Jizō Bosatsu

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Jizō Bosatsu

Jizō (skt.

Kṣitigarbha क्षितिगर्भ (skt., m.)

„Schatzhaus/Mutterleib der Erde“, populärer Bodhisattva (jap. Jizō 地蔵)

Buddha

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) gehört mit Kannon zu den mit Abstand populärsten

Bodhisattva बोधिसत्त्व (skt., m.)

„Erleuchtetes Wesen“, Vorstufe zur vollkommenen Buddhaschaft (jap. bosatsu 菩薩)

Buddha

Der Begriff „Bodhisattva“ wird in diesem Handbuch auf folgenden Seiten erwähnt:

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Figuren in Japan. Im Ver·gleich zu Kannon ist er viel·leicht nicht ganz so wirk·mächtig, dafür aber umso ver·trauter, all·täg·licher und „ein·hei·mischer“. Jizō-Statuen gibt es an allen mög·lichen und un·mög·lichen Stellen. Alle haben das Aus·sehen eines  buddhis·tischen Mönchs mit kahl gescho·renem Schädel (eine große Aus·nahme unter Bodhisattva Figuren). In seinen Händen hält Jizō meist einen Pilger·stab und/oder eine Wunsch·er·füllungs·perle (nyoi no tama). Oft erscheint Jizō außer·dem ju·gend·lich oder sogar kindlich.
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Jizō (skt. Kshitigarbha) mit Pilgerstab und Wunscherfüllungsperle (nyoi no tama), auf zwei Lotusblättern stehend, unterwegs auf einer Wolke, um Sünder aus der Hölle zu erretten. Muromachi-Zeit, 14. Jh.
Museum of Fine Arts, Boston
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Jizō (skt. Kshitigarbha) als Knabe in Mönchstracht mit dem Wunscherfüllungsjuwel (nyoi no tama) in seiner linken Hand. Werk von Zen'en. Kamakura-Zeit, 1223–26
Bildquelle: Asian Art Outlook
Klassische Jizō-Darstellungen aus der Kamakura-Zeit

Begleiter der Toten

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Detail aus einer Darstellung der buddhistischen Hölle, in der Jizō (skt. Kshitigarbha) in Kind errettet. Werk von Kanō Dōhaku. Edo-Zeit, 1819
Online Archive of California
Jizō rettet ein Kind aus der Hölle

Jizōs Popu·larität hängt zwei·fel·los mit seiner Rolle als Be·glei·ter der Toten·seele auf dem Weg in die Unter·welt zusammen. Zahl·reiche Legen·den erzählen, wie er in die Hölle hin·ab·steigt und die Sünder, die dort eigent·lich mehrere Erd·zeit·alter lang schmoren müssen, auf seine Lotosblüte holt und von ihren Qualen errettet. Daher findet man die meisten Jizō Satuen auch auf Fried·höfen.

Im Grunde spielt Jizō jedoch eine Doppel·rolle im buddhis·tischen Jenseits·glauben. Bestimmte Über·liefe·rungen sehen Enma, den strengen Richter der Unter·welt, als eine seiner Mani·fes·ta·tionen an. Jizō ist dem·nach sowohl für die Ver·ur·tei·lung als auch für die Gnade gegen·über jenen, die gegen die Gebote des Buddhis·mus verstoßen haben, ver·ant·wort·lich. Eines der zahl·reichen Beispiele dafür, wie nahe mild·tätige Barm·herzig·keit und furcht·ein·flößende Strenge in der buddhis·tischen Ikono·graphie bei einander liegen. (Siehe dazu auch das Kapitel „Mythen“, Jenseitsvorstellungen.)

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Steinstatue des Jizō (skt. Kshitigarbha) auf dem Friedhof Oku-no-in am Berg Kōya.
Super Ape, flickr, 2007
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Moderne Statue des Jizō (skt. Kshitigarbha) am Berg Osore.
Bildquelle: Eve Anderson, 2004
Jizō-Denkmäler auf Friedhöfen

Jizō und die Wasserkinder

Als Retter der Seelen nimmt sich Jizō auch all jener an, die kein ordent·liches Begräbnis erhalten (muen botoke, wtl. „

Buddha बुद्ध (skt., m.)

„Der Erleuchtete“ (jap. butsu, hotoke 仏 oder Budda 仏陀)

Buddha

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ohne Bindung“), im speziellen ist er aber der Schutz·herr der un·ge·borenen (abgetriebenen) und früh ver·stor·benen Kinder. Man nennt sie mizuko, „Wasserkinder“. Zwischen diesen mizuko und Bodhi·sattva Jizō gibt es ein be·son·deres Nahe·verhältnis. Ohne Jizō, so eine populäre Er·klä·rung, könnten die Seelen der Kinder den Fluss der Unter·welt nicht über·queren und müssten ewig im Niemands·land zwischen Dies·seits und Jen·seits, dem Steinigen Flussufer (Sai-no-kawara), umherirren.

In Japan war Ab·trei·bung nie mit einem beson·deren Tabu belegt, aber man erachtete und erachtet die Un·ge·boren doch als Wesen, für deren Seelen gebetet werden muss. Diesen Glauben und die damit ver·bunden Rituale nennt man mizuko kuyō, Gedenk·riten für die Wasser·kinder. Auf vielen Fried·höfen gibt es bestimmte Areale für diesen Kult. Hier können Eltern von ab·ge·trie·benen oder tot·ge·borenen Kindern Jizō Statuen auf·stellen lassen, die dann stell·ver·tretend für die Kinder mit Riten und Opfern bedacht werden. Man nennt solche Statuen·gruppen — oft ohne zu über·treiben — sentai jizō (tausend Jizō) oder „Jizō Armeen“. Berühmte Fried·höfe für die Wasser·kinder mit den ent·srechen·den Jizō Armeen gibt es bei·spiels·weise im Hase-dera in Kamakura; in Ogano-machi, im Norden Tokyos, wo zum Bon Fest alle Statuen be·leuchtet werden; oder auf dem großen Friedhof des Tempel·bergs Kōya südlich von Nara.

Ich per·sönlich habe immer den Eindruck, dass die Tausend-Jizō Statuen die mizuko-Kinder selbst re·prä·sen·tieren. Propor·tionen und Aus·sehen der glatz·köpfigen Mönchs·gestalt des Jizō werden auf den ent·sprech·enden Statuen dem Bild eines Säug·lings ange·glichen. Viele Eltern kleiden einzelne Statuen an, meist mit einem roten Lätzchen und Käppchen, manch·mal auch mit Kinder·gewand. Auch findet man gelegen·tlich Kinder·spiel·zeug als Opfer·gabe. Bestimmte Orte, die mit dem Ein·gang ins Jenseits identi·fiziert werden, wie etwa der Osore-zan („Angst-Berg“) in Nord-Japan, sind u.a. an ihren Jizō-Statuen und ihren Wind·rädern erkenn·bar.

In früherer Zeit wurden mit·unter auch Säug·linge (meist Mädchen) gleich nach der Geburt „zurück·geschickt“, also getötet, und mit dem gleichen Kult bedacht. Auf den ersten Blick erscheint es zynisch, Föten oder Säuglinge zuerst zu töten, um sich dann ihrer leid·vollen Existenz im Jenseits an·zu·nehmen. Wenn man sich aber vor Augen hält, dass die Ent·schei·dung zu Abtreibung und Säug·lings·mord in einem vor·modernen Haushalt eher von der Groß·familie als von der Mutter selbst getroffen wurde, kann man sich vor·stellen, dass der Jizō Kult vor allem den Müttern helfen sollte, über ihren Schmerz hin·weg·zu·kommen. Dies ist bis zu einem gewissen Grad auch heute noch so.

Seit dem zweiten Welt·krieg hat der Kult für die Wasser·kinder nicht etwa ab·ge·nommen, sondern wurde von vielen Tempeln so weit aus·gebaut, dass manche Autoren mizuko kuyō als eine Art neue Religion betrachten. Dies hat bis zu einem gewissen Grad damit zu tun, dass Ab·trei·bungen schon seit der Nach·kriegs·zeit relativ einfach und legal durch·geführt werden können, während andere Ver·hütungs·methoden, etwa die Pille, lange verboten waren. In den letzten Jahren ist die Ab·treibungs·rate in Japan zwar leicht gesunken, aber immer noch ver·hältnis·mäßig hoch. Der Buddhis·mus ver·bietet diese Praxis nicht grund·sätzlich, schürt aber latente Schuld·gefühle und bietet gleich·zeitig ver·hältnis·mäßig auf·wendige Riten an, durch die sich Eltern von ihrer Schuld frei·kaufen können.

Anmerkung von Gabriele Greve

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Zu den mizuko, bzw. den mabiki-ko, den um·gebrachten Säug·lingen, und ihren roten Lätz·chen habe ich in einem Tempel folgende Er·klärung gehört: Jizō hat gelobt, alle Kinder aus der Vor·hölle zu retten. Weil Kinder noch keine Sünden be·gangen haben, kommen sie nämlich nicht direkt in die Hölle, das wäre ja un·ge·recht. Aber sie müssen am Grenz·fluss warten und während dieser Zeit Steine auf·einander schichten. Das ist ähnlich wie Sisyphos. Sie warten so lange, bis keiner mehr um sie trauert. Die Mutter bindet also eines der Kinder·lätzchen zu Jizō und bittet, durch den Geruch des Lätzchens das Kind in der Vorhölle zu identi·fizieren und zum Paradies zu bringen.

Wenn die Mutter früher, in der Edo-Zeit, zu lange trauerte, konnte sie nicht genug im Haus und am Feld arbeiten. Daher wurde ihr eine Periode von 7 Tagen nach dem Tod eines Kindes (nicht bei Abtreibung, aber bei mabiki, dem Töten eines weib·lichen Säuglings) ge·gönnt. Danach musste sie die Sachen des Kindes, Lätzchen und Spiel·zeug, bei Jizō „abgeben“ und die Trauerzeit war vorüber, Mutter musste wieder arbeiten gehen! Eine recht diesseitliche Religions·benutzung.

Um den Iwaki-san in Nord·japan werden ver·storbene Kinder zu ihrem 20. Ge·burts·tag ver·heiratet. Die Tempel verkaufen ca. 50 cm große Puppen von Bräuten oder Bräuti·gamen, die dann mit dem toten Kind „verheiratet“ werden. Das macht die Eltern froh und die Tempel reich. Es ist er·staun·lich, dort in so einer Halle mit tausenden von Hoch·zeits-Puppen zu stehen! Die Itako-Shamaninnen am Osore-Berg reden den Eltern auch noch manch anderes ein — so werden Tennis·schuhe und Fahr·räder oder Frack und Regen·mantel gespendet, manche Tempel sehen aus wie Alt·waren·händler.

Dr. Gabriele Greve, ist Wahl·japanerin und Kunst·historikerin. Sie schickte mir die ergänzenden Hinweise zu dieser Seite per e-mail am 27.3.2002.
S.a. Greve 1994: 60.

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    Jizō (skt. Kshitigarbha) mit Pilgerstab und Wunscherfüllungsperle (nyoi no tama), auf zwei Lotusblättern stehend, unterwegs auf einer Wolke, um Sünder aus der Hölle zu erretten. Muromachi-Zeit, 14. Jh.
    Museum of Fine Arts, Boston

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    Jizō (skt. Kshitigarbha) als Knabe in Mönchstracht mit dem Wunscherfüllungsjuwel (nyoi no tama) in seiner linken Hand. Werk von Zen'en. Kamakura-Zeit, 1223–26
    Bildquelle: Asian Art Outlook

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    Steinstatue des Jizō (skt. Kshitigarbha) auf dem Friedhof Oku-no-in am Berg Kōya.
    Super Ape, flickr, 2007

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    Moderne Statue des Jizō (skt. Kshitigarbha) am Berg Osore.
    Bildquelle: Eve Anderson, 2004

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    Detail aus einer Darstellung der buddhistischen Hölle, in der Jizō (skt. Kshitigarbha) in Kind errettet. Werk von Kanō Dōhaku. Edo-Zeit, 1819
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„Jizō Bosatsu.“ In: Bernhard Scheid, Religion-in-Japan: Ein digitales Handbuch. Universität Wien, seit 2001