Yatagarasu

Aus Kamigraphie
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Yatagarasu ema3.jpg
Yatagarasu[Abb. 1]
Seiten-Infobox
Themengruppe Gottheiten (Götter, numinose Erscheinungen)
Name Yatagarasu 八咫烏 („acht- bzw. vielklauige Krähe“)
Sonstige Namen Yata-no-karasu
Rel. Zugehörigkeiten Shintō
Herkunft Japan
Ikonographie dreifüßige Krähe/Rabe
Funktion, Wirkkraft Sonnensymbol
Diese Seite entstand im Kontext des Seminars Kamigraphie: Wintersemester 2011.

Yatagarasu (八咫烏, auch Yatakarasu, yata-no-karasu oder Yata-Krähe; vielhändige bzw. vielklauige Krähe) ist eine dreibeinige Krähe, die in der japanischen Mythologie Bedeutung fand und auch heute noch in verschiedenen Schreinen und besonders in Kumano verehrt wird. Ursprünglich war sie der Wegweiser des Jinmu-tennō 神武天皇, der sich im gebirgigen Kumano verirrt hatte, während sie heute auch stark in der Populärkultur vertreten ist und unter anderem das offizielle Symbol der japanischen Fußballnationalmannschaft darstellt.

Ursprünge

Aufgrund von ähnlichen Krähenbildern in China und Korea ist anzunehmen, dass Yatagarasu eine japanische Version des chinesischen Sonnenraben Yang-wu darstellt. Dieser ist laut chinesischer Mythologie rot, dreibeinig, der Besitzer der Sonne und außerdem die am häufigsten dargestellte Form des sanzuwu, des dreibeinigen Vogels. In schriftlichen Quellen wird er erstmals im „Li Sao“ (314 v. Chr.) von Kiü-Yuen erwähnt, jedoch gibt es Anhaltspunkte, dass die Idee eines dreibeinigen Vogels nicht unbedingt chinesischer Natur ist: Auch auf älteren Münzen der Provinzen Lycia und Pamphylia lassen sich Abbildungen eines solchen Vogels finden, sodass es durchaus möglich wäre, dass es sich ursprünglich um eine westliche Vorstellung handelte.[1] Darüber hinaus soll der Rabe auch in anderen Kulturen, wie zum Beispiel bei den indigenen Völkern Amerikas oder den Inuit, ein Symbol für die Sonne dargestellt haben, und auch die Ainu scheinen den Raben als Beschützer der Sonne verehrt zu haben.[2] Jedoch geht man laut momentanem Forschungsstand relativ sicher davon aus, dass Yatagarasu schließlich doch über Korea aus China nach Japan gekommen ist, da der chinesische Sonnenrabe der damaligen japanischen Oberschicht durchaus ein Begriff war.

Auch in Korea war die Idee eines dreibeinigen Rabens gängig, jedoch handelte es sich hierbei um einen Mondraben. In China hingegen war eine dreibeinige Kröte Symbol für den Mond.[2]

Japanische Mythologie

Yatagarasu spielt sowohl im Nihon shoki als auch im Kojiki eine wichtige Rolle, da sie dem Jinmu-tennō gesandt wird, als dieser sich in den Bergen Kumanos verirrt. Ursprünglich war er aus dem Dorf Kami in Kumano aufgebrochen, um seinen Feldzug in Richtung Osten durchzuführen. Als es auf der Reise zu Schwierigkeiten kommt, schickt ihm eine Gottheit (im Nihon shoki Amaterasu, im Kojiki Takagi) Yatagarasu, die ihm den Weg weisen soll. Dies gelingt auch, sodass Jinmu-tennō der erste tennō Japans werden kann. Die Übersetzung des Namens Yatagarasu bereitete vielen Japanologen Schwierigkeiten. Manche übersetzten ihn als „acht Fuß große Krähe“, andere als „achtköpfige Krähe“. Laut Aston ist die Verbindung zum chinesischen Sonnenraben Yang-wu allerdings deutlich zu erkennen, sodass nur die Interpretation der „achthändigen“, also „vielhändigen“ bzw. „vielklauigen Krähe“ in Frage kommt.[1]


Feste und Schreine

Priester mit karasu-bō [Abb. 4]

Yatagarasu wird aufgrund des mythologischen Hintergrundes vor allem in den Schreinen in Kumano verehrt. In Nachi und Hongū gibt es dementsprechend ein alljährliches Fest: Am 1. Jänner wird Wasser vom Wasserfall beim Nachi-taisha zum Schrein von Yatagarasu gebracht, um ihn rituell zu reinigen. Im Zuge dessen werden Siegel und Glücksbringer angefertigt. Der durchführende Priester trägt dabei eine sogenannte karasu-bō oder yatagarasu-bō, die früher ein Symbol dafür war, dass man als Pilger bereits 1000 Tage in Kumano verbracht hatte.[3]

Am 7. Jänner findet ein ähnliches Ritual in Hongū statt, bei dem zwar kein gereinigtes Wasser geholt wird, jedoch ebenfalls Siegel und Glücksbringer angefertigt werden. Auch hier trägt der Priester die karasu-bō.

Yatagarasu wird nicht nur in Kumano, sondern auch in anderen Schreinen verehrt.

Populärkultur

Großes ‚Fußball-ema‘ in Kumano [Abb. 5]

Yatagarasu ist in mehreren Bereichen der Populärkultur stark vertreten: Beispielsweise ist sie seit 1931 das Symbol der Japan Football Association und der japanischen Fußballnationalmannschaft. Weiters kommt sie in Kartenspielen wie Yu-gi-oh! und Videospielen wie zum Beispiel der Reihe Shin megami tensei: Persona 真・女神転生 vor. Die wichtigste Bedeutung scheint sie allerdings im Bereich des Fußballs zu haben, da auch unzählige o-mamori お守り und ema 絵馬 mit Yatagarasu und einem Fußball bedruckt werden.

Verweise

Literatur

  • William George Aston (Ü.) 1896
    Nihongi: Chronicles of Japan from the earliest times to a.d. 697. London: Kegan Paul 1896. (Zahlreiche Neuauflagen, JHTI Onlineversion, Onlineversion (Wiki-Source).)
  • Max D. Moerman 2005
    Localizing paradise: Kumano pilgrimage and the religious landscape of premodern Japan. Harvard: Harvard University Press 2005.

Fußnoten

  1. 1,0 1,1 Aston 2008, S. 116
  2. 2,0 2,1 Erkes 1925, S. 33
  3. Moerman 2005

Bilder

Quellen und Erläuterungen zu den Bildern auf dieser Seite:

  1. Yatagarasu ema3.jpg
    Tafel
    Bild © Morooka Kumano. (Letzter Zugriff: 2021/9/6)
  2. Sonnenrabe Meru.jpg
    Weltenberg Meru mit Sonnenrabe und Mondhase Mandala, mandara (Farbige Seide, Stoff). 14. Jh. (Yuan-Dynastie); China; 83,8 x 83,8 cm
    Bild © Metropolitan Museum. (Letzter Zugriff: 2012/10/13)
    This elaborate tapestry-woven mandala, or cosmic diagram, illustrates Indian imagery introduced into China in conjunction with the advent of Esoteric Buddhism. At the center is the mythological Mount Meru, represented as an inverted pyramid topped by a lotus, a Buddhist symbol of purity. Traditional Chinese symbols for the sun (three-legged bird) and moon (rabbit) appear at the mountain’s base. The landscape vignettes at the cardinal directions represent the four continents of Indian mythology but follow the conventions of Chinese-style “blue-and-green” landscapes. The dense floral border derives from imagery of central Tibet, particularly from monasteries with ties to the court of the Yuan dynasty.
  3. Jinmu.jpg
    Jinmu Tennō Blockdruck von Tsukioka Yoshitoshi 月岡芳年 (1839–1892). Meiji-Zeit; aus der Serie Dainippon meishō-kan 大日本名将鑑 (Sammlung großer Generäle Japans), 1876–82
    Bild © Wikimedia Commons. (Letzter Zugriff: 2014/9/9)
  4. Yatagarasu mütze.jpg
    Yatagarasu Mütze Photographie
    Bild © kumano-experience.com. (Letzter Zugriff: 2014/8/8)
  5. Yatagarasu Fußball.jpg
    Yatagarasu und Fußball Zeremonie, Detail
    Bild © ikebukuro.areablog.jp, 2010/09/26. (Letzter Zugriff: 2014/8/8)
    Yatagarasu-Fußball-Altar im Inneren des Kumano Hongū Taisha 熊野本宮大社.