Exzerpt:Heine 2003

Aus Kamigraphie
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Rezension:

Steven Heine 2003
„Did Dōgen go to China? Problematizing Dōgen's relation to Ju-ching and Chinese Ch'an.“ Japanese Journal of Religious Studies 30/1-2 (2003), S. 27-59. (Exzerpt.)

Der in Florida lehrende Religionswissenschaftler und Historiker Steven Heine startet seinen im Japanese Journal of Religious Studies publizierten Text mit einer markanten These: Reiste Dōgen wirklich nach China? Er analysiert die historische Rezeption der Reise des bekannten Mönchs und zieht einen überraschenden Vergleich – mit Marco Polo. Beide Personen besuchten das Land im 13. Jahrhundert. Die Reisegeschichte beider wurde oft wiedergegeben; deren Wahrheitsgehalt, so Heine, womöglich verdünnt: "The respective narratives are driven by the high status of the foreign visitors awarded by China, and this element is what also makes them rather questionable. Could it really have happened in this way?" (Heine 2003:29).

Heine zielt jedoch im Kern des Textes nicht darauf ab, den Wahrheitsgehalt der Reise als Ganzes zu negieren (Heine 2003:31), sondern legt den Fokus vielmehr auf deren Wiedergabe. Diese erfolgte vornehmlich durch Schriften der Sōtō-Schule, insbesondere das im 15. Jahrhundert erschienene Kenzeiki sowie die im 18. Jahrhundert neu kompilierte Version Teiho Kenzeiki (Heine 2003:33-34). In diesen Erzählungen finden sich phantastische Elemente. So soll Dōgen einen Tiger niedergerungen haben, er heilte mit Hilfe der Gottheit Inari kranke Menschen und es erschien ihm während eines Taifuns im Zuge seiner Rückreise nach Japan der Bodhisattva Kannon (Heine 2003:40). Auch die zeitliche Struktur seines Aufenthalts wirft Diskrepanzen auf: "Did the itinerancy begin in the fall of 1223 during Dōgen's first year in China, or in the following year?" (Heine 2003:32-33). Weiters ist bis heute nicht geklärt, ob der Mönch vier oder fünf Jahre in China verbrachte. Einmal mehr macht Steven Heine im hinteren Teil seines Aufsatzes darauf aufmerksam, dass sich die zeitliche Rekonstruktion des China-Aufenthalts nicht aus einer, sondern aus zahlreichen Quellen nur fragmentarisch zusammensetzen lässt (Heine 2003:33). "This process has created a compelling, if not necessarily accurate, narrative of Dōgen's quest for the true Dharma" (ebd.).

Die ihm zur Verfügung stehenden Quelltexte bewertet der Autor akribisch und fokussiert neben der biographischen auch immer wieder die hagiographische Ebene der Rezeption. Heine hinterfragt den Zweck einer ausschmückenden Wiedergabe und kommt zu folgendem Schluss: "The goal of the narrators of the itinerary seems to be to place Dōgen in proximity with prominent Ch'an monasteries and figures..." (Heine 2003:45). Bei Ch'an handelt es sich um die chinesiche Form des Zen-Buddhismus. Dōgen brach nach China auf, um sich in der reinen Praxis des Buddhismus zu üben. Nach seiner Rückkehr etablierte er die Sōtō-Schule. Unter Berücksichtigung dieser Fakten verdeutlicht sich die Signifikanz von Dōgens China-Reise. Es geht nicht bloß um die hagiographische Wiedergabe gegenüber Gläubigen, sondern ebenso um die Positionierung der Sōtō-Schule entgegen der bestehenden Linien des Buddhismus. Dies ist einer der zentralen Gedankengänge, die Steven Heine in seinem Text vermittelt.