Von Dingen zu Göttern und zurück: Gegenstände als Objekte der Verehrung in der japanischen Religionsgeschichte

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Bernhard Scheid1Von Dingen zu Göttern und zurück Gegenstände als Objekte der Verehrung in der japanischen Religionsgeschichte

Gibt es in Japan ein vom Westen verschiedenes Verhältnis zu von Menschen hergestellten Dingen? Beispiele aus dem Bereich der Religionsgeschichte sprechen dafür. Gegenstände können sich selbständig machen, Gespenster sind vielleicht verwandelte Dinge, in Schreinen werden Spiegel oder Schwerter als höchstes Heiligtum für Alltagsmenschen unzugänglich verwahrt. Die folgenden Beispiele führen in eine Welt, in der „Fetische“, „Götzenbilder“ und vergöttlichte Gebrauchsgegenstände einen selbstverständlichen Teil des religiösen Alltags darstellen.

Hyakkiyako.jpg
1 Parade der Hundert Geister
Die hier abgebildete Parade nächtlicher Geister (hyakki yakō) beruht auf dem Glauben an die sogenannten tsukumogami, Geister (yōkai), die aus altem Hausrat (insbesondere bereits hundert Jahre alte Gegenstände) entstanden sind. Die meisten Geister tragen Gegenstände auf dem Kopf, manche scheinen mit ihnen verwachsen. Viele dieser Gegenstände haben einen religiösen Bezug. Es wird daher vermutet, dass auch eine Kritik an „vom Weg abgekommenen“ Mönchen in der Darstellung mitschwingt. Die originale Querbildrolle soll von einem Künstler der Muromachi-Zeit stammen. Die vorliegende Kopie aus dem Zen-Tempel Daitoku-ji ist die älteste heute bekannte Version und wird auf das 16. Jh. datiert. Aus der Edo-Zeit sind zahlreiche spätere Kopien bzw. Varianten des Themas bekannt.
Werk von Tosa Mitsunobu (zugeschrieben) (1434?–1525). Muromachi-Zeit, 16. Jh. Bildquelle: unbekannt.

Ding oder Wesen?

  • mono 物 = Ding
  • mono 者 = Person (waka-mono, Jugendlicher, junges Ding; baka-mono, dummes Ding; yoso-mono, Außenseiter)
    • hito 人 = Mensch
  • mono = Gespenst (mono no ke 物の気; bakemono 化け物)
  • Ō-mono-nushi 大物主, Groß-Mono-Herr = Gottheit
  • Fließender Übergang zwischen (fremder) Person und (animiertem) Gegenstand.

Shintō-Gottheiten

Heutige Praxis

Ambivalenz des Belebt-Unbelebten

Verweise

Verwandte Themen

Fußnoten

  1. Vortrag an der Hochschule für Angewandte Kunst, 10. 10. 2025

Bilder

Quellen und Erläuterungen zu den Bildern auf dieser Seite

  1. ^ 
    Hyakkiyako.jpg
    Die hier abgebildete Parade nächtlicher Geister (hyakki yakō) beruht auf dem Glauben an die sogenannten tsukumogami, Geister (yōkai), die aus altem Hausrat (insbesondere bereits hundert Jahre alte Gegenstände) entstanden sind. Die meisten Geister tragen Gegenstände auf dem Kopf, manche scheinen mit ihnen verwachsen. Viele dieser Gegenstände haben einen religiösen Bezug. Es wird daher vermutet, dass auch eine Kritik an „vom Weg abgekommenen“ Mönchen in der Darstellung mitschwingt. Die originale Querbildrolle soll von einem Künstler der Muromachi-Zeit stammen. Die vorliegende Kopie aus dem Zen-Tempel Daitoku-ji ist die älteste heute bekannte Version und wird auf das 16. Jh. datiert. Aus der Edo-Zeit sind zahlreiche spätere Kopien bzw. Varianten des Themas bekannt.
    Werk von Tosa Mitsunobu (zugeschrieben) (1434?–1525). Muromachi-Zeit, 16. Jh. Bildquelle: unbekannt.

Glossar

Namen und Fachbegriffe auf dieser Seite

  • kami^ Gottheit; im engeren Sinne einheimische oder lokale japanische Gottheit, Schreingottheit (s. jinja), Gottheit des Shintō
  • shintai 神体 ^ heiliges Objekt eines Shintō-Schreins; wtl. „Gottkörper“
Religion in JapanMetalog
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„Von Dingen zu Göttern und zurück: Gegenstände als Objekte der Verehrung in der japanischen Religionsgeschichte.“ In: Bernhard Scheid, Religion-in-Japan: Ein digitales Handbuch. Universität Wien, seit 2001