Ikonographie/Ordnungssysteme/Ryogai Mandara: Unterschied zwischen den Versionen

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Version vom 25. Mai 2020, 15:01 Uhr

Ryōgai Mandara, Mandalas der beiden Welten

Mandalas sind be·son·ders im Shingon Bud·dhis·mus zen·trale ri·tu·el·le Bild·werke, die man u.a. als Gegen·stand der Me·di·ta·tion nützt, um sich die Wahr·hei·ten des Bud·dhis·mus visuell zu ver·gegen·wär·tigen. Die bei·den Haupt·man·da·las der Shin·gon-Schule re·präsen·tieren je·weils eine eigene „Welt“, die zu·sam·men alle As·pek·te der Rea·li·tät um·fassen: „Mut·ter·schoß“- und „Vajra-Welt“. Da sie fast immer in Kom·bi·na·tion auf·treten, wer·den diese bei·den Man·da·las auch Ryōgai mandara, Man·da·las der bei·den Wel·ten, ge·nannt. In bei·den Wel·ten nimmt Dainichi Nyorai, der zen·trale Bud·dha des Shin·gon Bud·dhis·mus, die wich·tigste Stel·lung ein. Dieser Bud·dha zeigt sich, je nach·dem ob man ihn aus der realen, uns um·geben·den Mutter·schoß-Welt oder aus der Vajra-Welt — dem Zu·stand der per·fek·ten Er·leuch·tung — be·trach·tet, in unter·schied·lichen For·men, und dieser Unter·schied oder Dop·pel·aspekt soll sich sym·bo·lisch in den Man·da·las der bei·den Welten wider·spie·geln. Wichtig ist dabei, dass keine der beiden Wel·ten der an·deren unter·ge·ordnet ist, son·dern dass sie sich perfekt er·gän·zen. In den Riten des Shin·gon Bud·dhis·mus sollen daher beide Man·da·las neben dem Altar auf·ge·hängt werden, das Vajra-Welt Man·da·la im Westen, das Mut·ter·schoß-Mandala im Osten.

Vajra-Welt (Kongōkai)

Im Vajra-Welt Man·da·la (Kongōkai) er·kennt man Dai·nichi im mit·tle·ren obe·ren Feld der drei-mal-drei Haupt·felder. Diese An·ord·nung ent·spricht dem idea·len Grund·riss einer Haupt·stadt (nach chi·ne·si·schem oder auch klas·sisch-japa·ni·schem Muster): Der Pa·last des Kai·sers be·herrscht nach diesem Schema vom Nor·den her die Stadt. Dai·nichi trägt, im Ge·gen·satz zu sons·tigen Bud·dha-Dar·stel·lun·gen, eine Krone und faltet die Hände zur mudra der Weis·heit.

Kongokai.jpg
Der Hauptbuddha dieses Kongōkai mandara, Dainichi mit der Weisheits-mudra, befindet sich im mittleren, oberen Feld. Dieses mandala ist einer Hauptstadt mit dem Palast im Norden nachempfunden (s.a. ten Grotenhuis 1999, Japanese Mandalas, plate 6). Heian-Zeit, 9. Jh.
Bildquelle: Wikimedia Commons, bildbearbeitet
Kongōkai mandara, Heian Zeit (9.Jh.)

Die neun Fel·der sind in streng geo·metri·sche Formen unterteilt. Im Fach·jargon werden die Einzel·fel·der des Kongōkai mandara als „Versammlungen“ bezeichnet. Die Ver·samm·lungen bestehen bei genauer Be·trach·tung aus un·zäh·li·gen Buddha- und Bodhisattva-Gestalten, doch ist ihre Zahl und An·ord·nung genau fest·gelegt. Dai·nichi kommt im übrigen, wie an·dere Bud·dhas auch, in meh·re·ren dieser Ver·samm·lun·gen vor. Jede Ver·samm·lung kann auch als ein·zel·nes Man·dala gelesen und dar·ge·stellt werden.

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Die „Versammlungen“ der neun Felder des Kongōkai von oben links nach unten rechts: 1) Vier mudrā-Versammlung 2) Ein mudrā-Versammlung 3) Höchstes Prinzip Versammlung
4) Opfer Versammlung 5) Perfekter Körper Versammlung 6) Versammlung des Gōsanze Myōō
7) Subtile Versammlung 8) Samadhi Versammlung 9) Gōsanze Samadhi Versammlung
Bukkyō no benkyōshitsu, über Internet Archive
1) Vier Mudrā Versammlung 2) Ein Mudrā Versammlung 3) Versammlung des Höchsten Prinzips
4) Opfer Versammlung 5) Perfekter Körper Versammlung 6) Versammlung des Gōsanze [Myōō]
7) Subtile Versammlung 8) Samadhi Versammlung 9) Gōsanze Samadhi Versammlung

Mutterschoß-Welt (Taizōkai)

Im Mutterschoß-Welt Mandala (Taizōkai mandara) nimmt Dai·nichi die Po·si·tion im Zen·trum des Bil·des ein. Auch hier hat er — typisch für den eso·teri·schen Bud·dhis·mus — eine Krone auf, seine Hände sind aller·dings zur Medita·tions-mudra gefaltet. Dieses Man·dala ist einem Palast nach·emp·fun·den, die ein·zel·nen Felder werden hier als „Hallen“ be·zeich·net.

Taizokai kamakura.jpg
Der Hauptbuddha dieses Mutterschoß-Welt Mandalas (Taizōkai mandara) ist Dainichi mit der Meditations-mudra. Er befindet sich im Zentrum des Bildes. Dieses mandala ist einem Palast nachempfunden (s.a. ten Grotenhuis 1999, Japanese Mandalas, plate 8). Heian-Zeit, 9. Jh.
Bildquelle: Wikimedia Commons, bildbearbeitet
Taizōkai mandara, Heian Zeit (9.Jh.)

Auch hier sind die je·wei·li·gen Buddha- und Heils·ge·stal·ten ganz genau fest·gelegt. In manchen Man·dalas werden sie gar nicht figu·rativ aus·ge·staltet, sondern durch ihre „Samen-Zeichen“ (jap. shuji, skt. bija) re·prä·sen·tiert. Diese sind Silben·zeichen in einer in·dischen Schrift namens siddham,1 die sym·bolisch für einen Bud·dha stehen. Diese besondere Symbol·schrift wird in Japan vor allem im eso·teri·schen Bud·dhis·mus verwendet. Sie ist noch heute im Shin·gon und in Zwei·gen des Tendai Bud·dhis·mus in Ge·brauch.

Taizokai shuji.jpg
Taizōkai mandara mit shuji. Shūji (skt. bija) sind Silbenzeichen in einer indischen Schrift namens siddham. Sie stehen hier jeweils für einen Buddha des konventionellen Taizōkai mandara. Heian-Zeit, 9. Jh.
Bildquelle: Bukkyō no benkyōshitsu, über Internet Archive
Taizōkai mandara mit shūji-Zeichen.

Die Namen der bei·den Man·dalas, Mut·ter·schoß und Vajra (oft auch als Dia·mant oder Don·ner·keil bezeichnet), leiten sich von ver·schie·denen Sutren ab, die ur·sprüng·lich un·ab·hän·gig von ein·an·der ent·standen, aber von Kūkai, dem Be·grün·der des ja·pani·schen Shin·gon, oder von sei·nem chi·ne·si·schen Lehrer Huiguo, als ele·men·tare Lehr·schrif·ten ihrer Schule aus·gewählt wurden. Es ist aller·dings bis heute strittig, wie die An·ord·nung der ein·zel·nen Bud·dhas genau mit den je·weili·gen Tex·ten in Be·zieh·ung steht.

Bei der Kom·bina·tion der bei·den Man·dalas, die außer·halb Japans kaum bekannt ist, dürfte wohl auch die Yin Yang-Philo·sophie, bzw. die Berück·sich·tigung eines männ·lichen und eines weib·lichen Prinzips, eine Rolle gespielt haben: Obwohl dieser Punkt selten er·wähnt wird, er·scheint mir der ge·schlecht·liche Aspekt von „Mut·ter·schoß“ und „Vajra“ in der Kom·bi·na·tion der bei·den Man·da·las keines·wegs zu·fällig.

Anmerkungen

  1. Siddham ist ver·wandt aber nicht i·den·tisch mit der Devana·gari Schrift, in der Sans·krit üblicher·weise ge·schrie·ben wird.