Enuma Elisch

Aus Kamigraphie
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Themengruppe Primärquellen
Werktitel Enuma Elisch („Weltentstehungsmythos“)
Autor unbekannt
Entstehungszeit vermutlich 1. Jt. v. Chr.
Bemerkung 1094 Zeilen, die auf sieben Tafeln geschrieben sind
Diese Seite entstand im Kontext des Seminars Kamigraphie:Japanische Mythologie.


Das Enuma Elisch ist ein babylonisches Poem, dessen Entstehungszeit umstritten ist. Es wird aber weithin vermutet, dass es im 1. Jt. v. Chr. entstand. Nach W.G. Lambert sogar früher, zur Zeit des babylonischen Herrschers Nebukadnezar I. Er herrschte gemäß der mittleren Chronologie von 1125 bis 1103. Er zeichnete sich u.a. dadurch aus, dass er die Elamer – ein Volk aus dem heutigen, südlichen Iran – aus Mesopotamien vertrieb und die zuvor entführte Marduk-Statue nach Babylon zurückbrachte. Der sogenannte „Weltentstehungsmythos“ enthält 1094 Zeilen, die auf sieben Tafeln aufgeteilt sind. Der akkadische (eine erste bezeugte semitische Sprache) Titel bedeutet in etwa "Als oben" und spielt damit auf den Hauptort der Erzählung an. Es geht dabei aber nicht nur um die Erschaffung der Welt an sich, sondern auch um die theologische Rechtfertigung der Vorherrschaft des Stadtgottes Babylons im Pantheon. Marduk wird zum höchsten Gott und löst damit die traditionell höchsten Götter An und Enlil ab.

Zusammenfassung

  • Tafel I-II

Am Anfang, als noch nichts existierte, vereinigten sich die Urgötter Tiamat und Apsu, sodass eine Vielzahl junger Götter entstand. Als diese Menge lauter und störender wurde, beschloss Apsu, auf Rat seines ersten Ministers Mummu, die Junggötter zu eliminieren, zum Missfallen der Mutter Tiamat. Der allwissende Ea erfuhr diesen Plan, überfiel und tötete Apsu, während er schlief und sperrte den Minister Mummu ein. Nun errichtete Ea auf Apsu seine Wohnung und Marduk, auch Bel genannt, der nun Größte der jungen Götter in allen Belangen, wurde gezeugt und nachdem die (älteren?) Götter sich erneut bei Tiamat beschwerten, ihr vorwarfen nicht zu handeln, erschuf sie Dämonen, um die jungen Götter endlich zu vernichten.

  • Tafel III

Mutter Chubur (Tiamat) erwählte Kingu als Vorherrscher über Ihr Dämonenheer, welches sie voller Zorn kreiert hatte. Keiner konnte Tiamat standhalten, weder Anu noch Nudimmud (weitere Götter), sodass Marduk beschloss ihr entgegenzutreten. Unter Absprache mit den anderen Göttern handelte er so unter der Voraussetzung, dass wenn er Erfolg habe, er uneingeschränkte Macht erhalte.

  • Tafel IV

Der Kampf begann und als Kingu Marduk sah, verließ ihn der Mut und er verlor den Verstand. Letztendlich fesselte Marduk die Tiamat und ihre Helfer, dann tötete er die Muttergöttin, teilte ihren Körper und formte daraus den Himmel und die Erde.

  • Tafel V

Nach dem Kampf erschuf Marduk die Sternenbilder und den Kalender (Tag, Monat, Jahr) und entschloss sich mit den anderen Göttern zusammen, die ihm danken wollten, seine Wohnstätte Babylon, zu errichten. Vor den Zusammenkünften des Pantheons sollten alle Götter dort ihren Ruheplatz haben.

  • Tafel VI

So wie abgemacht erhielt Marduk die Vollmacht. Er erschuf nun Menschen, die den Göttern die schwere Arbeit abnehmen sollten. Alle anderen Götter erwiesen ihm Ehre, indem sie in Riten eine Vielzahl seiner verschiedenen Namen nannten. Diese teilte er in Himmelsgötter und Unterweltsgötter auf.

  • Tafel VII

Auf dieser Tafel werden die Namen zum Lob Marduks weitergeführt. Insgesamt sind es 50. Dies ist die Zahl Enlils. Vielleicht ein Verweis auf die Legitimität der Herrschaft Marduks.

Verweise

Literatur

  • W. G. Lambert 1994
    „Akkadische Mythen und Epen: Enuma Eliš.“ In: Otto Kaiser u.a. (Hg.), Texte aus der Umwelt des Alten Testaments Bd.3. Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus Mohn 1994, S. 565-602.