Tanz der Ame no Uzume: Unterschied zwischen den Versionen

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Ame no Uzume, Urahnin des Sarume-Klans und somit Urahnin einer der wichtigsten Priesterfamilien der Heian-Zeit erweckte mit ihrem besonderen Tanz viele verschiedene Theorien. Dazu zählt auch die Theorie, dass Uzume eine Schamanin war. Ihr ausgelassener Tanz wird in den japanischen Annalen damit beschrieben, dass sie eine göttliche Inspiration erhalte, oder göttlich inspirierende Worte von sich gibt. Es scheint also so, als ob sie von einem Geist oder einer göttlichen Seele besessen sei. Ihr eigenartiger Tanz erinnert dabei an die rituellen Bewegungen einer Schamanin, die einen Geist in ihren Körper eindringen  lässt. Wenn man also davon ausgeht,  dass dieser Tanz die Seele der verstorbenen Sonnengöttin herbeirufen sollte, so könnte man dies auch als einen schamanistischen Akt bezeichen. Anzumerken ist, dass ein derartiger Ritus noch heute in Japan vollzogen wird. So gibt es Priesterinnen (''miko'' bzw. ''itako''), die im Haus eines kürzlich Verstorbenen, den Geist des Toten durch Gesang in ihren Körper rufen.<ref>Okano 1941, S. 202 {{q|Achtung, Artikel bezieht sich auf die Vorkriegszeit!}}</ref>
 
Ame no Uzume, Urahnin des Sarume-Klans und somit Urahnin einer der wichtigsten Priesterfamilien der Heian-Zeit erweckte mit ihrem besonderen Tanz viele verschiedene Theorien. Dazu zählt auch die Theorie, dass Uzume eine Schamanin war. Ihr ausgelassener Tanz wird in den japanischen Annalen damit beschrieben, dass sie eine göttliche Inspiration erhalte, oder göttlich inspirierende Worte von sich gibt. Es scheint also so, als ob sie von einem Geist oder einer göttlichen Seele besessen sei. Ihr eigenartiger Tanz erinnert dabei an die rituellen Bewegungen einer Schamanin, die einen Geist in ihren Körper eindringen  lässt. Wenn man also davon ausgeht,  dass dieser Tanz die Seele der verstorbenen Sonnengöttin herbeirufen sollte, so könnte man dies auch als einen schamanistischen Akt bezeichen. Anzumerken ist, dass ein derartiger Ritus noch heute in Japan vollzogen wird. So gibt es Priesterinnen (''miko'' bzw. ''itako''), die im Haus eines kürzlich Verstorbenen, den Geist des Toten durch Gesang in ihren Körper rufen.<ref>Okano 1941, S. 202 {{q|Achtung, Artikel bezieht sich auf die Vorkriegszeit!}}</ref>
  
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Version vom 31. Juli 2021, 15:23 Uhr


Diese Seite behandelt das Mythem des Tanzes der Ame no Uzume vor der himmlischen Felsenhöhle, einer der bekanntesten Szenen in den japanischen Mythenerzählungen.

Kurze Zusammenfassung

Als sich die Sonnengöttin Amaterasu Ōmikami in die himmlische Felsenhöhle zurückzieht, verschwindet das Licht und es wird dunkel. Um die Göttin wieder aus ihrem Versteck herauszulocken, wird neben unterschiedlichen Opfergaben auch ein Ritual durchgeführt, dass eine Art Tanz der Göttin Ame no Uzume beinhaltet. Im Kojiki erscheint es als wäre Ame no Uzume von einer göttlichen Seele besessen. Sie stampft mit ihren Füßen auf ein Schallbrett (ukefune 有卦船), zieht den Saumbund ihres Gewandes herab und entblöst dabei ihre Brüste und Genitalien. Der Tanz zusammen mit den von den Göttern Ame no Koyane und Ame no Futotama rezitierten Ritualworten und den dargebrachten Opfergaben macht die Sonnengöttin aufmerksam und sie tritt aus ihrer Höhle hervor.

Mythologische Varianten

Kojiki [1]

天宇受賣命。手次繋天香山之天之日影而。爲鬘天之眞折而。手草結天香山之小竹葉而。[訓小竹云佐佐]於天之石屋戸伏汙氣[此二字以音]而。蹈登杼呂許志。[此五字以音]爲神懸而。掛出胸乳。裳緒忍埀於番登也。

...und Ama no Uzume no Mikoto hängte sich den Himmlischen Keulenbärlapp vom Himmlischen Kagu-Berge als ein Handstützband um, und machte sich [die Blätter] des himmlischen trefflichen Spindelbaumes zum Kopfschmuck, und band sich die Blätter des Bambusgrases vom Himmlischen Kagu-Berge zu einem Handstrauß zusammen, und legte ein Schallbrett vor die Tür der Himmlischen Felsenwohnung und stampfte darauf, daß es ertönte, und tat als ob sie in Besessenheit eine göttliche Inspiration habe, zog die Warzen ihrer Brüste heraus und zog den Saumbund ihres Gewandes bis an die Scham herab. Da schütterte das Gefilde des Hohen Himmels und die achthundert Myriaden Götter alle zusammen lachten.

Nihon shoki[2]

又猿女君遠祖。天鈿女命。 則手持茅纒之矟。立於天石窟戸之前。巧作俳優。亦以天香山之眞坂樹爲鬘。以蘿。爲手繦。而火處燒。覆槽置。 顯神明之憑談。

Ferner nahm Ama no Uzmue no Mikoto, die Urahne der Sarume no kimi, einen mit Chi-Gras umwundenen Speer in die Hand, stellte sich vor die Tür der himmlischen Felsenhöhle und führte in kunstvoller Weise eine Pantomime 俳優 auf.

Ferner nahm sie einen trefflichen Sakaki Baum des Himmlischen Kagu Berges und machte sich daraus einen Kopfschmuck: aus Keulenbärlapp machte sie sich ein Handstützband und machte [auf der Feuerstätte] Feuer an; sie stellte einen Trog umgekehrt mit dem Boden nach oben hin, und gab göttlich inspirierte Worte von sich.

Kogo shūi[3]

又,令天鈿女命古語-天乃於須女〔あめのおすめ〕. 其神強悍猛固.故以為名.今俗,強女謂之於須志〔おすし〕,此緣也.以真辟葛為鬘, 以蘿葛為手繦,蘿葛者-比可氣〔ひかげ〕.以竹葉、飫憩木葉為手草,今,多久佐〔たくさ〕. 手持著鐸之矛,而於石窟戶前覆誓槽,古語-宇氣布禰〔うけぶね〕. 約誓之意.舉庭燎,巧作俳優,相與歌舞.」

Ferner ließ man Ama no Uzume no Mikoto aus [Blättern des] trefflichen Spindelbaumes sich einen Kopfschmuck machen, aus Keulenbärlapp sich ein Handstützband machen, aus Blättern von Bambusgras und aus Blättern des Oke-Baumes sich einen Handstrauß machen, in der Hand einen Speer mit daran befestigten Klingeln halten, vor der Tür der Felsenhöhle einen Trog umgekehrt mit dem Boden nach oben hinstellen, ein Hof-Feuer anzünden, in kunstvoller Weise eine lächerliche Pantomime 俳優 aufführen und mit den [übrigen Göttern] zusammen singen und tanzen.

Die Kojiki-Version

In der Kojiki-Version gibt es einen grundlegenden Unterschied. Während in dieser Ausführung Uzumes Tanz mit dem Entblößen ihrer Brüste und Genitalien ausgeschmückt wird, findet sich dieser Akt der Freizügigkeit in keinen der anderen Versionen wieder. Die Nihon shoki-Versionen und auch das Kogo shūi sprechen hier von einem Schauspiel (nach Florenz: Pantomime) und einem ausgelassenen Tanz, die die anderen Götter zum Lachen bringt. Im Kojiki aber führt die schamlose Freizügigkeit Uzumes zum Gelächter der Götter, was wiederum Amaterasus Aufmerksamkeit erweckt. So sagt Amaterasu: „Seitdem ich mich eingeschlossen halte, sollte doch meiner Meinung nach das Himmelsgefilde jedenfalls dunkel sein, und auch das Mittelland des Schilfgefildes sollte überall dunkel sein. Wie kommt es daher, dass Ama no Uzume so lustig ist, und dass auch die achthundert Myriaden Götter alle lachen?“[4] Takeshi Matsumae sieht dieses Element des Mythems als eine Art Fertilitätszauber, ebenso wie das Schlagen mit dem Speer auf den umgekehrten Trog, was den sexuellen Verkehr zwischen Mann und Frau darstellen soll. Primär meint er aber damit die Fruchtbarkeit des Erdreiches oder damit im Volksglauben verbunden, die Wiedererweckung der toten Erdgöttin.[5] Matsumae stellt in diesem Zusammenhang auch die Theorie auf, dass sich der Felsenhöhlenmythos aus einer traditionellen Zeremonie zur „Wiedererweckung“ der Seele des Kaisers, dem Chinkon-sai entwickelt hat. Das Chinkon sai fand um die Wintersonnenwende statt und galt als Zeremonie, die der Sonne wieder neue Kraft schenken sollte und den Zyklus der Fruchtbarkeit einleitete.

Priesterin oder Schamanin?

Ame no Uzume, Urahnin des Sarume-Klans und somit Urahnin einer der wichtigsten Priesterfamilien der Heian-Zeit erweckte mit ihrem besonderen Tanz viele verschiedene Theorien. Dazu zählt auch die Theorie, dass Uzume eine Schamanin war. Ihr ausgelassener Tanz wird in den japanischen Annalen damit beschrieben, dass sie eine göttliche Inspiration erhalte, oder göttlich inspirierende Worte von sich gibt. Es scheint also so, als ob sie von einem Geist oder einer göttlichen Seele besessen sei. Ihr eigenartiger Tanz erinnert dabei an die rituellen Bewegungen einer Schamanin, die einen Geist in ihren Körper eindringen lässt. Wenn man also davon ausgeht, dass dieser Tanz die Seele der verstorbenen Sonnengöttin herbeirufen sollte, so könnte man dies auch als einen schamanistischen Akt bezeichen. Anzumerken ist, dass ein derartiger Ritus noch heute in Japan vollzogen wird. So gibt es Priesterinnen (miko bzw. itako), die im Haus eines kürzlich Verstorbenen, den Geist des Toten durch Gesang in ihren Körper rufen.[6]

Verweise

Literatur

  • Karl Florenz 1919
    Die historischen Quellen der Shinto-Religion. Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht 1919. (Übersetzungen von Kojiki und Nihon shoki [in Auszügen] sowie Kogo shūi [ganz].)
  • Takeshi Matsumae 1980
    „The heavenly rock-grotto myth and the Chinkon ceremony.“ Asian Folklore Studies 39/2 (1980), S. 9-22.
  • Haruko Okano 1976
    Die Stellung der Frau im Shinto: Eine religionsphänomenologische und -soziologische Untersuchung. (Vol. 1.) Wiesbaden: Otto Harrassowitz 1976.

Fußnoten

  1. Florenz 1919, S. 39-40
  2. Florenz 1919, S. 155-156
  3. Florenz 1919, S. 421-422
  4. Florenz 1919, S. 40
  5. Matsumae 1980, S. 14
  6. Okano 1941, S. 202