Ōtomo Sōrin

Aus Kamigraphie
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Hintergrund der Ōtomo Familie

Die Ōtomo waren ursprünglich eine gozoku Familie aus der Provinz Sagami. Das erste Familienoberhaupt der Ōtomo, Ōtomo Yoshinao war ein Gefolgsmann von Minamoto no Yoritomo. Auf Grund seiner engen Beziehung zu Yoritomo, wurde er zum Daimyo von Bungo ernannt. (Toyama 1975, S. 1–2) Da das 3. Familienoberhaupt der Ōtomo, Ōtomo Yasunao mit Hōjō Tokiyori verwandt war, gingen die Ōtomo nicht nach der Machtübernahme durch die Hōjō unter. (Toyama 1975, S. 3)

Während der Nambokuchō – Periode (1333 – 1392) waren die Ōtomo eine von drei Familien, die Kyushu dominierten. (Die anderen Familien waren die Shimazu und Shōni.) (Toyama 1975, S. 4–5) In dieser Zeit zogen viele Familie, die im Osten ansässig waren, nach Westen. Davor lebten die Ōtomo in der Gegend von Kamakura, obwohl ihre Ländereien in Kyushu waren. (Toyama 1975, S. 4–5) Zu dieser Zeit wurde die Familienzusammengehörigkeit durch Nachfolgestreitigkeiten zerrüttet. (Toyama 1975, S. 7)

Das 17. Familienoberhaupt, Yoshisuke, der während des Ōnin Krieges (1467 – 1477), Ashikaga Yoshimi unterstützt hatte, wurde Meiō 5 (1496) von seinem Vater, der die Fraktion von Ashikaga Yoshimasa unterstützt hatte, vergiftet. (Toyama 1975, S. 7) Yoshimasa wurde in Folge von Ōuchi Yoshioki gefangen genommen und zum Selbstmord gezwungen. (Toyama 1975, S. 7) Ōtomo Chikaharu, Yoshisukes Onkel, übernahm als Folge dieses Zwischenfalls die Position des Familienoberhauptes. Ihm folgte sein Sohn, Yoshinaga, nach, dem wiederum dessen Sohn Yoshiaki (Sōrins Vater) nachfolgte. (Toyama 1975, S. 7–8)


Ōtomo Sōrin

Den meisten Quellen nach wurde Sōrin im Jahr Kyōroku 3 (1530) geboren. Es ist unklar ob seine Mutter aus der Familie der Bōjō Familie stammte oder die Tochter von Ōuchi Yoshioki war. Er hatte 2 jüngere Brüder, Haruhide und Shioichimaru, und 4 Schwestern. (Toyama 1975, S. 9–12)


Sōrins Charakter

Die Quellen sind sich uneinig im Bezug auf Sōrins Charakter. Manche japanische Quellen aus der Edo - Zeit stellten ihn als Herrscher dar, der dem Luxus, dem Wein und den Frauen frönte und sogar eigene Gefolgsmänner töten ließ, um an ihre Frauen zu kommen. Die Berichte der Jesuiten zeichneten ein komplett anderes Bild von Sōrin. Sie stellten ihn als väterlichen Herrscher, der von seinen Untertanen geliebt wurde, dar. (Toyama 1975, S. 13–17)

Quellen zu Folge, waren Yoshiaki und Sōrin vom Charakter her sehr verschieden. Yoshiaki soll oftmals eher unüberlegt und vorschnell gehandelt haben. Einmal soll er beinahe eine Gruppe portugiesischer Händler ermordet haben lassen, um an ihre Waren zu kommen. Er wurde nur durch das Eingreifen Sōrins von seinem Verhaben abgebracht. (Toyama 1975, S. 8)


Rebellion des 2. Flurs und Sōrins Machtübernahme

Sōrin kam als 21. Familienoberhaupt der Ōtomo durch die sogenannte "Rebellion des 2. Flurs", im 2. Monat des Jahres Tenbun 19 (1550) an die Macht. (Toyama 1975, S. 19)

Yoshiaki bevorzugte seinen jüngsten Sohn, Shioichimaru (der eine andere Mutter als Sōrin hatte) und hatte vor, ihn zu seinem Erben zu machen. (Toyama 1975, S. 19) Er lud vier seiner engsten Berater zu sich und teilte ihnen sein Vorhaben mit. Als sie Yoshiaki davon abrieten, war er erzürnt. Kurze Zeit später wurden sie erneut zu Yoshiaki gerufen. Zwei von ihnen ahnten die Falle voraus und blieben dem Treffen fern. Die anderen wurden ermordet. (Toyama 1975, S. 19–20) Da sie wussten, dass sie als Nächstes dran waren, griffen die zwei überlebenden Gefolgsmänner Yoshiakis Residenz an, töteten Shioichimaru und seine Mutter, und verwundeten Yoshiaki schwer. (Toyama 1975, S. 20) Sōrin verfolgte seinen Vater und ernannte sich zum neuen Oberhaupt der Familie. Im Jahr Tenbun 12 (1543) hatte Yoshiaki Kikuchi Yoshitake von seiner Position als Daimyō von Higo verdrängt und dessen Stellung übernommen. Sōrin erbte die Position des Daimyō über Bungo und Higo bei seiner Machtübernahme. (Toyama 1975, S. 23–36)


Expansion der Ländereien der Ōtomo

Nachdem Ōuchi Yoshitaka von einem seiner Gefolgsleute verraten wurde, nahm Sōrins Bruder, Haruhide, den Namen Ōuchi Yoshinaga an und übernahm die Stellung des Familienoberhauptes im 3. Monat von Tenbun 21 (1552). (Toyama 1975, S. 42)

Da die Familien der Ōuchi und die der Shōni (die zuvor von den Ōuchi besiegt worden waren) zu diesem Zeitpunkt kaum Macht in Kyushu besaßen, umwarb Sōrin das Shogunat mit vielen Geschenken, um als Daimyō von Hizen anerkannt zu werden. Dies geschah im 8. Monat von Tenbun 23 (1554). (Toyama 1975, S. 42–44)

Anders als Bungo und Higo, hatte Sōrin Hizen durch politische und diplomatische Schachzüge übernommen. Bis zum 6. Monat von Eiroku 2 (1559) übernahm Sōrin die Macht über Buzen, Chikuzen und Chikugo. Im 11. Monat des selben Jahres wurde er von Shogun Ashikaga Yoshiteru zum "Kyushu Tandai" (dem Militärgouverneur von Kyushu) ernannt. (Toyama 1975, S. 44–45)


Konflikt mit den Mōri

Sōrins Expansionsambitionen gerieten allerdings bald mit den Mōri, die ihren Einfluss nach Nord-Kyushu ausbreiten wollten, in Konflikt. (Toyama 1975, S. 45) In Kōji 3 (1557) starb Ōuchi Yoshinaga im Kampf gegen Mōri Motonari. Von diesem Zeitpunkt bis Eiroku 12 (1569) führten die Ōtomo und die Mōri Krieg um Buzen und Chikuzen. (Toyama 1975, S. 46–49)

In dieser Zeit wechselten etliche kleine Landbesitzer die Seiten und schlossen sich den Mōri an. Sie wurden zwar von Sōrin bestraft, aber aus Sorge vor dieser Entwicklung verlegte Sōrin in Eiroku 4 (1561) seine Residenz von Funai nach Usuki. (Toyama 1975, S. 46–47)

Um die Mōri zu überlisten, verbündete Sōrin sich mit Amago Yoshihisa, dem Daimyō von Izumo. Diese Strategie nannte man Enkō Kinkō (sich mit jenen in der Ferne verbünden und jene in der Nähe anzugreifen). Im 10. Monat von Eiroku 12 (1569) schickte Amago Haruhisa eine Armee, um die Mōri im Rücken anzugreifen. Dies zwang die Mōri dazu, sich aus Kyushu zurückzuziehen. (Toyama 1975, S. 47, 49)


Ōtomo Sōrin und das Christentum

Franz Xavers Ankunkft in Japan

Die ersten Europäer kamen 1543 in Japan an. 6 Jahre später kam der erste jesuitische Missionar, Franz Xaver nach Japan. (Toyama 1975, S. 160) Er wurde zunächst freundlich von dem Daimyō der Region, Shimazu Takahisa empfangen. Jedoch verschlechterte sich Takahisas Einstellung im Bezug auf das Christentum und Xaver. (Toyama 1975, S. 160)

1550 reiste er nach Kyoto um von dem Shogun die Erlaubnis zum Missionieren einzuholen. Der Shogun hatte zu jener Zeit jedoch kaum noch Einfluss, und Xaver kam zu der Erkenntnis, dass er sich wohl oder übel an die Daimyō der einzelnen Regionen wenden musste. (Toyama 1975, S. 160)


Xaver und Sōrin

Kurz bevor Xaver nach Indien zurückkehrte, erhielt er Tenbun 20 (1551) von Sōrin eine Einladung an dessen Hof in Bungo. Dort wurde er herzlich empfangen und ihm wurde erlaubt zu predigen. (Toyama 1975, S. 161–162)

Nach 2 Monaten kehrte Xaver nach Indien zurück. Vor seiner Abreise übergab Sōrin ihm einen Brief der Freundschaft an den König von Portugal und ließ Xaver von einem Gesandten zu dem Gouverneur von Goa begleiten. (Toyama 1975, S. 162)


Entwicklung des Christentums in Bungo

Im Laufe der nächsten Jahre kamen andere Missionare nach Bungo. Sie wurden von Sōrin stark unterstützt. Er stellte ihnen Residenzen und Gebetshäuser zur Verfügung und errichtete sogar Spitäler, in denen sich die Jesuiten um die arme Bevölkerung kümmern konnten. (Toyama 1975, S. 162–164) Diese Entwicklungen sorgten für großen Unmut bei den buddhistischen Sekten, und es kam zu etlichen Übergriffen auf Missionare. Sōrin musste sogar Gesetze erlassen, die ausdrücklich das Bewerfen der Residenzen der Missionare mit Steinen verbaten. (Toyama 1975, S. 163–164)

Bis zum Jahr Kōji 1 (1555), hatte die Anzahl der Christen in Funai, der Hauptstadt von Bungo, 1500 erreicht. Jedoch waren zu dieser Zeit nur Personen der unteren Schichten dem Christentum beigetreten. [S.165] Als Ōuchi Yoshinaga Kōji 3 (1557) von Mōri Motonari getötet wurde, verlagerte sich das Zentrum des Christentums von Yamaguchi nach Bungo, Funai. (Toyama 1975, S. 166)

Sōrin war sehr interessiert an der christlichen Lehre und bat die Missionare sogar, für seinen Sieg im Krieg gegen die Mōri zu beten, konvertierte zu dieser Zeit jedoch noch nicht. Auf der anderen Seite lud er den Zen-Mönch Iun aus Kyoto ein, um von ihm zu lernen, und ließ den Jurinji – Tempel in Usuki errichten. Es schien so, als ob er keinen innerlichen Konflikt bezüglich der beiden Religionen hatte. (Toyama 1975, S. 171)


Sōrins Familie

Sōrins Frau war die Tochter von Nata Akimoto, einen Priester des Hachimangu Schreines. Er hatte drei Söhne; Yoshimune, Chikaie und Chikamori, sowie 6 Töchter. (Toyama 1975, S. 174–175) Im Jahr Tenshō 3 (1575) empfing Chikaie das Sakrament der Taufe. Dies führte dazu, dass erstmals viele Mitglieder der Samurai-Klasse zum Christentum konvertierten. (Toyama 1975, S. 180)

Sōrins Frau empfang tiefen Hass für das Christentum und forderte die Ausweisung aller Missionare. Dies führte dazu, dass die Missionare Sōrins Frau den Spitznamen "Jezebel" gaben. Die Jesuiten sahen sie als Hexe, die sich mit dem Teufel gegen die Kirche verbündet hatte. "Jezebel" zwang einige Gefolgsleute der Ōtomo dazu, ihrem neuen Glauben abzuschwören, und brachte auch Yoshimune ins Wanken. (Toyama 1975, S. 181–182)


Glaubenskonflikt innerhalb der Familie

Als Tahara Chikatora, der Adoptivsohn von "Jezebels" Bruder Tahara Chikakata sich Tenshō 5 (1577) taufen ließ, waren Chikakata und Jezebel außer sich und ließen nichts unversucht, um Chikatora dazu zu bringen, zum Buddhismus zurückzukonvertieren. Dies führte zu einer Zeit der Anspannung in Bungo und einer Spaltung innerhalb Sōrins eigener Familie. (Toyama 1975, S. 182–186)

Schließlich schickte Chikakata Chikatora zurück zu seiner Familie nach Kyoto im Jahr Tenshō 6 (1578). Chikatoras Stelle wurde dann von Sōrins jüngstem Sohn Chikamori besetzt. (Toyama 1975, S. 186) Zu dieser Zeit zog sich Sōrin immer mehr aus den Regierungsgeschäften zurück und widmete sich verstärkt seinem Glauben. Er übergab seine Position als Familienoberhaupt an seinen Sohn Yoshimune. (Toyama 1975, S. 188–189)


Sōrins Scheidung

Sōrins Beziehung mit seiner Frau litten so sehr unter ihrer Christenfeidlichkeit, dass er sich Tenshō 6 dazu entschloss sich von ihr zu scheiden. (Toyama 1975, S. 187–188) Sōrin heiratete eine der Dienstfrauen seiner Frau und veregte seinen Sitz nach Usuki. Seine Frau empfing die Taufe und nahm den Namen Julia an. (Toyama 1975, S. 188)


Sōrins Taufe

Am 25. Tag des 7. Monats des Jahres Tenshō 6 (28. August 1578) wurde Sōrin auf den Namen Franziskus (benannt nach Franz Xaver) getauft. 27 Jahre waren vergangen, seitdem Sōrin zum ersten Mal von Xaver über das Christentum gelernt hatte. (Toyama 1975, S. 191–193) Die Konvertierung Sōrins sorgte für großen Aufruhr innerhalb und außerhalb der Ländereien der Ōtomo. Viele Buddhisten änderten ihre Meinung über die Arbeit der Missionare. (Toyama 1975, S. 193)


Allmählicher Machtverlust der Ōtomo

Die Schlacht von Mimigawa und ihre Folgen

Zu jener Zeit waren die Ōtomo und die Shimazu die zwei stärksten Familien in Kyushu. 1578 kamen die Ōtomo ihren Verbündeten, den Itō, zur Hilfe und marschierten in Hyuga ein. Der Feldzug war anfangs sehr erfolgreich und die Ōtomo Armee unter Tahara Chikakata traf kaum auf Widerstand. Unterwegs zerstörten sie buddhistische Tempel und vergaben die Ländereien der Tempel an Gefolgsleute der Ōtomo. (Toyama 1975, S. 195, Turnbull 1998, S. 272–273)

Sōrin wollte im Gebiet der Stadt Mushika einen neuen Idealstaat, ein christliches Utopia, gründen; einen Staat, der nach portugiesischem Vorbild funktionieren sollte. (Toyama 1975, S. 253)

Allerdings fügten die Shimazu den Ōtomo in der Schlacht von Mimigawa eine vernichtende Niederlage zu. Sōrin musste sein Projekt aufgeben und sich nach Bungo zurückziehen. (Toyama 1975, S. 254) Von dieser Niederlage konnten sich die Ōtomo nicht so bald erholen. Die Jesuiten sahen die Niederlage als Strafe Gottes an. Viele buddhistische Gefolgsleute der Ōtomo sahen die Ursache der Niederlage in der Schmähung des Buddhismus. (Jurdis 1991, S. 340–341) Als Tenshō 8 die Ryuzoji rebellierten, zwangen diese Gefolgsleute Yoshimune dazu, sich vom Christentum zu distanzieren. (Toyama 1975, S. 196)

Tenshō 10 wurde Sōrins jüngster Sohn Tahara Chikamori getauft. Bis zum Jahr Tenshō 12 (1584) war die Zahl der Christen in Bungo und Buzen auf 3279 gestiegen. (Toyama 1975, S. 197, 200)


Konflikt mit den Shimazu und Hideyoshis Beistand

Die Shimazu hatten sich nach der Schlacht von Mimigawa zunächst um die Ryuzoji gekümmert, was den Ōtomo eine Atempause verschafft hatte. Doch nachdem die Ryuzoji besiegt worden waren, machten sich die Shimazu daran, in die Gebiete der Ōtomo vorzustoßen. (Toyama 1975, S. 263) Auf Sōrins Bitte hin kam Toyotomi Hideyoshi den Ōtomo 1587 zur Hilfe. (Frederic 2002, S. 765) Während des Feldzuges empfing Yoshimune zu Sōrins großer Freude die Taufe und erhielt den Namen "Konstantin" am 20. Tag des 3. Monats von Tenshō 15 (1587). (Toyama 1975, S. 280)


Sōrins Tod

Über den genauen Todestag Sōrins sind sich die japanischen und europäischen Quellen uneinig. Er starb entweder kurz bevor oder kurz nachdem die Shimazu am 8. Tag des 5. Monats von Tenshō 15 kapitulierten. (Toyama 1975, S. 283) Nach Sōrins Tod folgte ihm sein Sohn Yoshimune nach, und die Ōtomo bauten ihre Macht wieder auf. (Toyama 1975, S. 287)


Koreafeldzug und Yoshimunes Absetzung

In Hideyoshis Koreafeldzug wurde Yoshimune an der Spitze einer 6000 Mann starken Armee entsandt. Allerdings wurde Yoshimune der Feigheit bezichtigt, da er sich zurückzog, anstatt einem der anderen Generäle zu Hilfe zu kommen. Hideyoshi war so erzürnt über Yoshimunes Verhalten, dass er ihn seiner Ämter enthob und die Ōtomo als Daimyō Familie absetzte. (Toyama 1975, S. 288–296) Nach seiner Absetzung wurde Yoshimune ins Exil geschickt und die Ländereien der Ōtomo wurden an andere Daimyo verteilt. (Toyama 1975, S. 296–298)


Endgültiger Untergang der Ōtomo als daimyō Familie

Im Jahr Keichō 3 (1598) starb Hideyoshi in Osaka, und ein Jahr später wurde Yoshimune von der Toyotomi Regierung begnadigt. (Toyama 1975, S. 298–299) Während des Auftaktes zur Schlacht von Sekigahara Keichō 5 (1600) schlug sich Yoshimune auf die Seite Ishida Mitsunaris. (Toyama 1975, S. 300)

Im selben Jahr wurde er in der Schlacht von Ishigakibaru von Kuroda Yoshitaka besiegt und gefangen genommen. Nach dieser Niederlage wurde er von Tokugawa Ieyasu abermals ins Exil nach Shishido (Provinz Hitachi) geschickt. Dort starb er am 19. Tag des 7. Monats des Jahres Keichō 10 (1605). (Toyama 1975, S. 302)

Sōrins älteste Tochter wurde Kanei 4 (1627) für ihren Glauben an das Christentum in Nagasaki zum Märtyrertod verurteilt. [S.303] Einer von Yoshimunes Söhnen, Masateru gründete eine Zweigfamile, gab den Familiennamen Ōtomo auf und nahm den Namen Matsuno an. Die Mitglieder dieser Familie dienten fortan als niedere Beamte in der Provinz Higo. (Toyama 1975, S. 303)


Forschungsstand zu Ōtomo Sōrin

Allgemein lässt sich sagen, dass sich die westliche Forschungsliteratur meist nur sehr oberflächlich mit dem Thema beschäftigt. Oftmals werden die Ōtomo in verschiedenen Kontexten beiläufig erwähnt. Darunter sind Werke, in denen Ōtomo Sōrin lediglich einmal namentlich vorkommt. (Siehe Pfoundes: 1882, Boxer: 1957, Entenmann: 2010, Robarts: 2010 und Rubies: 2012).

Manche Werke gehen etwas mehr auf das Thema ein, aber nur minimal. In diesen Fällen ist das Hauptthema ein anderes. In Brown: 1994 geht es um die Tenshō Mission, die sehr detailliert beschrieben wird. Als einer der Auftraggeberdieser Mission wird Sōrin kurz angesprochen. Bottomley: 2004 beschreibt unter anderem die Waffen - und Rüstungsgeschenke Sōrins an den König von Portugal und den Gouverneur von Goa. Sansom: 1961 beschäftigt sich mit christlichen Daimyo, u.a. Sōrin.

Es gibt einige Werke, die sich tatsächlich mit Ōtomo Sōrin auseinander setzen; jedoch ist auch hier das Hauptthema ein anderes. Immoos: 1981 behandelt die japanischen Themen, die in jesuitischen Theaterstücken der Barockzeit dargestellt wurden. Eine besonders beliebte Thematik scheint der Christenfürst Sōrin zu sein. In diesem Artikel werden Sōrin's Geschichte, und seine Hintergründe recht genau beschrieben. Jurdis: 1991 ist meiner Meinung nach einer der besten Artikel der westlichen Literatur zu Ōtomo Sōrin. Das Hauptthema des Artikels handelt von den wichtigen christlichen Daimyō Japans. Die Entwicklung des Christentums in Bungo und Sōrin's Biographie und Hintergründe werden hier ziemlich detailliert erwähnt. Turnbull: 1998 hat einen kurzen Enzyklopädieeintrag zu Sōrin und beschreibt die Schlacht von Mimikawa, bei der die Ōtomo ihre größte Niederlage erlitten, in großem Detail. Frederic: 2002 hat viele Enzyklopädieeinträge zu Ōtomo Sōrin und verwandten Themen.

Kommen wir nun zu Toyama: 1975, die mit Abstand beste Quelle zu Ōtomo Sōrin. Dieses Buch ist das japanische Leitwerk zu dem Thema und handelt ausschließlich von Sōrin, wobei es auch sehr viel Hintergrundwissen zur Geschichte der Ōtomo, den verschiedenen Konflikten mit anderen Daimyōfamilien und selbst der Verwaltungder Ländereien und der Vasallen liefert. Dieses Werk verwendet nicht nur japanische Quellen, sondern auch die Berichte der Jesuiten, zeigt Diskrepanzen auf und analysiert diese kritisch. Desweiteren ist dieses Buch die einzige Quelle, die ich finden konnte, die sich mit Sorin auch abseits seiner Verbindung zum Christentum beschäftigt. Dieses Werk ist so detailliert und umfangreich, dass es im Bezug auf die Ōtomo ungefähr 98% der Informationen aller westlichen Quellen enthält. Allerdings liefern manche westliche Quellen nützliche Informationen im Bezug auf Hintergründe (z.B. die allgemeine Entwicklung des Christentums in Japan) und Personen, die mit Sōrin in Verbindung standen (z.B. die jeweiligen Missionare in seinen Ländereien).

Wenn man die Quellenlage allgemein betrachtet, sieht man, dass das Thema Ōtomo Sōrin in der westlichen Forschungsliteratur eher unverarbeitet ist. Desweiteren sind in den letzten 2 Jahrzehnten keine Werke erschienen, die sich etwas genauer mit Ōtomo Sōrin auseinandersetzen.


Quellenangabe

Toyama, Mikio 1975 Otomo Sorin 大友宗麟 [Otomo Sorin]. Tokyo: Yoshikawa Kobunkan.吉川弘文館.

Turnbull, Stephen 1998 The Samurai sourcebook. London: Arms&Armour Press.

Frederic, Louis 2002 Japan encyclopedia. Cambridge, Mass.: Harvard University Press.