Das Butsuzō zui: Ein ‚illustriertes Kompendium der mystischen Gestalten von Buddhas und Kami‘
Das Butsuzō zui (Illustriertes Kompendium buddhistischer Figuren) ist ein buddhistisches Bildlexikon aus dem späten 17. Jahrhundert, genauer aus dem 3. Jahr der Ära Genroku (1690), also aus einer Zeit, die allgemein als Höhepunkt der Edo-zeitlichen Stadtkultur gewertet wird. Mehrfache Auflagen belegen, dass sich das Kompendium rasch zu einem Standardwerk der buddhistischen bzw. der allgemeinen religiösen Ikonographie der Edo-Zeit entwickelte. Knapp hundert Jahre nach seinem ersten Erscheinen kam eine erweiterte Ausgabe heraus, die noch in der Meiji-Zeit (1899) einen Neudruck erlebte. Auch für frühe Japanologen wie Philipp Franz von Siebold oder japanophile Kunstsammler wie Émile Guimet stellte das Werk eine wichtige Orientierungshilfe im Dschungel der religiösen Ikonographie Japans dar. Umso erstaunlicher mutet es an, dass über die Entstehung und die ursprünglichen Autoren des Werkes kaum etwas bekannt ist. Auskunft darüber geben lediglich Vor- und Nachwort der ersten Ausgabe von 1690 sowie das Vorwort der erweiterten Ausgabe von 1683, die im Folgenden genauer vorgestellt werden sollen.
Edo-Zeit, 1690. Nichibunken, Kyōto.
Eckdaten
Das Butsuzō zui ist ein mehrbändiges Werk in Holzblockdruck, wie es für die Edo-Zeit charakteristisch ist. Jede Seite (genauer: Doppelseite), egal ob Bild oder Text, wurde in einen eigenen Druckstock1geschnitzt und dann vervielfältigt. Wenn ein Druckstock abgenützt war, aber nach wie vor Bedarf nach einer Neuauflage bestand, musste er zur Gänze neu geschnitzt werden, was beim Butsuzō zui, soweit mir bekannt ist, mindestens sechs Mal der Fall war, nämlich 1690, 1752, 1783 (erweiterte Ausgabe), 1792, 1796 und 1899. Besonders der erweiterten Ausgabe war also ein großer Erfolg beschieden.
Die Originalversion besteht aus einem einführenden Textteil (Band 1) von sieben Doppelseiten gefolgt von drei Bänden mit kommentierten Illustrationen auf insgesamt 70 Doppelseiten. Eine Buchseite enthält typischerweise vier oder sechs Einzelbilder in zwei parallelen Reihen. Die erste Version enthält bereits 611 unterschiedliche Figuren,2 zu denen in der erweiterten Fassung in fünf Bänden noch 118 Figuren dazu kommen. Viele Figuren sind in Gruppen angeordnet, wie etwa die Fünf Großen Mantra-Könige (Godai Myōō) oder die Dreiunddreißig Manifestationen des Bodhisattva Kannon. Diese Gruppennamen sind auch in einem detaillierten Inhaltsverzeichnis in Band 1 vermerkt. Abgesehen davon enthält Band 1 ein Quellenverzeichnis von 86 Werken, zumeist kanonische Schriften des Buddhismus, aber auch konfuzianische und daoistische Klassiker sowie die mythologischen Kapitel des Nihon shoki (hier: Jindai-kan). Viele heute weniger bekannte Figuren stammen aus apokryphen Sutren des japanischen Mittelalters, die ebenfalls im Quellenverzeichnis zu finden sind.3 Zweifellos stellt das Werk das Ergebnis einer höchst sorgfältig unternommenen Recherche dar.
Themen
Thematisch geht das Kompendium nach einer losen hierarchischen Reihenfolge vor, die von den Buddhas und Bodhisattvas über indische Devas und japanische Kami bis zu verehrungswürdigen Menschen reicht. Dieser großen Bandbreite entspricht auch der Nebentitel des Werks, der im Vorwort des Originals angegeben ist: „Illustriertes Kompendium der mystischen Gestalten von Buddhas und Kami“ (Busshin reizō zui).
Die erste Ausgabe scheint die Figuren außerdem nach dem Schema „Himmel-Erde-Mensch“ zu reihen, welches der chinesischen Naturphilosophie entnommen ist. Nach diesem Ordnungsprinzip funktioniert auch das chinesische Bildlexikon Sancai tuhui („Bildlexikon der Drei Daseinsformen“, veröffentlicht 1609), das als Modell einer ganzen Reihe von japanischen Bildlexika der Edo-Zeit angesehen werden kann. Auch das Kompendium zur Erbauung der Jugend (Kinmō zui) von 1666, eine weitere mögliche Inspirationsquelle des Butsuzō zui, orientiert sich grob an diesem Schema.
Im Fall des Butsuzō zui von 1690 umfasst der erste Band mit Illustrationen nicht nur Buddhas, Bodhisattvas und Mantra-Könige (myōō), sondern auch Gestalten aus der chinesischen und indischen Astrologie, sowie die obersten indischen deva-Gottheiten, um schließlich mit den Zehn Richtern (jūō) der buddhistischen Totenwelt abzuschließen. Der zweite Band rückt näher an die religiöse Alltagswelt heran und beginnt mit den „Geheimbuddhas der dreißig Tage“ sowie den „Dreißig Wächter-Gottheiten“ (sanjū banjin). Beide Serien entsprechen jeweils den dreißig Tagen eines Mondmonats. Die dreißig Wächtergottheiten repräsentieren eine Auswahl der bekanntesten japanischen Schreingottheiten und wurden vom Tendai-Buddhismus, von seiner Zweigschule, dem Nichiren-Buddhismus und schließlich auch vom Yoshida Shintō propagiert. Auch andere Figuren dieses Bandes sind mit bekannten Schreinen oder Bergen assoziiert, bunt gemischt mit indischen Dämonen (rasetsu) oder den Zwölf Generälen des Medizin Buddhas Yakushi Nyorai. Indische und japanische Gottheiten sind hier also nicht getrennt, die Gemeinsamkeit der Figuren dieses Bandes scheint in ihrer (aus buddhistischer Sicht untergeordneten) Wächterfunktion zu bestehen.
Der dritte Band ist „Menschen“ gewidmet, angefangen von der Gruppe der sechzehn Arhats. Es folgen historisch einflussreiche Mönche und Schulgründer des Mahāyāna Buddhismus von Indien über China bis Japan sowie Einzelfiguren aus der nicht-buddhistischen chinesischen Mythologie. Ein Appendix mit 96 Illustrationen buddhistischer Ritualgegenstände beschließt das Werk.
Die erweiterte Fassung beginnt ebenfalls mit einem Textband, während die Illustrationen nicht auf drei, sondern auf vier Bände aufgeteilt sind. Die implizite Hierarchie mit Buddhas an der Spitze bleibt weitgehend identisch, das Schema „Himmel-Erde-Mensch“ wird aber zugunsten einer Aufwertung der einheimischen Kami aufgegeben. So rücken die indischen Devas, die astrologischen Gestalten und die Totenrichter einen Band zurück und werden erst nach den wichtigsten Schreingottheiten angeführt. Unter den neu hinzu gekommenen Figuren finden sich Abbilder berühmter Statuen wie etwa die Amida-Triade des Zenkō-ji, die als beseeltes, wundertätiges Objekt galt. Die Arhats beschließen nun den dritten Illustrationsband, während der letzte Band mit den buddhistischen Schulgründern beginnt.
Abgesehen von den neu hinzugefügten Figuren wurden viele Zeichnungen aus der ersten Version einschließlich ihrer Erklärungen eins zu eins übernommen und auch im gleichen Stil dargestellt. Fallweise wurden aber „Korrekturen“ vorgenommen (s.u.).
Vor- und Nachworte
Das Vorwort von 1690
Das originale Vorwort ist zwar datiert (7. Monat 1690), nennt aber keinen Autor. Es trägt jedoch einen Stempel (der Teil des Druckes ist), welcher auf einen buddhistischen (Laien?)-Mönch hinweist. Das Vorwort ist aus der Perspektive des Herausgebers geschrieben, der zunächst in der Manier eines Zen-Gelehrten auftritt. Dies ergibt sich aus dem Zitat von zwei berühmten kōan-Anekdoten, die beide die ikonoklastische Seite des Zen betonen:
- Vorwort zur Ikonographie der mystischen Gestalten von Buddhas und Kami4
Edo-Zeit, 1690. Nichibunken, Kyōto.
Ein großer Mann aus alter Zeit sagte: „Wenn du den Buddha triffst, töte den Buddha, wenn du den Patriarchen triffst, töte den Patriarchen.“5 Ein Moment, eine Aktion, ein Stock, ein Schrei: Fort sind alle Zweifel, zerstört ist alles [illusorische] Festhalten an Namen und Formen (myōsō). Andere wie Meister Tanka verbrannten die hölzernen Statuen der Buddhas.6 Doch würden auch Laien und Durchschnittsmenschen auf diese Weise zum Besseren gelangen? Deshalb setzt der Erleuchtete in seinem großen Erbarmen geschickte Mittel ein, um solche Laien Schritt für Schritt voran zu bringen.
Das Vorwort erzählt also von zwei beispielhaften Meistern des Zen, die für ihre konsequente Ablehnung jeglicher konkreter Verbildlichung der Lehre Buddhas bekannt waren. Diese Meister werden zwar nicht kritisiert, doch als Vorbilder für „Laien“ nicht in Betracht gezogen. Damit ist auch der intendierte Leserkreis des Kompendiums, nämlich buddhistische Laienanhänger, bereits genannt. Für diese sieht der Buddha eine indirekte, allmähliche Heranführung durch „angemessene Mittel“ (hōben; upāya) vor, wie dies bereits in der berühmten Parabel vom brennenden Haus im Lotos-Sutra dargelegt ist. Bilder von Buddha-Gestalten sind demnach „angemessene Mittel“: möglicherweise auf Einbildungen fußend, aber umso wichtiger für alle, die nicht in den Genuss spontaner Erleuchtungserfahrungen gelangt sind (s. Die Reformen der Heian-Zeit, „Angemessene Mittel“).
An diese kurze dialektische Einleitung schließt eine vage Schilderung der Ursprünge des editorischen Projekts an, die natürlich ebenso als upāya-hafte Fügung durch Buddhas Gnade zu verstehen ist:
Eines Tages kam ein Gast zu mir mit einer Sammlung von Zeichnungen der mystischen Gestalten von Buddhas und Bodhisattvas bis hin zu den Devas und den Kamis. Er bat mich, ein Vorwort zu verfassen und [das Werk] in Druck zu verewigen. Ich setzte mich also mit gebührendem Respekt nieder, um die Zeichnungen zu betrachten. Die Feierlichkeit und Erhabenheit des Mitgefühls, der Grimm und die Entschlossenheit der majestätischen Gestalten, all das würde wohl das Herz jedes Menschen bekehren und seine Verehrung steigern. Worte vermögen es nicht, die Meisterschaft dieser Darstellungen auszudrücken. Es gab Figuren mit gleichen Namen, aber unterschiedlicher Form, dann wieder mit ähnlicher Form, aber unterschiedlichen Namen, auch Musikinstrumente und Waffen gab es in großer Zahl. Selbst ein Kind, das dies nur einmal sähe, würde sich die Namen leicht merken können und die Besonderheiten der Figuren verstehen. Und auch für Mönche wäre dies von großem Wert. Bewundernd würden alle, die das Gute suchen, die mystischen Gestalten verehren und ihre erhabenen Namen preisen, in wahrhaft tiefer Versenkung. Und sie würden verstehen, dass Kamis und Buddhas nicht zweierlei sind. All dies wäre außergewöhnlich verdienstvoll. Und obwohl es mir schien, als sollte ich das Meer mit einer Muschelschale ausmessen, machte ich mich ungeachtet meiner bescheidenen Kräfte ans Werk.
Im dritten Jahr Genroku, ein Metall-Pferd Jahr, 7. Monat, verheißungsvoller Tag [Stempel: Shakushi *ken]
Edo-Zeit, 1690. Nichibunken, Kyōto.
Edo-Zeit, 1690. Nichibunken, Kyōto.
Dieser Schilderung entnehmen wir, dass die Vorlagen für die Zeichnungen der Druckfassung nicht vom Herausgeber selbst stammen. Ansonsten wird der Vorgang der Drucklegung aber wesentlich spontaner geschildert, als er in Wirklichkeit gewesen sein kann. Allein die folgende Liste der 86 Primärquellen spricht dafür, dass es sich um ein sorgfältig vorbereitetes Projekt handelte, das eigentlich nur von einem führenden buddhistischen Tempel stammen konnte, der sich mit einem Spezialisten des neuen Mediums Buchdruck zusammentat, um innovative Wege der Verbreitung religiösen Wissens in der allgemeinen Bevölkerung auszuloten. Dass beide Parteien hier anonym bleiben, entspricht nicht dem Stil der Zeit, mag aber damit zu tun haben, dass man nach einer möglichst umfassenden, inklusiven Präsentationsform suchte, die nicht mit den Partikularinteressen einer bestimmten buddhistischen Richtung assoziiert werden sollte.
Referenz an Großmeister Fu
Die erste Illustration des Kompendiums ist wohl eher als Motto des gesamten Werks zu werten, nicht als systematischer Eintrag. Es handelt sich um eine ganzseitige Darstellung des chinesischen Laienmönchs Fu Dashi (497–569) mit seinen beiden Söhnen. Der Legende nach war er der erste Kompilator des buddhistischen Kanons in China und insofern eine Art Rollenmodell für den Herausgeber des Butsuzō zui. Auch in der Auswahl dieser Figur spiegelt sich möglicherweise die besondere Bedeutung, die das Werk für buddhistische Laienanhänger bzw. für die allgemeine Bevölkerung haben sollte. Andererseits wurde der unkonventionelle Fu Dashi auch als ein Vorläufer des Chan/Zen angesehen, was vielleicht ebenfalls die Interessen des Herausgebers widerspiegelt. Das Butsuzō zui hat folgendes zu ihm zu sagen:
- Großmeister Fu aus der Liang Dynastie
Edo-Zeit, 1690. Nichibunken, Kyōto.
Sein Vorname war Xi, sein Mönchsname Xuanfeng, auch wurde er Großmeister Shanhui oder Großmeister aus Dongyang genannt. Mit sechzehn heiratete er Frau Liu, die ihm zwei Söhne gebar, Pujian und Pucheng. Eines Tages erblickte er sein Spiegelbild im Wasser umgeben von einem runden Heiligenschein. Pujian zeigte darauf und Pucheng lachte, als er das sah. In der Chronik der Buddhas und Patriarchen (Fozu tongji) heißt es: Er lebte im Shuanglin Tempel in der Region Dongyang. Er erkannte, wie schwierig es war, den gesamten buddhistischen Kanon zu überblicken und entwickelte einen drehbaren Schrank mit acht Flächen auf einer Säule, das sogenannte Drehbare Schatzhaus (rinzō), das bis in unsere Endzeit (masse) überdauert hat. Im Jahr Dajiang 1, am 27. des Vierten Monats, ging er in sein eigenes Land ein. Nach unserem Kalender war es das Jahr Kinmei 30 <Erde-Büffel> (549).7
Referenz an Shōtoku Taishi
Ein interessantes Detail des Vorworts ist die ausdrückliche Betonung, dass Buddhas und Kami letztlich „nicht zweierlei“ (funi) seien. Dieses Argument wäre hundert Jahre zuvor so selbstverständlich gewesen, dass man es nicht eigens hätte betonen müssen. Es wäre demnach denkbar, dass das Werk auch als Reaktion auf die im 17. Jahrhundert aufkeimende Kritik am Buddhismus durch konfuzianische Intellektuelle aufzufassen ist. Diese Kritik ging mit einer Gleichsetzung von Shintō und Konfuzianismus (shinju itchi) einher, im Zuge derer Konfuzianer die japanischen Kami aus ihrer Vereinnahmung durch den Buddhismus befreien wollten. Das Butsuzō zui nimmt dank seiner relativ ausführlichen Einbeziehung einheimischer Schreingottheiten, bei denen unweigerlich auch die buddhistische „Urform“ (honji) angegeben ist, eine unausgesprochene Gegenposition zu dieser Kritik ein.
Ein führender Autor der antibuddhistischen Kritik war Hayashi Razan, der unter anderem den buddhistischen Kulturheroen Shōtoku Taishi einer historischen Entmythologisierung unterzog und als Landesverräter brandmarkte.8 Im Butsuzō zui wird der frühgeschichtliche Prinzregent hingegen durch einen ganzseitigen Einzeleintrag geehrt. Es ist die längste Einzelbiographie des Werkes und durchbricht die weitgehend chronologische Darstellung, indem das Bild gleich nach den Arhats am Beginn historischer menschlicher Figuren steht. Möglicherweise ist diese spezielle Hervorhebung auch als Antwort auf Razans Kritik zu verstehen:
- Shōtoku Taishi
Edo-Zeit, 1690. Nichibunken, Kyōto.
Erster Sohn des 32. Kaiserlichen Herrschers, Yōmei Tennō. Am Neujahrstag des Jahres Bidatsu 2, <Wasser-Schlange> (573) wandelte die Kaiserin nahe der Stallungen. Sie gebar ihn in Liebe [mühelos] nach zwölf Monaten [Schwangerschaft].9 Da ließ ein Leuchten von Westen her den gesamten Palast erstrahlen. Als der Prinz sechs Jahre war, kam Nichira aus Baekje. Der Prinz verneigte sich und sprach nach Osten gewandt eine Lobpreisung für Kannon, den Weltenretter. Da strömte ein Leuchten aus Nichiras Körper und ebenso erstrahlte ein Leuchten zwischen den Brauen des Prinzen. Im gleichen Jahr kamen buddhistische Statuen und Schriften herüber. Suiko 3 (595) kam Hyeja 恵慈 aus Korea (Goryeo) und wurde der Lehrer des Prinzen. Zwei Jahre später begab sich der Prinz in die Halle der Träume (Yumedono), schloss das Tor und verließ sie sieben Tage und sieben Nächte nicht. Am Morgen des achten Tages lag ein Sutrenband auf dem Juwelentischchen. Er sagte: Dies ist ein Sutra aus meiner früheren Existenz. Mein Geist begab sich nach China und holte es von dort. Er kommentierte das Shōmangyō 勝鬘経 (Śrīmālādevī sūtra) auf einer Rolle von 23 shaku (ca. 7m). Mit sechzehn schlug er Mononobe no Moriya, mit 49 ging er am 22. des Zweiten Monats zusammen mit seiner Gemahlin ins Nirvana ein. Der Prinz besitzt sechs Namen: […]. Der Prinz errichtete neun Tempel: […]
Man könnte sagen, dass sich das Butsuzō zui bzw. der von ihm mitgetragene buddhistische Diskurs zum Thema Shōtoku Taishi gegenüber den Kritikern des siebzehnten Jahrhunderts durchgesetzt hat, sodass er später auch von konfuzianischer Seite gewürdigt wurde. Zur besonderen Bedeutung des Prinzen im kulturellen Gedächtnis Japans, siehe die Seite im Kapitel „Geschichte“, Shōtoku Taishi: Staatsmann und buddhistischer Heiliger.
Nachwort
Die Originalfassung enthält auch ein kurzes Nachwort, das einen Monat nach dem Vorwort datiert und mit dem Namen Shigetsuken Gizan unterzeichnet ist. Es handelt sich dabei wahrscheinlich um den im Vorwort erwähnten „Gast“ bzw. Auftraggeber des Werkes. Man nimmt an, dass er mit einem bekannten Mönchsgelehrten der Jōdo-shū namens Gizan Ryōshō (1648–1717) identisch ist.10 Inhaltlich ähnelt der Text dem Vorwort, vermittelt dabei aber den Eindruck einer Wortspende durch eine buddhistische Autorität, nicht aber durch den Maler der Vorlage.
Die Besonderheiten von Namen und Form (myōsō) all der Erhabenen (son) sind überaus zahlreich, und auch ihrer Paraphernalien und Attribute gibt es nicht wenige. Selbst Buddha-Schüler sind hier nicht immer kundig, um wieviel weniger erst die Laien. Nunmehr sind die wunderbaren Gestalten der Erhabenen nebst beigefügten kurzen Erläuterungen in Druck gefasst worden. Möge ihre Verbreitung in der Welt dazu beitragen, ihre Namen und Formen besser unterscheiden zu können, ihre Herkunft zu verstehen, den reinen Glauben Schritt für Schritt zu vertiefen und zu erweitern, und schließlich zum Ort der Erleuchtung zu gelangen.
Genroku 3, Metall-Pferd, Anfang des Achten Monats, Shigetsuken Gizan 指月軒義山, Nachwort [Stempel: Getsuan]
Edo-Zeit, 1690. Nichibunken, Kyōto (bildbearbeitet).
Vorwort der erweiterten Fassung, 1783
Die erweiterte Fassung von 1783 enthält zusätzlich zum originalen Vorwort auch ein Statement des ausführenden Künstlers, der sich als Tosa no shōsō, Ki no Hidenobu vorstellt. Das gesamte Werk wird in der Sekundärliteratur daher manchmal diesem Künstler zugeschrieben, der auch als Kino Hidenobu, Tosa Hidenobu oder Tosa Shūshin aufscheint. Da der Name nirgendwo anders belegt ist, handelt es sich möglicherweise um einen speziell für diesen Anlass kreierten Künstlernamen. Bei der Bezeichnung Tosa no shōsō soll es sich um einen Titel der Tosa-Schule handeln, der auf einen Hofmaler des Shōgun hinweist. Allerdings tragen alle führenden Künstler dieser Schule immer das Zeichen mitsu 光 in ihrem Vornamen, was hier offensichtlich nicht der Fall ist. Der Name Ki (no) verbindet den Künstler wiederum mit einer Familie aus der Hofaristokratie der Heian-Zeit, was in der Edo-Zeit aber durchaus ein Produkt „künstlerischer Freiheit“ gewesen sein kann.
Inhaltlich kehrt auch Hidenobu seine Bildung durch ein Zitat eines chinesischen Mönchs hervor, diesmal von Seng Zhao (374–414), einer Gründerfigur des chinesischen Buddhismus. Die Argumentation entbehrt allerdings der Dialektik des originalen Vorworts.
Der Ehrwürdige Jō (Seng Zhao) sagte: „Der Dharmakaya (hosshin) ist ohne Gestalt, doch er manifestiert sich in besonderen Figuren.“ Angefangen von den Buddhas bis zu den acht Gruppen von devas und nāgas sind alle identisch mit dem formlosen Dharmakaya. In diesem Sinne ist wohl auch die Auswahl dieses Werks zu verstehen. Weil aber das Holz [für dessen Druck] lange in Verwendung war, sind die Eigenschaften der erhabenen Figuren schwer zu erkennen und die bedauerlichen Leser sehen kaum, ob sie milde oder streng sind. So bat mich der Verleger [das Werk] zu restaurieren. Ich aber wollte für die Gläubigen etwas mehr tun, befeuchtete meinen Pinsel, und fügte noch 118 weitere Erhabene wie Kongō-ō oder Taishō-kongō hinzu. Da ich fürchte, dass dies Lesern dieser Edition nicht bewusst sein könnte, sei dies hier vermerkt.
[Ära] Tenmei, im Jahr des Wasser-Hasen (1783), 8. Monat
Ergebenst gefertigt von Maler Tosa no shōsō 土佐将曹, Ki no Hidenobu 紀秀信
Werk von Ki no Hidenobu. Edo-Zeit, 1783. Staatsbibliothek Berlin, bildbearbeitet.
Unterschiede und „Korrekturen“
Obwohl die Figuren der Urversion meist eins zu eins in die neue Version übertragen wurden, kam es fallweise zu interessanten Änderungen sei es in der bildlichen Darstellung, sei es im begleitenden Text. So sind z.B. zwei Figuren als Bodhisattvas (bosatsu) tituliert, tragen aber in der Originalversion die Merkmale eines Buddhas (nyorai), was einer Korrektur bedurfte.11 Eine weitere, kaum merkbare Korrektur findet sich in der Schreibung der Glückgöttin Benzaiten. In der ersten Version ist durchgehend von 弁才天 (Rede-Gewandtheit-Deva) die Rede, was der orthodoxen buddhistischen Übersetzung der indischen Flussgöttin Sarasvatī entspricht. In der erweiterten Fassung wird jedoch die Schreibung 弁財天 (Rede-Reichtum-Deva) verwendet, die sich in Japan zusammen mit dem Image der Göttin als esoterische Glücksbringerin durchsetzte.12
Während neben Benzaiten auch andere Glücksgötter, allen voran Daikoku-ten, in beiden Fassungen ausführlich behandelt werden, tauchen die heute bekannten Sieben Glücksgötter (Shichi Fukujin) erst in der erweiterten Fassung als geschlossene Gruppe auf. Interessanterweise allerdings nicht in der heute üblichen Besetzung: Die beiden chinesischen Alten, der daoistische Fukurokuju und der konfuzianische Jurōjin, sind hier zu einer Figur verschmolzen, die zwar Jurō[jin] heißt, aber den charakteristischen Schädelauswuchs des Fukurokuju besitzt (Abb. oben, re.). Dafür wird die Gruppe durch die weibliche Göttin Kichijō-ten verstärkt. In der älteren Fassung werden die Glücksgötter zwar in einer Überschrift aufgezählt, aber nicht als geschlossene Gruppe dargestellt. In diesem Ensemble ist Fukurokuju vertreten (Abb. oben, li.), anstelle von Jurōjin steht jedoch der chinesische Affenmensch Shōjō, auch bekannt als Gottheit des Alkohols in Gestalt eines rothaarigen Knaben.13 Dies zeigt, dass die Standardisierung der Glückgötter im 17. Jahrhundert noch im Fluss war und selbst im 18. Jahrhundert noch Varianten zuließ.14
Edo-Zeit, 1690. Nichibunken, Kyōto.
Werk von Ki no Hidenobu. Edo-Zeit, 1783. Union Catalogue Database of Japanese Texts.
Besonders interessant ist aus meiner Sicht die Darstellung der Sonnengottheit Amaterasu in der Gruppe der Dreißig Monatswächter (sanjū banjin). Dank der beigefügten Lesehilfen ist ersichtlich, dass der Name sinojapanisch „Tenshō“ gelesen werden sollte, was dem Edo-zeitlichen Standard entspricht. Veränderungen ergeben sich aber in der Darstellung der Gottheit als Mann in der Version von 1690, während sie ab 1783 als weibliche Figur erscheint. Gleich neben Amaterasu befindet sich ein Abbild der Gottheit Hachiman, die mittelalterlichen Gepflogenheiten folgend zunächst als buddhistischer Mönch, später hingegen als Krieger auftritt. Beide Änderungen sind möglicherweise als Zugeständnisse an Gelehrte der nativistischen Schule (kokugaku) zu werten, die die einheimischen Kami im Laufe des 18. Jahrhunderts verstärkt aus der Perspektive der alten Mythen interpretierten.
Zusammenfassung
Das Butsuzō zui setzte sicherlich bereits existierende ikonographische Traditionen fort, etwa das Zuzōshō (auch Jikkan-shō) aus der Heian-Zeit, ein ikonographisches Handbuch, das bereits 142 Skizzen buddhistischer Metapersonen umfasste. Allerdings waren diese Figuren kaum mit Erläuterungen versehen und dienten lediglich als Vorlagen buddhistischer Maler und Bildhauer. Neu war daher der pädagogische Zugang und die Aufarbeitung ikonographischen Wissens für die breite Öffentlichkeit. Dieser allgemeinbildende Anspruch, der sich Hand in Hand mit neuen technologischen Möglichkeiten des Buchdrucks entwickelte, war im siebzehnten Jahrhundert eher das Merkmal neuer konfuzianischer Strömungen als das alteigesessener buddhistischer Traditionen. Insofern sehe ich das Butsuzō zui als einen Versuch an, mit für die Edo-Zeit neuen Medien alte Inhalte gegen die konfuzianische Kritik an diesen Inhalten zu verteidigen. Es repräsentiert daher eine konservative, noch stark dem japanischen Mittelalter verpflichtete religiöse Weltsicht. Diese wurde aber da und dort durch die schiere Menge an Informationen und das Bedürfnis nach einer umfassenden, inklusivistischen und sozusagen ökumenischen Darstellung aufgebrochen.
Das Butsuzō zui war zweifellos erfolgreich in seinem Bemühen, populäre Vorstellungen von der Welt der Kami und Buddhas zu standardisieren, und — wie im Vorwort betont — die letztendliche Identität von Kami und Buddhas als Selbstverständlichkeit hinzustellen. Sein Erfolg lässt sich auch daran erkennen, dass sich Spuren des Kompendiums im Werk von ukiyo-e-Meistern nachweisen lassen, also von Künstlern wie Katsushika Hokusai, die selbst keine religiöse Ausbildung erfahren hatten. Doch reflektiert das Butsuzō zui auch Veränderungen in der populär-religiösen Vorstellungswelt, die von außen in den japanischen Buddhismus hineingetragen wurden, wie etwa die zunehmende Bedeutung der Glücksgötter oder der einheimischen Mythen.
Verweise
Verwandte Themen
Fußnoten
- ↑ Ursprünglich aus Katalpenholz (azusa), weswegen der Pflanzenname auch zum Synonym für Druckerpresse wurde, tatsächlich wurde aber zumeist yamazakura-Holz verwendet.
- ↑ Ducor 2015.
- ↑ Hattori 1994, S. 89.
- ↑ Übersetzung: Bernhard Scheid; s.a. Kanna 2010, S. 10–13.
- ↑ Zitat des chinesischen Chan-Patriarchen Linji.
- ↑ Der Chan-Mönch Danxia Tianran 丹霞天然 (739-824), der sich laut einem berühmten kōan am Feuer einer Buddhastatue erwärmte (Jingde chuandeng lu, 1004).
- ↑ Tatsächlich fällt das Jahr Dajiang 1 der Chen Dynastie auf 569.
- ↑ Boot 2021.
- ↑ Heute gilt 574 als Jahr der Geburt. Der Text richtet sich nach den Angaben des Nihon shoki (inklusive der Ortsangabe der Geburt), fügt aber die ungewöhnlich lange Schwangerschaft von 12 Monaten als Zeichen einer besonderen Geburt hinzu.
- ↑ Hattori 1994, S. 90. Gizan gilt zwar als einer der wichtigsten buddhistischen Gelehrten seiner Zeit und verfasste zahlreiche Schriften, in seinen Standardbiographien ist aber von seiner Beteiligung am Butsuzō zui nie die Rede.
- ↑ Hattori 1994, S. 89.
- ↑ Hattori 1994, S. 99.
- ↑ S. dazu Shōjō im Schwesterprojekt Kamigraphie.
- ↑ Graham 2007, S. 110.
Literatur
Bilder
- ^ Darstellung verschiedener Shintō-Gottheiten im buddhistischen Bildlexikon Butsuzō zui. Dargestellt sind vor allem Berggottheiten, angefangen von Jūzenji, einer Gottheit des Hie Taisha-Schreinkomplexes, den Gottheiten des Fuji-san und des Haku-san (rechts oben), den drei Gottheiten von Kumano (rechts unten), den Shugendō-Gottheiten Izuna Gongen, Atago Gongen und Zaō Gongen (links oben), bis zu Lokalgottheiten aus Ise, Hakone, und Dewa (links unten).
Edo-Zeit, 1690. Nichibunken, Kyōto. - ^ Vorwort des buddhistischen Bildlexikons Butsuzō zui in der Originalfassung von 1690.
Edo-Zeit, 1690. Nichibunken, Kyōto. - ^ Vorwort des buddhistischen Bildlexikons Butsuzō zui in der Originalfassung von 1690, Seite 4.
Edo-Zeit, 1690. Nichibunken, Kyōto. - ^ Vorwort des buddhistischen Bildlexikons Butsuzō zui in der Originalfassung von 1690, Seiten 2–3.
Edo-Zeit, 1690. Nichibunken, Kyōto. - ^ Der frühe chinesische Laienmönch Fu Dashi und seine beiden Söhne.
Edo-Zeit, 1690. Nichibunken, Kyōto.
- ^ Der Staatsmann und frühe Förderer der Buddhismus Shōtoku Taishi mit 16 und mit 42 Jahren.
Edo-Zeit, 1690. Nichibunken, Kyōto. - ^ Nachwort und Kolophon des buddhistischen Bildlexikons Butsuzō zui in der Originalfassung von 1690.
Edo-Zeit, 1690. Nichibunken, Kyōto (bildbearbeitet). - ^ Vorwort des Butsuzō zui von Ki no Hidenobu, datiert 8. Monat 1783.
Werk von Ki no Hidenobu. Edo-Zeit, 1783. Staatsbibliothek Berlin, bildbearbeitet. - ^ Darstellung der Gottheiten Amaterasu, Hachiman und Kamo als Schutzgötter von Monatstagen (10, 11 und 12) im buddhistischen Bildlexikon Butsuzō zui von 1690
Edo-Zeit, 1690. Nichibunken, Kyōto. - ^ Darstellung der Gottheiten Amaterasu, Hachiman und Kamo als Schutzgötter von Monatstagen (10, 11 und 12) im buddhistischen Bildlexikon Butsuzō zui, in der Fassung von 1783
Werk von Ki no Hidenobu. Edo-Zeit, 1783. Union Catalogue Database of Japanese Texts.
Glossar
- Benzaiten 弁才天/弁財天 ^ Glücksgöttin im Ensemble der Sieben Glücksgötter (Shichi Fukujin); Gottheit des Wassers, der Musik und der Beredsamkeit; skt. Sarasvati; auch: Benten
- Bodhisattva (skt.) बोधिसत्त्व ^ „Erleuchtetes Wesen“, Vorstufe zur vollkommenen Buddhaschaft; jap. bosatsu 菩薩
- Busshin reizō zui 佛神靈像圖彙 ^ Illustriertes Kompendium der mystischen Gestalten von Buddhas und kami; Nebentitel des Butsuzō zui.
- Butsuzō zui 仏像図彙 ^ buddh. Bildenzyklopädie, 1690, in drei Bänden; erweiterte Fassung in fünf Bänden, 1783, von Tosa Hidenobu
- Fozu tongji (chin.) 佛祖統紀 ^ „Chronik der Buddhas und Patriarchen“; chinesisch-buddhistisches Geschichtswerk in vier Bänden aus 1269, dem Tiantai (Tendai) Buddhismus nahestehend
- Guimet, Émile (west.) ^ 1836–1918; Industrieller, Kunstsammler und einer der frühesten Vertreter des französischen Japonismus; aus seinen Sammlungen entstand das Pariser Musée Guimet
- Hoke-kyō 法華経 ^ Lotos Sutra; skt. Saddharma pundarika sutra; jap. auch Hokkekyō oder Myōhō renge kyō; zählt zu den einflussreichsten Texten des Mahayana-Buddhismus, älteste Fassungen dürften im ersten Jh. v.u.Z. entstanden sein.
- hosshin 法身 ^ Dharmakaya oder Dharma-Leib; laut der Drei-Körper-Lehre des Mahayana-Buddhismus höchster bzw. essentiellster Aggregatzustand eines Buddha, im Unterschied zu seiner leiblichen Existenz (Nirmanakaya) oder seiner ikonographischen Idealform (Sambhogakaya); oft auch mit der höchsten Erkenntnis gleichgesetzt
- Jindai-kan 神代巻 ^ „Band des Götterzeitalters“; mythologische Kapitel von Kojiki und/oder Nihon shoki, die manchmal als eigenständiges Werk publiziert wurden
- Kannon 観音 ^ auch Kanzeon 観世音, wtl. der den Klang der Welt erhört; skt. Avalokiteśvara; chin. Guanyin; als Bodhisattva des Mitleids bekannt
- Katsushika Hokusai 葛飾北斎 ^ 1760–1849; Maler und Zeichner. Bekanntester Verteter des ukiyo-e-Farbholzschnitts
- Kichijō-ten 吉祥天 ^ Hindu-buddhistische Göttin des Glücks; wtl. „Gottheit des Guten Omens“; auch: Kisshōten; skt. Lakshmi
- [[Glossar:Metapersonen|]] () ^
- Nichira 日羅 ^ –583; japanischer Diplomat, zweitweise im Dienst des koreanischen Königreichs Baekje; laut buddhistischen Legenden auch buddhistischer Mönch und Lehrer des Shōtoku Taishi
- Nichiren-shū 日蓮宗 ^ Nichiren Schule; Sammelnamen für Schulen in der Tradition Nichirens, aber auch Namen einer bestimmten Schule innerhalb des heutigen Nichiren Buddhismus; nicht zu verwechseln mit der 1912 gegr. Nichiren Shōshū
- Sancai tuhui (chin.) 三才圖會/三才図絵 ^ „Gesammelte Illustrationen der Drei Sphären“; Enzyklopädisches illustriertes Lexikon der späten Ming-Zeit, veröffentlicht 1609
- sanjū banjin 三十番神 ^ wtl. dreißig Wächtergötter; dreißig shintōistische Gottheiten, die den Tagen des Mondkalenders zugeordnet sind
- Shichi Fukujin 七福神 ^ Sieben Glücksgötter; populäres Ensemble von Glücksgöttern verschiedener Herkunft
- shinju itchi 神儒一致 ^ Gleichsetzung von Shintō und Konfuzianismus (Jukyō); intellektueller Trend der frühen Edo-Zeit
- Shōtoku Taishi 聖徳太子 ^ 574–622; Prinz Shōtoku; kaiserlicher Regent, Staatsmann und Förderer des Buddhismus
- Shuanglin-si (chin.) 雙林寺/双林寺 ^ Chinesisch-buddhistischer Tempel aus dem 6. Jh., in der Ming-Zeit ausgebaut; soll von Fu Dashi gegründet worden sein.
- Siebold, Philipp Franz von (west.) ^ 1796–1866; deutscher Arzt, Naturforscher, Japanreisender und Sammler; Pionier der Japanforschung
- son 尊 ^ erhaben; allgemeiner Begriff für Metapersonen buddhistischer oder shintoistischer Provenienz, besonders im Kontext der Ikonographie; kann im Fall von Shintō-Göttern auch mikoto gelesen werden
- Zuzōshō 図像抄 ^ ikonographisches Handbuch des Shingon-Buddhismus von Ejū 恵什, einem Mönch des Ninna-ji aus der späten Heian-Zeit, auf Befehl von Exkaiser Toba zusammengestellt; älteste erhaltene Kopien aus der Kamakura-Zeit (1193, Daigo-ji); enthält 142 Skizzen von buddhistischen Gottheiten; auch Jikkan-shō
Religion in Japan, Inhalt
- 一 Grundbegriffe
- Einleitung
- Japan
- Buddhismus:
- Ausbreitung
- Buddh. Lehren
- Shintō:
- Shintō
- Chinesische Einflüsse:
- Yin und Yang
- Zusammenfassung:
- Stereotype
- Weltbild
- 二 Bauten
- 三 Alltag
- Einleitung
- Öffentliche Religion:
- Tempel- & Schreinbesuch
- Glücksbringer
- Opfergaben
- Jahreszyklus
- Volksfeste (matsuri)
- Private Religion:
- Religion und Familie
- Totenriten
- Ahnenkult
- Hausschrein
- Friedhof
- Pilgerschaft
- Religiöse Spezialisten:
- Buddhistische Mönche
- Schreinpriester
- Yamabushi
- 四 Ikonographie
- Einleitung
- Ordnungssysteme
- Buddhas und Bodhisattvas:
- Amida
- Dainichi
- Shaka
- Kannon
- Jizō
- Zornvolle Figuren:
- Myōō
- Wächtergötter
- Populäre Gottheiten:
- Glücksgötter
- Schreingottheiten:
- Shintō-Götter
- Menschen:
- Heilige
- 五 Mythen
- Einleitung
- Mythologie:
- Götter des Himmels
- Götter der Erde
- Jenseits:
- Jenseits
- Geister:
- Totengeister
- Dämonen
- Tiere:
- Imaginäre Tiere
- Verwandlungskünstler
- Symboltiere
- 六 Geschichte
- Einleitung
- Altertum:
- Prähistorie
- Frühzeit
- Nara-Zeit
- Frühe kami-Kulte
- Heian-Zeit
- Saichō
- Kūkai
- Honji suijaku
- Mittelalter:
- Kamakura-Zeit
- Amidismus
- Zen Buddhismus
- Nichiren Buddhismus
- Mittelalterl. Shintō
- Frühe Neuzeit:
- Reichseinigung
- Christentum
- Terauke-System
- Neo-Konfuzianismus
- Kokugaku
- Moderne und Gegenwart:
- Bakumatsu-Zeit
- Staatsshintō
- Neue Religionen
- 七 Essays
- Überblick
- Buddhismus, Asien:
- Arhats in China und Japan
- Vajrapani: Der Feldherr des esoterischen Buddhismus
- Bishamon-ten: Wächter und Glücksgott
- Riesen-Buddhas: Im Kampf gegen die Unbeständigkeit des irdischen Daseins
- Lokale Vorstellungen, Japan:
- Jindō und shintō: Zum Begriffsinhalt des ‚Weges der kami‘
- Ōkuninushi als heimlicher Gegenspieler der Himmlischen Götter
- Religiöse Gewalt in Japan: Blutopfer, Selbstopfer, Menschenopfer
- Regenmachen im vormodernen Japan
- Lieber das Herz in der Hand als die Taube über dem Heer
- Feuer mit Feuer bekämpfen: Der Gehörnte Meister und sein Kult
- Das Butsuzō zui: Ein ‚illustriertes Kompendium der mystischen Gestalten von Buddhas und Kami‘
- Hundert Geschichten: Horrorklassiker aus der Edo-Zeit
- Religion und Politik:
- Die Tenshō-Mission: Beginn einer schwierigen transnationalen Beziehung
- Yasukuni: Der Schrein des ‚friedlichen Landes‘
- Herrigels Zen und das Bogenschießen
„Das Butsuzō zui: Ein ‚illustriertes Kompendium der mystischen Gestalten von Buddhas und Kami‘.“ In: Bernhard Scheid, Religion-in-Japan: Ein digitales Handbuch. Universität Wien, seit 2001