Von Dingen zu Göttern und zurück: Gegenstände als Objekte der Verehrung in der japanischen Religionsgeschichte
Gibt es in Japan ein vom Westen verschiedenes Verhältnis zu von Menschen hergestellten Dingen? Beispiele aus dem Bereich der Religionsgeschichte sprechen dafür. Gegenstände können sich selbständig machen, Gespenster sind vielleicht verwandelte Dinge, in Schreinen werden Spiegel oder Schwerter als höchstes Heiligtum für Alltagsmenschen unzugänglich verwahrt. Die folgenden Beispiele führen in eine Welt, in der „Fetische“, „Götzenbilder“ und vergöttlichte Gebrauchsgegenstände einen selbstverständlichen Teil des religiösen Alltags darstellen.
Werk von Tosa Mitsunobu (zugeschrieben) (1434?–1525). Muromachi-Zeit, 16. Jh. Bildquelle: unbekannt.
Ding oder Wesen?
- mono 物 = Ding
- mono 者 = Person (waka-mono, Jugendlicher, junges Ding; baka-mono, dummes Ding; yoso-mono, Außenseiter)
- hito 人 = Mensch
- mono = Gespenst (mono no ke 物の気; bakemono 化け物)
- Ō-mono-nushi 大物主, Groß-Mono-Herr = Gottheit
- Fließender Übergang zwischen (fremder) Person und (animiertem) Gegenstand.
Shintō-Gottheiten
- shintai: Wohnort von Gottheiten? Magische Gegenstände mit göttlicher Kraft?
- Spiegel, Schwerter
- anikonische Götterverehrung
- Die Ikonographie der kami
Heutige Praxis
Ambivalenz des Belebt-Unbelebten
Verweise
Verwandte Themen
Fußnoten
- ↑ Vortrag an der Hochschule für Angewandte Kunst, 10. 10. 2025
Bilder
- ^ Die hier abgebildete Parade nächtlicher Geister (hyakki yakō) beruht auf dem Glauben an die sogenannten tsukumogami, Geister (yōkai), die aus altem Hausrat (insbesondere bereits hundert Jahre alte Gegenstände) entstanden sind. Die meisten Geister tragen Gegenstände auf dem Kopf, manche scheinen mit ihnen verwachsen. Viele dieser Gegenstände haben einen religiösen Bezug. Es wird daher vermutet, dass auch eine Kritik an „vom Weg abgekommenen“ Mönchen in der Darstellung mitschwingt. Die originale Querbildrolle soll von einem Künstler der Muromachi-Zeit stammen. Die vorliegende Kopie aus dem Zen-Tempel Daitoku-ji ist die älteste heute bekannte Version und wird auf das 16. Jh. datiert. Aus der Edo-Zeit sind zahlreiche spätere Kopien bzw. Varianten des Themas bekannt.
Werk von Tosa Mitsunobu (zugeschrieben) (1434?–1525). Muromachi-Zeit, 16. Jh. Bildquelle: unbekannt.
Glossar
Religion in Japan, Inhalt
- 一 Grundbegriffe
- Einleitung
- Japan
- Buddhismus:
- Ausbreitung
- Buddh. Lehren
- Shintō:
- Shintō
- Chinesische Einflüsse:
- Yin und Yang
- Zusammenfassung:
- Stereotype
- Weltbild
- 二 Bauten
- 三 Alltag
- Einleitung
- Öffentliche Religion:
- Tempel- & Schreinbesuch
- Glücksbringer
- Opfergaben
- Jahreszyklus
- Volksfeste (matsuri)
- Private Religion:
- Religion und Familie
- Totenriten
- Ahnenkult
- Hausschrein
- Friedhof
- Pilgerschaft
- Religiöse Spezialisten:
- Buddhistische Mönche
- Schreinpriester
- Yamabushi
- 四 Ikonographie
- Einleitung
- Ordnungssysteme
- Buddhas und Bodhisattvas:
- Amida
- Dainichi
- Shaka
- Kannon
- Jizō
- Zornvolle Figuren:
- Myōō
- Wächtergötter
- Populäre Gottheiten:
- Glücksgötter
- Schreingottheiten:
- Shintō-Götter
- Menschen:
- Heilige
- 五 Mythen
- Einleitung
- Mythologie:
- Götter des Himmels
- Götter der Erde
- Jenseits:
- Jenseits
- Geister:
- Totengeister
- Dämonen
- Tiere:
- Imaginäre Tiere
- Verwandlungskünstler
- Symboltiere
- 六 Geschichte
- Einleitung
- Altertum:
- Prähistorie
- Frühzeit
- Nara-Zeit
- Frühe kami-Kulte
- Heian-Zeit
- Saichō
- Kūkai
- Honji suijaku
- Mittelalter:
- Kamakura-Zeit
- Amidismus
- Zen Buddhismus
- Nichiren Buddhismus
- Mittelalterl. Shintō
- Frühe Neuzeit:
- Reichseinigung
- Christentum
- Terauke-System
- Neo-Konfuzianismus
- Kokugaku
- Moderne und Gegenwart:
- Bakumatsu-Zeit
- Staatsshintō
- Neue Religionen
- 七 Essays
- Überblick
- Buddhismus, Asien:
- Arhats in China und Japan
- Vajrapani: Der Feldherr des esoterischen Buddhismus
- Bishamon-ten: Wächter und Glücksgott
- Riesen-Buddhas: Im Kampf gegen die Unbeständigkeit des irdischen Daseins
- Lokale Vorstellungen, Japan:
- Jindō und shintō: Zum Begriffsinhalt des ‚Weges der kami‘
- Ōkuninushi als heimlicher Gegenspieler der Himmlischen Götter
- Religiöse Gewalt in Japan: Blutopfer, Selbstopfer, Menschenopfer
- Regenmachen im vormodernen Japan
- Lieber das Herz in der Hand als die Taube über dem Heer
- Feuer mit Feuer bekämpfen: Der Gehörnte Meister und sein Kult
- Das Butsuzō zui: Ein ‚illustriertes Kompendium der mystischen Gestalten von Buddhas und Kami‘
- Hundert Geschichten: Horrorklassiker aus der Edo-Zeit
- Religion und Politik:
- Die Tenshō-Mission: Beginn einer schwierigen transnationalen Beziehung
- Yasukuni: Der Schrein des ‚friedlichen Landes‘
- Herrigels Zen und das Bogenschießen
„Von Dingen zu Göttern und zurück: Gegenstände als Objekte der Verehrung in der japanischen Religionsgeschichte.“ In: Bernhard Scheid, Religion-in-Japan: Ein digitales Handbuch. Universität Wien, seit 2001