Myōan Eisai

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Eisai.jpg
Myōan Eisai[Abb. 1]
Seiten-Infobox
Themengruppe Personen (Einzelpersonen, Familien, Gruppen)
Name Myōan Eisai 明菴栄西
Lebenszeit geb. 27. Mai 1141 in Okayama 岡山, gest. 2. Juli 1215 in Kamakura 鎌倉
Sonstige Namen Myōan Yōsai, Eisai Zenji 栄西禅師
Funktion, Amt Buddhistischer Mönch
Bemerkung Brachte den Zen-Buddhismus 禅 (Rinzai-shū 臨済宗) und die Teezeremonie nach Japan
Diese Seite entstand im Kontext des Seminars Kamigraphie:Biographien.


Myōan Eisai 明菴栄西 war ein buddhistischer Mönch, der sowohl für die Einführung der Rinzai-Schule 臨済宗 des Zen, wie auch der Teezeremonie nach Japan verantwortlich ist. Aufgrund guter Kontakte zu anderen buddhistischen Schulen, wie zum Beispiel der Shingon-shū 真言宗, und da der Zen bereits in Japan bekannt war (es hatte lediglich vor Eisai niemand eine Lehrberechtigung), konnte er erfolgreich Fuß fassen. Er verließ Kyōto aufgrund von Anfeindungen durch Tendai-Mönche und begab sich nach Kamakura 鎌倉, wo der Rinzai-Zen durch die Unterstützung des Shōgunats zu einer hocheinflussreichen buddhistischen Richtung aufstieg.

Frühes Leben

Myōan Eisai wurde im Jahr 1141 in der damaligen Bicchū-Provinz 備中 (heutiges Okayama 岡山) geboren. Er wurde in die damalige einflussreiche Familie der Kaya 賀陽 geboren. Durch die Verbindungen seines Vaters, konnte er aufgrund seiner Intelligenz schon im frühen Alter von 11 Jahren in den Anyō-ji Tempel 安養寺 in der Nähe seines Geburtsortes eintreten. Dort lernte er neben dem Tendai 天台 auch die Ausübung esoterischer Praktiken (jap. mikkyō 密宗).[1] Zwei Jahre später begab er sich auf den Berg Hiei 比叡, auf dem er 1154 zum Tendai-Mönch geweiht wurde. Danach reiste er immer wieder zwischen den Standorten der esoterischen Schulen nahe von seinem Geburtsort und den Tendai-Zentren auf dem Hiei Berg hin und her (Taga 1965).

Erste Chinareise

Schon als junger Mönch wurde ihm davon erzählt, dass der derzeitige Buddhismus eine Reform benötigte, wodurch Eisai eine Reise nach China antreten wollte, um dem Ursprung des Buddhismus näher zu kommen. 1168 hatte er die Chance nach China zu segeln. Dort traf er den japanischen Mönch Shunjōbō Chōgen 俊乗房重源 (1121–1206), mit dem er die Klöster des Tiāntái-Berges 天台 besuchte. Obwohl er nur ein halbes Jahr dort verbrachte, lernte er mehr über die Ursprünge der Tendai-Lehre und der ihm neuen Chán-Praxis 禅 (jap. Zen). Als er nach Japan zurückkehrte, nahm er um die sechzig Bände von Schriften mit sich, die er in einer Bibliothek unterbrachte (Dumoulin 1986).

Die nächsten zwanzig Jahre verliefen ohne richtungsweisende Ereignisse. Eisai verbrachte die meiste Zeit mit dem Studium der von ihm mitgebrachten Schriften. In dieser Zeit begründete er die yōjō-Linie des Tendai-mikkyō (tendai mikkyō yōjō-ryū 天台密教葉上流) und wurde in dieser zum Patriarchen mit dem Titel yōjōbō 葉上房 erhoben. Des Weiteren lehrte er in seiner Heimatprovinz und in Kyūshū (Dumoulin 1986).

Zweite Chinareise

Seine zweite Chinareise im Jahre 1187 war der Auslöser einiger Veränderungen. Ursprünglich wollte er schon seit Langem ins Ursprungsland des Buddhismus nach Indien reisen, wurde aber an der Grenze aufgehalten und verblieb stattdessen abermals in China. Daraufhin begab sich Eisai wieder auf den Tiāntái-Berg, um sich dort der Zen-Lehre zu widmen und am Ende seines Aufenthalts 1191 den Titel des Chán-Lehrers zu erhalten. Damit erhielt er auch das Recht, die Lehre in seinem Heimatland weiterzuverbreiten (Dumoulin 1986).

Mit seiner Ankunft 1191 im Hafen von Hirado 平戸 in Kyūshū begann Eisai mit seiner neu gewonnenen Berechtigung, die Zen-Lehre zu verbreiten. Dies gelang ihm dort sehr gut. Danach reiste er zu seinem Hauptziel Kyōto, wo er einen Tempel im Zentrum der Stadt errichten wollte. Die dort dominierenden Tendai-Mönche empfanden seine Arbeit jedoch als störend und erwirkten 1194 ein Verbot gegen seine neue Schule, die „Dharma-Schule“ 達磨宗 (Daruma-shū), wie sie zu dieser Zeit noch genannt wurde. Aus diesem Grund entschloss sich Eisai, in den Süden zurückzukehren (Taga 1965).

Etablierung des Zen in Japan

Dort gründete er das Tempelkloster Shōfuku-ji 聖福寺 1195 mit Hilfe des Shōgun Minamoto Yoritomo 源頼朝 (1147–1199) in Hakata 博多, welches als erster Zen-Tempel in die Geschichte Japans einging. Wie lange er sich diesmal im Süden aufhielt, ist nicht bekannt, allerdings reiste er im Anschluss wieder nach Kyōto. Dort schrieb Eisai seinen wichtigsten Text, nämlich das Traktat über die Verbreitung des Zen zum Schutz des Staates, jap. Kōzen gokokuron 興禅護国論 (Dumoulin 1986, 9), im Jahre 1198. Mit dieser Schrift versuchte er, sich gegenüber den Anschuldigungen der anderen Mönche zu verteidigen. Den Vorwurf, er wolle eine neue Sekte gründen, entkräftete er mit dem Argument, dass der Zen-Buddhismus nicht neu sei und ihn der Gründer der Tendai-Lehre Saichō 最澄 (767–822) schon ausübte. In seiner Abhandlung verwickelte er sich aber in Widersprüche. Auf der einen Seite stand das eben genannte Argument, dass Zen nicht neu sei und eigentlich eine Strömung des schon bekannten Buddhismus sei. Auf der anderen Seite argumentierte er, dass Zen die einzig wahre Lehre sei, was die anderen buddhistischen Lehren abwertete (Collcutt 1981).

Die Schrift führte zu keiner Lösung und die Ressentiments Eisai gegenüber nahm sogar noch zu. Daher entschied sich Eisai 1199, die Hauptstadt zu verlassen und nach Kamakura zu gehen. Dort wurde er durch das ihm wohlgesinnte Haus der Minamoto zum Gründerabt des Tempelklosters Jufuku-ji 寿福寺 ernannt. Wenig später wurde auch Kyōto wieder zu einer Option, seine Lehre zu verbreiten. 1202 übernahm er auf Wunsch des Shōgun Minamoto Yoriie 源頼家 (1182–1204) als Gründerabt die Leitung des Zen-Tempel Kennin-ji 建仁寺 (Collcutt 1981).

Eisai verbrachte die letzten Jahrzehnte seines Lebens in diesen zwei Tempeln in Kamakura und Kyōto, denen er vorstand. Seine Arbeit für die Zen-Meditation stellte er zurück und konzentrierte sich auf esoterische Praktiken und die Ausführung dieser. 1213 zog er sich zurück in den Kennin-ji, wo er seinen hingebungsvollen Studenten Dōgen 道元 (1200–1253) kennenlernte. Im Jahr 1215 verstarb Eisai mit 75 Jahren, verehrt von vielen Mönchen und betrauert vom Kaiserhof (Dumoulin 1986).

Verweise

Verwandte Themen

Literatur

  • Martin Collcutt 1981
    Five mountains: The rinzai zen monastic institution in medieval Japan.. Cambridge: Harvard University Press 1981.
  • Heinrich Dumoulin 1986
    Geschichte des Zen-Buddhismus. (Band 2.) Bern: A. Francke AG 1986.
  • Shōkin Furuta 1964
    „Eisai no shisō ni miru shinzenyūshin he no keikō (Eisai's theory of zen-shingon mysticism).“ Journal of Esoteric Buddhism密教文化 69-70 (1964), S. 126-131. (Exzerpt.)
  • Shōkin Furuta 1977
    Eisai. Tōkyō: Kōdansha 講談社 1977.
  • Yasuhiko Kinomiya 1916
    Der Zen-Meister Eisai. Tōkyō: Heigo Shuppansha 丙午出版社 1916.
  • Shinya Mano 2010
    „Yōsai and esoteric buddhism.“ In: Charles Orzech et al. (Hg.), Esoteric buddhism and the tantras in east asia. Brill: Handbook of Oriental Studies 2010, S. 827-834.
  • Shinya Mano 2014
    Yōsai and the transformation of Buddhist precepts in pre-modern Japan. London: University of London 2014. (Dissertation.)
  • Munehaya Taga 1965
    Eisai. Tōkyō: Yoshikawa Kōbunkan 吉川弘文館 1965.
  • Gishin Tokiwa, Steven Heine, John R. McRae, Osamu Yoshida 2005
    Zen Texts. Numata Center for Buddhist Translation and Research 2005.
  • Albert Welter 2005
    „Zen buddhism as the ideology of the Japanese state: Eisai and the kōzen gokokuron.“ In: Steven Heine und Dale S. Wright (Hg.), Zen classics: Formative texts in the history of zen buddhism. Oxford: Oxford University Press 2005, S. 65-112.
  • Albert Welter 2007
    „Buddhist rituals for protecting the country in medieval Japan: Myōan Eisai`s "Regulations of the zen school".“ In: Steven Heine und Dale S. Wright (Hg.), Zen ritual: Studies of zen buddhist theory in practice. Oxford: Oxford University Press 2007, S. 113-138.

Internetquellen

Letzte Überprüfung der Linkadressen: 2021/08/19

Fußnoten

  1. Esoterischer Buddhismus, Tantrismus; wtl. geheime Lehre; Gegenstück zu kengyō 顕教 (offene Lehre).

Bilder

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  1. Eisai.jpg
    Myōan Eisai Buchillustration
    Bild © Livedoor. (Letzter Zugriff: 2021/8/18)