Exzerpt:Naoki 1993

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Themengruppe Exzerpte
Behandeltes Werk
Kōjirō Naoki, Felicia G. Bock 1993
„The Nara state.“ In: John Whitey Hall, Marius B. Jansen, Kanai Madoka, Denis Twitchett (Hg.), The Cambridge History of Japan. Cambridge: Cambridge University Press 1993, S. 221–267. (Exzerpt.)


Autoren

Naoki Kōjirō 直木孝次郎 war ein japanischer Historiker, der im Jahre 1919 in Kōbe zur Welt kam und im Alter von 100 Jahren in 2019 verstarb. Er erwarb seinen Doktor in Literaturwissenschaften in Kyoto im Jahre 1969. Zeit seines Lebens, war er Professor an der Privat Universität Osakas und beschäftige sich mit dem Japan der Antike.

Felicia G. Bock wurde1916 in Tokyo geboren und studierte japanische Sprache und Kultur in Kōbe. Ihren Master of Arts machte sie im Fach Japanese Studies an der Universität of California in Berkeley. Weiters war sie als Lehrerin in Schulen in Tokyo und Yokohama tätig. Darüber hinaus arbeitet sie auch als Japanisch Übersetzerin für die U.S. Regierung.

Inhalt

Das Kapitel „The Nara State”, welches 1993 von Naoki Kōjirō geschrieben und im dem Sammelwerk The Cambridge history of Japan. Volume 1: Ancient Japan veröffentlicht wurde, geht im Detail auf die komplexen Strukturen und Machtverhältnisse ein, die das Japan der Nara Zeit prägten.

Naoki erläutert in seinem Text, dass die Nara Zeit (710–784 u.Z.) geprägt war von Wandel. Das Ziel des Kaiserhauses war die Schaffung eines Staates nach dem Vorbild Chinas. Von den Bemühungen, eine solchen Wandel einzuleiten, lassen sich drei gesamtheitliche Tendenzen feststellen:

  • Die Entwicklung religiöser Einrichtungen, sowohl Schintoistische als auch Buddhistische, welche die Festigung der Macht des Kaiserhauses auf einer religiösen Ebene vorantreiben sollten
  • Die Errichtung von Hauptstädten im chinesischen T'ang-Stil, die die Herrschaft des Tennō über das wachsende japanische Reich weiter legitimieren würden
  • Die Erschaffung eines bürokratischen Systems nach dem Vorbild T'ang Chinas und Sillas, das die Verwaltung der Bevölkerung und der Ländereien erleichtern solle.

(Naoki/Bock 1993:221)

Die drei Wellen des Wandels

Erste Welle

Während die Bemühungen des Kaiserhauses, einen starken Rechtsstaat unter dem Vorbild Chinas zu errichten, Wellen schlugen, und somit sowohl die Nara Zeit als auch das Japanische Reich der Antike nachhaltig formten, kristallisieren sich drei Abschnitte heraus, in denen dieser Wandel vonstattenging. Der erste Abschnitt, die Reformierung des Staates hin zu einer starken und um den Tennō zentralisierten Militärmacht, begann bereits im Jahre 672. mit dem Sieg des 40. Tennōs Japans, Temmu (herrschte 672–686), während des Bürgerkrieges. Temmu erkannte die wachsende Bedrohung durch Japans Nachbarstaaten auf dem Festland: T'ang China und die koreanischen Staaten Paekche, Koguryo und Silla, und sah die Not nach einem einheitlichen Staat mit Militär Präsenz vereinigt unter dem Tennō. Diese Reformen inkludierten die Einrichtung neuer Ministerämter zentriert um den Tennō. Dies geschah nach der Vorlage Chinas und Sillas. Letzter Staat feierte kürzlich große militärische und diplomatische Erfolge, die nicht nur die anderen koreanischen Reiche, Paekche und Koguryo, sondern auch T'ang China in den Sand setzten. Doch was Japan von China und Silla abhob war die Festigung der Macht nicht nur durch administrative und militärische Verfahren, sondern auch durch rituelle:

Although most modern scholars have concentrated on the introduction of Chinese bureaucratic forms and procedures during the Nara period, several recent studies are leading us to appreciate what Temmu and his court were doing to build an imperial order held together ritually, not just militarily and administratively. (Naoki/Bock 1993:227)

Erreicht wurde dies durch die Anbetung der japanischen Kami auf vier Ebenen. An oberster Stelle stand die Sonnengöttin Amaterasu, die Ahnin des Tennōs. Danach kam die Priesterschaft, die dem Tennō unterstand und auf dritter Ebene geschahen fortan alle wichtigen Riten und Darbringungen durch oder für den Tennō. Zu guter Letzt wurde der Ise Schrein und die Anbetung der Sonnengöttern Amaterasu über alle anderen Ahnenverehrungen gestellt. Die Implementierung dieses Systems legitimierte die Macht des Tennōs, und half darüber hinaus, die anderen Clan Führer jener Zeit unter Kontrolle zu halten, da der Tennō in ihrem Glauben nun über ihnen Stand. Der erste Abschnitt der Veränderung endete mit der Schaffung des Yōrō Kodex 718. Unter der Regierung Temmus gewann aber nicht nur der Shintoismus und die Verehrung der Sonnengöttin an Bedeutung, sondern der Buddhismus wurde auch weitgehend gefördert.

Zweite Welle

Die zweite Phase beginnt 710 mit der Fertigstellung der Hauptstadt in Nara und endet 752 mit der Einweihung des Rushana Buddhas. Diese Phase ist charakterisiert durch die Erbauung großer Hauptstädte im chinesischen Stil und den Ausbau buddhistischer Tempel rund um den Tōdai-ji. 710 leitete die Kaiserin Gemmei die Verlegung der Hauptstadt von Fujiwara nach Nara, dem damaligen Heijō, ein. Dies war die erste Hauptstadt der Nara Zeit, die im chinesischen Stil errichtet wurde. „But the spiritual authority of the emperor was enhanced not only by the building of an impressive Chinese-style capital but also by the erection of beautiful, massive Buddhist temples.” (Naoki/Bock 1993:244–245). Allen voran der Tōdai Tempel, der 745 von Shōmu Tennō erbaut wurde. Als besonderes Ereignis in diesem Zusammenhang gilt die Entdeckung von Bronze Adern 709 in Japan. Aus diesen wurde die 15 Meter hohe Rushana Buddha Statue gegossen, die im Tōdai-ji zu finden ist. Anlass zu dem weitläufigen Ausbau an buddhistischen Tempeln war die Pockenepidemie 735–737 unter Shōmu Tennō, die sage und schreibe ein Drittel der damaligen Bevölkerung ausgelöscht haben soll, und die Hirotsugu Rebellion 740, die darauf folgte.

Dritte Welle

Die dritte Welle des Wandels begann 740 mit der Fujiwara no Hirotsugu Rebellion in 740 und endete 784 mit der Verlegung der Hauptstadt aus Nara. Diese Welle war gezeichnet durch die langsame Erosion imperialer Kontrolle, welche sich schließlich in der Dōkyō Affäre gipfelte. Dōkyō, ein buddhistischer Priest der aufgrund seiner mystischen Fähigkeiten, aber in Wahrheit durch die Gunst der Shōtoku Tennō, die höchste Stelle innehatte, die ein Bürger jemals erreichen würde. Angeblich rettete Dōkyō das Leben der Tennō als sie in ihrer ersten Regierungszeit als Kōken Tennō (749–758) erkrankte. In ihrer zweiten Regierungszeit (764–770) erhob diese, Dōkyō zu einem Möchskaiser (Hōō). Seine Ambitionen stiegen weiter und er strebte den Tron an. Doch seine Pläne kamen zu einem abrupten Ende, als Shōtoku 770 verstarb. Die Hauptakteure in dem Kampf um die Thronfolge, der darauf entbrannte, waren die Nachfahren Tenjis und Temmus. Nach jahrerlanger Dominanz des Throns, durch Temmus Nachfahren, kam mit dem Kammu Tennō erstmals ein Nachfahre Tenjis auf den Thron. „The determination of the new leaders to keep Temmu's descendants from occupying the throne was linked with their desire to have the capital moved from Nara, where three strong empresses and two emperors of the Temmu line had reigned.” (Naoki/Bock 1993:266–267). Mit der Übersiedelung der Hauptstadt nach Nagaoka 784 und weiter nach Heian-kyō (heutiges Kyoto) 794 endete die Nara Zeit Japans.