgenden Kaiser dem Beispiel ihrer mythischen Ahnen, die gute Jäger waren, Folge leisten mussten. Mit der Zeit verlor die Jagd allerdings ihren ehemals sakralen Charakter und wurde zu einem unterhaltsamen Zeitvertreib degeneriert.[9]

Ein spezifischer Heldentyp und das Motiv von „göttlicher Heirat“

Somit kristallisiert sich aus den geschilderten Erzählungen ein bestimmter Heldentypus heraus: Ein Kind himmlischer Gottheiten steigt vom Himmel zur Erde und bringt Bogen und Pfeile mit sich. Es heiratet eine irdische Frau, zeugt einen Sohn (Ame-waka-hiko ist hierbei die Ausnahme), kehrt zurück in seine Heimat, entweder lebendig oder nach seinem Tod, die eine Art Jenseits darstellt.

Diesen Heldentyp und das Motiv von divine marriage, einer Heirat zwischen einem Menschen und einer Gottheit – meistens handelt sich um eine männliche Himmelsgottheit und ein irdisches Mädchen – findet man unter anderen in den folgenden Mythen:

Tiere

Laut Kojiki trifft Jinmu Tennō während seiner Reise nach Yamato auf drei verschiedene Tierarten, eine Schildkröte, die das Meer symbolisiert, einen Bären, der das Land repräsentiert und eine Krähe, die den Himmel darstellt. Chumong trifft, gemäß dem Ku Samguk sa auf Schildkröten und Fische sowie Vögel. Für beide gelten Himmels- und Meerestiere als positive Einflüsse, die Landtiere als negativ.[1]

Brüder

Die Version des Jinmu-Mythos im Kojiki hat dieselbe Struktur wie der Origin Mythos Paekches. Itsusu 五瀬, der ältere Bruder Jinmus, spielt eine ähnlich bedeutende Rolle wie Jinmu selbst.[10] Gemeinsam ziehen sie Richtung Yamato, bis Itsuse im Kampf tödlich verwundet wird. Auch Onjo, der erste König Paekches, wandert mit seinem älteren Bruder Pullyu 沸流, um den richtigen Ort für die Gründung eines Königreiches auszuwählen. Sowohl im Kojiki als auch im Paekche-Mythos starten die Brüder gemeinsam. Der ältere Bruder, der das Meer verkörpert, stirbt, der jüngere, der das Land symbolisiert, gründet erfolgreich ein Königreich.[1]

Verweise

Literatur

  • Chōsen Shigakukai (Hg.) 1971
    Samguk yusa. Tōkyō: Kokusho Kankōkai 1971.
  • Sueharu Iida 1947
    Sendai kuji hongi: Hyōchū kujiki kōhon. Tōkyō: Mizuho Shuppan 1947.
  • „Ku samguk sa.“ Chōsen sōtokufu chūsūin (The Privy Council of the Governor-General of Chosen).Kōrai izen no fūzoku kankei shiryō sa-tsuyō (Compendium of materials concerning the customs prior to Koryŏ). Tōkyō: Kokusho kankōkai 1974, S. 766–771. (Neudruck vom 1940.)
  • Taryō Ōbayashi 1984
    „Japanese Myths of Descent from Heaven and their Korean Parallels.“ Asian Folklore Studies 43/2 (1984), S. 171-184. (Exzerpt.)
  • Tarō Sakamoto 1965
    Nihon shoki: Nihon Koten bungaku taikei, Bd. 67. Tōkyō: Iwanami Shoten 1965.
  • Tarō Sakamoto 1967
    Nihon shoki: Nihon Koten bungaku taikei, Bd. 68. Tōkyō: Iwanami Shoten 1967.
  • Yūkichi Takeda 1937
    Harima no kuni fudoki. Tōkyō: Iwanami Shoten 1937.
  • Yūkichi Takeda 1956
    Kojiki. Tōkyō: Kadokawa Shoten 1956.

Fußnoten

  1. 1,0 1,1 1,2 Ōbayashi 1984, S. 179
  2. Ōbayashi 1984, S. 171–172
  3. 3,0 3,1 Ōbayashi 1984, S. 172
  4. Ōbayashi 1984, S. 173
  5. 5,0 5,1 5,2 Ōbayashi 1984, S. 174–175
  6. 6,0 6,1 Ōbayashi 1984, S. 175
  7. Ōbayashi 1984, S. 176
  8. Ōbayashi 1984, S. 177
  9. Ōbayashi 1984, S. 178
  10. Chamberlain 1932, S. 157